[KuK] Ohne Bild

Ich bin durchaus nicht unsüchtig nach all den Kanälen, die mein Handy bietet.

Aber manchmal bleibt es in der Tasche. Kommt nicht mal für Fotos raus.

Im Theater. Im Ballett. In der Oper. Beim Musical.

Und bei VNV Nation. What a Show!

Advertisements

[KuK] Überraschungsmusik

Heute morgen nahm ich mir die Zeit für einen Espresso am Bahnhof – schon wieder! Der kurze Aufenthalt war aber geplant – ich habe keinen Zug verpasst. Dass ich spät dran war, steht auf einem anderen Blatt, aber da ich eh spät war, visierte ich einen realistischerweise zu erreichenden Zug an.

Und was klang aus dem Telefon des Cafés, als ich meinen Espresso zahlte? Die ersten Töne der ersten Szene am See!

Welcher ersten Szene am See, fragt Ihr? Natürlich Tschaikowskis Schwanensee! Da wurde aus einem (zwar exzellenten, aber eben doch nur einem) Espresso ein ätherischer Genuss!

Nostalgie-Flash

Heute trifft mich die Nostalgie mit Macht. Ich kann gar nicht genau sagen, warum das so ist – es war schon, bevor mein Körper das herrliche Wetter spürte, also noch vor dem Öffnen der Rollladen im Wohnzimmer beim Frühstück.

Zuerst las ich irgendwo den Namen Jan Fedder, landete beim „Großstadtrevier“ und darüber bei „Truck Stop“. Also musste ich mir den Titelsong „Großstadtrevier“ anhören und dann gleich noch „Der wilde, wilde Westen“ und „Ich möcht‘ so gern Dave Dudley hör’n“ hinterher. Im Auto auf der Fahrt zur Arbeit gab es dann die Four Non Blondes mit „What’s up?“, BAP mit „Verdamp lang her“ und Bryan Adams mit „Summer of ’69“. Anschließend neben dem Arbeiten spielten in meinem Kopf, wenn auch nicht hörbar, die Toten Hosen „Hier kommt Alex“, Bon Jovi „In These Arms“ und Aerosmith und RunDMC „Walk This Way“.

Über diese Gedanken lande ich gerade bei Queen – mal mit Bowie bei „Under Pressure“, mal nur Queen mit „I want to break free“. Draußen scheint hell die Sonne in einem blauen Himmel und es könnte jetzt genauso Mitte der 90er sein, andere Musik würde ich da auch nicht im Kopf haben. Seltsam nur, dass ich all diese Musik inzwischen mit dem Autofahren verbinde, obwohl ich damals, als ich die Lieder kennenlernte, noch gar nicht autofahren konnte oder durfte und auch ziemlich sicher bin, dass ich keines der Lieder als Beifahrerin im Auto erstmals hörte. Spannend finde ich auch, dass heute der überwiegende Teil dessen, das ich gerne höre, elektronische Musik ist – aber all diese Nostalgie aus Country, Rock und Punk mit echter Gitarre arbeitet.

Vielleicht ist es der traumhaft sonnig-warme April, der mich gerade sommerlich fühlen lässt, wahrscheinlich kommen bald andere Nostalgie-Tracks mit Macht dazu … die dann auch teils ein bisschen elektronischer sind. Aber nicht alle!

Achtsamkeit mal anders

Im einen oder anderen Umfeld habe ich in letzter Zeit öfters mit dem Begriff und Konzept der Achtsamkeit zu tun gehabt. In der Teezeremonie und ihren Zen-Elementen spielt Achtsamkeit, das Ganz-im-Hier-und-Jetzt-Sein eine Rolle. Ebenso ist es eines der Konzepte, das für den Erhalt mentaler und psychischer Gesundheit in unserem zunehmend ablenkenden Alltag in aller Munde ist. Oft werden da eher ruhige Dinge angeführt, die man tun kann, oder es wird berechtigt empfohlen, den Alltag weniger abgelenkt zu bewältigen.

Für mich hat aber auch etwas mit Achtsamkeit zu tun, das ich am Wochenende gemacht habe. Ich war auf einem Musik-Festival, dem E-Tropolis in der Turbinenhalle in Oberhausen. Ich war allein dort, habe den einen oder anderen mir zuvor fremden Menschen getroffen und Worte mit diesen Menschen gewechselt. Ich habe auch eine Bekannte getroffen, aber die meiste Zeit war ich allein, für mich unterwegs. An der Bar hatte ich durchaus manchmal mein Handy draußen, mit meinem Mann, meinem besten Freund und einer Gruppe von Freundinnen Messages getauscht.

Aber an einer Stelle hatte mein Handy nichts in meiner Hand zu suchen. So richtig gar nichts – bis auf eine kleine Ausnahme, aber dazu komme ich dann noch. Wenn vorne auf der Bühne eine Band ihre Show abzieht, live Musik macht, mit dem Publikum interagiert, dann bleibt mein Handy in der Tasche – im vorliegenden Falle steckte es eher in meiner Strumpfhose, weil ich die Handtasche im Garderobenspind eingeschlossen hatte und den nicht verschließbaren Taschen meiner Band-Sweater-Jacke beim Tanzen kein zuverlässiges Festhalten des Telefons zutraute. Es ist mir recht egal, ob ich (bewusst oder auf dem Weg nach vorne) hinten stehe oder bereits in der ersten Reihe bin: Gehe ich auf ein Konzert, dann nehme ich die Bilder in meinem Herzen mit, nicht auf dem Speicher meines Telefons. Ich brauche nicht zu fotografieren, nicht zu filmen. Ich bin da, ich muss das keinem beweisen, möchte ganz bewusst das Konzert nicht durch CCD-Kamera, Elektronik und Bildschirm betrachten, sondern direkt. Sonst könnte ich es mir gleich auf Youtube oder einer Live-DVD angucken. Wummernde Bässe, Synthie-Melodien, Gesang, dazu eine Show. Um den Song „Primary“ einer meiner liebsten Bands zu zitieren:

„This is live, this is real, this is not a simulation!“

Freilich, auf dem E-Tropolis war nicht alles nach meinem Geschmack. Aber ich habe jedes Konzert, das ich mir angesehen habe, mit allen meinen Sinnen angesehen und angehört, ungeteilte Aufmerksamkeit auf die Bühne: CHROM, die ich zuvor nicht kannte, die ich von recht weit hinten sah und hörte, von denen ich so begeistert war, dass ich sofort die Alben der Band brauchte. Aesthetic Perfection, mit einem unheimlich präsenten, intensiven Sänger, die ich eigentlich nur ansah, um mich für Project Pitchfork und VNV Nation nach vorne zu warten – und dann überwältigt war von der Intensität des Konzerts – obwohl ich dank eines Anschlags meiner Blase auf den Wunsch, das ganze Konzert zu sehen, nicht alles und noch weniger von meinem eroberten Platz in der dritten Reihe sah. Ungeteilte Aufmerksamkeit für die Band, auch wenn ich nicht wusste, was mich erwartete oder vielleicht nur einen Platz vorne suchte, das bin ich meiner Konzert-Erfahrung schuldig.

Selbst wenn es so ausgeht wie bei Nachtmahr, bei denen ich in der zweiten Reihe stand. Nicht, dass ich „Mädchen in Uniform“ nicht lustig und tanzbar fände, aber insgesamt fand ich die Show befremdlich, ein bisschen mehr Charisma und ein bisschen weniger von ihm ablenkende, scheinbar nur zur Zierde und Ablenkung durch Show in verschiedenen Befremdlichkeitsgraden mitgebrachte Tänzerinnen täten meiner Ansicht nach dort gut. Habe ich deswegen auf mein Handy geschaut? Nein! Um mich herum waren Fans der Band, ich war weit vorne. Ich war es ihnen und nicht zuletzt mir selbst schuldig, auch diese Show, die anzusehen ich mich (freilich nicht wegen der Show selbst, sondern um in die erste Reihe zu kommen) entschieden hatte, mit aller Aufmerksamkeit anzusehen.

Bei Project Pitchfork hatte ich dann einen Riesenspaß, denn die Musik ist einfach toll – und war dieses Mal auch nicht so übersteuert und von der Klangqualität her mies, wie das auf dem E-Tropolis 2014 der Fall gewesen ist. Ich habe ganz für mich eine neue Intensität im schon 100mal gehörten „Timekiller“ gefunden und laufe seitdem mit einem Ohrwurm des Liedes durch die Gegend. Und dann war da VNV! So sehr im Hier und Jetzt wie während einer VNV Nation Show bin ich selten, eigentlich fast nie. So war ich schon beim ersten Lied („Retaliate“) in euphorischer Begeisterung am Klatschen, Singen, Tanzen – so sehr, dass eine Frau auf der Außenseite der ersten Reihe sich bei mir beschwerte, ich solle nicht so viel Klatschen, sie stände in der ersten Reihe und sähe nichts. Ich tauschte dann Platz mit ihr – bei einem Konzert, das mich euphorisiert, die Hände unten lassen – das ist indiskutabel. So sehr ich im Konzert aufging, mitsang, bei Beloved eine Achterbahn aus emotionalem Schmerz, heilsamem Heulkrampf und wieder Lächeln erlebte, vollkommen ausgefüllt wurde von Bildern, Tönen, Erfahrungen, von denen mich mein Handy nur abgelenkt hätte, so sehr war meine Platznachbarin offenbar in ihren Ablenkungen gefangen: Hin und wieder konnte ich nicht anders, als das eine helles Chatfenster zeigende Handy in ihrer Hand zu sehen, sie bewegte sich kaum, es berührte sie kaum. Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube nicht, dass es glücklich macht, sich in die erste Reihe warten und dann einen Gutteil des Konzerts mit Starren auf ein Handydisplay zu verbringen, ob nun beim Filmen des Konzerts oder beim Abgelenktsein zu verbringen. Sie wirkte nicht glücklich. Ich war nach den Konzerten glücklich wie in einem Traum, habe kein einziges Bild oder Video von mir oder den Shows, aber ich habe die Erfahrungen der Shows – die tollen wie die befremdlichen – wie eine Ertrinkende das Wasser aufgesogen. Wegen solch intensiver Erfahrungen des Hier und Jetzt bin ich auf Konzerten, auf Festivals.

Auch wenn wir mit Achtsamkeit eher die leisen Tätigkeiten verbinden, in denen wir völlig aufgehen, finde ich, es hat auch mit Achtsamkeit zu tun, in einer intensiven, direkten, lauten Erfahrung so sehr es nur geht aufzugehen.

Ach genau, mein Handy. Einmal während des Festivals hatte ich es während eines Konzerts draußen. Bei „Nova“ von VNV Nation. Aber ich habe nichtmal den Sperrbildschirm aufgehoben. Es ging nur um die Handy-Taschenlampe. Klar, ein Feuerzeug ist romantischer. Aber bei elektronischer Musik ist auch das elektrische Licht an der mitgeführten Unterhaltungselektronik gut dafür. Und so einen intensiven Sternenhimmel wie damals bei „Nova“ auf dem Amphi 2015 in der Lanxess-Arena hätten Feuerzeuge nicht hinbekommen. Das ist dann doch auch mal ein Effekt der modernen Technik.

Euphorie!

Heute in der Mittagspause erreichte mich die Nachricht, die schon als aufregende News für heute um 12:00 angekündigt war …

„Exciting News on Monday at 12:00!“, so kündigte Ronan Harris es an. Meine Mittagspause nutzte ich dazu, Tickets zu kaufen – denn es waren Tourdaten zum neuen Album „Noire“ von VNV Nation sowie Tickets, die in den Verkauf gingen!

Und somit werde ich VNV dieses Jahr viermal sehen: Auf dem E-tropolis im März, in Stuttgart und Frankfurt im Oktober und nochmal im Oktober in Hamburg! Ich bin völlig von der Rolle und durch den Wind, so freue ich mich!

Holidays are coming

Heute früh haben erste Schneeflocken vor dem Fenster ihren Tanz aufgeführt – und auch wenn ich eigentlich keinen Schnee mag, fand ich das doch sehr schön anzusehen. Gestern Abend auf der Heimfahrt, im Dunkel der frühabendlichen Autobahn, da überkam es mich schon plötzlich. Es gibt auf dem Musik-Ordner meines Telefons eine Playlist namens „Pop Christmas“.

Das berüchtigte „Last Christmas“ ist da zwar enthalten, aber meistens skippe ich es mit dem kleinen Schalter am Lenkrad. Die Lieder, auf die ich mich jedes Jahr auf dieser Liste besonders freue, sind andere. Meine Mama hörte manchmal gerne Boney M, daher steckt in Erinnerung an meine Mutter „Feliz Navidad“ drin. Bevorzugt für die Heimfahrt am letzten Arbeitstag ist Chris Rea mit „Driving Home for Christmas“ reserviert, dann hab‘ ich da noch Mariah Careys „All I want for Christmas“ drin.

Aber all das sind nur die „weiteren Songs“ der Liste. Was ich um Weihnachten herum so oft und gerne höre, dass mein Umfeld es nicht nur nicht mehr hören kann, sondern eventuell gar nicht mehr bemerkt, dass es schon wieder läuft, sind zwei Lieder. Einmal ist es Band Aid – also „Do they know it’s Christmas“. Ich liebe diesen Song, erkenne die Einzelstimmen der verschiedenen Sänger und freue mich jedes Mal, wenn es mal im Radio läuft – leider ja deutlich seltener als „Last Christmas“. Ich könnte – nein, das ist falsch – ich könnte nicht nur losheulen, ich tu’s, vor Freude, wenn ich das Lied höre – öfter als man denken sollte. Aber dann ist da noch ein Lied, das mich – oft – noch mehr aus allem heraus holt, als „Do they know it’s Christmas“ das kann. Es ist Melanie Thorntons „Wonderful Dream“. Wenn ich den Track wieder aus der Kiste hole, im Auto auf der Heimfahrt oder generell höre, dann beginnt es für mich, weihnachtlich zu werden. Trotz allen Stresses, trotz aller Veränderung – hat das dieses Jahr früh angefangen. Vor dem ersten Advent, vor dem ersten Dezember.

Und während ich diesen Beitrag schreibe, höre ich die Lyrics von „Wonderful Dream“ im Kopf, höre die Musik, auch wenn das Lied gerade gar nicht läuft, und Tränen laufen über meine Wangen. Es wird Weihnachten!

Tief im Westen

Ein Gänsehaut-Moment. Warum es damals die Live-Version von „Tief im Westen“ oder auch „Bochum“ von Herbert Grönemeyer in meine Sammlung geschafft hat, weiß ich gar nicht mehr genau. Jedenfalls ist es eine Version, die sehr, sehr „live“ ist. Als am Achtziger-Tag auf SWR3 irgendein Grönemeyer-Song im Radio lief, bekam ich Lust auf dieses kaum vier Minuten lange Stückchen „Grönemeyer live“.

Ich kann’s gar nicht genau sagen, warum es so ist. Ich komme nicht aus dem Ruhrpott, in Bochum habe ich zwar Freunde, aber im Grunde genommen keine Beziehung zu der Stadt. Nicht, dass ich den Ruhrpott nicht mögen würde – im Gegenteil! Ich fühle mich dort, ebenso wie im Hamburger Raum, von Menschen, Landschaft und auch Bebauung immer sehr wohl, obwohl meine (durchaus als solche geliebte) Heimat im südwestdeutschen Raum liegt. Der Südwestdeutsche an sich, gleich ob Schwabe oder Badener, ist ja durchaus in seiner klischeehaften Mentalität vom Ruhrpottler verschieden. Dennoch …

Wenn man sich insbesondere bei „Grönemeyer-Live“-Aufnahmen, all diese Atmosphäre, den sympathischen Grönemeyer auf der Bühne, all das vorstellt – dann ist das Wahnsinn. Gänsehaut. Heimat und Hexenkessel; nicht glorifiziert, zumindest nicht für etwas golden Angepinseltes, sondern für’s echt, hässlich, verbaut Sein geliebt und vielleicht doch ein bisschen gerade dafür bejubelt. Eine Art von Heimat, in der der Staub, der Taubendreck auf der Jacke, das Mitgehen in diesem etwas rauen Gefühl des herzlichen Verbundenseins alle gleich macht und zusammenbringt. Ich kann mit rein, in dieses Gefühl, allein, wenn ich Grönemeyer die Zeile „Tief im Westen – wo die Sonne verstaubt!“ jubeln höre. Ist „Jubel“ das richtige Wort? Ja, ich denke schon – vielleicht nicht im Sinne eines Gewinner-Jubelns, aber in Form des Herausrufens eines positiven Verbundenheitsgefühls. Am Ende der Aufnahme ruft Grönemeyer in den Jubel der Fans hinein: „Bangemachen gilt nicht!“ und wenn man die Aufnahme auf Schleife setzt, ist es schwer zu sagen – eigentlich gar nicht – ob das der Auftakt zu „Tief im Westen“ ist oder die Überleitung zum nächsten Lied. In meinem Kopf entstehen da Bilder und Gedanken. Der Welt, in der Am Rand des Strömungsabrisses spielt, habe ich schon lange eine Art „Ruhrpott“ gegeben, aber gestern, beim Hören der Aufnahme, haben sich diese Gedanken verfestigt. Da jubelte eine Tethys-Variante von Grönemeyer auf seine Heimatstadt – in natürlich etwas angepassten, aber letztlich ähnlich liebevoll-despektierlichen Beschreibungen wie Grönemeyer. Auf einem großen Festival, das fast schon am Rand der Stadt stattfindet, die im Sinne des Textes von „Tief im Westen“ Düsseldorf entsprechen soll.

Ja, das ist ein großes Gefühl. Eine Einigkeit über das Schicksal, in das man hineingeworfen ist – der Ort, an dem die Sonne verstaubt, der vor Arbeit ganz grau ist. Wo es egal ist, wer man ist, so lange das Herz zählt – grau macht der Staub sie eh alle, und es sind sie, die nur aus Gier handeln, die vielleicht ein bisschen als Feindbild zählen.

Ob das nun gut und richtig ist, moralisch gesehen, weiß ich nicht. Aber ich bin tief drinnen in dem Gefühl, das mir „Tief im Westen“ vermittelt. Wohlig eingepackt in die Gewissheit, dass das eine Art von Heimat ist. Egal, ob es nun Bochum im wörtlichen oder in einem übertragenen Sinne ist.