Die Schöne und das Biest – das Musical und mein Senf dazu

Ich wollte dem Beitrag schon den Untertitel: „Eine kritische Rezeption“ geben. Das ist aber zu hochgestochen.

Die wichtigste Frage zuerst: Hat es mir gefallen? Ja, es hat mir gefallen, sehr sogar. Das ist aber nicht die ganze Geschichte, sonst wäre dieser Beitrag nicht entstanden. Mir persönlich klingt noch der wundervolle Soundtrack der Neu-Real-Verfilmung von „Beauty and the Beast“ in den Ohren, mit den neuen Liedern „How Does A Moment Last Forever“, „Days In The Sun“ und „Evermore“, die bei der Neuverfilmung im Verhältnis zum Zeichentrickfilm aus den 90ern hinzukamen. Ob es an der Präsentation, an Gewohnheit oder tatsächlich an den Liedern lag, oder vielleicht an allem ein bisschen, kann ich nicht so genau sagen. Dennoch mache ich diese Aussage: Die Wahl, die man bei der Neuverfilmung bezüglich neuer Lieder getroffen hat, war großartig und definitiv besser als die Ergänzungen der Musik, die im Musical im Verhältnis zur Zeichentrick-Vorlage gemacht wurden. Durch „Days In The Sun“ gewinnt „Something There“ gleich eine noch viel intensivere Qualität.

Was mich beim Musical auch noch recht stark irritierte – vor der Pause auch wirklich störte: Die Darstellerin der Belle hatte für mich sehr stark den Flair „ungarische Prinzessin“ oder vielleicht auch der Sarah aus „Tanz der Vampire“, was sich irgendwie mit dem Bild der hübsch-verträumten, belesenen Belle beißt, das in meinem Kopf existiert. Das mag ein persönliches Problem meinerseits sein, aber ich erhebe hier auch nicht den Anspruch einer objektiven Kritik. Was den „Tanz der Vampire“-Eindruck noch mächtig verstärkte, war die Darstellung des Maurice, Belles Vater, die mächtig an die Einstein-Parodie des Professor Abronsius im „Tanz der Vampire“ erinnerte. Da weder auf Film- noch auf Musical-Ebene für mich „Beauty and the Beast“ und „Tanz der Vampire“ auch nur vage zusammengehen, auch wenn ich beide (äh, alle drei) Filme sehr gerne mag, war das für mich wirklich schwierig. Ich habe in einer ersten Reaktion in Form eines Facebook-Posts die Formulierung gewählt, ich hätte in der Pause „wie ein Rohrspatz geschimpft“, und das war wohl auch so. Nach der Pause wurde es besser, viel besser, auch in Habitus und Flair der wichtigsten Darsteller.

Was mir ganz konkret in Essen im Collosseum-Theater und bei der Besetzung der Vorstellung am 29.12. auffiel, waren die schwierigen Lautstärke-Abstimmungen. Das passierte innerhalb einer Stimme, wo (arienhafte) Gesangsparts extrem laut, im selben Lied vorher und hinterher kommende, nahtlos angeknüpfte (rezitativhafte) Gesangspart fast zu leise ankamen. Es passierte auch recht stark zwischen Solist bzw. Duett und Chor, und auch da nicht immer gleich. Insbesondere die Frauenstimmen (Belle, Madame Pottine, Madame de la Grande Bouche) hatten die extremen internen Lautstärkenunterschiede – und beim Lied „Gaston“ waren der Chor und ganz besonders die drei Verehrerinnen Gastons quasi nicht zu hören, während die Abstimmung zwischen Lumière und dem Chor sowie zwischen Madame Pottine und dem Chor in „Sei Hier Gast“ sehr gut war. Am Ende beim Duett jedoch hörte man dann fast nur den Chor, nicht aber Belle und das Biest.

Das klingt nun alles sehr hart, ich weiß. Ich bin keine besonders musikalische Person, Musical ist nicht mein Format, und das schreibe ich hier durchaus zur Relativierung. Ich weiß eben aus „Mamma Mia“, „Tanz der Vampire“ und „König der Löwen“, dass es technisch besser geht. Ich halte dem ganzen auch zugute, dass hier aufgrund des neuen Films das Musical aus den 90ern wieder hervorgeholt wurde und das Ensemble mehr andere Musicals – meiner Vermutung nach den Tanz der Vampire – präsentiert, zudem reisen sie ja noch quer durch Deutschland, kein Theater mehr als eine Woche. Am Ende des Tages hat es mir dennoch sehr gut gefallen und ich hatte Spaß und Freude, habe bei „Wer hätt’s gedacht“, der deutschen Version von „Something There“, sowie bei „Beauty and the Beast“ und dem Finale auch Tränen vergossen. Insgesamt ein gelungener Abend, trotz zu hoher Erwartungen!

Nach dem Musical

Am Donnerstagabend haben wir in Hamburg das Musical „König der Löwen“ besucht. Mit einem sehr ergreifenden Anfangsbild mit „Circle of Life“ und wundervollen, etwas eigenwilligen Kostümen und Bühnenbildern sowie zwei hervorragenden Soli von Nala und Rafiki hat es mir sehr gut gefallen – wenn auch die anderen noch deutlich begeisterter waren. Ich bin eben eher für Ballett und Oper zu haben als für’s Musical. Das ist aber voll in Ordnung so – toll war es auf jeden Fall.

Ein paar Bilder vom nächtlichen Hamburg, von der Elbinsel in Richtung HafenCity habe ich bei der Rückfahrt vom Musical über die Elbe gemacht:

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Die Elbphilharmonie vom Steg bei König der Löwen, bei Nacht.

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Blick auf die Landungsbrücken vom König der Löwen aus.

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Mehr Landungsbrücken bei Nacht.

Viel mehr Bilder wird’s aus Hamburg leider auch nicht geben – naja, leider ist relativ. Ich mache meist wenig Bilder und begeistere mich mehr für die Eindrücke auf meiner Netzhaut.

Auf dem Heimweg mit der S3 nach Neugraben habe ich dann den halben Zug unterhalten. Ich war todmüde und wollte keinesfalls einschlafen auf der Autofahrt von Neugraben nach Horneburg. Also alberte ich, auch um die Tochter unserer Gastgeber ein wenig von „Ich bin müde!“ und „Ich habe Hunger“ und „Mir ist kalt!“ abzulenken. Also brannte ich ein Feuerwerk an Witzen, dummen Sprüchen und Anekdoten ab, von „Als ich schlechte Laune hatte, habe ich mich über das nächste am Straßenrand unbändig gefreut!“ über Wortwitze bis hin zum einfach nur grinsenden Gucken und Lachen. Mehrere Mitreisende schauten zwischen irritiert, betreten, lachend und mit der Zeit etwas verzweifelt, aber das passte dann schon. Meinen Mitreisenden war ich jedenfalls nicht genug peinlich, um sich von mir wegzusetzen – zumindest setzte sich die Tochter meiner Freundin nur zwei Plätze weg und wollte etwas später schon wieder neben mich, aber mein Nebensitzer meinte „Weggegangen, Platz gefangen.“

Wir sind dann auch noch gut angekommen, auch wenn ich auf der Heimfahrt ruhiger wurde. Aber ich war hinreichend wach vom Herumalbern, dass ich nicht müde genug für Sekundenschlaf wurde – und das war ja auch eines der Ziele der Alberei.