Vom Fehlermachen

„Das war falsch, das war falsch, verdammt – das war falsch!“

Metaphorisch, seltener buchstäblich rennen wir im Kreis, die Arme gen Himmel geworfen, da wir etwas „verbockt“ haben. Am besten noch gleich so, dass es ein größerer Personenkreis gesehen hat – und oftmals läuft’s dann auch noch so, dass wir nicht einmal mehr die Initiative haben, weil jemand anderes es merkt und mitteilt!

Ihr kennt das auch? Mies fühlt sich das an, und es nützt überhaupt nichts. Ich habe lang gebraucht, dieses aufwallende Gefühl der Demütigung zu begrenzen. Ich meine, es ist nur ein Fehler. Meist macht nur der, der gar nichts macht, keine Fehler. Es soll zwar nicht so sein, aber nicht selten schleichen sich auch Fehler ein, selbst wenn man sich kontrollieren lässt. Klar, man kann noch gewissenhafter rangehen, oft ist das sogar gar keine schlechte Idee.

Und da fängt es an. Ich lerne aus dem Fehler, beim nächsten Mal gewissenhafter drauf zu schauen. Ich sehe ihn, korrigiere ihn, kommuniziere das korrigierte Ergebnis. Ich renne nicht panisch im Kreis, die Arme hochgeworfen – vielleicht werde ich sogar nur noch rot im Gesicht, weil ich mich schäme, etwas übersehen zu haben. Vielleicht nicht einmal mehr das. Vielleicht lerne ich aus dem Fehler nicht nur etwas über meinen Umgang mit Qualitätssicherung, sondern auch über die Sache, in der ich einen Fehler gemacht habe.

Es heißt nicht, dass ich nicht kritikfähig bin, wenn ich mich von berechtigter oder unberechtigter Kritik nicht mehr persönlich angegriffen fühle. Aus dem interpretierten Angriff, den der Fehler – ob von anderen wahrgenommen oder nur von mir selbst gesehen – auf meine Gewissenhaftigkeit, meine Person darstellt, kann ich Wut auf den Überbringer der Fehler-Botschaft oder auf den Fehlermacher generieren. Ich kann – und sollte – es aber lieber lassen. Denn dass jeder mal Fehler macht, auch manche Fehler wieder macht, ist Fakt. Wut oder Scham machen weder den Fehler noch die Erkenntnis einer Gruppe, dass ich fehlbar bin, wieder rückgängig. Sie behindern mich sogar dabei, weiter zu machen und den Fehler zu beheben, erst recht, weil dann eine übersteigerte Angst vor einem erneuten Fehler hinzukommt.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass eine gute Fehlerkultur eine solche ist, in der man ausruft: „Faszinierend, ich habe einen Fehler gemacht.“ Ich halte das für Utopie. Aber je näher ich an dieses Ideal herankomme, um so weniger beherrschen meine Fehler mein Tun und meine Reflektion über mein Tun, sondern verbessern es.

Ich bin stolz darauf, mich dieser guten Fehlerkultur anzunähern. Langsam, in kleinen Schritten, manchmal auch mit Rückschritten. Aber zumindest bringen mich Fehler im Umgang mit meinen Fehlern weiter – im Umgang mit meinen Fehlern. Das ist doch mal ein Modell für den Umgang mit Fehlern in anderen Dingen als dem Umgang mit Fehlern, nicht wahr?

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Der unvergessliche Blick des Kochs

Am heutigen Karfreitag lud mein Vater in das Restaurant ein, das zu dem Campingplatz gehört, auf dem er wohnt. Das hat sich so eingeschliffen: Da die meisten Familien – so auch die Familien des Manns meiner Schwester als auch die meines Mannes tendenziell zu Ostern eher am Ostersonntag oder Ostermontag was gemeinsam machen, ist der Karfreitag meistens frei. Also konkurriert da niemand miteinander und deswegen funktioniert es super so.

Zum Essen dabei waren der Vater meines Schwagers, ein mit meinem Vater befreundetes Paar, mein Vater, meine Schwester mit Mann und mein Mann und ich. Eine nette kleine Achter-Runde, in der fleißig über alles mögliche geredet wurde. Nun haben wir Schmidts – also mein Vater, meine Schwester und ich – durchaus den Ruf, ein wenig verfressen zu sein. Bei mir hat das etwas nachgelassen – eigentlich – aber durch die massive Lauferei der letzten Wochen ist eben doch wieder Hunger da. Es fing ganz harmlos an.

Erster Gang: Fischplatte. Es gab Octopus, Dorade, Krabbe … und dazu Rosmarin-Kartoffeln. Es war keine kleine Portion, aber nun kein Riesending – dafür unglaublich lecker. Der Koch freute sich, dass mein Vater, meine Schwester und ich (sowie noch einige der anderen) den Fisch bestellten, er bediente selbst. Im Interesse, meine Colitis Ulcerosa nicht anzustupsen, bat ich um „kein Knoblauch, aus gesundheitlichen Gründen“, was auch sofort erfüllt wurde. Der Koch achtete beim Auftragen peinlich darauf, dass seine Bediener mir den richtigen Teller hinstellten. Super war’s, aber mir knurrte noch immer der Magen. Bei bereits jetzt 45 gelaufenen Kilometern diese Woche und einigen Mittagspausen mit Spaziergang, Kaffee und Getränk, aber ohne Essen kein Wunder.

Zweiter Gang: Spaghetti mit Garnelen. Dabei waren auch angeröstete Cherry-Tomaten und leckere Kräuter, wieder wurde peinlich darauf geachtet, das ich den richtigen Teller bekam. Beim zweiten Gang machten schon die ersten nicht mehr mit – genau genommen waren nur noch mein Vater, meine Schwester und ich dabei. Der Koch sah davon ab, den anderen Nachspeise anzubieten, da wir ja noch Hauptspeisen am Essen waren. Reichlich und unheimlich lecker war’s! Aber … naja … wie soll ich sagen …

Dritter Gang: Tagliatelle mit Steinpilzen. Dem Koch entgleisten die Gesichtszüge, als ich bestellte – und meine Schwester mitzog. Eine 1,64-Frau von 56kg (meine Schwester) und eine 1,74-Frau von 65kg (meine Wenigkeit) bestellten das dritte Hauptgericht in Folge. Die anderen bestellten dann ihren Nachtisch – Panna Cotta. Boah, waren die Tagliatelle gut, die Steinpilze waren der Hammer und die sahnige Sauce war schön leicht. Ich bin nicht der große Fan italienischer Hartkäse, aber da war er richtig schön in die Komposition eingebaut, es war richtig, richtig gut. Der Koch grinste, als er die Teller brachte. Er hatte mehr Nudeln darin aufgehäuft als bei den Spaghetti mit Garnelen. Und dann guckte er ziemlich kariert, als er wieder zwei restlos leere Teller abräumen durfte, fragte, ob es schmecke. Ich antwortete – wahrheitsgemäß – mit einem nachdrücklich-begeisterten „Oh ja!“ – und bestellte Panna Cotta. Das brachte ihn dann nicht noch mal aus der Fassung.

Als mein Vater ihm anschließend auf der Toilette begegnete, muss er wohl gemeint haben, er finde es großartig, wie seine Familie essen könne. Aber es war auch super-lecker!

Das Gesicht des Kochs, als ich meinen leeren Teller der Spaghetti mit Garnelen zurückgab und postwendend mein drittes Hauptgericht bestellte, werde ich aber so schnell nicht vergessen.

Durch den Wind

Heute war so ein Tag. Es ist alles nicht besonders schlimm: Ich habe gearbeitet, zuhause war mein Mann für die Fenster-Handwerker da, dann hatte ich noch einen Arzttermin, Vorbereitung zur Entfernung einer tiefsitzenden, verstopften Talgdrüse, bei der der Hautarzt Sorge hatte, sie würde sich bald entzünden und dann würde das Entfernen schwieriger. Morgen fahre ich dienstlich weg – und da ist dann auch Teezeremonie.

Eigentlich alles harmlos? Ja!

Zusammengenommen waren irgendwie zu viele Dinge, die in meinem Kopf herumgeisterten, präsent. Beim Supermarkt, wo wir noch Milch, Butter und was zu knabbern zu Fuß holten, glaubte ich ganz sicher, dass ich meinen Schlüssel irgendwo verlegt hätte. In der Tasche war er nicht – auf dem Band an der Kasse auch nicht. Ich lief noch einmal durch den Markt, klapperte alle Stellen ab, wo ich was aus dem Regal geholt hatte. Mir war noch sehr präsent – und ist es noch immer – dass ich mal vor lauter „durch den Wind“ mein Telefon im Tiefkühlfach gelassen hatte, als ich gefrorenen Blattspinat …

Mein Mann und mein bester Freund ziehen mich noch immer damit auf.

Aber zurück zum Schlüssel. Den ganzen Heimweg war ich nervös. Und wo war er? Dort, wo er hingehört, auf dem Bord neben der Tür. Wo ich ihn unter normalen Umständen nie hinlege. Dieses mal schon. Und dann führe ich dieses Theater auf!

Radikale Maßnahmen?

Den (vorhandenen) aktuellen Anlass für einen Post dieser Thematik werde ich Euch nicht auseinandersetzen, zumal es sich dabei nicht um mein eigenes Problem dreht. Mir kommt nur zur Zeit ein allgemeines Problem bei der Lösung von problematischen Situationen wieder recht deutlich zu Bewusstsein.

Grundsätzlich gibt es im Leben eine ganze Reihe verschiedener Kategorien von Problemen. Kleine Probleme mit klaren Lösungen gibt’s zwar recht häufig, aber um die soll es hier nicht gehen. Das Leben ist sehr komplex und oft spielen ganz verschiedene Aspekte zusammen, die aus einer Menge kleiner Reibereien und Probleme, die allein lässig gelöst oder ertragen werden könnten, einen riesigen Knoten machen. Ganz konkret möchte ich meine Situation anführen: Sechs Jahre lang pendelte ich nach Stuttgart, fast 90 Kilometer eine Strecke, über eine zunehmend dauerverstopfte Autobahn. Dabei lag mein Lebensmittelpunkt weiterhin nahe Karlsruhe, die Arbeit meines Mannes nahe am Wohnort zwischen Karlsruhe und Rastatt. Dazu bin ich eine sehr auf soziale Interaktion gepolte Person, die rausgeht, Leute trifft, viele Leute kennen mag, während mein Mann ein ruhiger Typ ist, dem es eher zuwider ist, wenn zu viele Personen um ihn herum sind. Ganz langsam, schleichend, über ein paar andere Aspekte, die nicht so toll waren, schlichen sich immer mehr ungesunde Mechanismen in die Situation ein. Mein Mann veränderte sich im Unternehmen beruflich und wusste nicht, ob das gut oder schlecht war, ich laborierte zeitweise mit der Colitis ulcerosa herum, eine von mir gewollte Veränderung an anderer Stelle hing ein Jahr lang in der Luft und scheiterte dann. Aufgaben blieben zwangsläufig liegen und stauten sich an, zugleich wurde die Fahrt zur Arbeit nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv immer länger und unentspannter.

Natürlich entwickeln sich in so einer Situation Momente, in denen man den anderen an die Wand klatschen will – für etwas, das einem sonst ganz egal gewesen wäre. Momente, in denen man sich fragt, ob’s allein nicht besser ginge, ob man nicht die Zwänge des Zusammenlebens abschütteln will. Ich habe das nicht getan, und ich wollte es auch nie wirklich. Aber einfacher wär’s an manchen Stellen schon erschienen, entweder spontan die Pendelei ohne neue Option an den Nagel zu hängen oder von der Beziehung weg, zur Arbeit hin zu ziehen. Nur: Das hätte kurzfristig Momente gelöst, aber neue Probleme geschaffen. Ich habe nicht ohne Grund damals meinen Mann geheiratet und nicht ohne Grund mit einer gemeinsam gekauften Wohnung und mehr Bindungen geschaffen. Vor ungefähr zwei Jahren, so genau kann ich das gar nicht sagen, war recht deutlich zu merken, dass ich immer unzufriedener wurde. Oft äußert sich das bei mir in Laune – und Musik. Ein Freund und mein Mann, mit denen ich regelmäßig Mittwochs am PC spiele, waren geschockt von meiner negativen Reaktion auf ein neues Spiel, das wir ausprobierten. Ich reagierte zwischen resigniert und sauer, wollte aber unbedingt dran bleiben. Ich bin noch immer der Ansicht, dass meine Reaktion überinterpretiert wurde, aber die beiden kennen mich schon lange – und nicht nur durch Spiele, sondern auch in vieler anderer Hinsicht sehr gut. Wenn sie eine „schockierende“ Reaktion sehen, dann ist das eine Warnung. Es gab noch mehr. In meinem Kopf vereinigten sich zudem an manchen Stellen Kleinigkeiten, die mein Mann tat (und die eigentlich gar nicht schlimm waren) zu einen vor-sich-hinsingen der Zeile „You know the bed feels warmer sleeping here alone“ aus Kelly Clarksons „Stronger“, weil ich vor lauter Druck das Schöne nicht mehr sehen konnte, all die wichtigen Dinge, die ich aus meiner Beziehung und meinen Freundschaften nehme.

Nun hätte ich aus diesen Momenten, die durchaus nicht wenige waren, einen radikalen Schnitt ableiten können. Zeitweise hätte das vielleicht sogar richtig gewirkt. Es klingt einfach, schafft aber neue Probleme. Meistens kommen solche Probleme aus sich selbst heraus und aus den anderen heraus. Meistens stauen sie sich eine Weile an und lassen sich nicht oder nur mit massivem Kollateralschaden auch auf sich selbst schnell und radikal lösen. Das angesammelte Problem aus vielen kleinen, lösbaren Komponenten, die zu einem verstopfenden, unentwirrbaren Knäuel werden, nimmt man mit sich mit, wenn man es wie den Gordischen Knoten durchschlägt. Die losen Enden verknotet man doch wieder und die Hälfte des Knotens bleibt so unlösbar wie zuvor, durch das nonchalante Wiederverknoten vielleicht sogar noch unlösbarer als der ganze Knoten zuvor.

Liebgewonnenes und für das persönliche Leben und das Umfeld Wertvolles zu erhalten, das man im radikalen Schnitt verlieren würde, kann man aber schaffen. Oft sind die zugrundeliegenden Probleme schwer zu lösen – die Anfangseuphorie nach dem radikalen Schnitt überdeckt sie nur, dann kommen sie wieder. Man sagt ja gerne, dass Menschen doch immer wieder bei demselben toxischen Typus Partner landen, wie oft sie sich auch trennen. Es geht auch nicht darum, den Partner zu ändern, sondern einen nicht toxischen Umgang mit dem Typus Mensch zu finden, mit dem man sich instinktiv gerne verbindet, mit der Art Arbeit, die man gerne und gut macht, und den Hobbies und Freunden, die einem wichtig sind. Das ist unendlich viel schwerer und langwieriger als der radikale Schnitt, aber es ist auch nachhaltiger. Ohne tiefgreifende Analyse und Veränderung des Weges, der in die verfahrene Situation geführt hat, ändert sich nämlich auch nach Trennung nichts. Man wiederholt dann nur. Das Problem an diesen langwierigen, nachhaltigen Veränderungen ist, dass nach Erkennen des Problems erst einmal das Entwerfen von Veränderungen ansteht. Danach kommt das Umsetzen dieser Veränderungen – und insbesondere sich selbst zu verändern ist schwierig und dauert. Nach der Aufbruchsstimmung des erkannten Problems folgt die Ernüchterung: Es dauert, eine adäquate, nicht so viel Pendeln erfordernde Arbeitsstelle zu finden. Es dauert, bequeme und liebgewonnene Schuldzuweisungsmechanismen für eigene Unzulänglichkeiten abzulegen. Oft dauert es sogar, aus der Analyse der Komponenten der komplex-katastrophalen Situation die richtigen Veränderungen abzuleiten, das geht teils in Irrwege, teils ist es schlicht zäh.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn eine Situation über lange Zeit und viele, langsam zusammenkommende Komponenten unerträglich geworden ist, braucht’s eine langfristige Veränderung, die nachhaltig ist. Im ersten Moment mag ein radikaler Schnitt wie die Lösung erscheinen. Wenn der Schnitt Raum für diese Veränderung gibt und man mit dem Verlust all der schönen und wichtigen Dinge leben kann, die einen nicht viel früher abhauen haben lassen, okay. Ansonsten ist es aber die Sache wert, durch das tiefe Tal, durch den Trog zu gehen und gemeinsam mit denen, die einen in das Tal begleitet haben, den anderen Hang wieder zu erklimmen.

Ist ein bisschen wie mit einer Diät oder einem Burnout. Wenn ich über Jahre, vielleicht Jahrzehnte in falscher Weise zu viel gegessen habe oder in toxischer Weise zu viel gearbeitet oder das zu sehr an mich herangelassen habe, wird das nicht mit zwei Monaten Diät oder Psychotherapie, neuen Klamotten oder einem neuen Job gelöst. Die Mechaniken sind weiter in uns drin. Sie werden uns wieder an den Punkt bringen, wenn die Euphorie und die Aufbruchstimmung des Schnitts vorbei sind. Zwei Monate lang nix essen und dann wieder Burger im Vorbeirennen und Berge von Schokolade am Schreibtisch lösen das Problem nicht. Mit Beziehungen, Familie, Arbeit und dem Konglomerat aus Sozialem und Lebenswandel ist es auch nicht anders.

Am Ende des Tages hat man aus der furchtbaren Situation und einem unendlich erscheinenden Tal Automatismen geschaffen, die einen oben halten, wo vorher welche waren, die einen runterzogen. Ich bin heute glücklicher, stärker und zugleich rücksichtsvoller, aber auch besser im Einfordern von Rücksicht als noch vor drei, vier Jahren. Auch das verdanke ich dem Willen zu bleiben und der Scheu vor dem Davonlaufen, die mich ZWANGEN, an mir und meinem Umfeld zu arbeiten. Vielleicht ist dieses Verändern dann doch die radikalere Maßnahme als das Davonlaufen oder Rauswerfen.

2014 … 2017

Zur Zeit vergleiche ich mein aktuell laufendes Jahr oft mit dem Jahr 2014. Die beiden Jahre dazwischen wirkten … anders. In vielerlei Hinsicht kamen sie mir wie ein Übergang vor, eine Zeit, in der ich auf irgendetwas wartete. Es gibt ein paar frappierende Parallelen zwischen den beiden Jahren – also 2014 und 2017:

  • Im Jahr 2014 war ich sehr aktiv beim Laufen, das bin ich 2017 wieder. 440 Kilometer habe ich 2014 absolviert, 2017 sind es bis jetzt fast 500.
  • Im Jahr 2014 habe ich mit einer Kollegin zusammen, die damals Laufanfängerin war, gemeinsam trainiert, parallel dazu aber auch noch mein intensiveres Training durchgezogen. Dieses Jahr ist das wieder so, nur dass der Laufanfänger an meiner Seite nicht eine Kollegin, sondern mein Mann ist.
  • Im Jahr 2014 bin ich zu Beginn angetreten, um „wieder ein bisschen zu laufen“, im Laufe des Jahres und des Trainings entwickelte sich dann der Anspruch, beim Campus Run mitzulaufen an der Uni in Stuttgart, dazu die Ambition, beim Baden-Marathon Halbmarathon zu laufen. Das ist dieses Jahr wieder genau so gewesen.
  • Im Jahr 2014 habe ich erste Experimente mit Intervalltraining gemacht, einer Trainingsform, die ich so vorher und auch in den Jahren 2015 und 2016 nicht praktiziert habe. Dieses Jahr ist Intervalltraining wieder ein wichtiger Bestandteil meiner Pläne.
  • Im Jahr 2014 war durch die Fahrbahnerneuerung auf der Autobahn 5, etwas abseits meiner Strecke, mein Arbeitsweg erheblich behindert. Damals wurde nördlich des Karlsruher Dreiecks gebaut, ich musste oft durch Ettlingen, das Albtal und Busenbach ausweichen. Dieses Jahr ist das ähnlich, nur dass südlich meiner Ausfahrt gebaut wird, nicht nördlich meines letzten Autobahnwechsels.
  • Ebenfalls im Jahr 2014 begann ich, in Sachen Verkehr, Planung, Straßennetz und so weiter, mit Behörden zu kommunizieren. Dieses Unterfangen ruhte zwei Jahre, nun bin ich auch hier mit Bürgeranfragen und dergleichen wieder recht aktiv.
  • Meine Behandlung für die Colitis Ulcerosa wurde 2014 von „nur Mesalazin“ auf „Mesalazin plus Azathioprin“ umgestellt. Im Jahr 2017 ist – hoffentlich für ganz, aber vielleicht auch nur vorerst, die Entwicklung muss man abwarten – Azathioprin wieder aus meinem „Medikamentencocktail“ verschwunden.

In mancher Hinsicht fühlt es sich an, als hätte ich einfach zwei Jahre Pause gemacht und wäre nun wieder zurück auf dem Weg nach vorne, oben oder wie auch immer. Insbesondere wegen des Zusammenkommens so vieler Aspekte, die eben auch nicht nur mit dem Sport, sondern auch dem Pendeln und meinem Körper zu tun haben, erstaunt mich diese Anhäufung von Parallelen. Wahrscheinlich gibt es da noch mehr – aber für den Moment sind mir da keine eingefallen.

Und so sitze ich hier und wundere mich, ob mehr hinter diesem Effekt steckt, oder ob es nur Zufall ist. Klar, Körper und Sport sind korreliert, aber ob nun Staus und mehr Sport ursächlich zusammenhängen, darüber muss ich mir mal Gedanken machen.

Es ist ein bisschen seltsam, so auf die Meta-Ebene zu gehen.

Vorfreude

Am Montag habe ich Urlaub für den Brückentag in Baden-Württemberg eingereicht, nun bastle ich am Plan für das verlängerte Wochenende. Klar, es gibt noch den Sommerurlaub fertig zu planen, da plätschern nun langsam die nötigen Infos rein und bald wird sich das zusammensetzen. Für eine Sushi-Aktion mit guten Freundinnen muss ich auch noch eine neue Terminumfrage starten.

Aber erstmal wird geplant. Wellness – im Sinne des Kofferwortes aus Well-Being und Fitness. Am Donnerstag möchte ich mal wieder einen längeren Lauf machen – nicht auf zweimal gestückelt, sondern über 12, vielleicht 15 Kilometer am Stück. Ich denke daran, die „BÖSE“-Tour zu reaktivieren: Bietigheim, Ötigheim, Steinmauern, Elchesheim und wieder nach Bietigheim zurück. Das hatte ich im Sommer 2014 mal, auch vorher ist das hin und wieder mal passiert. Aber nun war ich schon seit langer Zeit nicht auf dieser Strecke – dabei ist sie wunderschön: Am Schlangenrain von Bietigheim nach Ötigheim, dort dann kurz an der Straße von Ötigheim nach Steinmauern entlang, dann rechts ab durch den Wald, ein Stück über die Felder und am Ortseingang Steinmauern kurz die Straße entlang. Durch ein Wohngebiet rüber, dann über die Felder und durch den Wald, bis an die Straße von Steinmauern nach Elchesheim. Dort gibt es einen netten Fußweg auf der anderen Straßenseite. Durch Elchesheim durch, am Tennisplatz vorbei, am Wasserwerk entlang und dann zurück nach Bietigheim. Meine geliebte „BÖSE“-Tour. Das Akronym ist irgendwie cooler als „MÖBS“ vom MÖBS-Radweg.

Am Freitag möchte ich dann ins Rotherma gehen, vielleicht vorher einen kleinen Lauf durch die morgendliche Kühle im Murgtal, ein bisschen über die Hügel durch den Wald. Die Gegend ist malerisch und wild, da ist mir auch schon öfter mal ein Reh begegnet. Wenn ich es am Donnerstag übertreibe, muss ich zwar vielleicht auf den Lauf dort verzichten, aber nun gut – und danach Sauna, ganz gemütlich, in aller Ruhe – und in der Hoffnung, dass es nicht zu voll ist. Das wird ganz großartig, glaube ich!

Sonnen-Euphorie

In den vergangenen Jahren war für mich die Sonne zwar nicht verboten, aber ich musste doch ein bisschen drauf achten – nicht nur, keinen Sonnenbrand zu bekommen, sondern darüber hinaus nicht zu viel in die Sonne zu kommen. Ich hatte eine gewisse Empfindlichkeit gegen die Sonne, wegen eines Medikaments: dem Immunsuppressor gegen meine Colitis Ulcerosa. Dieses Frühjahr habe ich – in Abstimmung mit meinem Arzt – das Medikament abgesetzt.

Und siehe da: mit Sport, etwas anderer Ernährung und dergleichen geht es mir trotzdem gut. Klar, man achtet immer, wenn Anzeichen von Durchfall da sind, besonders drauf, ob es die Krankheit sein könnte. Wenn es gar nicht geht, muss halt das Immunsuppressivum wieder hochgefahren werden. Aber so lange es währt, werde ich es genießen. Einen Monat bin ich schon ganz „runter“ von dem Medikament, zuvor habe ich ausgeschlichen. Mein früherer Gastroenterologe erklärte, auf der Dosis, die ich seit Januar hatte, wirke das Medikament eigentlich gar nicht. Seit dem hat sich kein Anzeichen meiner Krankheit gezeigt. Klar, hin und wieder denkt man: „Dieses oder jenes Anzeichen … „, aber all das hat sich als normale Fluktuation herausgestellt, wie sie nicht an der Krankheit leidende Personen auch haben.

Un somit darf ich wieder an die Sonne, so lange ich keinen Sonnenbrand riskiere, ich muss mir nicht drei- oder viermal so viele Sorgen machen wie andere Menschen. Ich gucke nach draußen, sehe die Sonne, den klaren, blauen Himmel und denke: „Juhu, nachher gehst Du eine Runde spazieren, eine Runde laufen, spürst die Sonne auf der Haut und nichts, rein gar nichts schmälert den Genuss dieses warmen Gefühls.“ Das ist ein großartiges Gefühl!

Schön ist auch das Wissen, dass ich mit meinem neuen Frühstück das nebenwirkungsfreie, lokal im Darm Entzündungen hemmende Medikament länger an der richtigen Stelle halte – die Haferkleie haben zudem noch den Vorzug, dass sie die Darmschleimhaut-Zellen besser ernähren, weil Butylat-Reste entstehen, welche von den Darmzellen zur Energieerzeugung benötigt werden. Vielleicht hilft das auch, aber insgesamt bin ich auch zuversichtlich, dass ohnehin der Krankheitsverlauf meiner Colitis Ulcerosa – wie das oft mit der Zeit ist – mit zunehmendem Abstand vom Erstausbruch verflacht und ich somit zunehmend weniger – und wenn doch, weniger heftige Probleme damit haben werde.

Und so werde ich nun gleich rausgehen und die Sonne genießen, wenn ich eine Laufrunde um’s Dorf drehe.