I’ve got the Power!

Jeder hat jetzt den Song von Snap! im Ohr, oder? Ich auch – und darauf habe ich natürlich angespielt. Allerdings wollte ich auf etwas anderes hinaus. Ich habe heute mein (sauberes) Rennrad aus der Garage geholt und im Wohnzimmer auf den Ständer gestellt, mit einem Stück Pappe drunter, falls doch Schmutz oder Fett dran gewesen wäre. Dann habe ich ein wenig herumprobieren müssen, aber schlussendlich habe ich es doch geschafft, die linke Kurbel abzumontieren – und schon hatte ich eine linke Ultegra-Kurbel in 172,5mm Länge in der Hand. Die andere, mit Powermeter drin, lag noch in der Schachtel. Diese habe ich dann draufgeschraubt, noch das Kombi-Pedal (Plattform und SPD-Cleat) von der alten auf die neue Kurbel versetzt… und dann ein bisschen die Kurbel gedreht.

Zuerst bekam ich keine Anzeigen, als ich das Ding mit meinem Edge 830 koppelte. Aber das ist kein Wunder: Ich drehte ja nicht schnell und Kraft übte ich auf die Pedale auch nicht wirklich aus. Also führte kein Weg an einer Testfahrt vorbei:

Leistungsmessungs-Testfahrt.

Ich bin ganz angetan, nun einen neuen Messwert zu haben. Ein bisschen werde ich noch damit zu spielen haben, eventuell wird der neue Messwert auch bedingen, dass ich wieder ein „Auto-Lap“, also eine automatische Rundenbilanz nach einem Kilometer Fahrt, auf dem Edge einstelle. Eigentlich fände ich das nämlich sehr interessant, so ein bisschen die Streckenabschnitte nach Leistung, Tempo und Puls zu charakterisieren.

Geschwindigkeit, Leistung, Trittfrequenz, jeweils Momentanwerte.

Vermutlich wird mir auf Dauer nicht reichen, nur die besten 5 Sekunden (heute: 424 Watt), die beste Minute (heute 258 Watt) usw. anzuzeigen, sondern ich werde eine durch längere Mittelung geglättete Kurve wollen. Aber es war ja nur ein erster Test. Ich muss mich dem ganzen erstmal annähern. Auf jeden Fall bin ich begeistert, dass es auf Anhieb funktioniert hat. Nun muss ich nur noch die andere Kurbel auf das andere Rad montieren…

[KuK] Sie sind da!

Vor einiger Zeit habe ich mich entschlossen, dass ich gerne meine Tretleistung auf dem Fahrrad messen möchte. Ich forschte ein bisschen nach und stellte fest, dass das über Pedale und über Kurbelarme geht. Bei den Pedalen gibt es allerdings nur Klick-Pedale zu diesem Zwecke… damals ein Problem für mich, heute, drei Monate später, schon nicht mehr. Was allerdings ein Problem war, war das Klick-System: Ich fahre Shimano-SPD-Klicks, eigentlich ein MTB-System. Dafür gibt’s gab’s keine Leistungsmesserpedale.

Die Situation hat sich also eigentlich geändert: Ich könnte mittlerweile SPD-Klick-Leistungmesser-Pedale mit ANT+-Konnektivität von Garmin kaufen. Aber die sind neu und teuer. Bis auf weiteres freue ich mich erstmal, dass die Powermeter-Kurbelarme links da sind und gucke mal, ob sich das System bewährt – dann denke ich mal über Powermeter-Kurbelarme rechts nach, oder über Powermeter-Pedale, oder auch nicht.

Einmal Ultegra FC-R8000 in 172,5mm und einmal 105 FC-R7000 in 175mm. Ich freue mich wie verrückt und hoffe, dass es beim Einbau keine unerwarteten Probleme geben wird.

Es wirkt…

Im vergangenen Sommer habe ich mir, weil ich insbesondere beim Radfahren, die Herzfrequenzmessung am Handgelenk als ungenau empfand, einen Herzfrequenz-Sensor in Form eines Brustgurtes gekauft. Den habe ich teilweise, später häufig getragen. Durch die genauere Messung schätzt meine Fénix nun auch die Laktatschwelle ab, wenn ich sie hinreichend oft bei meinen Trainings hoch- und runterwärts überstreiche, also vor allem bei Intervallen.

Daten zur Laktatschwelle, die meine Fénix liefert.

Die Daten zur Laktatschwelle beginnen also im Juni, denn ich kaufte mir den Gurt im Juni. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Umstieg vom Mountainbike auf das Rennrad ist nicht zufällig – denn das Problem mit der Messung des Pulses am Handgelenk war bei der Handhaltung am Rennlenker deutlich schlimmer als bei der Handhaltung auf dem geraden Mountainbike-Lenker.

Nach den Daten, die Garmin mir lieferte – meine Fénix, aufgetragen in der Connect-App – sprechen eine deutliche Sprache: Es ging aufwärts, als generellen Trend, nur gelegentlich ein bisschen unterbrochen von kleinen Rückschlägen.

Im Januar und Februar 2021 bin ich viel lang und langsam gelaufen, gar keine Intervalle, höchstens mal Tempoläufe, bei denen eine Schwellenbestimmung durch die Uhr nicht stattfinden kann, weil ich die Schwelle zu selten überstreiche. Ich habe mir die Werte auch in meine Trainingstagebuch-Datei übertragen. Dort nehme ich für Monate ohne Messung jeweils die letzte Messung auf. Außerdem rechne ich aus den Messwerten – Schwellenpuls und Schwellenpace – auch meinen eigenen Leistungschätzer aus: Den Schwellen-Strecken-Puls in Herzschläge pro 100 Meter bei der Schwelle. Deswegen gibt es hier drei eigene Diagramme:

Die Werte, die meine Fénix für die Schwelle schätzt, und meine Leistungsentwicklung anhand meiner eigenen Schätzer sind weitgehend kompatibel, ich scheine also mit der Definition der „Herzschläge pro 100 Meter“, die ich Streckenpuls nenne, scheinbar keinen ganz schlechten Parameter für meine Leistungsentwicklung abgeleitet. Und obwohl ich im Januar und Februar 2021 eher langes, ruhiges Training gemacht habe, ist die Entwicklung offenbar dennoch eine gute in Richtung mehr Tempo, obwohl der Trainingscomputer laufend nach mehr hoch aerober und anaerober Aktivität ruft.

Leistungsverhältnis

Ich fange gerade eine Sportart an – das Inline-Skaten. Radfahren betreibe ich seit einem Jahr wieder, seit einem halben Jahr mit etwas mehr Druck. Das Laufen hat seit vier Jahren einen ambitionierten Charakter. Das definiert gewisse Verhältnisse…

Mir war schon klar, dass es so ist, aber in letzter Zeit fiel mir dann auch auf, dass meine Radfahr-Leistungen hinter dem zurückbleiben, was man vom Laufen her vielleicht erwarten würde. Kunststück: Beim Laufen stecken nicht nur drei Jahre mehr intensives Training drin, eigentlich sogar dreieinhalb, nein, beim Radfahren bremst mich auch noch die tiefsitzende Angst vor dem unerwarteten Geländewagen von rechts. Dem Geländewagen, der mir mit dem Recht der Vorfahrt im Nacken das Knie zertrümmert. Das ist da noch die Angst vor dem in der schnell gefahrenen Kurve wegrutschenden Vorderrad. Beim Skaten bin ich sowieso entsetzlich viel langsamer als die Cracks meiner Sport Löwen Baden, aber das ist ja auch kein Wunder: Die haben viele Tausend, eher Zehntausend Kilometer Skaten intus, ich in den letzten 20 Jahren gerade erst knappe 80. Das spielt eine wesentlich größere Rolle als das noch nicht vorhandene „gute“ Material in Sachen skaten.

Warum betreibe ich eine solche Standortbestimmung? Nun, ganz einfach. Nicht nur, dass mein hiesiger Ko-Autor Manuel auf dem Mountainbike (also gegen deutlich stärkeren Widerstand) auf meiner Arbeitsweg-Strecke schon schnellere Leistungen abgeliefert hat als ich mit dem Rennrad – zumindest auf Stand vor einem Vierteljahr. Ich habe lange nicht mehr diesen Vergleich bemüht, er ist auch müßig, denn die Person, mit der ich mich zu vergleichen habe, ist mein früheres Ich.

Es gibt aber einen weiteren Anlass: Am Freitag gestaltete ich mein Training nach der Arbeit zum Wochenende hin mit einem duathlon-artigen Koppeltraining: 13 Kilometer Laufen, 28 Kilometer Radfahren, 12 Kilometer Laufen. Beim Laufen kam über beide Aktivitäten hinweg ein Schnitt von 5:09 pro Kilometer rum, also knappe 12 km/h, während die Radfahrt bei 24,8 km/h lag. Die Radfahrerei mag nicht unbedingt langsam sein, dem Leistungsniveau, innerhalb einer Multisporteinheit von drei Stunden und 20 Minuten einen Schnitt von fast 12 km/h zu laufen, entspricht sie aber nicht – nein, dafür ist sie eigentlich schwach. Das merkte ein anderer Sportler in meiner Facebook-Laufgruppe an: Er habe sich gewundert, warum ich so langsam radle. Etwas später sah ich, dass er seit Jahrzehnten Rennrad fährt, aber noch nicht so lange läuft – und gerade erst den Halbmarathon in unter einer Stunde laufen kann.

Mein Geschwindigkeitsverhältnis von ca. 1:2 zwischen Laufen und Radfahren spiegelt durchaus wider, dass Laufen meine Sportart ist, seit langem, während das Radfahren mir zwar Spaß macht, aber noch LANGE nicht wieder auf dem Niveau stattfindet wie es das Laufen jetzt tut. Bei anderen ist das Tempo-Verhältnis vielleicht 1:3 sein, also 6:00 pro Kilometer (10 km/h), mit Abweichungen nach „schnell“ bei ambitionierten Wettkämpfen, und eher 30 als 25 km/h beim Radeln.

Dabei kam mir die Erkenntnis, dass viele Sportler nicht „das eine Leistungsniveau“ haben, das für alle Ausdauersportarten gilt. Nein, manche fahren durch Erfahrung, Talent und einschlägiges Training schneller Rad, als das dem allgemeinen Ausdauerfitnessniveau entspricht, laufen aber langsamer als das. Bei mir ist es umgekehrt – und zwar ganz genau deswegen: Laufen trainiere ich sportartspezifisch und ambitioniert seit vier Jahren, Radfahren erst seit einem halben Jahr wieder. Man wird sehen, ob ich mehr Zutrauen zu meinen Bremsen und meiner Reaktionsfähigkeit, einen besseren Instinkt für den richtigen Gang und eine bessere Detailausformung der Radfahrmuskulatur über die nächsten drei Jahre erwerbe.

Allerdings muss ich gestehen: Auch wenn das Laufen schon deutlich ausgereizter ist als Radfahren oder Skaten, zumindest bei mir, bleibt Laufen mein Hauptsport, in dem ich weitaus mehr noch am Optimieren und Formen bin als beim Rest. Denn das ist, so gerne ich es tue, nur Alternativsport. Hauptsport bleibt Laufen, und vermutlich wird man das dann auch immer in den Verhältnissen der erbrachten Leistungen zwischen den verschiedenen Ausdauersportarten sehen.

Campus Run re-iterated

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Der dritte Campus Run der Universität Stuttgart hat am heutigen Donnerstag stattgefunden. Ich war bisher jedes Mal dabei – ich bin wohl die einzige Läuferin, die auf dem Campus Run der Uni Stuttgart bereits VIER Mal angekommen ist. Denn im ersten Jahr, als der Sechser und der Zwölfer nicht parallel liefen, bin ich bei beiden gestartet.

Aber zum aktuellen Jahr: Es ging über eine sehr angenehme Strecke, dieses Mal am MPI in den Allmandring, hinter der Bioverfahrenstechnik vorbei, über die berüchtigte „Wackel-Brücke“ nahe des Internationalen Zentrums der Uni Stuttgart, durch das NWZ (Naturwissenschaftliches Zentrum), an der Keltenschanze vorbei in den Wald und über den Weg hinter der MPA und dem DLR-Gebäude durch die Wohnheime zurück. Für die Zwölfer – angeboten waren zwölf und sechs Kilometer – ging es über zwei Runden, aber das war voll in Ordnung, der Kurs war sehr abwechslungsreich. Absoluter Pluspunkt war, dass wir dieses Mal keine Treppe auf der Strecke hatten, das machte es viel angenehmer.

Nach drei Teilnahmen am „Zwölfer“ des Campus Runs (2014, 2017 und 2018) habe ich auch endlich geschafft, das „Projekt 59:59“ auf der geplanten Veranstaltung zu schaffen. Mit einer Netto-Zeit von 52:38 gewann ich meine Altersgruppe, lag insgesamt auf Platz 4 bei den Damen und trug zudem den berüchtigten „Propeller“, also das Symbol für Radioaktivität für das Team „Fast Neutrons“ über den Campus. Leider war es ein „One Woman“-Team, weil die anderen, die ich angefragt hatte, aus verschiedenen Gründen nicht konnten. Ich schreibe natürlich nicht, dass sie gekniffen haben … würde ich nie machen.

Man merkt dem Campus Run an, dass er nicht nur größer, sondern auch professioneller und organisierter wird, dabei aber immer noch die sympathisch-hochengagierte Note des Hochschulsport-Teams, vor allem von Melanie Haag behalten hat, die zwar nicht die Moderation übernimmt, aber immer ein paar Worte sagt und sich über Resonanz freut.

Ein paar Impressionen hat mein Anfeuer-Team aus meinem Mann und meinem Ko-Autor Manuel auch mitgebracht:

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Zieleinlauf – sprintest Du noch oder fliegst Du schon?

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Ich glaube, es war doch kein Fliegen.

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Nach dem Fliegen kommt das Siegen. Zumindest in der Altersklasse.

Insbesondere lustig war dann auch, dass ich eigentlich nur zum Abholen von Post zu meinem alten Institut lief und dort mitten im Sommerfest landete – und dann fuhr Ko-Autor Manuel meinen Mann und mich, beide per Bahn angereist, noch nach Hause.

Mein Halbmarathon in Mannheim

Gestern Abend bin ich beim 15. SRH Dämmer Marathon in Mannheim den Halbmarathon gelaufen, der von engelhorn sports gesponsert wird. In Mannheim läuft man in die Dämmerung hinein, am Samstagabend, deswegen auch Dämmer-Marathon – Start war um 19:00.

Mein Mann und ich fuhren also um 16:00 Richtung Mannheim los, waren kurz nach fünf dort und begaben uns auf die Parkplatz-Suche. Nachdem ich mich ein bisschen vom üblichen Strom derer gelöst hatte, die möglichst nah an der für den Marathon gesperrten Augusta-Anlage und dem Wasserturm parken wollten, ging es dann auch recht gut. Wir spazierten eine Runde durch Mannheim, Richtung Wasserturm. Auf dem Weg zur Startnummern-Ausgabe traf ich noch eine Bekannte aus meinem Laufladen, die bereits mit Nummer ausgestattet war – eher: Sie sah mich, während ich nach dem genauen Platz für die Startnummern-Ausgabe suchte. Durch die Anleitung hatte ich dann auch recht schnell den Weg gefunden und holte meine Startnummer 6010 ab. Wie ich erst später, als ich schon anhand der dort stehenden Pacemaker meinen Startblock identifiziert hatte, gesehen habe, war der Startblock A2 schon auf die Startnummer gedruckt. Mein Mann und ich machten dann noch einen Treffpunkt aus, trieben uns noch ein wenig im Bereich von Start und Ziel herum, wo gerade noch ein Zehn-Kilometer-Lauf endete. Mein Mann meinte so, als er die Leute bei 1:10 reinkommen sah: „Irgendwann kann ich das vielleicht dann auch mal, so mit 7:00/km so einen Wettkampf über 10 Kilometer laufen.“ Das freute mich, weil das Gefühl eines Wettkampfes kann man nur sehr schlecht jemandem vermitteln, der nur zuschaut. Die Erfahrung ebenfalls zu machen, lässt einen einfacher darüber reden.

Dann allerdings ging’s schon recht schnell in Richtung Startblock, zuerst starteten die Blöcke A0 und A1 mit den richtig schnellen Leuten. Wir A2er sahen diese dann auf der Gegenfahrbahn der Augusta-Anlage, denn der Start ging von Osten am Wasserturm vorbei, um den Wasserturm herum und dann auf die Augusta-Anlage. In Mannheim war viel mehr los als letztes Jahr beim Marathon in Karlsruhe – Samstagabend gibt’s einfach mehr Zuschauer als Sonntagfrüh, und dazu war’s schön warm. Darunter stöhnten viele Läufer, ich nicht so. Ich mag es warm, nur ganz so schwül hätte es nicht sein müssen. An vielen Stellen waren jubelnde Menschen, die alle Läufer anfeuerten, an der Strecke – nach den ersten fünf Kilometern wurde es etwas dünner. Ich hatte mich auf die 1:40:00 eingestellt und versuchte, entsprechend ein Tempo von 4:40 pro Kilometer durchzuziehen. In Analogie zu einem Zitat aus „Jagd auf Roter Oktober“ sagte ich mir angesichts des 4:30er-Schnitts der ersten Kilometer: „Das ist zu schnell, Talianna, zu schnell!“ Doch der 4:30er-Schnitt lief sich einfach besser, ich heftete mich einem asketisch-athletisch wirkenden Läufer mit einem grün-blauen Trikot an die Fersen, der etwa dieses Tempo lief. Auf den Radwegen südöstlich um Mannheim-Seckenheim herum musste ich ihn dann ziehen lassen – aber ich holte ihn wieder ein, denn als wir nach Seckenheim hineinliefen, war sofort Stadion-Atmosphäre. So wie auf den zweiten fünf Kilometern das Publikum dünner geworden war, war es nun plötzlich wieder da. Ich habe den Eindruck, ganz Mannheim-Seckenheim war auf der Straße, feuerte an, hatte Gartenduschen auf dem Gehweg aufgebaut, trommelte, jubelte, las die Namen von den Startnummern und feuerte einen mit Namen an, Kinder ließen sich abklatschen – ein unglaubliches Gefühl, so angefeuert zu werden! Das trug mich, ließ mich teils sogar eher einen 4:20er-Schnitt laufen und so hatte ich meinen „Pacer“ von vorher wieder vor mir, als es über die Seckenheimer Landstraße zurück ins Zentrum von Mannheim ging. Kurz vor dem Einbiegen wieder Richtung Wasserturm begegnete mir ein Marathon-Läufer, der Startnummer nach, der wegen des Wetters und der Auswirkungen auf seine Kraft auch „nur“ Halbmarathon laufen würde. Die letzten zwei Kilometer wurden dann schwer und ich hatte zeitweise eher 4:50 auf der Uhr …

Bis ich um die Kurve im Osten des Friedrichsplatzes kam und die Uhr in Sicht kam: 1:40 und irgendwas stand darauf, und mit allein 4:00 Verzögerung für Startblock A2 war das sehr weit unter der Zeit, die ich unterbieten wollte – angetrieben von diesem unglaublichen Euphorieschub wurden meine Schritte größer, mein Grinsen breiter und ich stürmte in Richtung Ziel und hatte nur noch Worte wie: „Hammer!“ und „Geil!“ und „Boah!“, bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und freute mich wie die Prinzessin der Landstraße!

Ich wusste von meinem Mann, dass die Uhr schon 1:41 gezeigt hatte, als ich unter dem Zielbogen durchlief. Die +4:00 von Startblock A2 wusste ich auch, außerdem hatte es einen Moment gedauert, vom vorderen Drittel des Startblocks bis zur Startlinie zu kommen – Marathons setzen sich behäbig in Bewegung. Ich rechnete also mit 1:37 und ein paar Sekunden …

Und dann schauten wir nach. Im Endergebnis kam heraus: 1:35:53 für den Halbmarathon, Platz 6 bei den Damen insgesamt, Platz 1 in der Altersgruppe 35-39. Zwei ältere Damen in höheren Altersgruppen waren noch vor mir, aber nicht viel.

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Urkunde, Medaille und Startnummer.

Pendelunsicherheit stört – Hobby UND Arbeit

Das Problem am Pendeln über lange Strecke und stark frequentierte Autobahn ist nicht an sich die reine Dauer der Arbeitsstrecke. Es ist vor allem die Unsicherheit der Dauer des Hin- wie auch Rückweges. Wenn sich mal auf die Schnelle der Arbeitsweg in der Zeit verdoppelt, ist das halbwegs harmlos, wenn man eine halbe Stunde oder so zur Arbeit braucht. Man möchte ja eh eine halbe Stunde vor Terminen schon da sein, um sich ein bisschen vorzubereiten. Bei einem Arbeitsweg von einer Stunde oder mehr … da fängt das Ganze schon an, kritisch zu werden. Ähnlich sieht es bei der Rückfahrt aus. Wenn man eine Aktivität nach der Arbeit hat, die man direkt vom Heimweg von der Arbeit ansteuert, will man nicht mehr als etwa eine Stunde in einem Café oder dergleichen überbrücken, bevor man zum Yoga, zum Teezeremonie-Unterricht oder dergleichen weitergeht.

Genau diese Situation mit der starken – auf meiner Strecke zur Zeit besonders starken potentiellen Verlängerung der Fahrzeit ist es, was mir im Moment Probleme bereitet. Wenn ich tatsächlich immer 55 Minuten oder – sagen wir – eine Stunde und zehn Minuten nach Hause bräuchte – oder 45 Minuten nach Karlsruhe – dann wäre das alles ganz einfach zu handhaben. Sicher, es ist immer noch eine Menge verlorene Lebenszeit. Aber es wäre zu handhaben. Auch, wenn ich immer etwa eine Stunde zur Arbeit brauchen würde …

Aber genau das ist es eben nicht. Es gibt eine starke Variabilität nach oben. Diese starke Variabilität nach oben ist in Zeiten von Baustellen oder starken Verkehrsaufkommen noch etwas größer. Ich bilde mir ja gar nicht ein, unter 80 Minuten Heimfahrt einplanen zu müssen, wenn es Freitagabend ist. Diese 50% Erhöhung der Dauer sind ja schon drin. Wenn dann aber mit den recht häufig im starken Freitagsverkehr auftretenden Unfällen plötzlich die VERZÖGERUNG auf der Strecke größer wird als die reine Reisezeit ohne Hindernisse, also man von mehr als einer Verdopplung der Zeit ausgehen muss, und sich das während der ersten paar Minuten der Fahrt noch verschärft – dann sind natürlich Termine nicht zu halten. Genauso sieht es mit dem morgendlichen Starten aus.

In meinem Kopf haben sich dabei zwei Schemata festgesetzt:

  1. Die „Neun-Uhr-Konstante“, mittlerweile eher die „Halb-zehn-Konstante“. Dieses Prinzip geht davon aus, dass wann immer ich losfahre – um sieben, um halb acht oder um acht – die Reisezeit sich immer so anpasst, dass ich erst gegen neun oder in letzter Zeit eher halb zehn auf der Arbeit bin. Früher als kurz nach sechs aufzustehen widerspricht – zumindest auf Dauer – meinem Biorhythmus, ein wenig Tee und eine Schale mit Haferkleien, Magerquark und Heidelbeeren brauche ich schon zum losfahren. Also komme ich, wenn ich das Ganze auf Dauer betreiben will, nicht wirklich vor sieben los. Wenn alles gut liefe, hieße das, um acht auf der Arbeit zu sein. Aber die Zeit und die A8 haben mich gelehrt, dass das nicht funktioniert. Am Ende der Strecke landet man – durch die Verzögerungen und die reine Fahrzeit am Anfang – doch wieder in der Rush-Hour um Stuttgart und die Verzögerung dort ist erheblich größer als eine Viertel- oder halbe Stunde später. Mit dem Ausbau des Porsche-Standorts in Weissach hat sich das ein wenig verstärkt – unter anderem auch zu sehen an der erhöhten Dichte von Porsche-Erzeugnissen auf der A8 um Pforzheim. Diese „Halb-Zehn-Konstante“ frustriert. Man fühlt sich der Verzögerung, die einen bis auf in seltenen Glücksfällen immer gefühlt zu spät kommen lässt, wehrlos ausgeliefert – wann immer man losfährt, es erwischt einen fast immer. Nicht nur, dass diese Mechanik für späten Beginn sorgt, noch dazu kommt man schon in einem Zustand, in dem man erstmal eine Pause braucht, auf der Arbeit an. Keine gute Sache. Langstreckenpendeln ist also nicht gut für die Arbeitsleistung – nicht nur wegen dieses, aber auch aufgrund des „Halb-Zehn-Konstanten“-Prinzips.
  2. Die „konstante Restheimfahrtzeit“. Das ist ein Konzept, das in meinem Kopf Eingang gefunden hat, weil es oft recht wahr ist. Bevorzugt an Freitagen, aber auch sonst erschreckend oft. Wie kommt’s? Man macht gegen 17:00 oder knapp danach Schluss – wenn’s mal wieder auf nach neun nur gereicht hat, auf der Arbeit anzukommen, noch etwas später. Es stehen dann ohnehin meist mindestens 1:10 auf dem Navi für die Heimfahrt – mit der Baustelle bei Rastatt eher 1:25. Aber bei Pforzheim, nach über 20 Minuten Fahrt, stehen erschreckend oft noch immer 1:25 Restfahrzeit auf dem Navi … weil sich an der Restzeit nichts ändert, während die Ankunftsprognose sich immer weiter nach hinten verlagert. Das macht einen dann fertig – insbesondere, weil ganz langsam, über die Fahrt hinweg, schleichend der abendliche Termin zum Laufen, zum Hobby, zum Essengehen oder nur zum irgendwas gemeinsam mit Ehemann und/oder Freunden machen von „machbar“ in „geradeso“ auf „nicht haltbar“ driftet, und der Verkehr zäh, aber nicht stehend ist, so dass man nicht einmal unter vernünftigem Einhalt der Sicherheitsregeln anrufen und die Verspätung ankündigen oder den Termin absagen kann. Das – aber bei weitem nicht nur das – animiert dann dazu, gar keine Abendtermine mehr zu machen, da sie eh nicht klappen oder in Stress ausarten, weil die Heimfahrt so unberechenbar – oder so berechenbar „immer länger als vom Navi prognostiziert“ ist.

Es gibt noch mehr Mechanismen. Aber generell kann ich nach sechseinhalb, fast sieben Jahren Pendeln über A5 und A8 nach Stuttgart sagen: Pendeln über so lange Strecke ist schädlich. Für die Arbeitsleistung, für die Freizeitaktivitäten und für die Gesundheit. Um so wichtiger ist es für mich, zu wissen, dass die Pendelei über diese lange Strecke für mich ein Ende haben wird.