Vom Fehlermachen

„Das war falsch, das war falsch, verdammt – das war falsch!“

Metaphorisch, seltener buchstäblich rennen wir im Kreis, die Arme gen Himmel geworfen, da wir etwas „verbockt“ haben. Am besten noch gleich so, dass es ein größerer Personenkreis gesehen hat – und oftmals läuft’s dann auch noch so, dass wir nicht einmal mehr die Initiative haben, weil jemand anderes es merkt und mitteilt!

Ihr kennt das auch? Mies fühlt sich das an, und es nützt überhaupt nichts. Ich habe lang gebraucht, dieses aufwallende Gefühl der Demütigung zu begrenzen. Ich meine, es ist nur ein Fehler. Meist macht nur der, der gar nichts macht, keine Fehler. Es soll zwar nicht so sein, aber nicht selten schleichen sich auch Fehler ein, selbst wenn man sich kontrollieren lässt. Klar, man kann noch gewissenhafter rangehen, oft ist das sogar gar keine schlechte Idee.

Und da fängt es an. Ich lerne aus dem Fehler, beim nächsten Mal gewissenhafter drauf zu schauen. Ich sehe ihn, korrigiere ihn, kommuniziere das korrigierte Ergebnis. Ich renne nicht panisch im Kreis, die Arme hochgeworfen – vielleicht werde ich sogar nur noch rot im Gesicht, weil ich mich schäme, etwas übersehen zu haben. Vielleicht nicht einmal mehr das. Vielleicht lerne ich aus dem Fehler nicht nur etwas über meinen Umgang mit Qualitätssicherung, sondern auch über die Sache, in der ich einen Fehler gemacht habe.

Es heißt nicht, dass ich nicht kritikfähig bin, wenn ich mich von berechtigter oder unberechtigter Kritik nicht mehr persönlich angegriffen fühle. Aus dem interpretierten Angriff, den der Fehler – ob von anderen wahrgenommen oder nur von mir selbst gesehen – auf meine Gewissenhaftigkeit, meine Person darstellt, kann ich Wut auf den Überbringer der Fehler-Botschaft oder auf den Fehlermacher generieren. Ich kann – und sollte – es aber lieber lassen. Denn dass jeder mal Fehler macht, auch manche Fehler wieder macht, ist Fakt. Wut oder Scham machen weder den Fehler noch die Erkenntnis einer Gruppe, dass ich fehlbar bin, wieder rückgängig. Sie behindern mich sogar dabei, weiter zu machen und den Fehler zu beheben, erst recht, weil dann eine übersteigerte Angst vor einem erneuten Fehler hinzukommt.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass eine gute Fehlerkultur eine solche ist, in der man ausruft: „Faszinierend, ich habe einen Fehler gemacht.“ Ich halte das für Utopie. Aber je näher ich an dieses Ideal herankomme, um so weniger beherrschen meine Fehler mein Tun und meine Reflektion über mein Tun, sondern verbessern es.

Ich bin stolz darauf, mich dieser guten Fehlerkultur anzunähern. Langsam, in kleinen Schritten, manchmal auch mit Rückschritten. Aber zumindest bringen mich Fehler im Umgang mit meinen Fehlern weiter – im Umgang mit meinen Fehlern. Das ist doch mal ein Modell für den Umgang mit Fehlern in anderen Dingen als dem Umgang mit Fehlern, nicht wahr?

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Nicht-Nur-Lauftraining

Was tu ich eigentlich an Training, wenn ich nicht vor die Tür gehe und eine mehr oder minder lange Runde durch Wald, Wiesen und Dorf drehe? Diese Frage habe ich mir gestellt, weil mein „übliches Set“, das inzwischen immer mehr Komponenten gewinnt und auch des öfteren mal variiert wird, mir heute durchaus ein bisschen schwer fällt.

Zunächst einmal: Was heißt bei mir Variieren des üblichen Sets?
Die Variation besteht darin, dass aus dem vollen Set, das ich weiter unten durch Aufzählen beschreiben möchte, manche der Übungen weglasse. An vielen eher normalen Tagen wird’s inzwischen einfach zu viel, was ich mir zusammengebaut habe. Sprich: Es fällt mal der Teil mit den Squats, also den Kniebeugen weg. Manchmal lasse ich auch mal die Liegestützen weg – oder mache nur eine Hälfte dessen, was ich als „mein Set“ bezeichne.

Was also ist dieses ominöse übliche Set, das Talianna sich immer mal wieder – meist zwei oder mehr Male in der Woche – antut?
Zunächst einmal die Einheiten: Ich rechne in Wiederholungen und Atemzügen. Wenn ich etwas halte, dann halte ich es eine gewisse Anzahl von Atemzügen – da die einfach zu zählen sind, ja natürlicherweise beim Ausatmen eine Zahl zu denken oder laut auszusprechen mitnehmen. Wiederholungen sind denke ich klar. Außerdem führe ich das Untenstehende meist zweimal hintereinander aus, mit einer kurzen Pause zwischen dem vollen Set und einer kurzen Pause mittendrin.
Ich versuche es mal in einer Aufzählung:

  • 30 Wiederholungen Kniebeugen/Squats – mit über 90° gebeugten Knien.
  • 40 Atemzüge im Liegestütz stehen – also quasi Planks, nur dass ich meist auf den Händen stehe statt auf den Ellbogen. Das hat keinen tieferen Grund und ich habe es nur aus Gewohnheit bisher nicht in Frage gestellt. Besonderen Wert lege ich darauf, dabei nicht ins Hohlkreuz zu geraten.
  • 40 Atemzüge lang Brücke, wobei die Füße vor dem „Aufstehen“ direkt am Hintern anstehen. Das fällt mir oft besonders schwer, weil meinem rechten Knie nach einem Fahrradunfall mit 17 die letzten ein, zwei Zentimeter beim Beugen fehlen. Ich richte dabei – wie in meiner leider viel zu kurzen Yoga-Episode gelernt – betont mein Becken auf, um die Spannung in den Muskeln am Übergang zwischen Rücken und Po zu spüren.
  • 30 Atemzüge lang Side-Planks, dieses Mal auf dem Ellbogen stehend. Ich bin noch nicht sicher genug in der Übung, um das obere Bein die volle Zeit sicher anzuheben, aber das ist das Fernziel.
  • Weitere 30 Kniebeugen.
  • Weitere 40 Atemzüge Liegestütz halten.
  • Weitere 40 Atemzüge Brücke.
  • Weitere 30 Atemzüge Side-Plank – natürlich je Seite 30 Atemzüge.
  • Abermals 30 Kniebeugen, 40 Atemzüge Liegestütz halten und 40 Atemzüge Brücke.

Dann folgt eine kurze Pause, bevor der zweite Teil des üblichen Sets beginnt:

  • 20 Wiederholungen auf dem Rücken liegend, die Beine über dem Körper – die Beine vorstrecken, dabei die Füße gestreckt lassen – und ganz wichtig: der volle Rücken liegt an der unterliegenden Yoga-Matte an, kein Stück hebt ab. Lieber strecke ich die Beine eher nach oben als vor, als dass ich den Rücken stellenweise abhebe.
  • 30 Wiederholungen Rumpfheber – so gesehen: Ich liege auf dem Bauch und hebe meinen Oberkörper an, nach Möglichkeit so, dass die Rippen abgehoben sind, nehme dabei auch den Kopf in den Nacken, auch die Beine werden abgehoben. Jede Wiederholung wird beim einatmen angehoben, über ausatmen und wieder einatmen gehalten, beim ausatmen abgesenkt und gezählt.
  • 40-50 Crunches nach eigenem Gusto, allerdings nur im Atemrhythmus, ohne oben halten.
  • 10 sauber ausgeführte Liegestützen, bei denen weder „oben“ noch „unten“ der Körper durchhängen oder ein Hohlkreuz entstehen darf – lieber zwei bis drei weniger als unsaubere.

Wie gesagt: An guten Tagen mache ich all das und wieder hole die obige Liste nach dem ersten ein weiteres Mal. Danach reicht’s mir meistens auch erstmal. Das Ganze nutzt mir nicht nur beim Laufen, um mehr Kraft für den Absprung zu haben und den Rumpf stabiler zu halten, es formt auch den Körper in einer mir sehr genehmen Weise. Zudem sehe ich sehr deutlich, dass es meine Rückenschmerzen vom Sitzen am Rechner reduziert hat und dass meine Haltung dadurch gerade, stolzer und schöner geworden ist.

Es mag sein, dass man mehr und anderes machen könnte – aber für mich reicht das. Ich beherrsche das Set noch lange nicht so, dass es mir auch nur vage leicht fallen würde. Das ist immer noch wirklich Arbeit, auch wenn ich es nun etliche Monate praktiziere und dabei teils Wiederholungen oder Zahl der gehaltenen Atemzüge erhöht habe.

Pendelunsicherheit stört – Hobby UND Arbeit

Das Problem am Pendeln über lange Strecke und stark frequentierte Autobahn ist nicht an sich die reine Dauer der Arbeitsstrecke. Es ist vor allem die Unsicherheit der Dauer des Hin- wie auch Rückweges. Wenn sich mal auf die Schnelle der Arbeitsweg in der Zeit verdoppelt, ist das halbwegs harmlos, wenn man eine halbe Stunde oder so zur Arbeit braucht. Man möchte ja eh eine halbe Stunde vor Terminen schon da sein, um sich ein bisschen vorzubereiten. Bei einem Arbeitsweg von einer Stunde oder mehr … da fängt das Ganze schon an, kritisch zu werden. Ähnlich sieht es bei der Rückfahrt aus. Wenn man eine Aktivität nach der Arbeit hat, die man direkt vom Heimweg von der Arbeit ansteuert, will man nicht mehr als etwa eine Stunde in einem Café oder dergleichen überbrücken, bevor man zum Yoga, zum Teezeremonie-Unterricht oder dergleichen weitergeht.

Genau diese Situation mit der starken – auf meiner Strecke zur Zeit besonders starken potentiellen Verlängerung der Fahrzeit ist es, was mir im Moment Probleme bereitet. Wenn ich tatsächlich immer 55 Minuten oder – sagen wir – eine Stunde und zehn Minuten nach Hause bräuchte – oder 45 Minuten nach Karlsruhe – dann wäre das alles ganz einfach zu handhaben. Sicher, es ist immer noch eine Menge verlorene Lebenszeit. Aber es wäre zu handhaben. Auch, wenn ich immer etwa eine Stunde zur Arbeit brauchen würde …

Aber genau das ist es eben nicht. Es gibt eine starke Variabilität nach oben. Diese starke Variabilität nach oben ist in Zeiten von Baustellen oder starken Verkehrsaufkommen noch etwas größer. Ich bilde mir ja gar nicht ein, unter 80 Minuten Heimfahrt einplanen zu müssen, wenn es Freitagabend ist. Diese 50% Erhöhung der Dauer sind ja schon drin. Wenn dann aber mit den recht häufig im starken Freitagsverkehr auftretenden Unfällen plötzlich die VERZÖGERUNG auf der Strecke größer wird als die reine Reisezeit ohne Hindernisse, also man von mehr als einer Verdopplung der Zeit ausgehen muss, und sich das während der ersten paar Minuten der Fahrt noch verschärft – dann sind natürlich Termine nicht zu halten. Genauso sieht es mit dem morgendlichen Starten aus.

In meinem Kopf haben sich dabei zwei Schemata festgesetzt:

  1. Die „Neun-Uhr-Konstante“, mittlerweile eher die „Halb-zehn-Konstante“. Dieses Prinzip geht davon aus, dass wann immer ich losfahre – um sieben, um halb acht oder um acht – die Reisezeit sich immer so anpasst, dass ich erst gegen neun oder in letzter Zeit eher halb zehn auf der Arbeit bin. Früher als kurz nach sechs aufzustehen widerspricht – zumindest auf Dauer – meinem Biorhythmus, ein wenig Tee und eine Schale mit Haferkleien, Magerquark und Heidelbeeren brauche ich schon zum losfahren. Also komme ich, wenn ich das Ganze auf Dauer betreiben will, nicht wirklich vor sieben los. Wenn alles gut liefe, hieße das, um acht auf der Arbeit zu sein. Aber die Zeit und die A8 haben mich gelehrt, dass das nicht funktioniert. Am Ende der Strecke landet man – durch die Verzögerungen und die reine Fahrzeit am Anfang – doch wieder in der Rush-Hour um Stuttgart und die Verzögerung dort ist erheblich größer als eine Viertel- oder halbe Stunde später. Mit dem Ausbau des Porsche-Standorts in Weissach hat sich das ein wenig verstärkt – unter anderem auch zu sehen an der erhöhten Dichte von Porsche-Erzeugnissen auf der A8 um Pforzheim. Diese „Halb-Zehn-Konstante“ frustriert. Man fühlt sich der Verzögerung, die einen bis auf in seltenen Glücksfällen immer gefühlt zu spät kommen lässt, wehrlos ausgeliefert – wann immer man losfährt, es erwischt einen fast immer. Nicht nur, dass diese Mechanik für späten Beginn sorgt, noch dazu kommt man schon in einem Zustand, in dem man erstmal eine Pause braucht, auf der Arbeit an. Keine gute Sache. Langstreckenpendeln ist also nicht gut für die Arbeitsleistung – nicht nur wegen dieses, aber auch aufgrund des „Halb-Zehn-Konstanten“-Prinzips.
  2. Die „konstante Restheimfahrtzeit“. Das ist ein Konzept, das in meinem Kopf Eingang gefunden hat, weil es oft recht wahr ist. Bevorzugt an Freitagen, aber auch sonst erschreckend oft. Wie kommt’s? Man macht gegen 17:00 oder knapp danach Schluss – wenn’s mal wieder auf nach neun nur gereicht hat, auf der Arbeit anzukommen, noch etwas später. Es stehen dann ohnehin meist mindestens 1:10 auf dem Navi für die Heimfahrt – mit der Baustelle bei Rastatt eher 1:25. Aber bei Pforzheim, nach über 20 Minuten Fahrt, stehen erschreckend oft noch immer 1:25 Restfahrzeit auf dem Navi … weil sich an der Restzeit nichts ändert, während die Ankunftsprognose sich immer weiter nach hinten verlagert. Das macht einen dann fertig – insbesondere, weil ganz langsam, über die Fahrt hinweg, schleichend der abendliche Termin zum Laufen, zum Hobby, zum Essengehen oder nur zum irgendwas gemeinsam mit Ehemann und/oder Freunden machen von „machbar“ in „geradeso“ auf „nicht haltbar“ driftet, und der Verkehr zäh, aber nicht stehend ist, so dass man nicht einmal unter vernünftigem Einhalt der Sicherheitsregeln anrufen und die Verspätung ankündigen oder den Termin absagen kann. Das – aber bei weitem nicht nur das – animiert dann dazu, gar keine Abendtermine mehr zu machen, da sie eh nicht klappen oder in Stress ausarten, weil die Heimfahrt so unberechenbar – oder so berechenbar „immer länger als vom Navi prognostiziert“ ist.

Es gibt noch mehr Mechanismen. Aber generell kann ich nach sechseinhalb, fast sieben Jahren Pendeln über A5 und A8 nach Stuttgart sagen: Pendeln über so lange Strecke ist schädlich. Für die Arbeitsleistung, für die Freizeitaktivitäten und für die Gesundheit. Um so wichtiger ist es für mich, zu wissen, dass die Pendelei über diese lange Strecke für mich ein Ende haben wird.

Lokal-Lokal: 76467 Bietigheim

Als Pendlerin auf verhältnismäßig langer Strecke – bis jetzt auf jeden Fall, ab kommendes Jahr immer noch, wenn auch etwas kürzer – bin ich ja der Tendenz nach nicht zu sehr an die Läden und Etablissements in meinem Ort gebunden. Ob mein Supermarkt nun in Rastatt, Malsch oder im heimischen Bietigheim läge, wäre mir eigentlich egal – so lange er nur auf dem Heimweg liegt. Schwere Getränkekästen will man ohnehin nicht zu Fuß schleppen, ob’s nur anderthalb oder acht Kilometer sind. Beim Drogeriemarkt kommt’s auf die Verkehrssituation an, ob mir der in Rastatt oder der in Durmersheim näher liegt. Zumindest im Prinzip.

In der Praxis schaffe ich es meistens nicht, alles auf einmal zu bedenken. Manchmal möchte ich spontan etwas Anderes essen als das, was da ist. Vielleicht brauche ich auch ganz plötzlich neue Creme oder eine neue Zahnbürste. Um mal ein Eis essen zu gehen, abends ein nettes Essen im Restaurant zu bestellen, statt selbst zu kochen oder gemütlich einen guten Kaffee zu trinken, möchte ich eh das Auto nicht herausholen – so sehr ich an’s Autofahren gewöhnt bin. Das ist nicht nur eine ökonomische und ökologische, sondern auch eine Bequemlichkeitsfrage. Richtig toll wäre natürlich, auch zum tanzen gehen nur zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, aber das ist mit meinem Musikgeschmack einfach nicht drin, weil die Clubs in der Stadt liegen und mit Umsteigen nach Hause zu fahren durchaus unentspannt ist, wenn man mitten in der Nacht nach Hause will.

Ich bin nicht sicher, warum ich das zur Zeit so bewusst wahrnehme, aber ich entdecke immer wieder tolle Locations in meinem Heimatort Bietigheim, vor allem, wenn ich ihn spazierengehend erkunde oder einfach irgendwas erledige. So spazierte ich neulich zu meiner Frauenärztin nach Durmersheim – sind ja nur 3,3km und das Wetter war zumindest trocken. Als ich mit dem Rezept in der Handtasche der Bernardus Apotheke sowie der Post für das Abschicken eines Briefs meine Aufwartung machen wollte, war es 14:00, Apotheke und Schreibwarenladen mit integrierter Post machen erst 14:30 wieder auf. Also erinnerte ich mich an den Tipp meiner Schwägerin, dass es ein Café mit eigener Kaffee-Rösterei im Bahnhof gäbe – und siehe da: bei Erbolino bekam ich einen hervorragenden Espresso, ein nettes Gespräch und einen Unterstand gegen den Regenguss, der mich sonst überrascht hätte. Künftig wird’s auch meinen Kaffee von dort geben, denn wenn ich zum Kaffee kaufen einen Spaziergang machen kann und nicht mit dem Auto los muss, ist das ein Stück Lebensqualität. Wenn’s Hunde und Katzen regnet, kann ich immer noch die deutlich kürzere Strecke innerhalb des Dorfes mit dem Auto fahren. Eis essen im Dorf geht ja mit dem Eiscafé Cimino, bald gibt’s neben dem Edeka im Ort wohl auch einen DM. Dann muss ich nicht für eine Dose Creme vom südlichen Ende Bietigheims an das nördliche Ende Durmersheims fahren (was zu Fuß ganz schön weit und damit lang wäre) oder nach Rastatt … All diese Entdeckungen, die ich über mehr Spazierengehen gemacht habe, versüßen mir das Spazierengehen noch weiter. Ja, vielleicht ist tatsächlich sogar der Schrittzähler „schuld“ daran, dass sich das alles gegenseitig verstärkt, kombiniert mit einer gewissen Autofahrmüdigkeit aufgrund des hohen Pendel-Fahrten-Kilometer-Aufkommens.

Ich erlebe hierin eine gewisse Tendenz: Machte das Internet gemeinsam mit Rechnern und Bringdiensten einen zunehmend unabhängig von Vor-Ort-Services, die aufgrund großer Märkte und Ketten ohnehin auf dem Rückzug waren, findet man dank mobilem Internet und das Rausgehen unterstützenden Apps und Gadgets in zunehmendem Maße wieder die lokalen Anbieter – die damit natürlich auch wieder mehr Publikum bekommen und sich somit auch eher wieder rechnen. Ob das nun Pokémon Go ist (das ich nicht spiele), oder ein Fitness-Tracker mit Schrittzähler, wie ich ihn besitze, oder eine intensive Unterstützung von Bewertung und finden lokaler Anbieter bei z.B. Google oder auch Bewertungsplattformen, das mobile Internet kehrt zumindest in mancher Hinsicht die Tendenz um, dass das (feste) Internet einen zuhause oder bei großen, zentralisierten Anbietern landen ließ. Und das, finde ich, ist eine gute Entwicklung. An mir persönlich wie auch generell.

Kaffee … Genuss!

Seit vielen, vielen Jahren trinke ich Kaffee. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich beim ersten Angebot meiner Mutter, mal Kaffee zu probieren, die Brühe zurück in die Tasse spuckte. Damals fand ich Kaffee widerlich – und das geht vielen in meinem Umfeld weiterhin und ihr ganzes Leben so.

Spätestens ab dem Studium allerdings habe ich Kaffee zu schätzen gelernt und trinke gerne Kaffee – nicht nur aus Gewohnheit, sondern oft auch ganz bewusst aus Genuss. Ein gut gemachter Cappuchino, ein würzig-aromatischer Espresso … oder in den Niederlanden ein kultig benamter „Koffie verkeerd“. Zuhause steht eine Siebträger-Maschine mit einer Mühle daneben, damit Kaffee zu machen ist für mich schon ein Ritual. Mit einer guten Bohne, frisch gemahlen … das ist dann schon ein richtiger Luxus.

Allerdings muss man – korrekterweise eher – muss ich aufpassen: Kaffee zu trinken wird schnell zum selbstverständlichen Zwischending, das man nicht mehr bewusst und mit Genuss tut, sondern einfach so, weil halt Kaffee da ist. So habe ich mir – obwohl ich die Bohnenauswahl bei der Bestückung des Geräts nicht ganz so für mich passend finde – recht oft vom Kaffee-Vollautomaten auf der Arbeit einfach eine Tasse Espresso geholt. Nicht, dass die Maschine schlecht wäre, auch die Bohnen sind passabel, aber es ist halt nicht das, was ich haben wollen würde. Dennoch – dauernd stand eine Kaffeetasse vor mir, neben den Früchte- oder Kräutertee-Tassen, die meine Hauptflüssigkeitszufuhr über den Tag bilden.

Nun habe ich den Beschluss gefasst, dass Kaffee für mich künftig Genuss ist. Genuss oder gar nicht. Also habe ich den Kaffeekonsum auf der Arbeit eingestellt – beziehungsweise: Mir ein Limit gesetzt. Zwei Espresso – oder ein doppelter – pro Arbeitstag, nicht mehr. Und auch nur dann, wenn ich es als Genuss empfinde und genau weiß, dass ich das Käffchen nicht „nebenbei“ trinke, während ich was schreibe, programmiere, plane, telefoniere, sondern höchstens eine nette Konversation parallel habe. Achtsamkeit und Kaffee – passt für mich durchaus zusammen. Ein Vorzug ist auch, dass die Koffein-Zufuhr damit sinkt. Damit wird eine mögliche (wahrscheinliche!) Gewöhnung abgebaut und ich werde, wenn ich den Kaffee bewusst des Koffeins wegen trinken sollte, mehr davon spüren. Außerdem habe ich gelesen, dass Koffein zwar aufputscht, aber auch die Durchblutung des Herzmuskels eher negativ beeinflussen kann – also kommt die Reduktion auch dem Ausdauersport entgegen. Dazu kommt die Hoffnung, mit einer kleineren, kontrollierteren und bewussteren Zufuhr an Koffein aus Kaffee, (echtem) Tee und Schokolade, die ja jeweils Genussmittel sind, die Schlafqualität zu verbessern.

Viel Aufhebens um eine kleine Veränderung, deren Dauerhaftigkeit ich noch nicht beschwören würde, nicht wahr?

Erkältung

Eine Erkältung nervt. Nicht nur den Sportler, aber den Sportler insbesondere, da – ob nun nach Trainingsplan oder nach Gusto – das normale Training unterbrochen wird. Es gibt ja eine Menge Faustregeln, Training zu reduzieren – ich versuche meistens, das Training ganz zu lassen und statt des Laufens während der Symptome und mindestens drei Tage – oder lieber nochmal so viele Tage, wie ich Symptome hatte – in der wieder symptomfreien Zeit die Sache ruhig angehen zu lassen. In meinem Umfeld während meines Aufwachsens wurde mir von einer Frau erzählt, der Mutter eines Klassenkameraden, die sich über schwere körperliche Arbeit auf dem Bauernhof trotz Erkältung eine tödliche Herzmuskel-Entzündung eingefangen hatte. Das macht vorsichtig. Es macht ja auch Sinn – Belastung während der Krankheit, egal, ob mit Fieber oder ohne, verlängert das Problem, selbst wenn nichts Schlimmes passiert.

Was mir an der derzeitigen leichten Erkältung – seit Samstag und bei Onlinegehen dieses Beitrages hoffentlich schon wieder abgeklungen – sehr deutlich auffällt: Es haut mich weniger rein. Hinter dieser saloppen Formulierung verbirgt sich die freudige Erkenntnis, dass meine Erkältungssymptome dieses Mal tatsächlich wesentlich schwächer ausgeprägt sind als viele Male davor. Mag sein, dass das ein Ausrutscher nach oben ist. Ich möchte es aber viel lieber als Bestätigung dessen sehen, dass regelmäßiges Sporttreiben die gefühlte Heftigkeit und auch die insgesamte Schwere von leichten Erkältungsinfekten reduziert.

Wie’s ist, ist’s verkehrt

In den letzten Tagen war es heiß und trocken. Ich fand das wunderschön, aber ich habe an vielen Stellen nur Stöhnen über die Hitze gehört. Im verregneten Sommer vergangenes Jahr beschwerten sich die Leute über den Regen in den klassischen Sommermonaten, nur um dann, als der Regen weg war und es im September heiß und trocken wurde, über die Hitze und die vertrocknenden Pflanzen zu beschweren.

Für mich ist das anstrengend. Ich mag die Hitze lieber als den Regen, ganz klar. Schwüle strengt mich auch an. Aber die verschiedenen Witterungen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeiten gehören zum Leben, zum Wechsel der Jahreszeiten, zu der Natur. Bei einem verregneten Sommer von „Wo ist da der Klimawandel“ anzufangen oder sich über jede Witterung zu beschweren, das finde ich etwas anstrengend. Heute Morgen im Radio wurde bekundet, endlich sei die Hitze vorbei. Vor einigen Tagen wurde im selben Radiosender angekündigt, nun käme der Herbst. Dann gibt es da Rudi Carrells „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ (wobei das nicht auf jenem Sender gespielt wurde), und mein Vater spricht von „elf Monaten Winter“, die wir hier in Deutschland hätten.

Im Moment hoffe ich auf „gutes Wetter“ für Donnerstag, wenn ich meinen Laufwettkampf habe. Was ist da dann „gutes Wetter“? Vermutlich gibt es darauf eine Fülle von Antworten. Meine ist: „Kein Gewitter, kein Regen wie aus Eimern, Temperaturen irgendwo zwischen 10°C und 35°C, wenn’s sein muss, dürfen’s auch 5°C bis 40°C sein“. Ich bin da recht genügsam. Ich fand heute morgen den Regen wunderschön, und er wurde durch die Abwechslung schöner, die er brachte. Aber wenn’s Ende der Woche oder vielleicht auch vor allem im August wieder zwei Wochen, drei Wochen lang heiß und trocken wird, bin ich auch sehr glücklich. Im Winter mag ich den Schnee vor allem deswegen nicht, weil ich pendle, eigentlich finde ich ihn wunderschön. Einzig ein bisschen nervig finde ich, wenn es wirklich SEHR kalt ist, denn ich hasse es, zu frieren.

Ich bin also auch nicht so genügsam, wie ich gerne wäre. Aber im Grunde halte ich es für eine Qualität an sich, das Wetter in seinen stabilen und wechselhaften Phasen so gut man kann als solches anzunehmen. Es wird nicht anders, nicht besser, nicht schlechter davon, dass man sich mit dem Beschweren drüber runterzieht.