Laufstille

„Tapp-Tapp-Tapp.“

Wenn sich ein Jogger oder ein Läufer von hinten nähert, bemerkt man das. So zumindest die Ansicht einer Menge Leute. Ich allerdings laufe oft einen Vorfuß-Laufstil, bei dem ich auf der Außenseite des Ballens aufkomme, zur großen Zehe hin abrolle und dann damit wieder abspringe. Wenn das halbwegs hinhaut, und ich gut drauf bin, bin ich dabei ziemlich leise. In „Born to Run“ von Christopher McDougall beschreibt dieser diesen Laufstil mit einem sanften Kratzen über den Boden statt eines Aufpralles und Abstoßen.

Wie leise dieser Laufstil, diese Laufstille ist, habe ich heute eindrucksvoll demonstriert bekommen. Einem Paar, das über die Feldwege einen Hund spazieren führte, näherte ich mich auf dem asphaltierten Feldweg von hinten. Sie nahmen immer mehr Breite des Weges ein – kein Problem, wenn niemand kommt. Sie bemerkten mich nicht, mit Absicht taten sie das nicht. Das wurde mir klar, als ich noch etwa fünf Meter entfernt mich mit einem „Guten Morgen!“ bemerkbar machte. Gleich darauf entschuldigte ich mich, ich wollte die beiden nicht erschrecken, hatte sie aber wohl wirklich sehr erschreckt. Etwas ganz ähnliches passierte mir während desselben Laufes noch einmal.

Mir gefällt, dass ich auf meinen FiveFingers so leise laufen kann. Die leise Art des Auftretens zeigt mir, dass ich wenig Stöße auf meinen Bewegungsapparat gebe und auch wenig Energie im Aufprall verbrenne, sondern sie elastisch – und damit leise speichere. Nicht, dass der Schall beim Auftreten die Hauptursache des Energieverlusts ist – aber das Geräusch ist ein Anzeichen, ein Symptom für das Versenken von Energie in Stößen oder in der Dämpfung.

Erkennungszeichen

Als ich heute Mittag von der Arbeit aus eine Runde laufen war, schaute ich nach vollbrachter, kurzer Runde beim Laufladen vorbei, den ich auf dem Weg vom Büro zum Schlossgarten fast unweigerlich passiere. Petar vom rennwerk meinte, er habe mich vorher schon gesehen … er erkenne mich immer, wenn ich vorbeilaufe, an meinem eleganten Vorfußlaufstil mit hoher Schrittfrequenz.

Analog dazu bekannte einer der Läufer vom Lauftreff am vergangenen Sonntag, es sei irritierend, zwischen mir und einem anderen der Läufer zu laufen. Denn er passe sich immer ein bisschen dem Laufstil der Mit-Läufer an – und der andere Läufer macht lange Schritte, kommt auf Mittelfuß oder Ferse auf, dafür ist die Schrittfrequenz deutlich niedriger als bei mir.

Zur Zeit merken also alle irgendwie wieder an, dass ich vorfüßig, mit hoher Schrittfrequenz und eher kurzen Schritten laufe. Im Wettkampf werden auch meine Schritte länger, aber die Schrittfrequenz geht nochmal hoch. Ich laufe also bei 185 bis 200 Schritten pro Minute, auf dem Vorfuß und mit verhältnismäßig kurzen Schritten, und das wird so auch von den anderen bemerkt. Mir war gar nicht so sehr bewusst, wie augenfällig das ist und wie verhältnismäßig selten. In dieser Hinsicht hat mich natürlich rot werden lassen, dass einer meiner Lauftreff-Kameraden anmerkte, er habe noch nie einen langsamen Vorfußläufer erlebt, und ich sei da keine Ausnahme. Auch, dass mein Laufstil nicht nur elegant, sondern auch ein Beispiel sei, wie man „richtig“ laufe, wurde mir schon gesagt. Dabei habe ich mir irgendwann nur anhand von Fivefingers, dem Gefühl, so schneller zu sein und der Erkenntnis, dass meine Knöchel und Knie es honorieren, diesen Stil angewöhnt. Da das so aus den Notwendigkeiten heraus war, fühlt es sich gar nicht wie etwas Besonderes an, und doch wird’s als etwas Besonderes honoriert.

Irgendwie komme ich mir da vor, als würde ich Lob abbekommen, das ich so gar nicht verdiene – aber die Leute, die mir diese Dinge sagten, haben viel Erfahrung mit dem Laufen. Mehr jedenfalls als ich. Da scheine ich was richtig zu machen und es gar nicht zu merken! Aber wenn sowas mein Markenzeichen als Läuferin ist, will ich mich nicht beschweren, alles andere als das!

Angelaufen, eingelaufen: Altra Escalante

Vor einigen Wochen habe ich beim rennwerk in Karlsruhe drei neue Paar Schuhe gekauft. Über die Fivefingers muss ich nicht viel sagen, das habe ich in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal getan. Meine Mizuno Waverunner hatte ich auch schon nach Kräften benutzt, und auch wenn ich die Wave-Platte liebe, sich neue Waverider zu kaufen, war nicht sehr innovativ.

Wie im früheren Beitrag geschrieben, die Escalante fühlen sich ein bisschen wie ein komplementärer Schuh zu der „Linie“ an, die die Waverider und die Fivefingers aufspannen. Abwechslung für die Füße – aber haben sie sich auch in meinem Laufalltag bewährt? Die kurze Antwort ist: Ja! Auf jeden Fall!

Mein Schuh und ich
Der Altra Escalante hat keinerlei Sprengung, die Sohle unter der Ferse ist also exakt so hoch wie die Sohle unter dem Vorfuß. Mir als Vorfuß-Läuferin kommt das sehr entgegen. Zudem ist der Schuh angenehm leicht, was einem dynamischen Laufstil, der von Leichtigkeit, statt von Kraft geprägt ist, auch entgegenkommt. Ein genaues Gewicht gebe ich nicht an – das müsste ich nachschauen und das könnt Ihr selbst. In erster Linie will ich von meinen Erfahrungen berichten – vielleicht mag ja danach jemand den Schuh auch ausprobieren, oder weiß danach ganz genau: „Mit dem Escalante braucht mir keiner kommen!“

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Altra Escalante und Laufstil
Ich konnte bei meinen Tests mit dem Altra Escalante nicht umhin, ihn als Vorfuß-Läufer-Material zu betrachten. Ich kann mir nicht vorstellen, auf diesem Schuh mit der Ferse zuerst aufzukommen, wenn ich nicht gerade im Gehmodus bin. Das stelle ich mir unangenehm vor. Natürlich kommt er einem da ohne Sprengung entgegen. Der Schuh erlaubt nach meinem Dafürhalten größere Schritte als ein Fivefinger und frisst nicht so viel Energie wie eine Dämpfung – wie zum Beispiel das Gel an meinen alten Asics, die ich nicht mehr belaufe, oder die Dämpfung beim Waverider. Insgesamt ein schneller Schuh für mich – der schnellste, den ich bisher gelaufen bin.

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Trainings- und Wettkampftest
Vier Läufe knapp unter oder über zwanzig Kilometer habe ich auf meinen Escalantes bisher intus, dazu ein paar kürzere Strecken. Außerdem hat mein Mann eine Trainingsrunde auf den Escalantes zurückgelegt. Allgemein kann ich sagen: Der Schuh fühlt sich schnell an und ist auch schnell, wie oben beschrieben. Meinen Mann hat er auch mehr zum Vorfußlauf gebracht – auf seinen Mizuno Waves läuft er eher Mittelfuß, bis jetzt. Mein Mann war auch deutlich schneller als normal, als er die Schuhe probierte – und merkte es nicht einmal. Nach dem Training hat er (das erste Mal überhaupt) vom Laufen Muskelkater bekommen – in den Waden. Was ich oben geschrieben habe – schnell und vorfußig – basiert also auf Trainingserfahrungen. Eine andere, ziemlich deutliche Trainingserfahrung war, dass ich ein Ziehen im rechten Mittelfuß hatte, nach den ersten 20 Kilometern auf den Escalantes. Nach einiger Zeit merkte ich, dass dieses Ziehen die charakteristische Zeitstruktur und das Gefühl eines Muskelkaters hatte. „Sehr aktivierend“ nannte Petar vom rennwerk die Escalantes – und das kann ich auch bestätigen. Meine Fivefinger-gestählten Füße machten mir sehr deutlich klar, dass die Gewölbe des Fußes von den Escalantes sehr profitieren – vielleicht nicht mehr, aber mindestens anders, komplementär zu den Fivefingers. Gerade, wenn man sonst eher stilllegende Schuhe trägt – ich habe im Alltag oft Stiefel mit etwas Absatz an – ist der Escalante aus meiner Sicht für den Fuß eine interessante Abwechslung zu einem Fivefinger, um den Fuß zu aktivieren. Mir liegt der Schuh für einen Wettkampf eher als ein Fivefinger, weil ich eben doch nicht jedes Steinchen spüre.

Einziges Manko
Die mitgelieferten Schnürsenkel sind nicht gerade lang – man neigt dazu, den Escalante aufgrund der Kürze der Senkel zu straff zu schnüren, um noch genug Schnürsenkel in der Hand zu haben, um eine Schleife zu binden. Ist aber auch Gewöhnungssache, eben die Schleife mit etwas kürzeren Enden zu binden. Vielleicht habe ich auch nur einen recht hohen Fußrücken.

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Fazit
Nicht zuletzt, da ich auf dem Escalante einen Halbmarathon in für mich selbst überraschend guter Zeit gelaufen bin, liebe ich diesen Schuh. Empfehlen oder abraten kann ich sicher nicht – aber ich kann zumindest sagen: Für jemanden, er mit Fivefingers umgehen kann und Abwechslung sucht, ist das ein toller Schuh! Als Vorfußläuferin würde ich ihn nur anderen Vorfußläufern nahelegen, aber ich kann da nicht aus meiner Haut – wer anders läuft, muss sich Erfahrungen anderer Läufer anschauen. Jedenfalls ist’s mein neuer Lieblingsschuh!

Kaufrausch!

Da ja meine Fivefingers kaputtgeliebt wurden, war ich gestern Schuhe kaufen. Dafür bin ich einer Empfehlung meiner Schwägerin gefolgt, ich habe mich nämlich zum rennwerk in Karlsruhe begeben. Meine zerstörten Fivefingers und meine beanspruchten Mizunos hatte ich natürlich dabei – ebenso wie ein mulmiges Gefühl, dass bestimmt irgendwas über die ganze Zeit hinweg an meinem Laufstil nicht gut gewesen sei, sich vielleicht schleichend schlechter Stil etabliert hätte und so weiter … Es ist eine Weile her, dass ich mit Laufstilanalyse neue Laufschuhe gekauft habe, und so war ich nervös. Wirklich nervös. Vor allem hatte ich Angst, dass ein gegebenenfalls schlechter Stil, den zu korrigieren Arbeit, Einlagen oder sonst etwas erfordert hätte, meine Motivation schmälern würde. So kam ich etwas flatternd in der Rennwerk-Filiale in Karlsruhe an.

Dort grinste mir über die Theke hinweg ein freundliches Gesicht entgegen, der Berater fragte mich nach meinen Laufgewohnheiten, hörte sich an, was ich über mein Laufen zu sagen hatte. Er fragte, wie viel ich laufe – und freute sich, dass ich meine alten Schuhe dabei hatte – zwecks Analyse. Dann beruhigte er mich erstmal: Meine Mizunos standen gerade, die Außenkante war nicht so viel stärker abgelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Er empfahl wieder einen Neutralschuh, kündigte an, mir da einen Vorschlag und einen neuen Mizuno zu bringen und meinte, ich solle mal auf der Bahn für eine video-basierte Laufanalyse mit meinen alten Mizunos laufen. Ich war schonmal sehr beruhigt – schließlich war auf den ersten Blick nichts da, was ich auf meinen letzten 1300 Kilometern offenkundig falsch gemacht hätte. Bei der Laufanalyse bekam ich dann die Ansage, dass mein Laufstil elegant sei, ich schön auf dem Vorfuß und symmetrisch laufe und somit fast schon „weniger“ Schuh als mein bisheriger Mizuno eine gute Idee sei. Bei dieser Gelegenheit kam auch auf, dass „weniger“ Schuh sicher auch gut funktionieren würde, da ich ja durchaus auch mal zwanzig Kilometer auf meinen Fivefingers zurücklege – am Stück. Die Zerstörung der alten Fivefingers ließ meinen Berater auch ein wenig die Braue hochziehen.

Nachdem ich dann eine Neuauflage meiner Mizunos probiert hatte und ein als Alternative hingestelltes Paar von Brooks nicht so gerne mochte, bekam ich noch zwei weitere „Versucherle“: Ein im Aspekt „viel Schuh“ deutlich reduziertes Paar von Mizuno, leichter und direkter als mein altes Paar, und ein Paar Altra Escalante. Was soll ich sagen? Die leichteren Mizunos fühlten sich wie eine Zwischenstufe von den Mizuno Waveriders zu den Fivefingers an, die Altra Escalante waren ein ganz anderes Ding. Ungewohnt, spannend, interessant. Wenn man die Fivefingers und die Mizuno Waveriders nimmt, eine Linie dazwischen zieht, dann lagen die leichteren Mizunos auf dieser Linie – die Altra Escalante spannten mit dieser Linie ein Dreieck auf.

Eigentlich hatte mein Berater Petar mir die Escalante nur als „Versuch“, um Feedback zu bekommen, in die Hand gedrückt. Ich war aber auf Anhieb begeistert – Abwechslung ist nicht, die bisherige Abwechslung zu nehmen und eine Zwischenstufe einzuführen, sondern was ganz Neues hinzuzufügen. Unten seht Ihr dann auch, was ich gekauft habe:

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Mizuno Waverider, Altra Escalante, Vibram Fivefingers – eine Dreieinigkeit für viele neue Kilometer und viel neuen Laufspaß. Ersetzt wurde in folgender Form:

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Alte Fivefingers gegen neue Fivefingers. Simpel, aber richtig und wichtig. Mit ’nem Loch in der Sohle ist auch ein Barfußschuh nicht mehr akzeptabel. Die neuen haben natürlich kein Loch in der Sohle.

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Die alten Mizuno Waves, deren genaues Modell ich nicht mehr weiß, sind nicht ganz so „fertig“ wie die Fivefingers, aber angezählt sind sie definitiv. Deswegen werden die neuen Waveriders, die hier auf den alten draufstehen, sie ersetzen – ziemlich bald, vielleicht sofort.

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Und hier seht Ihr die Neuanschaffung, die mich völlig geflasht hat: Altra Escalante. Beim Test habe ich direkt gemerkt, wie der Schuh meine Gewölbe fordert, was ich sehr wichtig finde – schließlich ist ein intaktes, trainiertes Gewölbe eine wichtige Basis für einen gesunden Fuß, der keine Fehlstellungen entwickelt. Leicht, sprungfreudig und unheimlich wendig fühlen sie sich an, die Escalantes, elegant und schnell. Neben dem nötigen und durch seinen Erfolg glücklich machenden Ersatz meiner bisherigen Laufschuhe durch jeweilige Neuauflagen ist das hier das neue Stück Laufbegeisterung.

Ich bin sehr froh, eine so angenehme Beratung bekommen zu haben und kann, erst recht bei diesem Ergebnis, das rennwerk nur empfehlen!

Aufzug? Treppe!

Wie schon in meiner kleinen Energieberechnung geschrieben, hat auf der Arbeit die Treppe für mich den Aufzug ersetzt. Ich laufe gerne die Treppe hoch. Runter nicht ganz so gerne, aber es wird langsam besser.

Nun habe ich natürlich nachgelesen, was Treppentraining so alles für Vorteile hat. Natürlich ist da der Energieverbrauch, der durch die Hubarbeit größer ist als beim einfachen Gehen. Außerdem kommt man recht schnell in Trainingsbereiche – was auch wieder mit der Hubarbeit zu tun hat. So ganz nebenbei spart es elektrische Energie für den Aufzug, wenn man stattdessen die Treppe nimmt.

Was ich aber viel deutlicher merke und inzwischen auch zum Hauptgrund für die Treppe im Verhältnis zum Aufzug gemacht habe: Es trainiert ganz spezielle Dinge, die Treppe zu laufen – vom Energieverbrauch und der Kondition mal abgesehen. Erstens ist da der Hintern. Klar, man kann Bauch-Beine-Po-Übungen machen und kriegt sicher einen hübsch-knackigen Po davon. Aber die Treppe tut’s auch. Wenn man mal neben dem normalen Pensum an Gehen und vielleicht auch Laufen ein paarmal täglich einige Stockwerke Treppen hochläuft, dann merkt man das. Äh, genau: Muskelkater im Hintern. Das, was man da spürt, sind natürlich Muskeln – und straffe Muskeln sehen doch gerade am Po besser aus als Fettgewebe … egal, ob man ein Mann oder frau eine Frau ist. Zweitens trainieren Treppen die Kraft im Bein und Po, um den Körper anzuheben – übersetzt ist das sowas wie Sprungkraft und bringt einen beim Laufen nach vorne. Ich glaube, mir wird das den Laufstil verbessern und mich schneller und ausdauernder machen, wenn eben auch der Hintern und die ganze Hub-Sprung-Kraft gut ausgebildet ist.

Es gibt bestimmt noch mehr sehr gute Gründe für die Treppe – aber das sind erstmal meine. Mal sehen, ob die schon mehrere Wochen anhaltenden Vorsätze und deren Umsetzung im Bezug auf die Treppe auch wirklich von Dauer sind!