Halbmarathon in Aussicht

Seit wir gestern wieder aus dem Urlaub nach Hause gekommen sind, wird das Ganze mit dem Halbmarathon beim Baden-Marathon irgendwie immer realer. Ich freue mich schon sehr darauf, dass ich das endlich auf die Reihe bekommen werde – genug Anläufe gab es ja durchaus, aber dann kam die Colitis Ulcerosa dazwischen. Nun aber geht es richtig los damit, und bisher war der Darm ruhig, hat sich nicht bewegt in dieser Hinsicht.

Heute habe ich den ersten längeren Lauf durchgezogen, und der macht Hoffnung: 18,92 Kilometer bei 6:02/km und eigentlich nicht unbedingt optimalen, schwül-warmen Wetterbedingungen. Eine Herzfrequenz kann ich nicht angeben, denn den Pulsgurt habe ich daheim gelassen, bin nach Gefühl gelaufen. Anfangs war das recht entspannt, am Ende fühlte es sich doch wieder eher angestrengt an. Vor allem lag der Pulsgurt aber daheim, weil ich gerade ein paar wunde Stellen an der Brust habe und ziemlich sicher bin, dass die (evtl. auch nur „auch“) vom Pulsgurt kommen. Am Ende wurde es gefühlt immer anstrengender und die letzten drei Kilometer wurde ich merklich langsamer. Da ist also noch einiges zu tun. Aber da ich bei der Anmeldung eine Zielzeit von 2:10 für den Halbmarathon angegeben habe, bin ich schon ansprechend nah dran! Nun nur noch am Ende ein paar Meter länger das Tempo von 5:57/km halten, das ich bis Kilometer 16 konstant hatte, dann wird die Sache. Ein bisschen Zeit ist ja auch noch.

Irgendwann muss ich auch mal probieren, was mein Herz zu dem Tempo sagt, denn vom Gefühl her war es bis Kilometer 16 noch nicht „alles, was geht für die Strecke“, nur dann fühlte es sich plötzlich an, als zögen Gummibänder an mir.

Es gibt noch was zu tun – ich bin auf dem Weg.

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BÖSE-Lauf

Was ist ein „BÖSE“-Lauf, werdet Ihr jetzt fragen. Müsste es nicht eigentlich heißen: „böser Lauf“?

Nein. Müsste es nicht. Analog zum „MÖBS“-Radweg, der Muggensturm, Ötigheim, Bietigheim und Steinmauern in einem Rundkurs verbindet, verbindet der BÖSE-Lauf Bietigheim, Ötigheim, Steinmauern und Elchesheim. Einen solchen habe ich soeben mal wieder absolviert – das erste Mal dieses Jahr, ich glaube sogar erstmals seit 2014. Böse ist der Lauf auch nicht – er streift oder durchquert die vier genannten Orte und endet wieder in Bietigheim – geht also von meiner Tür bis wieder zu meiner Haustür. Vierzehn Kilometer sind’s, wenn mich nicht der Übermut reitet, noch etwas dranzuhängen. Das ist heute geschehen – als ich vom Wasserwerk aus wieder auf den letzten 2,5km zurück nach Hause war, merkte ich, dass ich noch weiter laufen wollte. Also drehte ich noch eine Runde zum Handballverein, zur Kirche und dann über den städtischen Bauhof zurück, damit wurden 16,5km aus den 14 der „puren“ BÖSE-Tour.

Auf dem Lauf wurden Erinnerungen wach. Ich kam endlich mal wieder an der Stelle vorbei, wo ich im Jahr 2009 oder 2010 das erste Mal eine längere Strecke in meinem damals noch neuen (bzw. wenn’s 2009 war sogar noch zukünftigen) Wohnort lief und mich prompt verlaufen hatte. Damals gewann ich den Eindruck, dass alle Wege nach Steinmauern führen – beim ersten Mal verlaufen landete ich an der Weggabelung, über die ich heute Steinmauern verlassen habe – nur eben von der dritten Richtung aus, die ich heute ignoriert habe. Dort traf ich damals zwei Frauen, die ihre Hunde ausführten, und musste erstmal fragen: „Welcher Ort ist das? Wie komme ich zurück nach Bietigheim?“ Später habe ich mich noch mehrfach verlaufen – von Ötigheim aus war mein Ziel Elchesheim – ich landete in Steinmauern. Von Bietigheim wollte ich nach Elchesheim – Steinmauern. Einmal wollte ich von Steinmauern eine neue Strecke nach Hause laufen – Steinmauern! Es war immer diese Weggabelung. Nun bin ich diese Weggabelung aus Richtung Bietigheim seit Jahren nicht mehr angelaufen, sondern immer aus dem Ort, also aus Steinmauern gekommen und dann Richtung Elchesheim weitergelaufen – erfolgreich, übrigens, denn ich kam danach wirklich in Elchesheim durch.

Auf dem Weg von Steinmauern nach Elchesheim liegt auch jene kleine Wald-Strecke, sehr gerade, mit weichem Untergrund in der Mitte zwischen den Reifenspuren, auf der ich das erste Mal stärker aus dem Sprunggelenk abspringen übte, damals noch auf meinen alten Asics-Schuhen, die ich seit Jahren nicht mehr anhatte. Inzwischen laufe ich meine Fivefingers und meine Mizuno Waves und bin immer stärker aus dem Sprunggelenk am Laufen, was effizienter und schneller ist. Aber damals habe ich – dank untrainierter entsprechender Muskeln – auf genau dieser Strecke das erste Mal 150 Schritte in dem Laufstil absolviert, der heute mein Standard ist.

Dann kam ich auch an jenem Haus vorbei, das mal meine Rettung war. In Elchesheim, kurz vor dem Tennisplatz, wurde ich mal gerettet. Das kam so: Als ich nach Elchesheim reinlief, aus Richtung Steinmauern, begann es: Darmkrämpfe. Der Puls ging durch die Decke, ich fühlte mich mies. Etwas später ging es wieder. Fünfhundert Meter weiter dasselbe nochmal. Und dann, kurz vor dem Tennisplatz, ging es nicht weiter. Wirklich gar nicht. Es krampfte. Die Leute, die auf dem Hof dort grillten, boten mir an, bei ihnen auf die Toilette zu gehen – und ich schlug ein. Danach ging es mir gut und ich bin danach noch acht Kilometer gelaufen. Diese freundlichen Leute grüßten mich heute wieder von ihrer Terrasse aus. Ob sie sich an mich erinnern, habe ich aber nicht gefragt. Ich habe dieses Haus und seine Bewohner aber in guter Erinnerung.

Es ist schön, spürbar aus dem Schatten meines bisher besten Laufjahres, nämlich 2014, herauszutreten. Es ist schön, all die Erinnerungen auf der BÖSE-Tour wiederzufinden und vielleicht bald neue, hoffentlich nur positive, zu erzeugen.