[KuK] Sturm im Kopf

Mir geht es heute nicht gut, aber immer noch besser als gestern. Ich weiß, dass ich zu Spannungskopfschmerzen neige, deswegen trainiere ich meinen Rücken, meinen Nacken und als Antagonisten noch die Bauchmuskulatur. Ich dehne auch den Nacken und die Schultern regelmäßig…

Aber ich bin auch wetterfühlig, und das leider eben nicht zu knapp. Gestern, mit Sturmtief „Klaus“, hat es mich völlig auf die Bretter geschickt. Schon Mittwochfrüh ging es mir so lala, Donnerstag war dann eine Katastrophe. Heute geht es wieder, und ich hoffe, dass das neue Sturmtief „Luis“ mich nur das Skaten Üben mit meiner Nichte kostet, und nicht einen weiteren Tag im abgedunkelten Schlafzimmer mit rasenden Kopfschmerzen verursacht.

Das einzig Positive, wenn es mich mit der Wetterfühligkeit erwischt, ist eben dieses: Ich WEISS, wo es herkommt. Ich habe meine Empfindlichkeit dahingehend schon reduziert, durch eben das Training, das Dehnen, all diese Dinge. Die kleinen und dauernden Auslöser, wie Stress oder Ärger, Gedanken über das eine oder andere Problem, oder auch langes Sitzen am Rechner sind weitgehend ausgeschaltet. Es wird also besser!

Um so betonter und pointierter wird mir klar: Ja, ich habe die Wetterfühligkeit meines Vaters geerbt. Tiefdruck, besonders Sturmtiefs, sie machen mir Probleme. Aber damit bin ich ja nun wirklich nicht allein!

Gehe zurück auf Los

Eigentlich heißt es ja: „Gehe in das Gefängnis, gehe nicht über Los, ziehe nicht [Betrag] [Spielwährung] ein.“ Wobei es auch eine Karte gibt, mit der man zurück auf „Los“ geschickt wird, im Monopoly.

Zurückgeschickt auf „Los!“ hat mich im April die Verletzung an der Wade. Dass ich nicht laufen konnte, hat mir gezeigt, wie wichtig das Laufen für mich ist. Das Radfahren hilft zwar, die Form zu halten und zu verbessern, es ist ein schnellerer, geeigneterer Weg zur Arbeit als das Laufen. Fünfmal die Woche morgens 20 Kilometer hin und abends 20 Kilometer zurück zu laufen, das ist nicht drin. Aber das Radfahren ersetzt mir nicht das Laufen. Es kann es nicht. Woran ich das merke?

Im April war ich unausgeglichen wie selten. Ich hatte Kopfschmerzen wie schon sehr lange nicht mehr, in Häufigkeit und Intensität. Es hat mich schrecklich gefrustet, nicht laufen zu können. Es war aber auch zum durchdrehen: Ein paar Tage nach dem Tag, an dem es so hart in der Wade zwickte, konnte ich schmerzfrei und symmetrisch gehen, stehen, sitzen. Auch dass beim Liegen im Bett nicht alle Positionen schmerzfrei waren, hatte sich nach vier Tagen erledigt. Ich konnte sogar im Stand Hüpfen, auf den Zehenspitzen wippen, auf der Stelle laufen – aber sobald ich richtig ans Laufen ging, setzte schnell der Schmerz ein. Rechte Wade, vorne, außen, etwa fünf Zentimeter unter dem Knie. Ich konnte danach mit den Fingern den harten, etwas schmerzenden Gewebsstrang, kurz vor der festen Kante des Wadenmuskels, mit dem Finger spüren und feststellen, dass er härter war als auf der anderen Seite – und wehtat. Einschränkungen hatte ich weiter nicht – außer eben beim Laufen.

Aber das Laufen ist – wie ich im April deutlich gemerkt habe – wichtig für mein seelisches, mentales und körperliches Gleichgewicht. Missgestimmt war ich, teils unkonzentriert. Schlafstörungen hatte ich in einer Form, wie ich sie sonst nicht gewohnt bin – und Kopfschmerzen. Die kenne ich, klar, aber nicht in der Häufigkeit und nicht in der Intensität, zumindest schon recht lange nicht mehr.

Daher habe ich im April auch immer mal wieder versucht, ob es wieder ging mit dem Laufen, um danach noch mehr geknickt nach Hause zu kommen und festzustellen: „Geht noch nicht!“ Nachdem dann drei Kilometer gingen, aber es danach eben doch weiter wehtat, habe ich es gelassen – für eine ganze Weile. In der Zeit hatte ich den härtesten und längsten Kopfschmerzanfall der letzten drei Jahre, war gereizt und habe vieles einfach nicht so hinbekommen, wie ich das wollte. Auch die Flucht in das Bauen mit den Klötzchen war nicht zielführend.

Heute morgen ging es wieder. Drei Kilometer habe ich erstmal riskiert, ich wollte testen, was passiert. Ich hätte wohl auch fünf geschafft. Die Wade fühlt sich noch etwas „angefasst“ an, aber eher wie „geheilt, nur noch nicht neu belastet danach“. Wo bei den früheren Versuchen ein Schmerz direkt am Anfang da war und an derselben Stelle blieb, intensiver wurde, war das „angefasste“ Gefühl nach einem Moment da, wurde dann wieder schwächer, ein leichtes Ziehen verlagerte sich zunehmen nach unten in der Wade. Ein Gefühl, wie ich es kenne – aus gesunden Laufzeiten. Auch mein Running Dynamics Pod attestierte mir eine Verbesserung: Die Bodenkontaktzeiten waren wieder symmetrisch zwischen links und rechts, wo ich zuvor aus Schonhaltung und Schmerz 52% der Bodenkontaktzeit auf einem, 48% auf dem anderen Fuß verbrachte. Nun waren’s wieder perfekte 50-50.

Das hinterlässt mich zuversichtlich, mich vorsichtig wieder herantasten zu können. Heute morgen hatte ich echt Angst, gleich wieder Schmerzen zu haben, kam nach kurzer Runde euphorisch nach Hause. Zwar hatte ich nicht die 30-60 Minuten, die ich zuvor großspurig meinem Mann angekündigt hatte, draußen verbracht – aber immerhin 3,2 Kilometer in einem Tempo von knapp schneller als 10km/h. Das klingt nicht viel, aber für einen Neuanfang nach Wochen, in denen langsameres Tempo, kürzere Strecke, und das bei asymmetrischem Laufstil und Schmerzen das einzige war, was ging und was ich vernünftigerweise gelassen hätte, war’s grandios. Ich hoffe, es bleibt bei dieser Tendenz!

…ich bin also wieder da. Auch den Howard-Goldstein-Vortex habe ich verspätet, aber heute dann doch mit einer neuen Folge beglückt. Die über 400 Tage dauernde Serie von „täglich ein Post“ ist futsch. Aber das ist gut so! Nun geht’s von vorne los. Neuanfang, aber nicht bei Null – ein gutes Gefühl.

[KuK] Nicht aufgeben

Wenn ich rechtsseitig Kopfschmerzen habe, in einer gewissen Intensität, ist das in der Regel direkt ein Anfall, der mich ausknockt. Zur Zeit merke ich, dass mir das lange Laufen und die physischen sozialen Kontakte fehlen, und da wird das wieder mehr. Wenn dann noch Kleinigkeiten wie ein fehlfunktionierendes Update des Handies, nach dem dann Garmin Connect nicht mehr richtig funktioniert, parallel zu einem tollen Chatrollenspiel kommt, dann ist da schnell eine auslösende Verspannung da.

Aber ich habe heute beschlossen, nicht aufzugeben. Um sechs bin ich mit Schmerzen aufgewacht. Bis gegen sieben – eine Stunde länger als normal – lag ich im Bett und habe bewusst entspannt, autogenes Training und so. Dann Tee getrunken… und dabei etwas anders gemacht als normal. Ich habe nach EWIGEN Zeiten mal wieder German Bash gelesen. Die „neuen“ Chat-Quotes kamen mir alle bekannt vor, vermutlich kam da lange nichts Neues. Amüsiert habe ich mich trotzdem. Jetzt werde ich den unvollkommenen Laufersatz für den Weg zur Arbeit nutzen – Radfahren – und hoffen, dass frische Luft und Bewegung die Reste der Schmerzen vertreiben.

Ich werde mir zeigen, dass auch rechtsseitige Kopfschmerzen kein Tagesverlust-Urteil sind. Nicht mehr, nämlich. Und dann stampfe ich mit dem Fuß auf. Weil ich erwachsen genug bin, mich nicht unterkriegen zu lassen. Oder auch eher nicht erwachsen genug, was mir persönlich fast lieber wäre.

Einen schönen Freitag wünsche ich Euch allen!

Kompensation

Sport ist für mich eine Leidenschaft – geworden. Vor allem aber erfüllt Sport für mich eine andere Aufgabe, zumindest derzeit. Es geht dabei um Kompensation von Stress. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte ein Tag wie gestern auf der Arbeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Kopfschmerzen geführt. Ich habe die Ansätze gestern deutlich gespürt.

Was gestern los war? Nun… das ist schwer zu schreiben, ohne dass ich konkreter werde, als ich eigentlich darf. Daher entschuldige ich mich hiermit für das Unkonkrete und erkläre es wie folgt: Ich bearbeite seit viel zu langer Zeit zwei (ein wenig) komplexe Verfahren, die leider durch eine Vielzahl an Beteiligten, die aus meiner Sicht teilweise unvernünftig agieren, von „komplex“ zu „unnötig und frustrierend“ verkompliziert werden. Gestern landeten von beiden neue Schritte auf meinem Schreibtisch, dazu war das Timing blöd und eine Sitzung kam auch noch dazwischen. Ich kam also übel verspannt, mit Sitzungskeksen und Kaffee auch noch über den Tag ungut ernährt und frustriert aus dem Büro. Früher war das ein 100%-Ausfall-Urteil für den Folgetag.

Aber es war Dienstag. Ich traf mich also regulär mit meinem Mann nach der Arbeit beim Fitnessstudio in Au am Rhein. Von der Haltestelle in Durmersheim stürmte ich fast vier Kilometer weit in flottem bis schnellem Tempo zum Studio, legte an den meisten Maschinen die obere Grenze des Gewichts auf, das ich normal bewege, und machte überall das Maximum an Wiederholungen, die ich normalerweise mache. An ein, zwei Maschinen war’s auch mehr Gewicht oder waren es auch mehr Wiederholungen als normal auf meinem Plan. Der Frust, die Wut, der Ärger sind kein besonders guter Treibstoff, aber ein ganz passabler Turbolader. Somit powerte ich mich richtig aus, es war richtig anstrengend – mehr als sonst. Als ich dann noch kurz an der Theke bei meinem Mann und der jungen Frau, die Dienstagsabends dort die Theke betreut, auf das Freiwerden der Abduktoren-Maschine wartete, meiner letzten Übung, war schon klar: Der Frust war in Zorn verwandelt worden und der Zorn mit dem Krafttraining verraucht. Auf dem Heimweg – ich zu Fuß, mein Mann auf dem Rad – war’s dann schon wieder ein langsamer Aufbau guter Laune, auch wenn die Themen nochmal aufkamen und ich merkte, mental ist das Ganze noch nicht ganz ausgestanden.

Die Nacht war dann auch nicht ganz so gut wie erhofft, aber die Verspannung, die ich gestern auf der Arbeit schon kommen gespürt hatte und die sich schon nach „Kopfschmerz-Totalausfall“ anfühlte, war weg. Auch jetzt bin ich ein bisschen müde, weil ich unruhig geschlafen habe, auch nicht ganz so locker, wie ich das gerne wäre – aber weit entfernt von einem Kopfschmerz-Anfall. Sport funktioniert also als Kompensation – vorbeugend, um einerseits kontinuierlich ein bisschen Dampf abzulassen, aber auch die Muskeln so zu trainieren, dass sie stark genug sind, um nicht mehr so sehr zu Verspannungen zu neigen. Sport funktioniert aber auch – wie gestern – als Überdruckventil.

…und das ist doch mal was!

Es funktioniert

Gestern und heute war ich auf Dienstreise im schönen Murgtal. Es ging zu einer Besprechung mit den Kollegen und der vorgesetzten Institution nach Gernsbach. Wie das so ist, gibt es manchmal spontane Umplanungen, und wenn einem dann etwas auf die Füße fällt, was jemand anderes geplant hat, das man aber ganz anders gemacht hätte, dann erzeugt das Stress. Konkret ging es um eine Frage, die eine Kollegin – wie ich inzwischen weiß – nicht beabsichtigt eingereicht hatte und von der Tagesordnung überrumpelt wurde. Sie hat diese Frage dann allerdings nicht selbst vortragen wollen, weil sie andere Vorträge hatte – und so fiel mir das am Montag auf die Füße, die Kollegin war allerdings im Urlaub. Die konfusen Infos zum Thema machten es am Mittwoch nicht besser, und so war ich davon gestresst und genervt. Zusammen mit dem langen Sitzen auf solchen Sitzungen und der langsamen Degeneration der Luft in den Räumen macht mich das anfällig für Verspannungen und damit Spannungskopfschmerz.

Also ging ich laufen. Mittwochabend gingen die Kollegen noch eine Stadtführung in Gernsbach machen. Ich hätte mich gerne angeschlossen, aber mir war wichtiger, die Ansätze zu Kopfschmerzen wegzulaufen. Eine Stunde sich der Gesellschaft verweigern ist besser als einen halben Tag Sitzung und soziale Kontakte durch Kopfschmerzen zu verlieren. Ich lief eine Runde den Berg hoch – von 137 auf über 215 Meter in vielleicht zwei Kilometern, dann das Ganze deutlich flacher auf geschotterten Wegen wieder hinunter. Zweimal begegnete ich einem spazierenden Kollegentrio. Dann drehte ich noch einige Kreise durch Gernsbach und begegnete einmal der Stadtführung. Beim Abendessen war ich dann fit. Leider habe ich die Kombination aus den Vortrag Anpassen, dem Essen und Rotwein nicht so gut vertragen – Verdauung und Schlaf waren nicht optimal. Am Morgen noch eine Runde zu laufen – nach einer halben Stunde Extra-Schlaf, weil ich schlecht geschlafen hatte – machte mich dann schön fit.

Da der Vortrag heute war und so lief, wie ich das befürchtet hatte – das Thema war einfach nichts für dieses Forum – bin ich nach Heimkehr noch ein bisschen den Frust darüber weglaufen gegangen und danach waren Laune und Rücken wieder besser. Hoffentlich schlafe ich heute Nacht besser und der Rücken meldet sich nicht zurück.

Aber ich sehe deutlich: Es hilft. Laufen hilft mir, Stress und Verspannung und Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen. Es funktioniert. Und DAS ist gut so!

[KuK] Spazieren

Es gibt Tage, an denen frage ich mich: Sind die Dinge so, wie ich sie mir denke? Laufen hilft gegen meine Kopfschmerzen – im Mittel wohl ja. Der Marathon selbst wohl eher nicht, vielleicht spielen aber auch andere Dinge eine Rolle.

Heute jedenfalls hatte ich das dritte Mal in drei Wochen einen Kopfschmerztag. Das macht mich nachdenklich. Im Büro angekommen, merkte ich: Das geht einfach nicht. Nicht nur ich merkte das, die anderen auch. Ich wälzte komische Gedanken, während ich dann vom Büro quer durch Karlsruhe zum Albtalbahnhof spazierte. Mein Zug würde erst in 40 Minuten fahren. Also konnte ich die Luft atmen und mich etwas bewegen, das hilft oft. An Laufen war nicht zu denken, zumal die großen Zehen auch noch etwas geschwollen sind.

Es gibt – mitten in der Stadt – immer noch Korridore, in denen die Luft frisch ist, zum Beispiel an der Beiertheimer Allee parallel zum Stadtgarten. Das tat gut genug, um die Zugfahrt nach Hause zu überstehen und reduzierte zudem die Zeit im lauten, sich bewegenden Zug so weit, dass ich einigermaßen sicher vor kopfschmerzbedingtem Erbrechen war.

Nach fast 14 Stunden Schlaf futtere ich nun heißhungrig Butterbrot, habe nur noch wenig Kopfschmerzen und denke, der Spaziergang zum Albtalbahnhof war die beste Zeit des heutigen Tages.

[KuK] Widrige Umstände

Heute war Volkslauf der Stadtwerke Karlsruhe – und Kopfwehtag. Völlig fertig schrieb ich morgens eine Mail mit meiner Krankmeldungen und Infos zu zwei zeitkritischen Prozessen. Zweimal stand ich dabei auf, um mich zu erbrechen, kam aber doch darum herum.

Dann schlief ich den ganzen Tag, es wurde langsam besser. Schließlich kam der Gedanke: Es schadet der Genesung von den Kopfschmerzen nicht, zu laufen. Im Gegenteil, meist geht es mir danach viel besser. Also beschloss ich, wenn ich schon zur Genesung laufen muss, kann ich das auch auf dem bereits bezahlten Wettkampf tun.

Gesagt, getan. Topleistung war‘s nicht, aber gut genug für erhebliche Linderung der Kopfschmerzen und einen zweiten Platz. Bericht vom Stadtwerkelauf gibt’s dann morgen.

Retter in der Not

Meine kleine Xue, der Schneeleopard, und mein Shiatsu-Massage-Kissen.

Nach den gestrigen Bauchschmerzen hatte ich mich ganz schön verspannt und daher hatte ich heute Spannungskopfschmerzen. Was mir immer gut hilft für den Rücken, ist mein Shiatsu-Massage-Kissen, das mein Mann irgendwann mal für mich entdeckte. Auf dem lag ich heute geraume Zeit. Leider haben mich die Rücken- und verbundenen Kopfschmerzen auch ein Grillen bei den Schwiegereltern gekostet … aber ich hatte ja einen Aufpasser, nämlich die kleine Xue, die von mir auf dem Shiatsu-Massage-Kissen ein Bild an meinen Mann whatsappte:

Xue messagt meinem Mann, dass sie mich behandelt.

Ein bisschen K.O. sah ich schon aus, ich weiß. Aber auch das ist inzwischen besser. Nun geht es ins Bett und morgen ist alles wieder gut.

Wettkampf-Albtraum

Heute Nacht habe ich geträumt – und mich beim Aufwachen daran erinnert. Es war ein furchtbarer Traum … und ich hatte beim Aufwachen Kopfschmerzen. Wie ich mit den Kopfschmerzen fertig werde, weiß ich noch nicht – später als normal gehe ich deswegen auf jeden Fall zur Arbeit, aber wenn sie nicht besser oder sogar noch schlimmer werden, dann könnte es auch sein, dass ich wie schon einmal wieder umzudrehen habe. Ich möchte mich nicht wieder gegen den Laternenpfahl an der Werderstraße erbrechen, nachdem ich fluchtartig die Bahn verlassen habe …

Aber zum Traum, den ich hier eigentlich beschreiben will. Dann hab‘ ich ihn von der Seele und vielleicht wird dann auch der Kopf besser. Jedenfalls war ich auf Wettkampf, einem Marathon. Gefühlt war es der Baden-Marathon, die Startnummern hatten aber das Himmelblau des Marathons in Mannheim. Ob ich den Start geträumt habe, weiß ich nicht – kann sein, ich erinnere mich nicht mehr. Allerdings gab es erstmal eine Runde in Messehallen – was ich so auf keinem meiner Läufe bisher erlebt habe. Vor allem war’s nicht nur eine Runde, sondern zwei, die zweite etwas kürzer. Die Läufer bekamen erklärungslos ein Blatt Papier in Prospekthülle in die Hand gedrückt, am Ende der ersten Runde. Erst viel später, kurz vor dem Aufwachen, wurde mir klar, dass darauf „5km“ durchgestrichen und „3km“ nicht durchgestrichen abgedruckt war und das den Streckenposten anzeigen sollte, dass man bereits die zweite, kürzere Runde durch die Hallen lief. Danach ging es nach draußen – und dort begann das Chaos. Nur kleine, blaue Kreuze auf dem Boden zeigten an, wo es hingehen sollte, Streckenposten gab’s, aber die sagten keinen Ton. Ich lief dauernd in die Irre. Gefühlt zwei Stunden verbrachte ich mit immer mal eine Strecke gerade, dann falsch abbiegen, teils in der falschen Richtung unterwegs sein … niemand sagte, wo ich hin müsse, einmal wurde ich um eine Ecke geleitet und stand dann vor einer Wand, links von mir eine Mauer, rechts ein LKW, und musste umdrehen. Einmal war ich in falscher Richtung unterwegs, realisierte erst zu spät, viel zu spät, dass mir Läufer des viel später gestarteten 10km-Laufs entgegenkamen. Die sagten nix, wussten auch nicht, dass auf ihrer Strecke eigentlich kein Gegenverkehr geplant war und ich falsch war –

Dann wachte ich auf, mit dem Gefühl, schon mehr als 25 Kilometer gelaufen zu sein, aber dennoch noch nicht einmal mit dem ersten Halbmarathon des Marathons durch zu sein. Ich weiß nicht, ob der Schrecken dieses Traums nachvollziehbar ist. Für mich war er intensiv in diesem Traum … zumal ich schnell und gut drauf war, aber dauernd in die Irre lief, und das, obwohl ich in einer Form für eine Bestleistung zu sein schien. Sehr heftig fühlte sich das an!

Hilfsbereitschaft

Es ist scheinbar Konsens, dass die Leute einander nicht mehr helfen. Dass sie einfach vorbeirennen, dass sie zu sehr mit sich und ihren Problemen beschäftigt sind, um sich um andere zu kümmern. Diese Entwicklung ist eventuell nicht zu leugnen, aber sie ist nicht total.

Das durfte ich heute morgen erfahren. Bei mir machen die Kopfschmerzen ihrer Bezeichnung – Clusterkopfschmerz – mal wieder alle Ehre. Es clustert zur Zeit, ich habe heute wieder Schmerzen gehabt. Es gibt einige Auslöser, und ich habe diese Auslöser vom Dienstag vielleicht durch Sport in den Donnerstag verschoben, vielleicht war’s auch ein bisschen viel Kompensation durch Sport. Jedenfalls sehe ich den Auslöser für den aktuellen Anfall immer noch in einigen nicht schönen Dingen, die Dienstag passiert sind und meinem Mann sehr zusetzten – ich fühle mit ihm, wollte helfen und konnte es nur bedingt. Das setzte dann mir zu. Warum auch immer, jedenfalls wachte ich heute früh auf und es drückte in der rechten Schläfe, und zwar ganz schön feste. Da ich aber nicht davor kapitulieren wollte, dachte ich mir: Etwas frische Luft und der Weg zum Bahnhof wird’s schon richten! Ich machte mich also nach Tee und Frühstück auf zum Bahnhof. Tatsächlich wurde es für den Moment besser, aber in der Bahn dann wieder schlimmer. In Karlsruhe stieg ich zwei Stationen vor dem Kronenplatz aus, an der Werderstraße. Das hatte zwei Überlegungen zur Ursache: Einerseits hoffte ich, mit einem kleinen Spaziergang durch den kühlen, klaren Morgen die Schmerzen so zurückdrängen zu können, dass ich hätte arbeiten können – oder mich zumindest im Büro persönlich krank melden. Andererseits waren insbesondere am Albtalbahnhof einige Leute eingestiegen, die parfümiert oder anderweitig intensiv riechend waren. Zusammen mit den Kopfschmerzen war es zu viel für mich.

Ich stand also an der Werderstraße, lehnte mit dem Kopf gegen einen Laternen- oder Oberleitungspfahl und atmete die kühle Morgenluft ein und aus. Da kam die erste – eine Frau fragte, ob alles in Ordnung sei, ob ich Hilfe bräuchte. Ich sagte ihr wahrheitsgemäß, dass ich nur starke Kopfschmerzen hätte und es schon ginge. So richtig ging es dann aber nicht, und ich gab einen Teil meines Frühstücks wieder her, in die kargen Büsche zwischen Radweg und Bahnsteig. Da kam die zweite Frau und fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Ich sagte ihr, dass ich nur wieder nach Hause müsse, mich mit der Idee, arbeiten gehen zu wollen, übernommen hatte. Sie fragte, ob ich Begleitung bräuchte, ich verneinte das und meinte auch, dass ich wohl nicht verlangen könne, mich wieder bis fast nach Rastatt zu bringen. Zumindest meinte ich das, wahrscheinlich habe ich nur gesagt, dass ich Richtung Rastatt wieder müsse und das schon alleine schaffen würde. Dass ich mich bei beiden Helferinnen bedankt habe, weiß ich aber noch, und das ist mir auch sehr wichtig! Ich meldete mich also per Mail vom Handy aus krank und fuhr nach Hause, wo ich ins Bett fiel.

Inzwischen ist es wieder fast gut, auch wenn ich ziemlich KO bin – obwohl ich den ganzen Tag im Bett lag. Aber ich bin beeindruckt davon, wie hilfsbereit die Menschen sind, wenn man so aussieht, als ginge es einem mies. Ich meine, mir ging es auch mies und wenn ich nur halb so fertig ausgesehen habe, wie ich mich fühlte, hätte ich mir auch Hilfe angeboten, wäre ich jemand anders gewesen. Dennoch – die Hilfeangebote sind eine Hoffnung in einer Zeit, in der die Hilfsbereitschaft zurückgeht. Ein Zeichen, dass sie noch da ist und wiederkommen kann. Ein GUTES Zeichen!