Richtig dunkel

Heute auf der Heimfahrt vom Kino war es dunkel.

Klar, werdet Ihr Euch denken. Natürlich war’s dunkel, wenn man Sonntagabend ins Kino geht und danach heimfährt. Ist doch klar! Aber so meinte ich das gar nicht. Dass es im Winter um 22:20 nicht mehr hell ist, ist wohl jedem klar. Aber es ist auch so, wenn auch vielleicht nicht jedem so GANZ klar, dass unsere Nächte nicht mehr richtig dunkel sind. Mindestens nicht, wenn man in der Oberrheinischen Tiefebene lebt. Überall hat es Orte, überall wird Licht in den Himmel gestrahlt und von den Wolken oder auch nur dem winzigsten bisschen Wasser oder Eis in der Atmosphäre zurückgestrahlt. Und wenn’s klar ist, ist da meist ein Mond am Himmel. Heute war’s klar, aber kein Mond – denn wir haben in drei Tagen Neumond. Die paar wenigen Sterne – naja, so wenig sind es nicht – aber die Sterne haben nun einmal nicht so viel Leuchtkraft, um aus der enormen Ferne, in der sie für uns stehen, unsere Nächte zu erhellen. Sprich: Es war RICHTIG dunkel.

Das ist so ungewöhnlich, hier in der Gegend, zwischen Rastatt und Karlsruhe, dass ich erstmal meinen neben mir sitzenden Mann fragte: „Liegt das an mir oder ist es wirklich zu dunkel, um die Schilder bei Abblendlicht zu lesen, ja fast zu dunkel, um sie bei Abblendlicht überhaupt zu SEHEN?“ Er bestätigte mir: Es war so dunkel. Ich werde nicht allmählich nachtblind. Das zeigt, WIE ungewöhnlich diese kohlensackdunkle Nacht hier eigentlich inzwischen geworden ist.

Ach nebenbei: Wir waren im Film Jumanji. Hat uns sehr gut gefallen, wir kennen und mögen das Original mit Robin Williams. Es war ein großartiges Anknüpfen, zumal ich in humoristischem Umfeld Dwayne Johnson und Jack Black sehr gerne mag. Und hey, Karen Gillan ist großartig, nicht nur als Amy Pond.

Mord im Orient-Express (2017er-Film und mein Kopf)

Wir waren nochmal im Kino! Nach Jahren, in denen wir kaum ins Kino gegangen waren, sind es dieses Jahr sehr viele Filme gewesen – zumindest für unsere Verhältnisse. Dieses Mal war es auf Empfehlung von Freunden, die die neue Verfilmung von „Mord im Orient-Express“, vielleicht DIE Hercule-Poirot-Geschichte schlechthin.

Ich habe vor langer, langer Zeit das Buch gelesen, zwar in deutscher Übersetzung, aber eben doch den Stoff, wie er im Buche steht. Ja, das Wortspiel war beabsichtigt. Persönlich war ich der Ansicht, man kann Agatha Christie nicht wirklich sensibel verfilmen, zumal ich zwar die Miss-Marple-Filme mit Margaret Rutherford kenne und mochte, aber nur abgetrennt von den Miss-Marple-Büchern. Denn Miss Marple ist ganz anders als in den Filmen, wenn man die Bücher liest. So ähnlich dachte ich über Poirot, bis mein Mann die Serie mit David Suchet anschleppte – die vielleicht sensibelste, akkurateste Umsetzung des schwierigen Belgiers, die ich mir vorstellen konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Serie mit einem Schauspieler dem Bild, das ich mir von Poirot gemacht hatte, so nahe hätte kommen können wie David Suchet.

Daher ging ich mit deutlich vorsichtigen Erwartungen gestern ins Kino. Erst recht, da ich wusste, dass einige Änderungen vorgenommen worden waren an der Geschichte. Aber wie soll ich sagen? Die Umsetzung des Stoffes ist näher am „Spirit“ von Hercule Poirot und näher am Spirit der Buchvorlage als an den Buchstaben der Vorlage. Natürlich, man hat Dr. Constantin wegrationalisiert und Colonel Arbuthnot eine Arzt-Karriere gegeben, das schwedische Kindermädchen war nun eine Hispanic, gespielt von Penelope Cruz – und so weiter. Aber hey, darauf kommt es nicht an. Auch, dass Poirot härter, vielleicht ein wenig direkter agierte als im Buch, spielte keine Rolle für mein Gefallen am Film. Ich fand die Umsetzung großartig, auch die zeitliche Raffung, die insgesamte Straffung und modernere Darstellung der Geschichte und ihrer Figuren. Der Film funktioniert für mich standalone und in Bezug auf das Buch hervorragend, macht aber auch Lust auf mehr und beflügelt meine Phantasie, wie eine Verfilmung des Stoffes noch sein könnte – ohne den Film selbst als eine Version abzuwerten, die mich gut unterhalten und sehr gefreut hat.

Als ich damals allerdings das Buch gelesen habe, waren in meiner Vorstellung Oberst Arbuthnot und Gräfin Andrenyi meine optischen Highlights, der rote Kimono aus glänzenderer Seide. Das war in der neuen Verfilmung anders – wo ich Daisy Ridley in Star Wars cool fand, aber nicht mehr, war sie als Mary Debenham mit anderer Frisur und anderer Kleidung eine Gestalt zum Verlieben – Dr. Arbuthnot blieb allerdings mein rein optisches Highlight, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als in meiner Vorstellung beim Lesen des Buchs. Ich glaube, eine deutlich nähere Verfilmung des Buchs mit David Suchet als Poirot, gemischt mit einer verdüsterten Optik des Films „Moulin Rouge“ wäre meine Version gewesen. Aber das wäre dann auch ein Film, der nur mich angesprochen hätte – so war’s dann wahrscheinlich gut, dass bei dieser Verfilmung andere Entscheidungen getroffen wurden. Top war die Besetzung allemal und alle Gestalten waren passend besetzt und für mich akkurat gespielt – obwohl ich mir, unabhängig von möglicherweise anderer Beschreibung, Gräfin Andrenyi immer als schwarzhaarig vorgestellt habe.

Bei Gelegenheit muss ich mal die existierende Verfilmung von „Mord im Orient Express“ mit David Suchet beschaffen und anschauen. Mal sehen, ob ich dann noch immer eine eigene Version in meinem Kopf brauche. Wobei ich davon ausgehen würde – ich brauche zum meisten eine eigene Version in meinem Kopf – zumindest von dem, das mich wirklich anspricht.

Sonntagnachmittag

Wo geht man am Sonntagnachmittag hin?

Da gibt es viele Versionen. Faul Zuhause sitzen und Serien gucken oder am Rechner spielen geht immer, Sport machen auch. Aber manchmal gehen wir auch am Sonntagnachmittag raus. Allerdings war es tatsächlich das erste Mal, dass wir am frühen Sonntagnachmittag, um 14:00, im Kino waren. Warum das?

Nun – ganz einfach. Ich bin nicht unbedingt die Person für 3D-Kino. Meinem Mann habe ich damals „Man of Steel“ total vergällt, weil ich die ganze Zeit über 3D-Actionkino meckerte, das mir Kopfschmerzen machte. Nicht nur schnell geschnittenes Kino an sich, damals beschwerte sich auch die Besserwisserin in mir, dass Lens Flares zweidimensionale Abbildungsfehler sind, die mir bei „Man of Steel“ in 3D riesengroß gefühlte 5mm vor dem Gesicht standen. Nicht nur mein Abbildungs- und Gleichgewichtssinn kämpften da gegeneinander, sondern auch meine Besserwisserei wurde auf den Plan gerufen.

Wisst Ihr noch, wie ich zu dieser Beschwerde über 3D-Kino kam? Genau! Mit einem „Nun – ganz einfach“ fing dieser Abschnitt an. Im Grunde ist es auch ganz einfach: 2D-Kino muss man tatsächlich suchen. Wenn man ein vernünftig großes Kino haben möchte, erst recht. In unserer Umgebung war „Justice League“ in 2D auf großer Leinwand tatsächlich nur am Sonntag um 14:00 zu bekommen. Aber das hat auch sein Gutes: Um die Zeit hat man recht freie Auswahl, kann mit dem Sonntag nach dem Kino noch etwas anfangen und so. Dass ich in den Film musste, war eigentlich klar: Ich habe in letzter Zeit großen Gefallen an den DC-Comics gefunden, die Figuren sprechen mich mehr an als die bei Marvel. Mein Mann meint, er habe mich verdorben: Als wir zusammenkamen, war ich nur SciFi-Fan, Physikerin und Rollenspielerin, nun kam auch noch Superhelden-Comic-Zeug dazu. Ganz besonders Wonder Woman und Supergirl haben es mir angetan. Über meinen Besuch im Film Wonder Woman habe ich ja damals geschrieben. In Justice League hat die geniale Besetzung von Wonder Woman, Gal Gadot, ja wieder eine große Rolle gespielt. Allgemein sind die DC-Filme sehr passend besetzt – Jason Momoa als Aquaman passt für mich sehr, sehr gut, auch Ben Affleck als Batman. Aber am passendsten, wie Faust auf Auge, sind immer noch Henry Cavill als Superman und Gal Gadot als Wonder Woman, letztere hat bei mir einen Sympathie-Bonus über die Figur, die sie spielt.

Da sich am Sonntagnachmittag ins Kino gehen aber so ungewohnt und vielleicht ein bisschen wie „alt werden“ anfühlt, musste ich dagegen was unternehmen. Über die Klamotte. Und auch wenn Kara Zor-El nicht vorkommt in dem Film, passend war’s nun wirklich dennoch!

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Endlich gesehen: Wonder Woman

Achtung, kann leichte Spoiler enthalten – und ich glaube, das hier ist explizit keine Kritik, sondern ein Eindruck.

Nach einer ganzen Weile, die sich ein Kinobesuch für Wonder Woman und dann auch noch in 2D einfach nicht einrichten lies, hat es nun geklappt. Heute Abend nach der Arbeit fuhr ich nach Hause, traf meinen Mann im Bademantel an, der von seinen Eltern nach dem Duschen mit einem Besuch überrascht worden war – und als dann meine Schwiegereltern ihren Besuch beendet hatten und mein Mann sich angezogen hatte, ging es nach Rastatt ins Kino – zu Wonder Woman.

Ich hatte im Vorfeld schon einiges über die Schwächen des Films gehört – von einem Bekannten, mit dem ich mich gut verstehe, aber geschmacklich an vielen Fronten immer mal über Kreuz liege, sogar die harte Aussage, der Film sei „eine einzige Schwäche“. Auch mein bester Freund sagte – auch wenn er Gal Gadot als definitiv die bestmögliche Wahl für Wonder Woman empfunden hatte – einiges, vieles habe ihm am Film gefallen, anderes – ebenfalls einiges – aber auch nicht. Ich ging also mit etwas gemischten Gefühlen ins Kino.

Nun, was soll ich sagen: Es braucht vermutlich die richtigen Augen, die richtigen Emotionen für den richtigen Film. Das geht ein bisschen über „Geschmackssache“ hinaus, ist aber im Kern letztlich eine ähnliche Aussage. Denn ich fand den Film grandios. Mich haben in den letzten Jahren drei Filme so berührt: Beauty And The Beast, Frozen und nun Wonder Woman. Natürlich ist es eine Geschichte über eine Person, die anders ist, die oft erschreckend naiv ist und an anderen Stellen ein Nischentalent hat. Eine klassische, fast schon überklassische Heldenreise. Eine sehr freie Interpretation der „realen“ Vorlagen aus griechischer Mythologie und Geschichte des ersten Weltkriegs ist es ebenfalls – mein Mann meinte, den Spirit der Comics habe es allerdings sehr gut getroffen. Aber das ist mir egal. Ich erinnere mich daran, wie ich meinem besten Freund, der mich in „Last Samurai“ schickte, damals nach dem Film antwortete: „Vorhersehbar. Unendlich wiedererzählte Geschichte. Wenig innovativ. Aber unglaublich gut – wundervoll, hat mich tief beeindruckt.“

So ähnlich klingt es nun bei Wonder Woman. Die Geschichte geht frei mit vielen historischen und mythologischen Fakten um, baut einen Charakter aus Teilen, die nicht zusammenzupassen zu scheinen und wirft sie in ein Umfeld, in dem sie an die Grenze gebracht wird – nicht physisch, denn das geht ja (zunächst) bei Diana von Themyscira gar nicht. Aber ihre Überzeugungen, das Bild, mit dem sie sich die Welt erklärt, werden an die Grenze gebracht – wie bei fast jedem ist die Reaktion eher ein Versteifen auf die Sicht, auf das Bild, das sie mitgebracht hat. Und am Ende kann man gerne das Resummée Dianas als Ode an die romantische Liebe sehen. Ich sehe das nicht so. Ich verstehe die Aussage am Schluss so, dass nicht der Kampf gegen einen übermächtigen Gegner, einen Super-Villain, die Aufgabe des Helden oder hier der Heldin ist, sondern der Glaube an eben das Gegenteil, hier etwas verkürzt einfach als die Liebe bezeichnet. Das ist für eine Welt, in der Schwerter, Superkräfte und dergleichen gegen Superschurken eingesetzt werden, eine recht erwachsene Einsicht, selbst wenn sie auch mit der romantischen Liebe zu tun hat, die Teil des Wegs zur Erkenntnis war.

Ich bin noch immer ganz gefangen in einer Fülle von Bildern, Szenen, Sequenzen, aber auch der Emotion, die „Wonder Woman“ in mir geweckt hat. In einer Welt, die ganz ohne Superhelden mehr ist als eine Welt ohne Superhelden.

Wahrscheinlich bin ich in meiner recht simplen, emotionalen Weise, Filme wahrzunehmen, auf Filme, die sich auf die simple Formel, mit der Leonard Nimoy in „Spock vs. Q“ ein Haiku definiert, wenn auch ohne den Zusatz „Japanese Poetry“:

„To desgin a clear picture, arouse a distinct emotion and provide a spiritual insight.“

Vielleicht ist es die Naivität der in die Welt der Menschen geworfenen Amazone Diana, mit der ich den Film in dieser Formel wahrgenommen habe. Aber ich weiß ganz genau: Ich mochte den Film nicht nur, ich habe ihn geliebt und Licht für den Alltag daraus mitgenommen. Wundervoll!