Druckwasserreaktor

Nachdem ich Anfang der Woche meine (erste) neue Kaffeemühle bekam und gestern die neue Kaffeemaschine, die ich dann direkt aufbaute, konnte ich heute schon ein bisschen testen. Zudem kam heute die zweite Mühle und der zweite Siebhalter mit den zwei Ausläufen für zwei Tassen.

Finaler Aufbau.

Einerseits stellte ich fest, dass bei der „Baronessa“ Siebeinsätze nicht nur für eine und für zwei Tassen (aber nur ein Siebhalter, der mit einem Auslauf) dabei war, sondern eben auch zwei verschiedene Siebeinsätze für jede Größe: je ein einwandiger und ein doppelwandiger. Das Handbuch erklärte, dass die doppelwandigen Einsätze deutlich leichter zu handhaben seien. Trotz meiner Sorge gestern versuchte ich mich gleich mal an den einwandigen, den „richtigen“ Einsätzen. Im ersten Anlauf war die Mahlung noch etwas zu grob und der Anpressdruck beim „Tampering“ des Pulvers zu gering – resultierend in zu geringem Druck beim Brühen und damit verbunden einem Unterbrühen. Die zweite Tasse war dann fast schon gut – danach kamen aber zwei, bei denen ich überkompensiert hatte: Zu fein gemahlen und zu stark angedrückt.

Inzwischen habe ich den Bogen einigermaßen raus, die zweite Mühle aufgestellt und über die fünf Tassen, die ich in meinen heutigen Versuchen bereitet habe, eindeutig festgestellt, dass die Maschine nicht nur klasse aussieht, sondern auch hervorragenden Espresso macht. Ich hole viel mehr vom Aroma der Bohnen heraus, würzig, mit leicht schokoladigem Nachgeschmack bei meiner Lieblingsbohne. Die andere Bohnensorte, auf dem Bild in der rechten der beiden Mühlen, werde ich morgen mal antesten.

Nun ist der Aufbau, in dem ich die beiden Mühlen neben der Maschine aufgestellt habe, nicht nur praktisch, sondern auch eine Anspielung. Mit der Maschine in der Mitte (Druck, Hitze…) und den Mühlen daneben sieht das Ganze ein bisschen aus wie ein Druckwasserreaktor mit Reaktordruckbehälter in der Mitte und Dampferzeugern daneben – auch wenn die Dampferzeuger über den Druckbehälter hinausragen und die Funktionen natürlich andere sind. Aber wo die Analogie in Funktion und Optik zu wünschen übrig lässt, ist zumindest Hitze und Druck in der Mitte etwas, das beiden gemein ist – nur dass bei der Baronessa der Druck bis 16 bar und die Temperatur bis 88° bis 96° Celsius beträgt, während der Druckwasserreaktor mit 160 bar und bis 330° Celsius aufwartet – gleich ist aber, dass das Wasser unter Druck steht und flüssig bleibt. Wer’s genauer wissen will, kann den Druckwasserreaktor ja z.B. auf Wikipedia nachgucken.

Mit leichter Sorge

Meine neue Espresso-Maschine – eine Graef Baronessa.

Kennt Ihr das? Ihr habt Euch einen Wunsch erfüllt, etwas Neues besorgt, das schon lange auf Eurer Agenda stand. Nun ist es da und aufgestellt – und irgendwie steht man davor und fragt sich: Kann ich überhaupt damit umgehen?

Bisher hatte ich eine recht günstige Espresso-Maschine, simpel und mit wenigen Einstellmöglichkeiten, ein eher kleines Gerät von De Longhi. Schon seit längerer Zeit stand auf meiner Agenda, für die zwei verschiedenen Sorten Espresso-Bohnen, die ich immer vorrätig habe, auch zwei Mühlen zu haben, so dass ich nicht jeweils bei Bohnenwechsel einen Übergang habe, beide direkt nacheinander ohne Mischen brühen und vergleichen kann. Ich kaufte mir eine Kaffeemühle, und zwar die, die Ihr halb verdeckt hinter der Baronessa seht. Daneben sah die alte Kaffeemaschine und die alte Kaffeemühle so klein – ja, fast schäbig aus, dass ich Nägel mit Köpfen machen wollte.

Nun steht hier die Baroness in meiner Küche, aufgebaut, ausgespült, einmal aufgeheizt und Wasser durchgelassen habe ich. Für einen Espresso war’s mir nun doch zu spät heute. Das Handbuch habe ich zumindest schonmal gelesen, was Einstellmöglichkeiten und Bedienung angeht. Sicher werde ich noch das eine oder andere Mal nachlesen müssen, aber jetzt heißt es erstmal:

Learning by doing.

Etwas unbedingt gewollt zu haben und nun noch nicht zu wissen, wie gut ich damit klar komme, oder eher zu wissen, dass ich es erst lernen muss, erfüllt mich immer mit leichter Sorge. Daher auch der Titel dieses Beitrags.

Auf den Mahlberg

Vor einigen Wochen wollte ich zum Mahlberg. Da habe ich mich ein wenig verfranst auf der Fahrt nach Waldprechtsweier, wo ich über das Waldprechtstal hochlaufen wollte. Ich bin damals stattdessen am südöstlichen Rand von Malsch ein bisschen durch die Gegend gerannt. Diese Strecke habe ich bei meinem Marathon aus Versehen nochmal genutzt, da aber mit Transfer zu Fuß.

Vergangene Woche fand ich mich nach Waldprechtsweier mit dem Rad, schloss es dort an, rannte das Waldprechtstal hoch – und verfehlte den Mahlberg-Gipfel bei meiner Rennerei recht knapp. Diese Woche nun…

In zwei Bilder gesagt: Ich fuhr von Zuhause nach Waldprechtweier mit dem alten Mountainbike, rannte den Mahlberg hoch und wieder runter, rollte zurück nach Bietigheim – um dann zuerst eine Maske und dann die EC-Karte noch von zuhause zu holen, um bei Erbolino Kaffee zu kaufen.

Ich bin ziemlich stolz, dass ich nach mehrerem Rumirren nun auf den Mahlberg gefunden habe. Klar, eigentlich ist es ganz einfach. Aber der Mix aus Schildern, Schilderung meiner Laufpartner und meinem Instinkt… nun, irgendwie habe ich an den Stellen, an denen ich dem Instinkt folgen sollte, den Schildern geglaubt und mit den Erzählungen der Laufpartner Abzweigungen genommen, die eigentlich ganz woanders sind, weil die beiden nicht den Schildern folgen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte mich letzte Woche maßlos verfranst, weil ich nicht EINER Art von Wegfindung geglaubt habe, sondern unmotiviert zwischen verschiedenen Wegbeschreibungen/Wegfindungen hin- und hergesprungen bin.

Dieses Mal lief es besser. Meinen künftigen Weg, wenn ich da alleine hoch laufe, habe ich auf dem Abstieg gefunden. Das ist dann zwar nicht sehr trailig, aber das kommt mir sehr entgegen! Am Ende bin ich auch noch den Mahlbergturm hochgejoggt, was bei der Wendeltreppe durchaus anstrengend ist. Oben auf der Plattform mischte sich geringe Höhenangst mit hochgepushtem Herzen und ausgepowertem Körper. Ich hielt mich immer eng am Aufbau des Treppenhauses! Ein paar Fotos habe ich dennoch gemacht, auch wenn einmal mein Daumen unbedingt mit drauf wollte:

Als ich dann wieder unten am Turm war, machte ich noch zwei Bilder – den Turm und den Gipfelstein:

Runterwärts stellte ich dann fest, dass ich an einigen Stellen einfach meinem Instinkt hätte folgen sollen, dann wäre ich schon gut oben angekommen. Insgesamt ein sehr schöner, sehr befriedigender Samstagvormittagsausflug. Nur der Gegenwind auf der Heimradelei war ein wenig anstrengend, nachdem ich ja gerade erst den Mahlberg hochgelaufen war… und dass ich dann zuerst meine Maske und dann noch meine EC-Karte von Zuhause holen musste, um Kaffee zu holen, war hart, denn nach der Berglauf-Aktion und mit den gestrigen 70 Radkilometern und 20 Laufkilometern in den Beinen war selbst der milde Buckel vom Tiefgestade auf die Hardt in Bietigheims Leopoldsstraße am Schluss ganz schön anstrengend. Aber ich hab’s hinbekommen:

Beute.

Vor lauter reden …

Vorgestern war ich ja beim Café im Bahnhof in Bietigheim eine heiße Schokolade und einen Espresso trinken – es war super entspannt, ich unterhielt mich prächtig, während ich auf meine Bahn wartete.

Ich unterhielt mich so gut, dass sowohl die Bedienung als auch ich vergaßen, dass ich nicht beim Bestellen bezahlt hatte. Heute marschierte ich wieder zu Erbolino rein und wurde höflich und freundlich darauf hingewiesen, dass noch eine Rechnung offen sei.

Letztlich wurde mir erzählt, dass der Vorgang sowohl der Bedienung vom Dienstag als auch mir schrecklich peinlich war, alle anderen das aber locker sahen – ich bin ja eh öfter da und bezahle immer. Ich hatte ja auch schonmal einen Hunderter aus dem Bankautomaten gezogen, den der Chef des Erbolino nicht wechseln konnte, da gewährte er mir einen Espresso Kredit bis „zum nächsten mal, wenn ich vorbeikäme“.

Also alles ganz entspannt – aber es bringt mich wieder auf den Punkt: Wenn ich mit wem rede, bin ich da ganz drin. Und wenn ich irgendwo was trinke, dann aber die Bahn kriegen muss, zahle ich lieber gleich beim bestellen.

Genuss-Notstand

Am Wochenende entdeckte ich, kurz vor der Rollenspiel-Runde, dass keine Kaffeebohnen mehr da waren. Genau genommen entdeckte mein Mann diesen Umstand. Ich stand auf der Leiter und pinselte mit abgetöntem Gelb auf dem neuen Putz der ehemaligen Rollladenkästen unseres Esszimmerfensters herum und er machte mir einen Kaffee. Da rief er aus der Küche rüber: „Sag‘ mal, hast du noch irgendwo Kaffeebohnen?“ Ich nahm an, der Vorrat in der Mühle sei leer und er sähe darüber hinaus noch die fast leere Vorratsdose der einen Kaffeebohnen-Sorte. Also antwortete ich: „Klar!“

Aber er hatte auch in die untere der beiden Vorratsdosen geschaut – natürlich! Denn er ist sehr gewissenhaft. Die untere der beiden Dosen war leer, in der oberen nur noch ein kleiner Rest. Meine letzte Tasse Kaffee mit den noch vorhandenen Bohnen bekam dann die Spielerin der Seherin von Heute und Morgen in unserer DSA-Runde. Somit durfte oder musste ich heute morgen auf meinen Kaffee verzichten. Kaffee ist für mich nicht „überlebensnotwendig“, so süchtig bin ich zum Glück nicht. Aber Kaffee ist ein Genussmittel, dem ich schon sehr gerne zuspreche, besonders, wenn es GUTER Kaffee ist.

Da die Rösterei am Bahnhof, das Erbolino in Bietigheim, von 7:30 bis 18:00 offen hat und ich es tendenziell eher vor der Arbeit innerhalb der Öffnungszeiten dort hin schaffe, gab‘ für mich heute auf dem Weg zur Arbeit einen Espresso mit „Halleluja“ für mich – kräftige Röstung, 100% Robusta-Bohnen. Außerdem gab’s 500g Halleluja und 500 Bellahanna für den Vorrat.

Der Genuss-Notstand ist also rechtzeitig zum heutigen Trek Monday behoben.

Lokal-Lokal: 76467 Bietigheim

Als Pendlerin auf verhältnismäßig langer Strecke – bis jetzt auf jeden Fall, ab kommendes Jahr immer noch, wenn auch etwas kürzer – bin ich ja der Tendenz nach nicht zu sehr an die Läden und Etablissements in meinem Ort gebunden. Ob mein Supermarkt nun in Rastatt, Malsch oder im heimischen Bietigheim läge, wäre mir eigentlich egal – so lange er nur auf dem Heimweg liegt. Schwere Getränkekästen will man ohnehin nicht zu Fuß schleppen, ob’s nur anderthalb oder acht Kilometer sind. Beim Drogeriemarkt kommt’s auf die Verkehrssituation an, ob mir der in Rastatt oder der in Durmersheim näher liegt. Zumindest im Prinzip.

In der Praxis schaffe ich es meistens nicht, alles auf einmal zu bedenken. Manchmal möchte ich spontan etwas Anderes essen als das, was da ist. Vielleicht brauche ich auch ganz plötzlich neue Creme oder eine neue Zahnbürste. Um mal ein Eis essen zu gehen, abends ein nettes Essen im Restaurant zu bestellen, statt selbst zu kochen oder gemütlich einen guten Kaffee zu trinken, möchte ich eh das Auto nicht herausholen – so sehr ich an’s Autofahren gewöhnt bin. Das ist nicht nur eine ökonomische und ökologische, sondern auch eine Bequemlichkeitsfrage. Richtig toll wäre natürlich, auch zum tanzen gehen nur zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein, aber das ist mit meinem Musikgeschmack einfach nicht drin, weil die Clubs in der Stadt liegen und mit Umsteigen nach Hause zu fahren durchaus unentspannt ist, wenn man mitten in der Nacht nach Hause will.

Ich bin nicht sicher, warum ich das zur Zeit so bewusst wahrnehme, aber ich entdecke immer wieder tolle Locations in meinem Heimatort Bietigheim, vor allem, wenn ich ihn spazierengehend erkunde oder einfach irgendwas erledige. So spazierte ich neulich zu meiner Frauenärztin nach Durmersheim – sind ja nur 3,3km und das Wetter war zumindest trocken. Als ich mit dem Rezept in der Handtasche der Bernardus Apotheke sowie der Post für das Abschicken eines Briefs meine Aufwartung machen wollte, war es 14:00, Apotheke und Schreibwarenladen mit integrierter Post machen erst 14:30 wieder auf. Also erinnerte ich mich an den Tipp meiner Schwägerin, dass es ein Café mit eigener Kaffee-Rösterei im Bahnhof gäbe – und siehe da: bei Erbolino bekam ich einen hervorragenden Espresso, ein nettes Gespräch und einen Unterstand gegen den Regenguss, der mich sonst überrascht hätte. Künftig wird’s auch meinen Kaffee von dort geben, denn wenn ich zum Kaffee kaufen einen Spaziergang machen kann und nicht mit dem Auto los muss, ist das ein Stück Lebensqualität. Wenn’s Hunde und Katzen regnet, kann ich immer noch die deutlich kürzere Strecke innerhalb des Dorfes mit dem Auto fahren. Eis essen im Dorf geht ja mit dem Eiscafé Cimino, bald gibt’s neben dem Edeka im Ort wohl auch einen DM. Dann muss ich nicht für eine Dose Creme vom südlichen Ende Bietigheims an das nördliche Ende Durmersheims fahren (was zu Fuß ganz schön weit und damit lang wäre) oder nach Rastatt … All diese Entdeckungen, die ich über mehr Spazierengehen gemacht habe, versüßen mir das Spazierengehen noch weiter. Ja, vielleicht ist tatsächlich sogar der Schrittzähler „schuld“ daran, dass sich das alles gegenseitig verstärkt, kombiniert mit einer gewissen Autofahrmüdigkeit aufgrund des hohen Pendel-Fahrten-Kilometer-Aufkommens.

Ich erlebe hierin eine gewisse Tendenz: Machte das Internet gemeinsam mit Rechnern und Bringdiensten einen zunehmend unabhängig von Vor-Ort-Services, die aufgrund großer Märkte und Ketten ohnehin auf dem Rückzug waren, findet man dank mobilem Internet und das Rausgehen unterstützenden Apps und Gadgets in zunehmendem Maße wieder die lokalen Anbieter – die damit natürlich auch wieder mehr Publikum bekommen und sich somit auch eher wieder rechnen. Ob das nun Pokémon Go ist (das ich nicht spiele), oder ein Fitness-Tracker mit Schrittzähler, wie ich ihn besitze, oder eine intensive Unterstützung von Bewertung und finden lokaler Anbieter bei z.B. Google oder auch Bewertungsplattformen, das mobile Internet kehrt zumindest in mancher Hinsicht die Tendenz um, dass das (feste) Internet einen zuhause oder bei großen, zentralisierten Anbietern landen ließ. Und das, finde ich, ist eine gute Entwicklung. An mir persönlich wie auch generell.