[KuK] Und dann melde ich mich mit…

Gestern war irgendwie IT-technisch nicht mein Tag. Erst bin ich wohl beim an das Fahrrad packen meines Garmin Edge 830 auf dem Touchscreen auf die falsche Schaltfläche gekommen und bekam ein nicht abbrechbares, aber auch nicht fortschreitendes GPS-Firmware-Update. Also nochmal nach drinnen, das Teil an den Rechner gehängt, um es zu resetten, aber dann ging es wieder.

Auf der Arbeit wollte dann mein Rechner nicht mehr. Ein Windows-Update hat wohl eine dynamically linked library (dll-Datei) zerschossen, die für irgendein Programm gebraucht wird, das ich (gezwungenermaßen vom Admin voreingestellt) im Autostart habe. Im Task-Manager ließen sich viele Autostart-Dinge nicht ohne Admin-Zugang abstellen, und so musste ich einen neuen Rechner anfordern, da ich es nicht selbst fixen kann. Und so wird meine Windows-Anmeldung stets begonnen und stirbt, um von vorne zu beginnen – der Wiedergeburtszyklus des Sansara.

Nachdem vorletzte Woche mein Telefon mal falsch (ins Nirvana) umgeleitet war, habe ich mir dementsprechend im IT-Frust vorgestellt, mich bei einer solchen Umleitung ins Nirvana zu melden: „Siddharta Gautama Buddha im Nirvana, wie kann ich Ihnen helfen?“ Aber wenn mein Telefon wieder mal ins Nirvana umgeleitet sein sollte, kann ich das gar nicht tun, weil der Anruf nicht bei mir ankommt.

Jedenfalls habe ich im Moment nur einen Ersatz-Desktop-Rechner und kein Laptop für die Arbeit. Somit muss ich morgen vom Büro aus arbeiten, auch wenn ich die Skype-Konferenz um 9:30 aufgrund der Leitungsqualität (Gamer-Internet-Zugang bei uns zuhause…) und auch der Vorbereitungszeit lieber aus dem Homeoffice gemacht hätte. Zuhause fange ich mit meinem Tee und Kaffee um 6:00, spätestens 6:30 direkt an, wenn ich dagegen ins Büro fahre, trinke ich zuhause Tee und Kaffee, fahre noch eine Stunde und bin zwischen 7:45 und 8:30 dort.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Heute habe ich mit etwas angefangen, was ich noch nie zuvor getan habe. Nur durch die Corona-Krise war dies möglich, denn meine Kollegen und ich werden nun ad hoc ermutigt, von Zuhause zu arbeiten. Und so war es heute mein allererster Tag im Homeoffice.

Um ehrlich zu sein: ich hatte den Horror davor, weil ich mich darauf freute. Ich fürchtete all die Ablenkungen und all den Komfort, den ich zuhause habe, und der so richtig gar nichts mit der Arbeit zu tun hat. Ich fürchtete, nichts auf die Reihe zu bekommen, mich in Ablenkungen zu verlieren.

Einen ganzen Stapel Schreiben hatte ich mit nach Hause genommen, die zu prüfen und in die elektronische Erfassung einzutragen ich über so viel Aktuelles, Hereinkommendes im Büro nicht geschafft hatte. Sie lagen, sie lagen lange, sie lagen hinter meinem Schreibtischstuhl auf der Arbeit auf dem Boden, weil im Regal kein Platz war. Clear Desk ist viel einfacher, wenn man elektronisch arbeitet, aber wir auf der Behörde tun das noch nicht. Ich befürchtete, kaum ein kleines Stück davon abarbeiten zu können, weil Ablenkungen, die Kaffeemaschine, mein privater Rechner…

Eben weil all das da ist. Indes: Ich habe konzentrierter gearbeitet als auf der Arbeit! Binnen kürzester Zeit stellte sich eine Routine beim Abarbeiten dieser drei Typen von Meldungen ein. Ich las sie, glich den „Ist“-Inhalt mit dem „Soll“ in unserer Datenbank ab, machte Notizen, trug es in die Tabelle ein, wo für jede Arbeitsstätte der Arbeitsaufwand der Überwachung erfasst wird, machte Markierungen, in welches Heft die Schreiben geheftet werden sollen, wenn ich sie wieder mit ins Büro genommen habe – wie am Fließband. Diese Arbeit, bei der ich normalerweise recht schnell die Lust verliere, zog mich in den Bann. Klar, ich machte meine Pausen, aber danach ging’s frisch weiter.

Nun bin ich einerseits begeistert, dass es so gut geklappt hat, und ich nur drei Vorgänge unerledigt wieder mitnehme, weil ich für deren Bewertung auch die umfangreichen Papier-Akten auf Arbeit brauche. Andererseits aber betrachte ich die Kehrseite des in der Überschrift verwendeten Hesse-Zitats: Wird sich auch hier eine Routine, eine größere Anfälligkeit für Ablenkungen einstellen? Ich hoffe nicht.

Für’s erste aber kappte ich die VPN-Verbindung, fuhr das Arbeits-Notebook herunter, stand von meinem Stuhl auf – und war im Wochenende. Da ich vom Sport heute eh einen Ruhetag machen wollte und auch mache, war das super, dass kein Arbeitsweg mehr vor mir lag.

Homeoffice. Das erste Mal. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.