GPS, Bauwerke und Höhe …

Ich habe ja im Zuge meiner ganzen Statistiken auch begonnen, die überwundenen Höhenmeter meiner Trainingsmonate aufzuzeichnen und in Diagramme zu packen und darauf zu achten und … nun ja, „und so weiter“. Nun bin ich nach dem Köhlbrandbrückenlauf nicht wirklich erschrocken, war aber durchaus ein wenig verwundert.

Mein Tracking mit dem GPS des iPhone 5S und der Runtastic App behauptete, dass ich gerade mal 56 Höhenmeter aufwärts überwunden hätte, während des Köhlbrandbrückenlaufs. Mein Gedanke dabei war: „Kann das sein? Die Brücke ist doch allein mit 53 Metern Durchfahrtshöhe sicher fast 60 Meter hoch, und wesentlich über Meereshöhe haben wir auf der Elbinsel Wilhelmsburg doch sicher nicht begonnen – und ich bin ZWEIMAL über die Brücke gelaufen, dazu kam noch das bisschen an Höhenmetern von zweimal Ellerholzbrücke … 200 Höhenmeter waren es sicher nicht, aber mehr als 56 GANZ bestimmt …“

Also guckte ich mir das Höhenprofil „GPS Elevation“ bei meiner Runtastic-Aktivität an und stellte fest: Der höchste Punkt des getrackten Höhenprofils lag bei acht Metern über Normalnull, der tiefste bei einem Meter unter Normalnull. Prompt standen in meinem Gesicht ganz große Fragezeichen. Nach einigem Sortieren der Gedanken stellt sich mir die etwas konkretere Frage, wie in Runtastic die „GPS-Höhe“ zustande kommt. Wenn ich GPS richtig verstanden habe, ist bei ausreichender Anzahl an Satelliten, auf die mein GPS-Empfänger in Sichtlinie zugreifen kann, eine 3D-Positionierung möglich: Über die Laufzeit des Signals ist der Abstand zum sendenden Satelliten bekannt. Ich habe also die Distanz zum Satelliten und die genaue Position des Satelliten. Wenn mein GPS vier Satelliten sieht, spielt es keine Rolle mehr, dass die Richtung, aus der die vier Signale meinen GPS-Empfänger erreichen, nicht bestimmt werden kann. Sieht mein Empfänger aber nur drei Satelliten (oder ist einfach „zu blöd“, um einen viertem im Gesichtsfeld mitzubenutzen), braucht er einen weiteren Fixpunkt – und das ist die Annahme, dass ich mich auf der Erdoberfläche laut (mehr oder minder) Karte befinde. Die Köhlbrandbrücke allerdings ist nicht Teil der „physischen Erdoberfläche“, die in irgendeiner Karte verzeichnet ist, sondern ein Bauwerk – GPS geht also bei der Bestimmung meiner Position mittels dreier Satelliten davon aus, dass ich mich auf der Erdoberfläche und somit unterhalb der Köhlbrandbrücke befand. Letztlich sehe ich, dass es keine dreidimensionale Positionsbestimmung mit vier oder mehr Satelliten gab, weil die Option „exakte Höhenmeter“ beim Anzeigen der Strecke nicht zur Verfügung stand. Somit fehlen im Oktober in meinen Daten mindestens sechzig, eher um die achtzig Höhenmeter. Das allerdings möchte ich nicht akzeptieren und werde daher eine Korrektur in die Aktivität einpflegen, basierend auf diesen Daten hier. Ungenaue 120 Meter sind denke ich halbwegs ehrlich – der Fehler ist auf jeden Fall kleiner als wenn ich die 56 Höhenmeter des GPS 2Dfix benutze.

Für den Straßenverkehr ist die Höhenbestimmung mit GPS natürlich nicht wirklich eine Notwendigkeit, selbst bei Navigationsgeräten. Beim Laufen wär’s schon interessant. Egal, so ist es jetzt halt beim Tracking meines Laufs gelaufen.

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Wo ist es flach?

Für Menschen aus dem Gebirge ist es ja quasi überall sonst flach. Ich selbst komme nicht aus einem Gebirge, aber doch aus einem der Bundesländer, die erklecklichen Anteil an Mittelgebirgen und auch ein bisschen am Alpenvorland haben – aus Baden-Württemberg, dem Bundesland, dessen höchste Erhebung es zum zweithöchsten Bundesland Deutschlands macht. Platz 1 auf dieser Liste nimmt natürlich Bayern mit seinen Alpenanteilen ein, danach folgen vor allem die Mittelgebirgsländer.

Tja, wo erläuft also eine Läuferin aus Baden-Württemberg mehr Höhenmeter pro Strecke? Zuhause oder im Urlaub an der Unterelbe? Eigentlich müsste ich die Frage gar nicht stellen – sollte man denken. Allerdings wohne ich in der Oberrheinischen Tiefebene, zwischen Rastatt und Karlsruhe.

Lange Rede, kurzer Sinn: So erstaunlich es klingen mag, die eiszeitlichen Ablagerungen im Bereich der Unterelbe, auf denen ich im Urlaub meine Laufstrecken absolvierte, bieten etwa dreimal so viele Höhenmeter pro Kilometer wie meine üblichen Strecken in der Oberrheinischen Tiefebene. Das hat mich gelinde gesagt verblüfft. Natürlich sprechen wir hier nicht über enorme Steigungen, aber eben doch über mehr als die 1,3 bis 1,5 Höhenmeter pro Kilometer, die zwischen Auwald und Hardt auflaufen.

Selbstverständlich kann man in Baden-Württemberg ganz andere Steigungen laufen. Genau das habe ich am gestrigen Tag auch gemacht: Von der Arbeitsstelle runter zum Schattengrund, dann hinauf zu den Parkseen, einmal um alle Parkseen herum, einmal zusätzlich um den neuen See herum, durch den Schattengrund wieder zurück. Zehn Kilometer, 132 Höhenmeter – gut und gerne 13 Höhenmeter pro Kilometer Strecke, das Zehnfache von Zuhause. Alternativ laufe ich auch gerne mal vor dem Saunagang im Rotherma in Bad Rotenfels die Hänge des Murgtals hinauf – da kommen schonmal 200 Höhenmeter auf sechs Kilometern zusammen, wenn man es darauf anlegt.

Nichtsdestotrotz: Es verblüfft wohl nicht nur mich, dass ich Baden-Württembergerin mit meinen Läufen in der Oberrheinischen Tiefebene weit weniger Höhenmeter absolviere als wenn ich im Bereich der Elbe durch die Eiszeitlandschaft renne.