Launestabilisator

Was ist zu tun, wenn die Laune nicht will? Wenn der Rücken schon wieder anfängt, sich zusammenzuziehen? Wenn Du dich um Deine hinteren Bremsklötze sorgst und darum, ob sie noch bis zum Wartungstermin halten?

Was hilft gegen Herbst- und Corona-Depression?

Zucker, Schokolade? Nur kurzfristig. Eine heiße Dusche? Auch nicht viel länger. Kaffee? Schon besser. Aber am nachhaltigsten hilft Sport.

Anti-Tiefstimmungs-Lauf.

Funktioniert. Frische Luft, Bewegung, etwas Sonne – vor allem aber Laufen! Endorphine und Körpergefühl. Läuft!

Es ist Herbst

Heute morgen stand ich auf und plante meine Fahrt zur Arbeit mit dem Rad. Es war dunkel vor den Fenstern, ich sah also noch nicht, ob es regnete. Unsere Wetterstation zeigte eine Temperatur von 12 °C – als ich nach draußen ging, stand ich im Nieselregen. Natürlich ist es an dieser Stelle verlockend, gerade wieder herumzudrehen, sich auszuziehen und zurück in das warme, trockene Bett zu kriechen. Aber ich musste ja auf die Arbeit. Alternative zwei wäre gewesen, mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu radeln und mit der Bahn…

Nein. Machte ich nicht. Eine wasserfeste Windjacke hatte ich ja schon an, richtig kalt war es nicht. Ich mied also die typischerweise dreckigen, nicht voll befestigten Wege und rollte in Richtung Karlsruhe. Klar, das Frontlicht hatte ich aufgesteckt und angeschaltet, mein Rücklicht mit Annäherungsradar ist sowieso immer an, wenn ich radle. Die ersten paar Kilometer war das gar nicht so unbequem, dann wurde mangels Schutzblech am Rennrad langsam der Hintern ein bisschen nass, etwas Sand spritzte auch hoch. Aber davon ließ ich mich nicht schrecken – es hätte auch gar nichts gebracht, weil ja eh ein Streik beim ÖPNV im Gange ist. Ich fuhr natürlich ein bisschen vorsichtiger als sonst, denn die Straße kann glatt werden, wenn sie nass und etwas schmierig ist – oder gar nasses Laub darauf liegt. An einer Stelle motzte mich ein anderer Radfahrer an, weil ich langsam mit ausgestrecktem linkem Arm auf der Straße rollte, um links abzubiegen und ihm – seiner Ansicht nach – im Weg war.

Tja, da kam vieles zusammen: Dunkelheit, Regen, etwas Wind und andere Verkehrsteilnehmer. Es ist Herbst. Ich fahre trotzdem Rad zur Arbeit. So langsam wird aber die Kleidungsauswahl ein wenig wichtiger als im Sommer.

[KuK] Nebel

Ein „Kurz und Krass“ ohne Bild. Es ist neblig und dunkel. Nicht „malerische Sonne über bodennahen Nebelschwaden“ neblig, sondern unten, mittig und oben trüb, dazu dunkel.

Herbst, November. Kalt, neblig, dunkel. Mein Körper mag 15 Stunden im Bett sein oder wieder warm, hell und klar. Ich brauche immer lang, mich an die kalte Jahreszeit zu gewöhnen, in Körper und Geist.

Herbstlauf bei der TGÖ

Für mich war das heute gleich eine doppelte Premiere. Es war mein erster Solo-Lauf im Trikot der Sport Löwen Baden (nach meiner Teilnahme bei der Marathon-Staffel in Freiburg) und es war auch mein erster Fünf-Kilometer-Wettkampf. Aber der Reihe nach…

Ich unterhielt mich vor einigen Wochen im Lauftreff mit einem der Läufer und der sagte mir, dass einige aus dem Lauftreff lieber nicht beim Herbstlauf der Turngemeinde Ötigheim mitlaufen wollten, weil da ja Waldlauf-Meisterschaften mit seien und man so keine Chance habe. Also dachte ich, ich melde mich mal für den Fünfer an, der Zehner ist bestimmt in der Wertung. Alles Trugschlüsse! Es wurden ganze 15 Rennen in Ötigheim gestartet – zehn Läufe der Waldlaufmeisterschaften Baden-Württemberg und fünf Läufe des Herbstlaufs – 400, 600 und 800 Meter für die Kinder und Jugendlichen, und dann noch fünf und zehn Kilometer. Nach Ötigheim ist’s auch nicht weit, also lief ich dorthin, bereits in meinen Laufsachen, begleitet von meinem Mann auf dem Fahrrad. Bereits beim Abholen der Startnummer traf ich die ersten bekannten Gesichter, unter anderem von der LSG Karlsruhe. Über ein wenig Zusehen bei den letzten Läufen der Meisterschaften und den Bambini-Läufen hibbelte ich mich dem Start entgegen – um 14:30 ging es bei ruhigem, wechselnd bewölktem, aber weitgehend trockenem Herbstwetter los.

Der Herbst von seiner schönsten Seite in Ötigheim.

Am Anfang gingen alle ab wie Raketen – ich sortierte mich in der zweiten Gruppe ein, zwischen einigen Männern und einer weiteren Frau. Die Spitzengruppe von drei oder vier Männern hatte sich bereits früh weit abgesetzt. Ich merkte, ich war schnell unterwegs – vielleicht zu schnell. Es war super-anstrengend, und ich fragte mich, ob ich das durchhalten würde. Zudem war zu meiner Irritation am Wegesrand noch eine andere Kilometrierung angebracht, die mir bei 2,5 Kilometern auf meiner Uhr bereits drei, bei 3,5 Kilometern auf meiner Uhr bereits vier Kilometer anzeigte. Das Neuner-Schild für den Zehn-Kilometer-Hauptlauf stimmte dann wieder exakt mit meiner GPS-Messung überein, und ich sah: Unter 20 Minuten sind nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich – auch wenn mir langsam die Puste ausging.

Im Stadion, auf den letzten 250 Metern, setzte sich dann die andere Frau der Gruppe neben mich. Sie bot mir an, es mit mir zu Ende zu laufen, auch wenn sie merklich noch mehr Puste hatte. Aber ich wollte ihre Zeit nicht verderben. Ich sagte ihr, sie solle laufen und es gewinnen – und das tat sie dann auch. Ich war also wieder Zweite. Da ich noch keinen Fünfer gelaufen bin, war es natürlich ein Personal Best – aber WAS für eines! 19:18 laut meiner Messung, offizielle Zeitmessung auf der Urkunde 19:16! Etwas mehr als 3:51 pro Kilometer!

Ein wenig angestrengt sehe ich aber durchaus aus…

Wir gratulierten einander, also die Siegerin und ich, dann kamen andere dazu. Offenbar waren viele beeindruckt! Die Ergebnisliste als Aushang habe ich nicht gecheckt, und die finalen Ergebnisse sind noch nicht online, aber ich dürfte auch insgesamt, geschlechtsunabhängig in oder nah an den Top Ten des Laufes gewesen sein. Nachdem ich mit Tee gut eingedeckt war, holte ich mir noch einen Kaffee und genoß den sympathisch und gut organisierten Lauf, wir wechselten dann nach dem Start des Zehners hinüber ins Geschwister-Scholl-Haus, wo bei „Worschtweck“, wie ich das sagen würde, Kuchen, Kaffee und Getränken die Siegerehrungen liefen.

Interessanterweise saß mir, ohne dass ich es richtig realisierte, die im Teenie-Alter befindliche Dritte des Fünfers direkt gegenüber. Die junge Dame ist mit unter 21 Minuten hereingekommen und wenn sie weiterhin Lust auf’s Laufen hat, wird sie mindestens lokal noch viele Erfolge erlaufen, glaube ich. Einen Stuhl weiter saß dann später die Siegerin, die es jedoch nicht auf die Siegerehrung schaffte.

Platz 2 und 3 des Fünfers – meine Wenigkeit und eine beeindruckende junge Dame, jeweils mit Obstschale als Preis.

Einen Riesenspaß hat’s gemacht, da die Ötigheimer das auch super organisiert haben. Auch wenn ich ein bisschen drum trauere, dass ich beim Waldhägenichlauf in Bühl nicht mit dem Löwenrudel mitlaufen konnte, weil wir da in Frankfurt waren, in Ötigheim mitzulaufen hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Herbst

Ich will es nicht wahrhaben. Ich will keinen Herbst. Ich will im Sommer bleiben!

Doch es ist nicht zu leugnen: Morgens ist’s kühl, allmählich fast kalt, am Sonntag gab’s die volle Abwechslung. Trübe und trocken, Trübe mit Nieselregen, Trübe mit Regen wie aus Eimern, dazwischen Trübe mit Regen wie Bindfäden. Grau ist es auch heute morgen noch, die Bäume werfen erste Blätter ab. Ist es nicht eigentlich fast noch August?

Ich möchte nicht dem Sommer hinterherlamentieren, aber ich mag‘s lieber brütend heiß als gemäßigt und feucht. Freilich gehört der Herbst zum gemäßigten Jahreszeitenreigen dazu, ohne ihn geht’s nicht. Ich möchte nicht das Unausweichliche beweinen. Wie Agent Smith zu Neo sagt: „Hören Sie das, Mr. Anderson? Es ist der Klang des Unvermeidlichen!“, so möchte ich auf meinem Namen beharren, hochspringen und den Herbst und den Winter an mir vorbeirauschen lassen wie die U-Bahn.

Aber der Herbst ist da. Vermutlich wird es einfacher, wenn ich mich an den Mix aus Altweibersommer und Trübe gewöhnt habe. Es sind ja nur ein paar Monate, in denen auch die Sauna wieder viel attraktiver wird, in denen mein Geburtstag kommt, in denen aus Herbst und Winter die Welt zum Frühling und Sommer, zu meinen geliebten warmen Jahreszeiten wieder neu entsteht. Das macht es dann schon wieder leichter, mit dem Grau vor dem Fenster der gelben S-Bahn zu leben.

Abwärtstrend

Ich beobachte seit einigen Wochen und nun schon ein paar Tage verschärft die Entwicklung des Sonnenstandes und der Temperaturen, wenn ich morgens aus dem Haus gehe. So ganz langsam kommen wir in die Phase des Jahres, in der der Sonnenaufgang mit maximaler Geschwindigkeit tiefer in den Morgen bis Vormittag rückt. Dadurch wird es auch recht schnell morgens kühler.

Da ich ein Sommermensch bin, sehe ich das mit Wehmut. Wenn ich bei zunehmend niedrigerem Sonnenstand aus dem Haus gehe und friere, oder mich halt zwiebelschalig anziehen muss, weil’s tagsüber doch noch schön warm wird, sehe ich deutlich, dass nun die dunkle, kühle Zeit kommt.

Ich bin gespannt, wie ich das dieses Jahr auf die Reihe bekommen werde, denn durch das ausufernde Laufen hatte Draußensein, das einen dem Herbst viel direkter aussetzt als Drinnensein, schon lange nicht mehr so massive Bedeutung mehr für mich wie dieses Jahr.