Guess who’s second – Köhlbrandbrückenlauf 2019

Heute ist der dritte Oktober. Das ist nicht nur der Tag der deutschen Einheit, es ist auch der Tag des Köhlbrandbrückenlaufs. Jedes Jahr findet dieser statt, immer am dritten Oktober. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass es ein Feiertag ist und man somit die intensiv vom Schwerlastverkehr frequentierte Köhlbrandbrücke auch mal sperren kann. Wie gesagt, Feiertag!

Mit dem bisher größten Tross an „Fanclub“ reiste ich vom Quartier bei lieben Freunden nahe Horneburg mit der S-Bahn an. Zu sechst waren wir: zwei Rheinländer, die schon letztes Jahr mit dabei waren, unsere Gastgeber, mein Mann und ich. Nur ich war für den Lauf gemeldet, und zwar um 15 Uhr. Beim Köhlbrandbrückenlauf kann man nämlich um neun, zwölf und fünfzehn Uhr starten. Wenn ich nicht gerade direkt danach nach Hause fahren will – wie beim ersten Mal 2017 – dann bevorzuge ich den späten Lauf. Nervosität kam bereits im Auto nach Buxtehude auf, dann ging es mit der S-Bahn auf die Veddel. Erstmals lernte ich, dass man auch auf der Nordseite der S-Bahn-Station Veddel raus kann und dann – oh Wunder! – direkt auf dem Veddeler Damm herauskommt, ohne noch über einen Deich und zwei Brücken turnen zu müssen. Ich machte etwas Tempo, während ein Teil meiner Gruppe langsamer in Richtung des Veranstaltungsgeländes am Windhukkai ging, denn schließlich macht es mich stets nervös, meine Startnummer noch nicht zu haben. Als ich die dann hatte, standen wir noch nett zusammen, ich trank einen Schluck. Überzeugt, nur elf Tage nach dem Baden-Marathon nicht so richtig Power geben zu können, verkündete ich das Minimalziel: 55:54 auf die 12,3 Kilometer mit 120 Höhenmetern. Warum ausgerechnet 55:54? Ganz einfach: Letztes Jahr war ich 55:55 gelaufen, ein neues Personal Best auf der Strecke war schon anvisiert. So 52 Minuten waren meine Erwartung, mit der ging ich dann auch auf die Strecke.

Indes, es kam anders! Wo Hamburg die Stadt ist, wo der Regen von der Seite kommt, war herrliches, recht windarmes Wetter, Sonne-Wolken-Mix ohne Regen, über zehn Grad warm. Optimales Laufwetter! Bereits auf der ersten, kleinen Brücke nach Verlassen des Windhukkais war die Pace im niedrigen Vierer-Bereich: 4:00 bis 4:15. Dann ging’s auf die Brücke, die charakteristischen, umgedreht Y-förmigen Pylonen der Schrägseilbrücke kamen in Sicht, der Gegenwind blies ins Gesicht: Für Hamburg nicht sehr stark, aber hey, Gegenwind und Steigung, das über fast drei Kilometer! Das zieht schon. Meine Uhr zeigte schlimmstenfalls eine Momentangeschwindigkeit von 4:40 pro Kilometer an, ich überholte noch immer Männer. Von Frauen keine Spur. Ich war allerdings sicher, bestenfalls auf Platz 5 zu laufen. Kurz vor der Wende überholte ich eine Frau, beobachtete die Gegenfahrbahn, und da kam nur eine andere in weißem Trikot, der Rest waren Männer. Sollte ich wirklich auf Rang 2 sein?

Auf den letzten Metern. (Foto: Wolfgang Niebuhr)

Die zweite Hälfte des Laufes ging es dann die steilere, gewundene Seite der Köhlbrandbrücke wieder hinauf. Auch hier hielt ich das Tempo hoch, sogar noch höher als auf dem längeren, nicht ganz so steilen Gegenwindabschnitt auf der anderen Seite. Von der Führenden keine Spur, die war auf und davon, aber die überholte Dritte sah ich auch nicht mehr, wenn ich mich umwandte. Oben auf dem Brückentisch begann dann das furiose Feuerwerk. Dauernd klatschten und johlten mir Läufer auf der anderen Seite entgegen – mehr Läuferinnen als Läufer, aber beide Geschlechter waren vertreten. „Zweite Frau“, „zweites weibliches Wesen“, das riefen sie mir zu. Mit Rückenwind, dieser Anfeuerung und dem Gefühl, hier einen wilden Ritt hinzulegen, bekam ich dieses Mal gar nicht so richtig mit, dass ich auf das Hamburg-Panorama zulief. Konzentriert hielt ich das Tempo hoch, sagte mir: „Du musst es nur noch nach Hause laufen!“ Auf der kleinen Brücke zurück Richtung Windhukkai kam die Führende in Sicht! Dass ich sie nicht mehr einholen würde, war mir klar, aber zweihundert Meter waren’s nicht, die ich Rückstand auf sie hatte. Von der Fußgängerbrücke kurz vor dem Abzweig vom Veddeler Damm in den Windhukkai brüllte eine ganze Brücke voll Menschen mir Begeisterung und meine Platzierung entgegen, ich riss erstmal die Arme hoch, da wurden sie noch lauter. Wie im Rausch bog ich in Richtung Ziel, auf die Zielgerade, sah die Erste ins Ziel laufen und hörte, wie der Moderator sie ankündigte …

Dem Ziel entgegen! (Foto: Wolfgang Niebuhr)

Es muss ihn überrascht haben, dass ich so kurz nach der Siegerin ins Ziel kam, denn er sagte mich erst an, als ich schon fast durch war. Zweite Frau! Unter 50 Minuten, 49:14 brutto. Man hängte mir neben der Medaille noch ein Kärtchen am Bändchen mit Infos zur Siegerehrung um. Nach kurzem, euphorischem Plausch mit der Siegerin, einem Herren, dem ich lange hinterhergelaufen war, und einer weiteren Läuferin gesellte ich mich zu meiner Zuschauergruppe. Ein wenig Spott musste ich ertragen: 48:59 sagte die offizielle Zeitnahme zu meiner Nettozeit, zweiter Platz, und zwar nicht nur im 15-Uhr-Start, sondern beim ganzen Köhlbrandbrückenlauf 2019.

Meine Ansage von 52 bis 54 Minuten, sicher nicht unter 50 Minuten war damit pulverisiert. (Foto: Meike Kölpin)

Bei der Siegerehrung durfte ich sogar ein paar Worte sagen. Da ich das dritte Mal dabei war, fragte mich der Moderator, welcher denn der beste von den drei Köhlbrandbrückenläufen gewesen sei. Ich meinte daraufhin, sie seien alle gleich gut gewesen – aber sehr unterschiedlich. Der erste mit Scheißwetter [sic!], wo ich besser Schietwetter gesagt hätte, der zweite mit dem wundervollen Panorama auf Hamburg und nun der dritte, wo ich vor lauter Anfeuern von der anderen Fahrbahn das Panorama auf Hamburg ganz verpasst hatte. Ein wenig „regional“ sagte ich wenigstens „Hamburch“ und nicht „Hamburg“.

Siegerehrung. (Foto: Wolfgang Niebuhr)

Nun sitze ich bei meinen Gastgebern auf dem Sofa, trinke Tee und staune, dass ich mich gegenüber dem letzten Jahr fast sieben Minuten verbessert habe. Und das, wo ich doch eigentlich nur ein bisschen Tempodauerlaufen wollte, um nach dem Baden-Marathon für den Hardtwaldlauf fit zu sein. Wow. Was ein Wahnsinn!

Aber ganz klar: Wieder ein zweiter Platz. Die habe ich dieses Jahr abonniert!

Der letzte noch ausstehende …

Am morgigen dritten Oktober steht der letzte Wettkampf an, den ich bisher „in Serie“ gelaufen bin. Damit meine ich nicht, dass der Lauf zu einer Serienwertung gehört, sondern dass ich diese Läufe mehrfach besuche. Mehr oder minder eine Tradition haben bei mir Baden-Marathon in Karlsruhe (2017, 2018, 2019), der Dämmer-Marathon in Mannheim (2018, 2019), der Campus Run in Stuttgart (2014, 2017, 2018, 2019 – 2015 und 2016 wurde er nicht ausgetragen) und eben der Köhlbrandbrückenlauf. Den bin ich 2017 das erste Mal gelaufen, kam 2018 begeistert wieder und morgen steht er wieder an. Angemeldet bin ich, natürlich. Der Köhlbrandbrückenlauf ist immer schon lange im Voraus ausverkauft, da kommt man nicht mal so am Vorabend hin und holt sich eine Startnummer.

Das Schöne an diesem Lauf ist das Format, das einen hoch über den Hafen führt. Man hat einen herrlichen Blick auf den Containerhafen, oder eher: auf die Containerterminals. Das ist der Hinweg. Auf dem Rückweg ist der Blick auf das Hamburger Zentrum ganz großartig, erst recht, da man dann bergab mit Rückenwind läuft. Denn Wind gibt’s auf der Köhlbrandbrücke zuverlässig, stets von Westen bis Nordwesten. Hinweg bis zum Brückentisch ist also bei Gegenwind langsam bergauf, danach folgen indifferente Winderverhältnisse die gekurvte Seite der Brücke hinunter und wieder hinauf – und dann geht’s mit Rückenwind bergab wieder zum Start/Ziel-Bereich am Windhukkai. Jeder der Abschnitte ist ungefähr vier Kilometer lang: Vier Kilometer Durststrecke hoch mit Gegenwind, vier Kilometer windgeschützt runter und wieder hoch, dann vier Kilometer wie fliegen!

Letztes Jahr sagte der Moderator, dass der Aufstieg von Waltershof am Wendepunkt wieder hinauf auf den Brückentisch der härteste Part sei. Das finde ich nicht, so richtig gar nicht. Sechzig Meter hoch auf zwei Kilometern Strecke ist für mich irgendwie angenehmer als sechzig Meter Aufstieg auf doppelter Strecke, zumal ersteres mit indifferentem Wind, letzteres mit Gegenwind stattfindet. Somit ist der Köhlbrandbrückenlauf für mich total angenehm: Nach dem mental anstrengenden ersten Drittel folgt ein ganz nettes Stückchen – und dann geht es richtig ab, ein furioser Ritt zurück auf die Elbinseln. Bis zu einem mit gestoppten Pausen ausgeführten Intervalltraining stammten mein schnellster Kilometer, meine schnellste Meile und meine schnellsten drei Kilometer aus dem letzten Drittel des Köhlbrandbrückenlaufs 2018. Nun bin ich mal gespannt, was morgen so läuft – wie sehr mir auf den Abstiegen die Zehen noch wehtun, wie tief der Marathon noch in meinen Knochen sitzt.

59:22 bin ich 2017 gelaufen. 55:55 waren es im Jahr 2018. Von den Vorleistungen her könnten 51:00 bis 52:30 drin sein. Aber das strebe ich nicht an, ich habe mir als Ziel gesetzt: Besser als letztes Jahr. 55:54 reicht. Alles darüber hinaus ist Bonus. Mit Tiefstapelei und motiviertem Übererfüllen läuft’s für mich runder als mit überambitioniertem Druck. Ich freue mich schon drauf – dieses Jahr gilt für mich: Fast alle Personal Bests (bis eben auf den Köhlbrandbrückenlauf) sind 2019 verbessert worden, ich kann mich zurücklehnen und den Ritt genießen.

Und genau das habe ich vor. Mein Rheinland-Pfälzer Fanclub, meine norddeutschen Gastgeber und mein Mann sind dabei. Bestimmt gibt’s auch wieder den Countdown aus „Raumpatrouille“ zum Start. Das wird toll!

Hella Hamburg Halbmarathon – nun mit Urkunde

Am Mittwoch endete ja die Einspruchsfrist für den Hella Hamburg Halbmarathon, den ich am vergangenen Sonntag mitgelaufen bin. Somit ist nun auch die Füllung für den Trophäenordner mit Urkunde und Startnummer sowie die Füllung für den Trophäenschrank mit Ordner und Medaille komplett:

Urkunde, Beutel, Medaille, Startnummer.

Da die Urkunde einen so schönen Rand hat, der aber auch die Schrift recht klein macht, hier nochmal der „Zoom“:

Details der Urkunde.

Nach Nettozeit 33. Frau, Vierte der Altersklasse – bei einem Event mit recht umfangreicher Top-Besetzung gar nicht schlecht für eine Hobbyläuferin mit fast 40, finde ich. Die Hitze forderte natürlich ihren Tribut – von meiner Bestzeit (1:29:05 beim Halbmarathon in Mannheim) bin ich weit entfernt gewesen, auch wegen der Fußprobleme zwei Wochen zuvor. Der nächste Halbmarathon wartet in Hambrücken Mitte August, vorher geht es aber noch zum Campus Run nach Stuttgart.

Zu Gast im Norden

Heute ruhen mein Mann und ich uns bei Freunden in der Nähe von Buxtehude aus, nachdem wir gestern angereist sind und morgen meine Teilnahme beim Hella Halbmarathon in Hamburg ansteht. Am Nachmittag fahren wir noch zu den Messehallen, um meine Startnummer abzuholen. Schließlich möchte ich nicht morgen früh um 8:15 in Hamburg sein müssen, wenn der Start erst um zehn ist.

Und so sitzen wir hier, legen die Beine hoch und trinken Tee. Das ist schon ziemlich entspannt. Was morgen herauskommt, werde ich sehen. Ich halte es wie immer: Ich erwarte nicht zu viel und lasse es auf mich zukommen. Wenn mein Fuß sich doch wieder melden sollte, breche ich halt ab.

Am Rande des Laufes

Nachdem die Reise am Samstag endete und ich wieder nach Hause musste – und durfte – habe ich die Hamburg-Posts ein wenig vernachlässigt. Vielleicht kommt da noch etwas, aber sicher bin ich mir nicht. Im Moment jedenfalls hänge ich ein bisschen in den Seilen.

Nicht, dass der Urlaub so anstrengend gewesen wäre. Anstrengend vielleicht schon, aber nicht SO anstrengend. Es liegt an etwas anderem: Mein Mann hatte ja leider am vergangenen Sonntag und auch am Montag nicht mitfahren können. Sein Urlaub wurde zu Krankenzeit, und bei mir war seine Infektion wohl auch im System, auch wenn ich nichts davon merkte. Die Anstrengung des Köhlbrandbrückenlaufs hat dann das Ganze an die Luft gelassen, so dass ich die letzten zwei Tage meines Aufenthaltes in Hamburg ziemlich am Schniefen war, während es meinem Mann schon langsam wieder besser wurde. Vor allem die Rückfahrt mit dem einen oder anderen Verrückten auf der Straße und bleierner Erkältungsmüdigkeit geriet etwas unentspannt.

Allerdings habe ich mir auch auf dem Köhlbrandbrückenlauf eine Sache gegönnt. Nachdem der Hoka-Stand neben dem Stand des rennwerks auf dem Baden-Marathon mich schon anlachte, war’s dann beim Hoka-Stand auf dem Köhlbrandbrückenlauf so weit. Ich kaufte mir Hoka-Schuhe mit Messe-Rabatt. Es wurde ein Paar Hoka Cavu, die sich am Fuß – selbst mit der Blase, die ich mir dank in Falte liegender Socke auf dem Lauf geholt hatte – super an. Da in meiner Größe nur noch das Vorführexemplar da war, nahm ich das – zu einem etwas günstigeren Preis.

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Meine neuen Schuhe.

Ein Angelaufen, eingelaufen wird’s dazu auch noch geben, aber durch die Erkältung habe ich erstmal Pause – danach hole ich vielleicht auch mein Fazit zu den Kinvara 9 nach, das eigentlich auch noch aussteht.

Nach dem Musical

Am Donnerstagabend haben wir in Hamburg das Musical „König der Löwen“ besucht. Mit einem sehr ergreifenden Anfangsbild mit „Circle of Life“ und wundervollen, etwas eigenwilligen Kostümen und Bühnenbildern sowie zwei hervorragenden Soli von Nala und Rafiki hat es mir sehr gut gefallen – wenn auch die anderen noch deutlich begeisterter waren. Ich bin eben eher für Ballett und Oper zu haben als für’s Musical. Das ist aber voll in Ordnung so – toll war es auf jeden Fall.

Ein paar Bilder vom nächtlichen Hamburg, von der Elbinsel in Richtung HafenCity habe ich bei der Rückfahrt vom Musical über die Elbe gemacht:

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Die Elbphilharmonie vom Steg bei König der Löwen, bei Nacht.

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Blick auf die Landungsbrücken vom König der Löwen aus.

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Mehr Landungsbrücken bei Nacht.

Viel mehr Bilder wird’s aus Hamburg leider auch nicht geben – naja, leider ist relativ. Ich mache meist wenig Bilder und begeistere mich mehr für die Eindrücke auf meiner Netzhaut.

Auf dem Heimweg mit der S3 nach Neugraben habe ich dann den halben Zug unterhalten. Ich war todmüde und wollte keinesfalls einschlafen auf der Autofahrt von Neugraben nach Horneburg. Also alberte ich, auch um die Tochter unserer Gastgeber ein wenig von „Ich bin müde!“ und „Ich habe Hunger“ und „Mir ist kalt!“ abzulenken. Also brannte ich ein Feuerwerk an Witzen, dummen Sprüchen und Anekdoten ab, von „Als ich schlechte Laune hatte, habe ich mich über das nächste am Straßenrand unbändig gefreut!“ über Wortwitze bis hin zum einfach nur grinsenden Gucken und Lachen. Mehrere Mitreisende schauten zwischen irritiert, betreten, lachend und mit der Zeit etwas verzweifelt, aber das passte dann schon. Meinen Mitreisenden war ich jedenfalls nicht genug peinlich, um sich von mir wegzusetzen – zumindest setzte sich die Tochter meiner Freundin nur zwei Plätze weg und wollte etwas später schon wieder neben mich, aber mein Nebensitzer meinte „Weggegangen, Platz gefangen.“

Wir sind dann auch noch gut angekommen, auch wenn ich auf der Heimfahrt ruhiger wurde. Aber ich war hinreichend wach vom Herumalbern, dass ich nicht müde genug für Sekundenschlaf wurde – und das war ja auch eines der Ziele der Alberei.

 

Köhlbrandbrückenlauf – Projekt 59:59 reloaded

Beim Campus Run im Juli hatte ich mir ja vorgenommen, zwölf Kilometer in unter eine Stunde zu laufen. Auch wenn der Campus Run in der Realität länger als zwölf Kilometer war und ich damals eine durchaus zufriedenstellende Leistung abgeliefert habe, war keine Teilstrecke von 12,0km des Campus Runs durch mich in weniger als einer Stunde bewältigt worden. Eines vorweg: DAS war beim Köhlbrandbrückenlauf 2017 am 03.10. anders!

Aber zum Lauf an sich: Ich bin den Köhlbrandbrückenlauf 2017 ja eigentlich nur mitgelaufen, weil ich am Wochenende vorher ohnehin in Nordhessen auf einem Treffen angemeldet war und ich damit schon die halbe Strecke bis nach Hamburg zurückgelegt hatte, als es dann am 01.10. für mich weiterging. Außerdem habe ich nahe Hamburg eine Freundin, die mir sehr gerne Quartier bot – und mich auch noch mit lieben weiteren Gästen überraschte, als ich dort am Sonntag auftauchte. Im Endeffekt war der Köhlbrandbrückenlauf somit ein … naja, nicht Kollateralschaden, sondern eher Kollateralbenefit.

Am Morgen des Dritten Oktobers stand ich also früh auf und fuhr auf der B73 von Buxtehude nach Hamburg hinein. Dass ich dabei auch noch die A253 in meine Sammlung einverleibte, war ein toller Nebeneffekt. Mein Auto ließ ich am Park+Ride an der S-Bahn-Station Veddel stehen und machte mich zu Fuß auf zum Windhukkai. Über den Veddeler Damm waren schon viele andere Läufer unterwegs, so dass ich die Schilder gar nicht brauchte – und so kam ich am Eventgelände an und durfte feststellen, dass bereits um zehn vor acht einiges los war. Ich holte meine Startunterlagen ab, gab meinen Beutel stilecht in einem Container ab, ging nochmal auf die Toilette und freute mich: Die Toilettensituation beim Köhlbrandbrückenlauf war WEITAUS weniger angespannt als beim Baden-Marathon vor zwei Wochen. Stände gab’s aber ein paar weniger, außerdem war alles unter freiem Himmel. Aber trotz der Ansage von Regen und auch eher wechselhaft aussehendem Himmel hielt das Wetter: Es blieb trocken. Die angeleiteten Aufwärmübungen ließ ich links liegen, das ist nicht so meins, auch wenn sich in deutlich Hamburg-gefärbter Sprache der Anleiter große Mühe gab, das Ganze so sinnvoll wie lässig durchzuziehen. Gleichviel: Mindestens der erste Lauf (Start um 9:00) beim Köhlbrandbrückenlauf war klein, kompakt und toll organisiert. Über den Lauf um 12:00 und den um 15:00 kann ich nichts sagen, da saß ich beim Brunchen bei Freunden nördlich der Elbe, während mein Auto an der S-Bahn in Veddel auf mich wartete.

Die Strecke des Laufs ging zunächst kurz über „Am Windhukkai“, dann über den Veddeler Damm zur Köhlbrandbrücke. Da es noch ein Stück dauerte bis zur Brücke, ging es erst nach etwas mehr als zwei Kilometern so richtig bergan. Ich stand natürlich mal wieder etwas weit hinten, anfangs war ich recht viel am Lücken suchen, um meinem etwas flotteren Tempo Platz zu schaffen, während um mich herum eher langsam gelaufen wurde. Auf der östlichen Rampe der Brücke war ich dann langsam ganz gut eingeordnet, Gegenwind setzte ein, da man langsam über die Höhe der umgebenden Gebäude kam – und so trennte sich die Spreu vom Weizen: die Abstände wurden größer. Die Köhlbrandbrücke ist ja für Schwerlastverkehr konstruiert, da sind mehr als 4% Steigung nicht drin, und somit wurde es auch nicht wirklich richtig giftig im Anstieg, aber der Weg nach oben zwischen die beiden Pylonen ist schon etwas länglich und der Gegenwind tat ein Übriges. Dennoch zeigte mein Tracker auf der Rampe zum ersten Überqueren der Brücke bereits eine durchschnittliche 5:00/km-Zeit, und da war der „Spaziergang“ von recht weit hinten bis zur Startlinie und auch das „Einordnen“ in eine etwas schnellere Fraktion weiter vorne bereits mit eingerechnet. Erst nach Kilometer 4, fast schon bei Kilometer fünf sah ich auf der Gegenfahrbahn den späteren Sieger entgegenkommen. Beim schnellsten Mann, beim zweitschnellsten Mann und bei der schnellsten Frau betätigte sich zumindest in meiner Umgebung der ganze, ein Stück langsamere Tross als Anfeuer-Truppe für die schnellen Läufer, die bereits ein Stück weiter waren. Das gefiel mir sehr gut! Beeindruckend fand ich auch den herrlichen Blick auf den Containerhafen, den man von der Brücke aus hat! Auf dem Hinweg konnte ich das richtig genießen.

Bei nunmehr weniger Wind und nach dem Herunterlaufen der etwas kürzeren westlichen Rampe zeigte meine Uhr 4:58/km im Schnitt an und ich fand mich toll. Natürlich wusste ich, dass ich beim erneuten Anstieg etwas Zeit verlieren würde – aber das war dann gar nicht so viel. Ob’s das Wissen um das bald kommende Ziel war, der Rückenwind oder die insgesamt kürzere Westrampe der Brücke, weiß ich nicht – jedenfalls standen auf dem höchsten Punkt 5:01/km auf der Uhr und ich war so fokussiert, dass ich nur den südlichen Köhlbrand und die Süderelbe ein bisschen anschaute, aber ansonsten schaute, dass ich im Abstieg von der Brücke Zeit gewann. Und das klappte auch – mit den wechselnden Gefällen und dem unterschiedlichen Einteilen der Kraft holte ich einige Läufer ein, von denen ich später wieder überholt wurde – und umgekehrt. Beim Zieleinlauf ließ ich’s nochmal laufen und kam bei einer Bruttozeit von haarscharf über einer Stunde ins Ziel. Eine der Läuferinnen, die mich überholt hatte, bedankte sich ganz lieb für’s „Ziehen“. Die Versorgung mit Getränken war richtig gut, das war alles topp organisiert! Leider hieß es dann: Warten bis zur Siegerehrung, auch wenn ich mit dem Treppchen sicher nichts zu tun haben würde. Dabei fing es dann leider an zu regnen – und ich erlebte auch die einzige lange Schlange auf dem Lauf: Bei der Chip-Rückgabe. Das war aber nicht so schlimm, nur der leichte Niesel nervte dabei. Ich fand auch das nette, eher lässige in der Moderation der Siegerehrung sehr sympathisch.

Am Ende des Tages, als ich auf dem Rasthof Wetterau auf der Heimfahrt einen kurzen Stopp einlegte, nachdem ich noch A255 und A252 auf dem Heimweg gesammelt hatte, checkte ich meine Zeit: 59:22 auf 12,3km mit zweimal der Köhlbrandbrücke als Hindernis auf dem Weg. Da kann man nicht anders sagen: „Projekt 59:59 nachträglich doch noch geschafft!“

Reisefieber

In den letzten Tagen wurde mir sehr bewusst – also so RICHTIG sehr bewusst – dass wir bald auf Reisen gehen. Noch sind wir nicht losgefahren, aber eine Packliste für meinen Koffer, meinen Rucksack, meine Handtasche und meine Notebooktasche existiert schon, ebenso ein tabellarischer Ablaufplan mit Einträgen für die jeweiligen Hotels, dazu ausgedruckte Reservierungen und so weiter.

Aber da ist noch mehr, das mich derzeit beschäftigt. Beim ersten Besuch eines Orts lasse ich mich meistens treiben, lasse mich von den Menschen, die ich dort treffe, ein bisschen herumführen. Ich besuche ja eher Freunde, als dass ich Orte besuche. Es hilft oft, einen Bezug zu diesem Ort zu gewinnen, weit mehr, als zuvor einen starren Touristen-Plan zu bauen. Beim zweiten Mal sieht es aber oft anders aus. Ich lese nach, was ich dort gesehen habe – und mit einem Bild, einem direkten Eindruck von vor Ort, haben die Beschreibungen doch weit mehr Realität. Dann beginne ich, die Dinge aufzufüllen, die ich gerne noch sehen oder machen würde. Dazu kommt, dass ich natürlich meine Laufsachen mitnehme und nun schonmal anfange, Laufstrecken zu planen. Schließlich ist einfach loslaufen und sich treiben lassen gefährlich, weil man in ungewohnter Umgebung eventuell riskiert, sich zu verlaufen. Es ist nicht so sehr, dass ich Angst hätte, dann nicht mehr nach Hause zu kommen. Aber wenn ich nicht abschätzen kann, wie weit es noch ist, eventuell von anderem Wetterverhalten an anderen Orten überrascht werde, könnte es doch eher vorkommen, dass ich das Tempo drosseln muss, weil die Strecke zu weit wird, dann weht starker Wind, ich friere und erkälte mich. Nach zehn oder fünfzehn Kilometern ist der ironisch geäußerte Satz „Wer friert, läuft zu langsam“ gar nicht mehr lustig.

Und so habe ich mir nun überlegt, was ich sehen will, wenn ich an der Unterelbe bin: Eine der Binneninseln will ich mir angucken. Klingt banal, aber ich finde es unglaublich interessant und schön zu sehen, was aus der Interaktion von Sand und Strömung entsteht. Somit steht, angesichts des Übernachtungsstandorts zwischen Buxtehude und Stade, entweder Lühesand oder Hanskalbsand läuferisch vom Deich aus über den jeweiligen Elbarm hinweg anschauen auf dem Programm. Danach ist der Plan, an der Lühe entlang zu laufen und am besten quasi von einem gemeinsamen, motorisierten Ausflug mit den anderen, nicht ganz so starken Läufern, den Rest der Strecke bis zur Unterkunft läuferisch zurückzulegen. Fünfzehn Kilometer, vielleicht zwanzig wären das, in vernünftigem Tempo ohne Druck und Hast ist das ein schöner Abschluss für einen Ausflug. Ich bin gespannt, ob es klappt, die Strecke habe ich mir schon herausgesucht. Sicherlich wird sich zwischen Lühe, Aue und altem Land noch eine weitere Strecke finden, die Interessantes zeigt. Zwei Stationen vorher, in Bochum, wird wohl der Kortumpark in der Nähe unseres Hotels eine Laufstrecke bieten – keine so richtig lange, aber vermutlich gibt auch die Dauer des Aufenthaltes in Bochum einen solchen nicht her. Vielleicht laufe ich da dann sogar zusammen mit meinem Mann!

In Amsterdam gibt’s in der Nähe unseres Hotels eine große Grünfläche, da muss ich dann mal schauen, ob ich da morgens ein paar Runden drehen kann …

Menschen. Orte. Laufmöglichkeiten. Interessante Prioritäten.