Fehlleitung

Google Maps mal wieder!

Nun ja. Ich will nicht zu sehr motzen. Google Maps ist gar nicht so schlecht, wenn es darum geht, Staus zu umfahren, Fahrtzeiten unter starkem Verkehr abzuschätzen und so weiter. Aber eines funktioniert noch immer nicht so richtig: Zeitlich passend Sperrungen einzubauen. So geschehen am Mittwochabend:

Die Ein- und Ausfahrt Leonberg Ost ist wegen Fahrbahnerneuerung und mehr in dem Konglomerat aus Anschlussstelle Leonberg Ost und Dreieck Leonberg gesperrt – zumindest für die Fahrtrichtung München Richtung Karlsruhe. Man kann dort weder ab- noch auffahren. Die L1187, fortgesetzt als Südrandstraße in Leonberg, verläuft hier aber direkt neben der A8 und erlaubt zumindest den Autofahrern, die vom Schattenring herunterkommen und Richtung Karlsruhe auffahren wollen, einen quasi umwegfreien Weg zur Anschlussstelle Leonberg West. Theoretisch zumindest. In der Praxis sind dort eine Menge Ampeln und eine Verflechtung mit der B295, die nicht für den Verkehr von der Anschlussstelle Leonberg Ost zur Anschlussstelle Leonberg West auf der A8 ausgelegt sind – müssten sie ja auch nicht sein. Durch die Baustelle am Dreieck Leonberg ist auch der Weg am Dreieck von der A8 auf die A81 nur noch ein- statt sonst zweistreifig, also entsteht Stau auf der A8, Rückstau bis über das Stuttgarter Kreuz hinaus. Die Stelle ist ja auch ohne Baustelle in Stoßzeiten schon meist überlastet.

Was tut also Google Maps?

Es empfiehlt mir, vom Campus Vaihingen der Universität Stuttgart eben nicht zum Stuttgarter Kreuz und dann direkt auf die A8 zu fahren, sondern über das Glemstal, die L1187 zur Anschlussstelle Leonberg Ost. Da ich weiß, dass die Anschlussstelle Leonberg Ost gesperrt ist, gehe ich davon aus, dass Google Maps mit der grünen, also freien Strecke von Leonberg Ost nach Leonberg West die Südrandstraße in Leonberg meint – die verläuft ja quasi parallel, auf dem Smartphone kaum von der A8-Trasse zu unterscheiden. Das war aber nicht der Fall: Am Dienstag noch wollte Google Maps mich links abbiegen lassen von der L1187 auf die Auffahrt Leonberg Ost Richtung Karlsruhe. Ging nicht, gesperrt. Am Mittwoch hatte Google Maps das kapiert, also was tat’s?

Es empfahl: Fahre an der Auffahrt vorbei, mache einen U-Turn an der nächsten Ampel und biege in Gegenrichtung zu Deiner vorherigen Fahrtrichtung auf die Auffahrt A8 Richtung Karlsruhe … als wäre sie von der einen Richtung L1187 gesperrt und von der anderen Richtung nicht … natürlich habe ich mein Handy geschüttelt und ein Problem gemeldet, aber ärgerlich war’s schon, zweimal in jeweils mehr als einer halben Stunde über diverse Ampeln und völliges Chaos die Südrandstraße entlangzuzuckeln, um von Leonberg Ost nach Leonberg West zu kommen. Freitagabend fahre ich direkt über den Engelberg, wenn die A8 wieder dicht sein sollte!

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Drehwurm

Was macht denn „The Highway Tales“ auf dem Arbeitsweg am Bulacher Kreuz (L605 verknotet mit K9657 „Südtangente“)?

Äh. Google Maps hat noch immer nicht verstanden, dass die Anschlussstelle Karlsruhe Süd gesperrt ist, zumindest aus Richtung Süden auf die B3 und in Richtung Norden von der B3. Daher leitet es mich noch immer in den Stau auf der B3 zwischen Anschlussstelle Karlsuhe Süd und Anschlussstelle Ettlingen, da auf dem Teilstück auf der A5 fast nichts mehr los ist – der Rückstau der Baustelle und die Probleme in der Verengung auf zwei Fahrstreifen ab Anschlussstelle Rastatt Nord Richtung Frankfurt ist da längst abgehandelt. Als mir klar wurde, dass ich laut Routenplan in Karlsruhe Süd auf die A5 sollte, bin ich dann doch lieber auf den Zubringer gefahren, also auf die L605 Richtung Karlsruhe, um dann über die Südtangente zur Anschlussstelle Karlsruhe Mitte und dann über das Karlsruher Dreieck …

Lange Rede, kurzer Sinn:
Ich bin von hinten durch die Brust ins Auge auf die A8 Richtung Stuttgart gefahren – und diese Methode führt über das Bulacher Kreuz.

Nun ist aber auch am Bulacher Kreuz gerade eine Überleitung in Bau. Welche, fragt Ihr? Nun ja, wenn ich die von der L605 Richtung Norden auf die Südtangente Richtung Ost brauche, welche wird dann gerade in Bau sein? Na? Genau. Die Überleitung von der L605 Richtung Norden auf die Südtangente Richtung Osten. Allerdings kommt mir hier zupass, dass das Bulacher Kreuz zwar eine Landes- und eine Kreisstraße miteinander verknotet, aber eben doch als die beliebteste (süd?-)deutsche Autobahnkreuzform realisiert ist: Das Kleeblatt. Das Kleeblatt hat nämlich den Vorteil, dass man auf einem Kleeblatt drehen kann – die Geschwindigkeiten und der Platzbedarf sind nicht optimal, aber die Redundanz der Wege.

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Hier sehr Ihr als blaue Linie mit Pfeil drauf, wie ich fahren wollte. Die rote Schraffur deutet an, welche Überleitung gesperrt ist.

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Und hier seht Ihr als rote Linie mit Pfeilen drauf, wie ich dann tatsächlich gefahren bin. Erstmal an meiner (gesperrten) Überleitung vorbei, dann rechts ab auf die Überleitung Richtung Landau. Wie das bei einer planfreien Kreuzung so ist, dreht man dabei nicht 90° nach links, wenn man von Nordrichtung auf Westrichtung umschwenkt, sondern 270° nach rechts. Dann ging’s auf der Südtangente unter der L605 durch, zurück hoch auf die L605 Richtung Süden (wieder 270° nach rechts statt 90° nach links), über die Südtangente drüber, von der L605 Richtung Süden runter auf die Südtangente Richtung Osten (270° nach rechts, Ihr wisst schon … ) und dann unter der L605 durch.

Ich habe also 810° nach rechts gedreht, um an drei Stellen jeweils 90° nach links zu drehen, statt an einer Stelle 90° nach rechts zu drehen …

Ein Hoch auf planfreie Kreuzungen in Kleeblatt-Bauweise!

Auswirkungen

Heute morgen war mal wieder ein reichlich spezieller Tag auf meiner Pendelstrecke. Sicher, ich bekomme immer wieder zu hören: „Da wird doch immer und überall gebaut.“

Das mag richtig sein, aber es gibt deutliche Abstufungen. Heute Morgen waren es auch nicht die Fahrbahnerneuerungen zwischen Heimsheim und Leonberg West sowie im Leonberger Dreieck, auch nicht der Brückenneubau zwischen Leonberg Ost und dem Stuttgarter Kreuz. Nein, heute früh ging es schon viel früher los.

Seit einiger Zeit lasse ich mich ja von Google Maps lotsen, da die Abschätzungen der Verzögerungen durch Staus ziemlich gut sind, zumindest bei meinem Fahrstil. In aller Regel sind die Abweichungen von der Prognose unter 10%, was bei einem so variablen System wie dem Straßenverkehr zur Stoßzeit schon ziemlich gut ist. Nur hat Google Maps ein Defizit, das mir schon mehrfach aufgefallen ist – und heute morgen stieß mir das mal wieder besonders sauer auf.

Aber von vorn. Klein-Tally aka Miss Highway Tales startete also ihren netten kleinen Aygo, drehte den noch nach Westen schauenden Bug in Richtung Osten und wartete, was Google Maps zur Strecke sagen würde. 1:12 für 86km zur Stoßzeit klangen nun schon recht hoffnungsvoll, also verließ ich mein malerisches Heimatdorf Bietigheim und steuerte über die obere Hardt Richtung B3. Als ich durch den Kreisel am Industriegebiet durch war, entlockte mir mein navigierendes Telefon ein Stirnrunzeln: wie bitte? Ich sollte Richtung Süden fahren, um in Rastatt Nord auf die Autobahn zu fahren? An der Ampel guckte ich also mal kurz, wie es auf der B3 Richtung Norden aussah – denn eigentlich fahre ich ja immer in Karlsruhe Süd auf die A5. Die B3 war zwischen meinem Standort und Neumalsch, danach nochmal zwischen Bruchhausen und Ettlingen ein einziger roter Strich. Stau auf der Bundesstraße, Verzögerungsprognose im Bereich einer Stunde! Also beschloss ich, auf Frau Google zu hören und bog tatsächlich Richtung Süden ab, freute mich auf die hübsche Umfahrung der komplexen Kreuzung von B3, B36 und B462 nördlich von Rastatt, um dann zu schauen wie mein Auto, nur erheblich langsamer.

Was Google mir nämlich nicht gesagt hatte, war die Tatsache, dass die Auffahrt Rastatt Nord Richtung Karlsruhe gesperrt war und vermutlich noch eine Weile ist. Fahrbahnerneuerung! Dieses Mal war es wenigstens so, dass die Sperrung noch nicht eingetragen war. Google Maps hatte mich in der Vergangenheit schon ein paar Mal knallhart in Sperrungen hineingeleitet, die sogar schon auf der Karte von Google Maps verzeichnet waren.

Also fuhr ich nett über die vermeintlich vermiedene komplexe Kreuzung und hoffte, der Stau auf der B3 möge nicht so schlimm sein. Doch es war eben doch so schlimm. Das hat mehrere Gründe: die B3 führt hier über eine recht lange Strecke zwischen Industriegebieten mit Speditionen, Kurierservices und so weiter hindurch, dazu gibt es eine ziemlich schwierig geschaltete Ampel in Neumalsch, wo die Kreuzung zudem eigentlich zu eng ist für den Verkehr von der B3, der Richtung Industriegebiet Malsch abbiegen will. Außerdem kam steigernd hinzu, dass gerade an der B3 gebaut wird, und zwar in Ettlingen, wo der Verkehr aus Ettlingen und der Verkehr von Süden Richtung Autobahn sowie Richtung Karlsruhe miteinander verknotet wird. Zusammen mit all dem Verkehr, der normal in Rastatt Nord auf die A5 fährt, war das natürlich eine mittlere Katastrophe. Im Endeffekt habe ich das Ganze dann mittels der B36 umgangen und hätte ohne gewisse Irrwege nur 10 Minuten verloren, nicht die 35, die mir tatsächlich verloren gingen.

Was ich mich allerdings frage: Sowohl die Baustelle an der B3 als auch die Autobahnauffahrt betreffen nur Straßen in Verantwortung des Bundes. Eine Bundesstraße, eine Auffahrt von einer Bundesstraße auf eine Bundesautobahn. Eigentlich könnte man sich doch denken, dass bei Sperrung einer Auffahrt und Baustelle an der wahrscheinlichsten Ausweichauffahrt ein ziemlicher Kollaps des Berufsverkehrs droht, erst recht, wenn noch viele LKW dazwischenhängen und es auf der Strecke ohnehin auch ohne Baustellen besser laufen könnte … aber wie mir scheint, wird so etwas nicht bedacht.

Dahingehend möchte ich auch nochmal anmerken: Ich hatte ja schonmal beim Bundesverkehrsministerium und beim Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg nachgefragt, ob im recht dicht mit Dörfern und Industrie bevölkerten Bereich zwischen Ettlingen und Rastatt nicht vielleicht eine Auffahrt in Höhe Malsch oder Muggensturm nicht vielleicht sinnvoll sei … damals wurde mir beschieden, zu eng nebeneinanderliegende Anschlussstellen würden abgelehnt und so sei das auch an dieser Stelle – Rastatt Nord und Karlsruhe Süd liegen auch nur 14km auseinander. Eine entsprechende Initiative der Gemeinde Malsch sei abgelehnt worden. Da kommen einem dann Karlsruhe Süd, Ettlingen, Karlsruhe Mitte, Karlsruhe Durlach und Karlsruhe Nord ein wenig wie Hohn vor … eine ordentlich angebundene Anschlussstelle in Höhe Malsch, vielleicht mit einer B3-Umgehung um Neumalsch mit Anbindung an eine solche Auffahrt würde aus solchen Ausnahmezuständen und aus dem normalen Stoßzeitwahnsinn der Gegend viel Druck herausnehmen. Aber wie gesagt – es wird nicht für nötig befunden.

Tiefflug

Verglichen mit den vergangenen Tagen war die heutige Heimfahrt ein Tiefflug. Es war echt erstaunlich, das erste Mal seit Wochen, nein, wohl schon Monaten zeigte die Abschätzung von Google Maps für die Heimfahrt unter 1:10 an. In optimalen Fällen wären es 0:55.

Und ich habe auch ein Gefühl dafür bekommen, warum die Sache besser läuft: Mindestens ein Teil der Fahrbahnerneuerung am Karlsruher Dreieck ist heute beim Heimfahren abgebaut gewesen. Ich habe heute auf der Strecke viele Dinge gesehen, die mich hoffen lassen: Bis auf an wenigen Stellen ist die zweite Fahrbahn – die Richtung Karlsruhe – zwischen Nöttingen und Karlsbad nunmehr ausgegraben und bereit, da eine Fahrbahn drauf zu basteln. An der Brücke über die Straße zwischen Waldbronn und – wo auch immer wird auch fleißig gegossen. Und am Karlsruher Dreieck lässt die Baubehinderung nach.

Und so kam es, dass ich eben tatsächlich recht gut meinen Heimweg machen konnte, die meisten Geschwindigkeitslimits ausschöpfen konnte und nur in der noch anhaltenden Fahrbahnerneuerungsbaustelle zwischen Pforzheim Ost und Pforzheim West ein bisschen Stockung hatte. Alles in allem eine gute Stunde, vielleicht sogar unter einer Stunde – so genau habe ich nicht nachgeschaut.

Ein Gefühl wie „es wird“ macht sich breit!

Und noch etwas anderes „wird“. Aber davon in einem anderen Post.

Was guckst Du?

Heute Morgen habe ich zwei Dinge wesentlich im Kopf gehabt – von meiner üblichen ausufernden Phantasie und der Tatsache, dass ich wegen Stau zu spät zur Arbeit kam, mal abgesehen. Und beides hat mich zu ungläubig-ärgerlichen Schimpfkanonaden verleitet.

Zunächst einmal der Fall von gestern: Mein ans Ethernet-Kabel angeschlossenes MacBook wollte plötzlich nicht mehr ins Netz. Es sagte nicht nur, dass es keine Verbindung habe, sondern es leugnete gar die Existenz des (physisch sichtbar!) angeschlossenen Kabels mit eingerastetem Western-Stecker. Nach endlicher Zeit zog ich das Ding mal raus und steckte es wieder rein: Weiterhin nix. Hätte ich mir doch den Stecker mal gleich ordentlich angeschaut! Sonst hätte ich gleich gemerkt, was mir dann erst nach drei Neustarts und Checken meines Switchs auf dem Schreibtisch und so weiter auffiel: Ein winziges Stückchen Papier klebte vorne auf dem Western-Stecker. Warum allerdings früher am Abend, vor der ganzen Aktion, die gesteckte Verbindung noch funktionierte, blieb mir ein Rätsel. Da guckte ich ganz schön blöd aus der Wäsche – und fragte mich: Warum habe ich den Fetzen beim Ausstecken – oder noch früher beim Einstecken – nicht gesehen.

Und dann heute morgen. Da kam mir die Frage: „Was zum Henker läuft falsch mit Euch?“ Damit sind natürlich nicht die Leser meines Blogs gemeint – sondern die Fahrer auf der A8. Oder zumindest einige davon. Denn ich stand heute morgen acht Kilometer im Stau. Der Unfall direkt zu Anfang des Staus, den Google Maps noch anzeigte, war nicht mehr sichtbar – das war bei Karlsbad. Der Stau ging weiter und weiter und weiter – bis fast nach Pforzheim. Und die Ursache? Ein Unfall. Ja. Aber auf der anderen Seite! Ich glaube, ich habe vollkommen verblüfft, entsetzt und fassungslos ausgesehen und ich habe mehrfach zu meiner Windschutzscheibe gesagt: „Das könnt Ihr jetzt nicht bringen, oder?“ Ich kenn das mit dem Gaffen ja leider schon – ich guck nach Kräften weg. Es gibt zwei Varianten, mit Unfällen umzugehen, egal, wo sie sind: Entweder ich stelle mein Auto auf die Standspur, halte an und betätige mich als Helferin, Warnweste, erste Hilfe und alles inbegriffen. Oder ich fahre dran vorbei, zügig und mit den Augen auf den Verkehr, nicht den Unfall. Für mich ist letzteres – wenn ich schon nicht ersteres tun muss – im Interesse meiner Nachtruhe, denn Unfallszenen machen mir Albträume. Aber wie’s scheint bin ich da nicht unbedingt ein Standardfall.

Technikabhängigkeit

Ich habe am Wochenende mit meinem Mann gemeinsam eine Folge der Serie seaQuest DSV gesehen, in der es um eine Zeitreise in die Zukunft ging, die durch einen Computer aus der Zukunft ausgelöst wurde. Dieser Computer, eine künstliche Intelligenz sogar, sorgte sich um die letzten beiden Menschen, die es noch gab – aus einer Brutstätte künstlich erschaffen. Die beiden – ein Mädchen und ein Junge – beschäftigten sich mit Video-Spielen und hatten einander noch nie real gesehen. Ziemlich aufgesetzt wurde nun konstruiert, dass die Besatzung der seaQuest den Computer deaktivieren musste, damit die beiden sich real miteinander beschäftigten und den Fortbestand der Menschheit sicherten. Den Computer zu deaktivieren erforderte Menschen aus der Zeit vor der Erstellung dieses Computers, der sehr viele Service-Aufgaben erfüllte, da Menschen, die diesen Computer von klein auf erlebt hatten, sich wohl weigern würden, ihn abzuschalten.

Ganz abgesehen von dem ziemlich seltsamen Weltbild, das in der Folge präsentiert wird – „Der Fortbestand der Menschheit bedingt den Fortbestand der Welt“ – hat mich das Ganze doch zum Nachdenken gebracht. Freilich denke ich nicht in dem technologiefeindlichen Geist darüber nach, den die Folge präsentiert. Aber ich betrachte zum Beispiel nun mal das Gespräch, das ich am Sonntag mit meinem Schwager hatte, als ich gerade bei ihm eine Pause vom Laufen machte, durch diese Sichtweise. Wir – beide Läufer – sprachen zuerst über Laufschuhe. Meine neuen Mizunos kamen zur Sprache, auch wenn ich die Asics an hatte. Aber dann ging es an Puls- und Streckenmessung, Schrittzähler, GPS, Online-Auswertung. Da mein gebraucht gekauftes iPhone 4S akkutechnisch etwas schwach auf der Brust ist, erklärte ich, dass ich über einen mobilen USB-Akku nachdenke, mit dem ich zusätzliche Energie mitnehmen kann, so dass ich mir auch das „mehr“ an Energieverbrauch für im Handy integrierte Pulsmessung via Bluetooth akkutechnisch leisten kann. Wir sprachen über einige Dinge in der Richtung, und mir kam dann daheim der Gedanken: „Eigentlich nutzt Du verdammt viel Technologie.“

Ich unterstelle immer, dass ich noch nicht völlig abhängig davon bin, aber ich denke, das ist eine Illusion. Wir sind schon sehr lange von unserer Technologie abhängig, die älteren Leute sehen nur teils die neuen Technologien, von denen die „Jungen“ abhängig werden und sie noch nicht sind. Besonders augenfällig in heutiger Zeit sind freilich Computer, Internet und das zunehmend Mobile an Rechnern und dem Netz. So gesehen hängen wir aber schon seit sehr langer Zeit recht konsequent von Datenerfassung mit Technologie ab, von abstraktem Ersatz für reale Güter. Wer möchte denn schon auf Bank-Überweisungen verzichten? Oder auf Versicherungen, Rente und dergleichen? All das sind Dinge, die auf Netzwerken, Abgaben für abstrakte, nicht unbedingt vollständig sichere Güter und Datenspeicherung beruhen. Bei den einfacheren Technologien stellt sich dann die Frage: Haben wir uns klar gemacht, dass bereits mit dem ersten Wasserbau, mit den ersten Dämmen der Weg gelegt war für Hoover-Dam und Dreischluchten-Stausee, mit allen kurzsichtigen Aspekten daran, wir zum Beispiel der Unterstellung, dass der Südwesten der USA nicht trockener würde als er ohnehin schon ist? Ich habe kürzlich darüber gelesen, dass die Stauseen das Colorado zunehmend leerer sind als früher, weil weniger Wasser nachkommt und der Südwesten der USA gemessen an den aus dem Colorado speisbaren Trink- und Brauchwasser-Mengen zu viel verbrauchen.

Aber zurück zu mir. Ich frage mich: Würde ich heute noch so ganz einfach mit Stauansage aus dem Radio und Straßenkarte meinen Weg durch die Rush-Hour suchen? Ist nicht schon die Abhängigkeit von einem Auto für 87km Pendelstrecke erschreckend, selbst wenn man mal davon absieht, dass bei mir ständig eine an mobiles Internet gekoppelte Navigation mitläuft, die auf der Basis von anderen Autofahrern mit der selben Navigation ausrechnet, auf welcher Straße man wie gut durchkommt und so optimale Umleitungen empfiehlt und eine recht genaue Prognose der Ankunftszeit liefert?

Es mag sein, dass es erschreckend ist, sich uns ohne unsere Werkzeuge vorzustellen. Und es ist auch definitiv so, dass unsere Werkzeuge beziehungsweise ihr Funktionieren fragiler ist, als aufgrund unseres teils recht totalen drauf Verlassens gut erscheint. Dennoch würde ich nicht sagen, dass es irgendwann die Rettung der Menschheit sein muss, das Netz abzuschalten und die wild gewordenen Werkzeuge los zu werden – ich glaube auch nicht, dass unsere Abhängigkeit von Werkzeugen uns zerstört. Aber ich denke, hin und wieder bringt es etwas, differenziert über die Nutzung von Werkzeugen nachzudenken. Nicht in einer Weise „alle Werkzeuge dieser und jener Art sind böse und nehmen uns zu viel weg, nehmen uns unsere Menschlichkeit weg“. Diese Sichtweise habe ich im Bezug gerade auf vernetzte Technologien, Computeranwendungen – ob nun Spiele, soziale Netzwerke oder anderes – und vor allem Ideen der virtuellen Realität und künstlichen Intelligenz schon öfter gehört. Ich halte das in der Form für Alarmismus. Wir sollten aber drüber nachdenken, ob die Geräte so zuverlässig sind, wie wir uns drauf verlassen. Wir sollten aber unter anderem unter diesem Aspekt auch drüber nachdenken, ob unsere Nutzung von Technologie wirklich total gerechtfertigt ist.

Neulich, als ich zu meiner Trauzeugin nach Stuttgart rein gefahren bin, habe ich nach ihrer neuen Adresse nicht im Stadtplan geschaut, mir keine Linie auf den Stadtplan gemalt, mich nicht vorbereitet. Ich hatte ja mein Navi über Telefon und Netzdienste. Aber könnte ich das noch? Hätte ich auf die Schnelle einen Stadtplan von Stuttgart parat gehabt? Wahrscheinlich schon, denn ich hätte an einer dieser typischen Haltebuchten mit Stadtplänen gehalten und dann versucht, mir den Weg zu merken. Denn – wenn ich das Szenario schon konsequent durchdenke – meine Digitalkamera hätte ich dann ja auch nicht gehabt. Oder ich hätte – ganz altmodisch – jemanden gefragt, nach dem Weg. So wie mein Mann und ich vorgestern von einem Herrn nach dem Weg zur Stöckwiese gefragt wurden. Da wir gerade an der Halle dort vorbei gelaufen waren und die in der Halle stattfindende Feier recht eindeutig als türkische Hochzeit identifiziert hatten, hätten wir dem Herrn auch ohne Kenntnis des Namens der Straße helfen können. Ganz offline. Offenbar gibt’s das Backup-System also noch. In so fern: Alles super, ich werde heute nicht auf meine Stauanzeige mit Google-Maps Navigation zwecks besserem Durchkommen zur Arbeit verzichten.

Nur wo zum Henker ordne ich diese Philosophiererei über Technik vor meinem ganz privaten Kontext hier nun ein? Vermutlich unter allen meinen Kategorien.

Der Dschungel mal wieder

Heute muss ich sagen: B3, A5 und A8 präsentierten sich von ihren besten Seiten, was das Vorankommen anging. 63 Minuten prognostizierte Google Maps beim Losfahren, 63 Minuten habe ich gebraucht. Es stockte ein bisschen in den Baustellen, aber eher nicht wesentlich. Die Definition von stockendem Verkehr (30-10km/h) oder Stau (unter 10km/h) war nie dauerhaft erfüllt.

Aber ich habe doch etwas zu berichten. Und zwar von der B3, genau genommen von der Ampelkreuzung in Neumalsch. Da stand ich hinter einem LKW, der LKW war bei roter Ampel der erste in der Reihe. Und dann wurde die Ampel – durch den LKW für mich unsichtbar – wohl grün. Der LKW setzte sich langsam in Bewegung, und da erschrak ich ziemlich. Denn von mindestens zwei Autos hinter mir, nach meiner Wahrnehmung, scherte jemand aus, beschleunigte mit aufheulendem Motor auf der Linksabbiegerspur, fuhr an mir, am LKW vorbei, über die rote Linksabbiegerampel – und dann wieder auf die geradeaus führende Spur. Und ich stammelte beim Anfahren nur meinem Spiegel entgegen: „Dschungel, oder was?“

Dazu gab’s nach Pforzheim Ost noch eine nette kleine Spurwechselschere zwischen einem LKW und mir. Ich blinkte, hatte das Relais schon mindestens viermal, eher fünfmal klicken gehört, wollte etwa drei Autolängen vor einem LKW einscheren, der auf der mittleren Spur fuhr. Das Ganze geschah aus der Einsicht, dass ich nicht schnell genug beschleunigen konnte und mit 105km/h bei Tempolimit 120km/h auf der linken Spur nichts zu suchen hatte. Und was geschah? Ein LKW setzte den Blinker (als ich geschaut habe, blinkte er noch nicht – und mein Blinkerrelais klickte in der Zeit zweimal, nicht mehr) und scherte aus. Als ich gerade das Rüberziehen einleitete, war der LKW schon halb auf meiner Spur. Ein Glück fingen die Leute hinter mir noch nicht massiv an, nachzurücken, sonst wäre eventuell was passiert.

Gerade Überholen scheint mir manchmal wirklich gemeingefährlich zu sein.