Sowas wie „Plogging“

Bereits vorvorgestern habe ich mich ja über das ganze Glas auf den Rad- und Fußwegen echauffiert. Das ist nicht weniger geworden, also das Echauffieren. Am gestrigen Tag jedoch gab es erstens die Erkenntnis, dass ein halber Flaschenboden einfach so auf dem Radweg herumliegt – und ich verlor bei einem Experiment meinen Running Dynamics Pod auf dem Radweg von Bietigheim nach Elchesheim, da ich am Skate damit Schrittzahl messen wollte, das Ding aber abfiel. Nach der „ALB“, also der „Active Lunch Break“ mit Skaten, war also nicht nur der geplante Duathlon angesagt, sondern auch die Suche nach dem RD Pod.

Da ich ohnehin den Blick auf dem Boden hatte, nahm ich noch eine Tüte mit, um Glas aufzusammeln… und musste am Ende feststellen, dass die mitgenommene Tüte zu klein war. Gefunden habe ich das hier, alles auf oder unmittelbar neben dem Weg:

Plogging-Ausbeute auf 2,5km Radweg, Fokus war eigentlich, den rechts neben dem Papier legende RD Pod, so dass ich bestimmt nicht alles Glas gefunden habe.

Am Ende war die Aktivität, die ich dann durchführte, nicht von schlechten Eltern:

Eigentlich bin ich ja nicht unbedingt ein Ploggerin, wie man das Aufsammeln (plocka, schwedisch für „aufsammeln“) und Laufen (Jogging( neuerdings bezeichnet. Wenn ich was aufhebe, dann eher beim spazieren Gehen, denn ich laufe ja durchaus ambitionierte Trainings. Aber so lief es doch ganz gut und fügte sich zusammen.

Für 2,5 Kilometer Radweg mit Fokus auf der Suche nach dem RD Pod stellt die Menge an gefundenem Glas (restlichen Müll habe ich liegen lassen, meine Intention war der Schutz von Kinderhänden, Hundepfoten und Fahrradreifen) den Menschen, die Radweg und Straße benutzen, ein verheerendes Zeugnis aus, da ich sicher nicht alles gefunden habe…

Überall glitzert’s

Nein, ich meine nicht das Reifglitzern, weil wir auch in der Rheinebene nachts wieder Frost haben. Das finde ich eigentlich ganz nett, zumal man sich doch inzwischen recht sicher sein kann, dass es eher nicht mit Straßenglätte verbunden ist – nur die Pfützen sind morgens teils gefroren, aber die kann man mit dem Rad dann ja umgehen.

Aber die Eigenschaft als Radfahrerin gehört zu den Dingen, die mich hier über das Glitzern, das ich meine, ungehalten sein lassen. Es geht um das leidige Thema Glasscherben, das ich ja schon das eine oder andere Mal hier hatte.

An einem eher vom Dorf entfernten Vereinsheim: Glitzern von Glasscherben in der Wiese, manchmal auch auf dem Geteerten. In der Umgebung der Glascontainer, zur Zeit vor allem in der Wiese und im Bereich der dreckigen Rinne zwischen Straße und Wiese: unendlich viele Glasscherben glitzern einen an, auch einige auf dem Weg. Unterhalb des Friedhofs im Ort: Glasscherben, teils auf dem Weg. Ein halber Flaschenboden fiel mir auch schon auf. Manchmal hebe ich was davon auf und schleppe es zum nächsten Abfalleimer oder so. Eine Tüte mitzunehmen, um das Zeug einzusacken und daheim selbst zu entsorgen, daran denke ich leider nicht ganz so oft. Aber um ehrlich zu sein kapituliere ich inzwischen auch vor der schieren Menge: Es ist so unheimlich viel!

Glasscherben in Wiesen und auf Wegen sind nicht nur für Radfahrer ein Reifentod, sondern auch eine Gefährdung von Tieren – nicht nur Wildtieren, die nachts dort vielleicht lang laufen, sondern eben auch Hunden, die dort Spazieren geführt werden. Auch die Kinder, die fallen und sich auf ihren Händen abstützen. Von der absurden Idee, im Sommer mal barfuß durch die Gegend zu laufen, möchte ich gar nicht reden.

Mir ist nicht klar, was das soll. Klar, es kann schonmal in der Gegend des Glascontainers eine Flasche aus Versehen so runterfallen. Das zumindest notdürftig wegräumen wäre anständig, aber naja, was soll’s. Das liefert mir aber keine Erklärung für die schiere Menge an Scherben und die große Vielfalt von Orten, wo Scherben in Massen auf Wegen, in Wiesen, sonstwo herumliegen. Hängt’s vielleicht am Feiern draußen, weil man in Corona-Zeiten nicht im Innenraum miteinander feiern möchte, sondern zur Vermeidung von Ansteckung lieber im Freien einen gemeinsamen Platz sucht? Andererseits würde man doch in der Regel auch nicht all die Bierflaschen, die man bei einer Vor-Corona-Party zuhause oder im Garten geleert hat, einfach so zerschlagen! Oder treffen die Leute den Glascontainer nicht mehr? Fällt’s mir, da ich nun Rad fahre und mir Gedanken um die Integrität meiner Reifen mache, mehr auf, oder ist das tatsächlich eine neue Qualität?

Fragen über Fragen. Am Ende bleibt’s dabei: Leute, schmeißt doch Euer Glas nicht einfach in die Landschaft! Zerschlagt’s nicht! Lasst die Glasflaschen nicht rumliegen, wo das nächste Auto oder der nächste Traktor drüberfährt und es in tausend Stücke zersplittern lässt!

Reaktionen

Ich habe meinen gestrigen Post zum Thema „Glas, insbesondere Scherben auf (Rad-)Wegen“ auch auf Facebook geteilt. Dabei ergaben sich die einen oder anderen Reaktionen. Mir ist wichtig, diesen Reaktionen auch hier auf dem Blog eine Stimme zu geben.

Eine Freundin von mir (Hundebesitzerin) schrieb: „300 Euro…Das hat mich eine eingetretene Scherbe damals bei meinem Hund gekostet.
Nicht zuletzt laufen auch Katzen, Igel, Füchse darüber. Oft sind die Flaschen im Acker und werden vom nächsten Traktor in 1000 Scherben in die Erde eingearbeitet. Ich hab mich schon so oft geärgert. Als wir mal beobachtet hatten, wie 2 Schuljungen die an der Straße stehenden Altglasflaschen genommen und im hohen Bogen auf den Radweg haben fallen lassen…zum Spaß… da hat [ihr Mann] sie gestellt und sie mussten die Scherben einzeln einsammeln. Hinterher hab ich mit einem Handfeger die kleinsten Splitter gesammelt. Die sind besonders übel. Traurig ist das.“

Mein Mann (Radler) trug bei: „Hab grade mal was nachgeschaut. Sowas zu machen ist auch nicht billig – wenn man erwischt wird (was das Problem ist). Bis zu 800€ kann das kosten.“

Ein befreundeter Sportler bekannte: „Deshalb fahr ich (leider) oft genug Straße mit dem Rennrad. Allzu oft sehen Kraftfahrer in straßenparallelen, eigentlich guten Radwegen einen Altglascontainer 😤
Mit meinem Hund hatte ich da früher zum Glück keine Probleme. War aber auch zu 90% auf einsamen Waldwegen unterwegs.“

Eine weitere Freundin (Hundebesitzerin) schrieb: „[Name des Hundes] wäre mal fast daran verblutet und danach eine Behinderung. Alle Sehnen und Blutgefäße waren durch.“

Ich möchte das genau so wiedergeben. Ist es teuer und lästig und unnötig, was die Scherben den Rädern antun, so ist es wirklich tragisch, wenn Tiere oder Menschen durch diese achtlose, eventuell gar mutwillige Platzierung von Scherben verletzt werden. Deswegen ist der wesentliche Text heute nicht aus meiner Feder, sondern sind Zitate aus dem Kommentarthread zum gestrigen Post auf Facebook.