Hindernislauf

Heute war ich das erste Mal nach dem Sturm am Dienstag wieder im Wald laufen. Ich habe zuerst mit dem Lauftreff eine Runde im heimischen Wald zwischen Elchesheim, Steinmauern, Ötigheim und Bietigheim gedreht. Schon nach kurzer Strecke mussten wir von der üblichen Route abweichen, weil einige der Wege noch nicht geräumt sind. Nicht falsch verstehen: Die Helfer haben in den fünf Tagen seit dem Sturm Großes geleistet! Viele Wege sind wieder frei, aber die Schäden sind enorm. Das wird die Gegend noch eine Weile beschäftigen.

Nachdem ich mit dem Lauftreff so weit durch war, lief ich noch ein wenig in Richtung Norden, Richtung Durmersheim und Würmersheim. Dort hatte ich im Wald auf dem Weg zum Motoball-Feld zwei Bäume zu übersteigen, die quer über dem Weg lagen. Dann kam ein ganzes Stück durch Durmersheim, wo nicht ganz so viel zu sehen war – aber dann auf dem Hardtwaldweg zwischen Mörsch und Bietigheim, da sah man enorme Schäden. In der ersten Reihe des Waldes waren stellenweise fast ein Drittel der Bäume umgestürzt oder abgebrochen. Eine bestürzende Verwüstung!

Nach 33 Kilometern durch die Zone, in der die Superzelle am Dienstagabend gewütet hat, kann ich sagen: Die Gewalt, mit der der Sturm gewütet hat, ist schwer zu fassen, zumal es nur ein paar Minuten gedauert hat.

[KuK] Der Wasserweg vor unserer Tür

Dienstagabend in Bietigheim

Diese Straße heißt zwar nach dem Bach, der Bach selbst ist aber hinter den Häusern. Vom Unwetter am Dienstagabend strömte das Wasser im Bild nach links, es stand schätzungsweise 15 bis 20 Zentimeter hoch auf der Straße und den Bordsteinen. Zuvor fühlte es sich wie Weltuntergang an – 20 Minuten Blitze, 15 Minuten Sturm, Hagel und Regen, dann war der Strom weg und das Wasser da.

Flash …

Zur Zeit fühle ich mich ein bisschen wie Flash aka Barry Allen und Dr. Wells in einer Person: Ich laufe. Laufen ist ein ganz neues Lebensgefühl, wenn man mal drin ist. Laufen fühlt sich an, als wäre man ein anderer Mensch, vor allem, wenn einem dann mal auffällt, wie sich die Laufdynamik mit Aufbau der Muskeln verändert, aufbaut und plötzlich die Schritte sich ganz anders anfühlen, schneller, raumgreifender, wenn auch nicht größer, dynamischer, elastischer. Man ist schneller, und das ist ein Rausch – so weit der „Barry-Allen“-Aspekt. Dann bin ich es aber auch selbst, die mich dazu pusht. Ich lerne, wie ich besser laufen kann, schneller laufen kann, ich lerne etwas über meine Muskeln, meine Technik, die Dynamik meines Körpers. Auch über das Essen, was mir gut tut, wann es mir gut tut und wann nicht. Ich bin es, die diese bessere Läuferin aus mir macht, freilich mit Infos, aber vor allem ich bin es, die mich motiviert – das ist dann der „Dr.-Wells“-Aspekt. Ich verwende für das Bild die Staffel 1 der Serie „Flash“, falls sich jemand wundert.

Am Donnerstag jedoch hätte ich es fast darauf angelegt, den anderen Aspekt von Flash kennenzulernen. Denn in oben zitierter Serie wird Barry Allen durch einen Blitz und bestimmte Umstände zu Flash, dem schnellsten Menschen der Welt. Gestern, am Donnerstag, lief ich durch den Wald – und ich sah es einfach nicht, wie es ich zuzog. Dann, als ich schon merkte: „Huch, Wolken … es wird kühl, wird Zeit, dass ich nach Hause komme!“, fragte mich ein Mann mit Fahrrad im Wald, wo der Weg hinführe, auf dem ich unterwegs war – da war ich auf dem Weg Richtung Durmersheim. Ich wies ihm den Weg und lief weiter, langsam wurde mir bewusst, dass es WIRKLICH dunkel geworden war – und dann verließ ich den Wald. Schwere Wolken hingen über mir, Gewitterwolken. Nachdem ich bei 7,5km meinen Puls von gehaltenen 140 auf gehaltene 148 hochgepeitscht hatte, wurden die letzten 2km mit maximalem Tempo gelaufen – ich wollte heim, ich hatte Angst. Natürlich wurde ich nicht von einem Blitz getroffen. Das Gewitter kam aber erschreckend kurze 30 Minuten nach meiner Heimkehr über den Ort, in dem mein Mann und ich lebten. Aus der Sorge heraus hatte mein Mann mich auch beim Heimkommen angemeckert, mit der Frage, ob ich noch ganz bei Trost sei …

Ich war so froh, zuhause zu sein, und so schuldbewusst, dass ich ihm – wahrheitsgemäß – sagte, dass ich das Gewitter erst zu spät gesehen hatte, im Wald war es mir gar nicht aufgefallen. Ich wäre mit Zurückmotzen eh im Unrecht gewesen – und ich war aufgrund der zwei Kilometer „alles was geht“, nach vorher 12,5km durchaus auch flott laufen, zu sehr in meinem Runner’s High, um an Motzen nur zu denken.

Am Ende bin ich nicht Harrison Wells und nicht Barry Allen. Aber ich laufe. Laufen ist eine ganze Welt von Lebensgefühl. Und DAS verbindet mich mit Flash. Dass mich der Blitz nicht mit Flash verbindet, dafür bin ich dankbar.

Wetterleuchten

Am Sonntagabend fuhren mein Mann und ich vom Rollenspiel nach Hause. Wir hatten einen wundervollen Abend verbracht, unsere Gruppe besteht aus einem befreundeten Pärchen und uns beiden. Nun war es spät, wir beide müde – aber nicht zu müde zum Fahren. Am südlichen Himmel wirkte, wohl eine Kombination aus Effekten von Wasserdampf und Wolken, das Licht der Dörfer und Städte, das eine Aura über den Dörfern bildete, leicht rötlich.

Und dann blitzte es. Immer und immer wieder: weiße, helle, wattebauschartig wirktende Wolken wurden immer und immer wieder von Blitzen erhellt. Die Blitze selbst sah man gar nicht, nur die aufleuchtenden Wolken, die aber nicht wie gefährliche Gewitter-Wolken, sondern eher wie plötzlich angeleuchtete, größere, aber weiße Wolkengebilde am Sommerhimmel aussahen. Das ganze Stück A5 nach Süden von Karlsruhe Durlach bis Karlsruhe Süd und auch die lange gerade der B3 von Ettlingen bis nach Muggensturm hatten wir diese immer wieder aufleuchtenden Wolken vor uns. Wunderschön sah das aus, aber auch ein bisschen unheimlich.

Später, als wir daheim Blitz-Melde-Karten konsultierten, wurde uns auch klar, warum wir keinen Donner gehört hatten: Das Gewitter lag weit vor uns, die Wolken müssen sehr hoch gelegen haben. Nach unserem Dafürhalten waren es auch weitgehend innerhalb der Wolken zuckende Blitze, keine zum Boden hinunter: Das Gewitter lag über Haguenau auf der anderen Rheinseite, und die A5 wie auch die B3 biegen von ihrer süd-südwestlichen Richtung erst in Höhe Rastatt voll Richtung Süden ab. Somit schauten wir die ganze Zeit auf Wolken, die noch über dem Elsass hingen, weit vor uns. Bevor das Gewitter allerdings bei uns war, flaute es ab. Einerseits muss natürlich kein Gewitter daheim sein, aber auf der anderen Seite war ich fast enttäuscht, weil wir über das Forschen nach dem Ort des Gewitters eine herrliche für uns neue Blitzmelde-Karte gefunden hatten: Dort werden die Blitze in Echtzeit angezeigt, die Verzögerung abgeschätzt und entsprechend ein Ausbreitungskreis des Donners auf die Karte animiert, das Ganze unterlegt mit einer Satelliten-Karte von Google Maps. Ich wollte zu gerne Blitze sehen, mit der Karte abgleichen und dann auf den Donner warten – und mich darüber freuen, wie gut das zeitlich zusammenpasst, auch das Dauergrollen beim Übereinanderlaufen mehrerer Donner-Wellen auf Karte und Gehör parallel beobachten.

Nun ja – aber besser, das Gewitter endete und wir konnten gut schlafen.