Sechs schöne Tage…

Sechs schöne Tage habe ich nun in Castellana Grotte in Apulien verbracht. Viel gelaufen bin ich – 180,9 Kilometer in sechs Tagen, dabei auch 3125 Höhenmeter… das meiste war Dauerlauf, es waren aber auch Hügelsprints und eine Zehn-Kilometer-Endbeschleunigung dabei.

Wir haben mehrere Ausflüge gemacht – Polignano a Mare, Ostuni, Matera, zum Meer in Monopoli (einmal per Mietwagen, einmal läuferisch) und zur Karfreitagsprozession in Castellana Grotte. Es wurde gemeinsam gekocht, spazieren gegangen, erzählt und gelacht. Ein Ausflug heute Nachmittag, das Wegbringen des Mülls, ein gemeinsam gekochtes Abendessen, Frühstück auf dem Weg nach Bari und der Heimflug liegen noch vor uns, dann hat Deutschland uns wieder.

Ich bin dankbar, mit meinem Lauftreff eine so schöne Reise, ein Trainingslager verbringen zu dürfen und habe nun viele Kilometer Vorbereitung für meinen dritten Marathon-Wettkampf in den Beinen und einen Plan für die restlichen vier Wochen bis zum Dämmermarathon im Kopf.

Viel von all dem Furchtbaren, das meine Gedanken sehr in seinen Klauen hatte und wieder haben wird, dazu meine Arbeit und den fest gefügten Alltag konnte ich eine Woche lang wegschieben. Ich bringe die Kraft und Zuversicht mit nach Hause, mich dem wieder zu stellen. Und ich freue mich auch schon sehr auf zuhause!

Messfehler und zwei Arten von Ruhe

Weihnachten und der Jahreswechsel waren schön – das kann man nicht anders sagen. Leider habe ich nicht mit all den vielen Leuten mein Wiegenfest am Heiligen Abend verbringen können – und die Besuche zu Silvester waren auch eingeschränkt. Mein Mann und ich haben zwei gute Freunde, die einen Haushalt bilden, über die Festtage hier gehabt, und diese dann über den Jahreswechsel besucht. Es gab noch einen direkten Kontakt mehr, sonst war es das – Corona-konform.

Sportlich allerdings war die Zeit von Weihnachten über den Jahreswechsel suboptimal. Ich wollte nicht dauernd draußen sein, während ich Besuch hatte, die Lauftreff-Möglichkeiten waren auch eingeschränkt, und so lief es irgendwie nicht. Und so waren die wenigen Läufe, die ich nach den Festtagen gemacht habe, von zu hoch gemessenem Puls geprägt, dazu fehlte ein bisschen Dehnung und Training für den Nacken – und prompt hatte ich überhäufig Kopfschmerzen und war auch ansonsten nicht so fit.

Tja, nun hat sich das geklärt: Ruhe vor dem üblichen Stress mit Arbeit und allem drum und dran tut mir gut, Ruhe vor Sport nicht. Der zu hohe Puls lag schlicht daran, dass ich eine schlechte Batterie in meinen Pulsgurt eingebaut hatte – und der somit keine Daten lieferte. Die Laufeffizienz-Daten kamen nur vom RD-Pod. Die Handgelenksmessung des Pulses, das weiß ich schon, ist bei kaltem Wetter nicht so toll bei mir. Somit habe ich leider für mein neu geschaffenes Schmerztagebuch in Excel schon einige Einträge, ein paar Läufe mit absurd schlechter Form (die aber falsch bestimmt ist, wegen der Messfehler) – und weiß eines genau: Ruhe vor der üblichen Jagd des Lebens mit Arbeit und Alltag tut mir gut, Ruhe vor Sport nicht so.

Schade, dass es die freien Tage fast ganz brauchte, bis diese Erkenntnis da war. Aber besser Erkenntnis als keine!

Der Gewichts-Transferer

Gestern im Fitnessstudio berichtete der Chef und Trainer des Studios, er habe am Mittag seine Spaghetti gegessen – nein, regelrecht gefressen! Er stellte sich dann auf die Waage und konstatierte, er habe ein Kilogramm zugenommen.

Natürlich war das alles ein bisschen im Spaß gemeint. Er begann dann damit, dass er nun wohl wieder „Sechzehn-acht“ machen werde, also intermittierendes Fasten. Dann pries er, das sei gesund und außerdem nehme man ab. Ich konnte nicht umhin, in die Diskussion einzuwerfen, dass ich derzeit eher die Probleme habe, mein Gewicht zu halten. Das wiederum wunderte ihn nicht, bei der Menge an Kalorien, die ich täglich „raushaue“, wie er sagte. Mich wundert’s auch nicht. So war ein wenig das Thema für den Heimweg gesetzt, auf dem mein Mann neben mir her Rad fuhr – ich lief die etwas über sechseinhalb Kilometer nach Hause. Ich wies ihn daraufhin, dass er ja auch sowas wie „Sechzehn-acht“ mache, allerdings eher Fünfzehn-Neun, wie wir dann ausrechneten. Wir sprachen über den Bauch, der seine Problemzone ist, und ein wenig über das eine oder andere – dann meinte ich, dass ich gerade eher nicht abnehmen möchte.

Er meinte dann: „Willst du von mir noch ein paar Kilo?“ Würde ich sogar nehmen, wenn es denn ginge! Es ist wohl aber tatsächlich der Kalorien-Output bei mir, der entsprechend hoch ist. Ich mache mir ja auch immer ein bisschen Gedanken, da Schübe der Colitis ulcerosa auch in Gewichtsabnahme resultieren können. Aber die sind dann auch mit Mangel verbunden, an allem Möglichen, und was ich im Moment zu laufen in der Lage bin, sagt mir recht deutlich, dass von Mangel keine Spur da ist.

Aber wie gesagt: Das Gewicht würde ich nehmen. Nun suchen wir ein Forschungsinstitut, das einen Gewichts-Transferer erstellt, so dass ich ihm beim Abnehmen helfen kann und er mir beim Gewicht halten, zumindest so lange, bis er auf seinem Wunschgewicht und in der Wunschform ist. Natürlich darf die Forschungsinstitution die Idee, soweit umgesetzt, dann auch gerne patentieren und sich eine goldene Nase damit verdienen – uns würde schon reichen, wenn’s erfunden wird. Mir ist nämlich durchaus bewusst, dass die Leute, die kaum ihr Gewicht halten können, seltener sind als jene, die eher in der anderen Richtung Probleme haben – aber aus verschiedenen Gründen gibt es eben auch Leute, die phasenweise oder auf Dauer nur schwer bestimmte Mindestgewichte halten können, und das ist auch kein kleines Problem. Bei mir freilich ist’s eine Frage des Kalorienoutputs und ich könnte vermutlich mit konsequenterem „Training“ in „FdD“ („Friss das Doppelte“) recht rasch wieder auf den Punkt kommen. Aber es gibt andere, bei denen das krankheitsbedingt ist. In einer Welt, in der alle Leute nur abnehmen wollen, und viele übergewichtig sind, ist das dann ein so exotisches Problem. „Ich wünschte, das wäre bei mir auch so“, höre ich vom einen oder anderen, wenn ich darüber berichte, dass ich lieber wieder zwischen 63 und 65 Kilogramm liegen würde statt zwischen 61 und 63. Aber das ist ein System, bei dem es ein Optimum gibt, das zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ liegt. Es ist kein System, das nur in eine Richtung optimiert werden sollte – also nach oben oder unten – sondern eben auf eine Balance hin.

Advent, Advent – der Zucker brennt

Gestern wurde – seit langem einmal wieder – dieser Beitrag aufgerufen. Er stammt aus dem Sommer 2016 und stellt eine Rechnung dar. Im Sommer 2016 war ich recht stark auf dem Weg, schwerer zu werden – und mochte es auch damals nicht. Ich lief nicht, weil ich nicht so in die Sonne sollte – aufgrund meiner Colitis ulcerosa nahm ich das Immunsuppressivum Azathioprin, weswegen die körpereigene Abwehr gegen insbesondere den sogenannten weißen Hautkrebs nicht richtig funktioniert. Dennoch war mir sehr bewusst, dass ich etwas tun musste, da mein Gewicht immer mehr stieg.

Es war wohl auch so, dass ich mich in dieser Zeit ein wenig darüber ärgerte, dass es beim Runtergehen im Gebäude immer hieß: „Nehmen wir doch die Treppe!“, ging’s dann aber die drei Stockwerke wieder hoch, bestanden alle auf den Aufzug. Ich wollte schon damals lieber Treppe laufen. Also erklärte ich den damaligen Kollegen, dass treppab gehen wenig Energie verbrennt und gleichzeitig insbesondere bei Übergewicht die Gelenke stark belastet. Die Treppe hoch gehen dagegen schont die Gelenke und verbrennt mehr Energie. Auch bei meiner aktuellen Arbeitsstelle liegt mein Büro derzeit im vierten Stock. Ich fahre quasi gar nicht Aufzug, sondern nutze – hoch wie runter – die Treppe. Übergewicht, das meine Gelenke bei jeder Stufe runter zusätzlich belastet, habe ich auch nicht mehr.

Dennoch finde ich es interessant, was ich damals gerechnet habe. Reine Hubarbeit habe ich nur angesetzt und natürlich nicht viele Kilokalorien herausbekommen. 5 kCal an Energie braucht’s, wenn man meine damaligen 69 Kilogramm um 30 Meter nach oben bewegen will und Gehstil, Absenken des Körpers beim Aufkommen auf der Stufe und dergleichen unberücksichtigt lässt. Zur Zeit verbrenne ich meine Kalorien eher beim horizontalen Bewegen, unter anderem in Form des Anhebens des Körpers bei jedem Schritt – ca. 7% der Körperhöhe, nehmen einige Modelle an. Künftig will ich diesen Wert bei meinem Laufstil messen, mit einer neuen Sportuhr mit entsprechenden Peripherie-Geräten – die gibt’s nach dem Geburtstag. Dann kann ich mal sehen, wie sich mein rein physikalisches Modell und die Einschätzung der Sportuhr über den Energieverbrauch verhalten.

Es nicht zu weit treiben …

Es ist allgemein eine gute Idee, „es nicht zu weit zu treiben“. Das lehrt mich (auch) das Laufen, es gilt aber genauso für andere Dinge.

Ich bin vergangene Woche über 120 Kilometer gelaufen. Viele Leute werden jetzt fragen: „Wie jetzt? Es nicht zu weit treiben und dann das? Hast Du Dich verletzt und gemerkt, dass es zu viel ist?“

Nein, habe ich nicht. Es blieb bei der Erkenntnis, dass es viel war und in den Beinen zog, von Verletzung kann keine Rede sein. Meine Kilometerleistung im Jahr 2017 betrug 1400 Kilometer, im Jahr 2018 waren’s 2400 Kilometer, im Moment zeigt die Prognose für 2019 in Richtung 3800. Vor der 120er-Woche hatte ich schonmal eine 115er. Es gibt die Faustregel, nicht mehr als 10% pro Woche zu steigern, in Trainingsplänen sind stets Ruhewochen eingeplant, meist eine in vier Wochen. Dasselbe Prinzip gilt auch für anderes – geistige Arbeit, Feiern, eigentlich für alles. Aus dem Stand auf Höchstleistung und auf Dauerstrom Sein tun nicht gut, der Absturz danach kostet mehr Zeit und Kraft und erreichte Leistung, als der Sprint gebracht hat – wenn es überhaupt ohne bleibende Schäden bleibt.

Das Laufen lehrt mich, mit meinen Kräften zu haushalten – erstens über zum Beispiel einen Wettkampf, bei dem man auf längeren Wettkampfstrecken langsamer losläuft. Zu schnell starten kostet hintenraus unglaublich viel Zeit oder zwingt sogar zum Aufgeben. Zweitens lehrt laufen mich aber auch, generell mit meinen Kräften zu haushalten. Ich kann meinen geplanten langen Lauf am Sonntagmorgen nicht schaffen, wenn ich am Samstagabend spontan oder aus schlechtem Gewissen wegen Trainingsausfall am Freitag ein bretthartes Intervalltraining laufe. Ich kann auch nach einer 120-Kilometer-Woche nicht gleich eine 130er laufen, wenn’s die allererste Woche mit so viel Laufleistung war.

Ähnliches gilt für’s Feiern – mit zwei Geburtstagsparties am vorvergangenen Wochenende, einer gestern und einer Hochzeit am vergangenen freue ich mich schon auf ein ruhiges, völlig feierfreies Pfingstwochenende. Für’s Arbeiten gilt das natürlich auch – und wenn Druckaufbau und Frust zu groß werden, steigt die Leistung maximal kürzestfristig, kurz- und mittelfristig sinkt sie so, dass fraglich ist, ob der Sprint sich gelohnt hat – und langfristig kostet das mindestens Motivation.

Im Englischen sagt man: „Don’t push (yourself) too hard“. Für mich funktioniert die Übersetzung „Es/sich/andere nicht zu weit treiben/zu hart antreiben“ ganz gut.

Was der Sport-Diät manchmal fehlt

Sportler brauchen einen Haufen Nährstoffe, Mineralien, Vitamine …

Ich für meinen Teil erledige vieles davon über mein Frühstück. Meistens sind das Leinsamen, Kürbiskerne, Sesamsamen und Sonnenblumenkerne, dazu gepufftes Amaranth, Haferkleie, Heidelbeeren, ein Löffel Magerquark und Reis- oder Haferdrink drüber. Dazu kommt eine halbwegs abwechslungsreiche, wenn auch aus Zeitgründen leider nicht immer frische Kost am Abend. Mittags esse ich meistens nichts.

Ich habe – vor langer Zeit – mal den Spruch gebracht: Eine ausgewogene Sportlerernährung enthält Natrium, Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium und Dumdidumm. Freilich ist das ein Wortspiel mit der Alliteration, bewusst gebrochen mit dem Eisen. Es steckt aber auch eine Menge Wahrheit drin – denn „Dumdidumm“, also auch mal nachlassen, mal sich Ruhe gönnen, Beine hoch legen, Däumchen drehen, nicht gleich die nächste Trainingseinheit dranhängen, das ist auch mal gut und wichtig. Der Körper wird in der Erholung nach dem Training stärker, Superkompensation passiert in der Ruhephase nach dem Trainingsreiz.

Dummerweise ist das „Dumdidumm“ ein recht zeitintensiver Nährstoff. Im Zeit- und Selbstmanagement-Seminar von der Arbeit aus haben wir gelernt, dass zu einem Tages-Zeitplan auch Pufferzonen für unerwartete Dinge oder auch mal kurz ausspannen gehören. Aus aktuellen Anlässen waren die derzeit etwas wenig – viel Sport, viel Arbeit, viel zu tun. Da war für die Puffer und für die Ruhemomente nicht allzu viel Zeit. Das merke ich deutlich – unter anderem daran, dass ich dieses Jahr wieder etwas häufiger Kopfschmerzen habe als das Jahr zuvor, wenn auch lange, lange nicht so viel wie zu den härtesten Pendel-Stress-Zeiten. Dennoch ist das „Dumdidumm“ ein essentieller Mineral- bzw. Nährstoff. Ohne geht es nicht, es gibt keine Substitution, kein Nahrungsergänzungsmittel, keinen Ersatz dafür. Wenn man zu wenig Ruhe bekommt, rächt sich das. Früher oder später.

Es wäre schön, wenn ich mir das nachhaltiger merken könnte und es nicht immer wieder aus der Situation heraus feststellen würde. Im Sport, in der Arbeit, im Privaten. Lustigerweise kriege ich es im Sport noch am besten hin, mal immer wieder ein bisschen „Dumdidumm“ zu mir zu nehmen, wenn es nötig ist oder sogar bevor es nötig ist. In den anderen Bereichen habe ich noch dran zu arbeiten.

Darauf hören

Manchmal muss man auf sich hören – den Körper, das Emotionale. Eigentlich sollte man das immer tun, aber manchmal MUSS es sein.

Heute morgen wachte ich mit komischem Gefühl und Geschmack im rechten Teil des Rachens auf, krank fühlte ich mich nicht, aber so richtig gut auch nicht. Ich schaute nach, ob der Zug um 8:09 wieder normal fährt, um 40 Minuten später zur Arbeit zu fahren – tut er leider nicht. Ich wollte natürlich nicht erst um neun im Büro sein – das ist zwar eigentlich kein Problem, aber ich möchte es nicht.

Als ich dann um kurz vor sieben ins Bad hätte müssen, um Zähne zu putzen und dann loszugehen, damit ich um 7:29 den Zug erreiche, fühlte ich deutlich: „Tally, heute brauchst Du mehr Zeit.“ Vermutlich habe ich den furiosen Lauf in Neureut noch nicht ganz wegerholt, die kühle, trockene Luft des Lüftens am Frühlingsabend, die erwärmt noch trockener ist, all das kam wohl zusammen.

Ich gönnte mir also eine Stunde herumsitzen daheim – nun bin ich auf dem Weg ins Büro. Eine Stunde Minuszeit wird’s wohl heute – aber was soll’s? Wofür habe ich schließlich Gleitzeit! Der Körper dankt es mir, indem er zeigt, dass es wohl wirklich nur die Nachwirkungen von Neureut und die trockene Luft waren. Kann immer noch eine kleine Erkältung sein, aber fühlt sich nicht so an. Es hat sich in jedem Fall gelohnt, auf den Körper zu hören.

Genagelt

Am Samstag halfen mein Mann und ich bei Manuel, das neue Haus ein wenig auszuräumen oder eher: den alten, unschönen Innenausbau zu beseitigen, um den Neuausbau durch die Handwerker zu begünstigen. In wechselnder Besetzung sind Manuel und weitere Freunde da schon eine Weile dran, wir waren das erste Mal dabei.

Jedenfalls war beim manuellen Zerkleinern von Holzdecken-Nut-und-Feder-Brettern (also dem Zerbrechen) für den Container meine Motivation größer als meine Vorsicht. Dummerweise hatte ich überschätzt, wie gut der Handschuh schützte und prompt steckte ein Nagel durch den Handschuh in meinem Daumenballen auf der linken Seite. Das Blut floss, aber so richtig tief war die Verletzung nicht. Natürlich setzte die Blutung eher aus als die Befürchtungen. Wir hatten die Wunde zwar ausgewaschen und mit einem Pflaster überklebt, aber ich fragte mich dann: Ist meine Tetanus-Impfung noch aktuell? Zunächst einmal stürzte ich mich ins Weiterarbeiten, wir zerkleinerten die Bretter dann mit der Tischkreissäge und ich machte das tolle Bild – aber die Gedanken blieben. Tetanus ist ja richtig fies, wenn es auftritt.

Aber zum Glück lag daheim mein Impfpass, und als wir abends nach Hause kamen, checkte ich meinen Impfpass und durfte feststellen: Meine Tetanus-Impfung wurde 2014 aufgefrischt, alle zehn Jahre muss sie. Dementsprechend bin ich erst 2024 wieder dran, der Schutz ist also aktuell. Ich muss zwar gucken, ob sonst irgendeine Infektion auftritt, aber durch das Auswaschen bin ich da zuversichtlich.

Ich bin sehr froh, dass ich vor einigen Jahren mal mit meinem Impfpass zu meinem Arzt marschiert bin – zuvor hatte ich das etwas schleifen lassen. Aber beim Laufen macht man sich ja durchaus Gedanken über FSME, wenn man viel durch den Wald rennt, und da kam dann quasi als Kollateralnutzen noch die Erneuerung des Schutzes gegen Tetanus, Diphterie und noch zwei andere Sachen mit. Zum Glück!

Auf und Ab

Es sind diese Momente, die zusammenwirken. Diese Momente völliger Begeisterung und der Ernüchterung, die manchmal unglaublich intensiv im Kontrast nebeneinander stehen. Der Alltag ist voller Dinge, die man gerne macht und solcher, die man ungern macht oder die einem ein schlechtes Gewissen machen. Den Alltag zu bewältigen heißt, den emotionalen Kontrast abzumildern, die regelmäßigen kleinen Erfolge und Niederlagen nicht so extrem zu sehen. Bei den Erfolgen gelingt das meist zu schnell, Niederlagen sind schwieriger, da geht’s eher zu langsam.

Heute Morgen hatte ich das Extrem mal wieder. Ich wurde von einer Kollegin angesprochen, auf eine dienstliche Geschichte, die heute läuft. Ich reagierte begeistert, denn dieser Aspekt – diese Arbeitsstätte, mit der ich zu tun habe, was ich dort machen darf, dass sie in meine Zuständigkeit fällt, was die Leute dort tun – das begeistert und fasziniert mich. Es ist einfach superspannend! Dabei ist es eigentlich nur Arbeit. Keine zwanzig Schritte weiter holte ich eine Mappe aus der Post, auf der ein Post-It klebte. Jemand, der mir zuarbeitet und das gut tut, monierte ein Versäumnis, mit dem ich der Kollegin das Leben etwas schwerer gemacht hatte. Nicht beabsichtigt, nicht aus bösem Willen, einfach nur, weil ich nicht dran gedacht hatte. Dabei war ohne auch nur die Spur eines Nachdenkens einzusehen, warum an der Stelle zwei Büroklammern Wunder wirken, um besser zuordnen zu können, was zu was gehört. Mir ist natürlich klar, was wozu gehört, weil ich die Dokumente erstellt habe, um die es ging. Aber unter anderen Aspekten muss man da echt suchen, wie alles zusammengehört. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, auf weniger als 15 Meter Flur. Das ist wie das erste Mal frisch verliebt und so kann man seinen Alltag nicht bestreiten, erst recht nicht bei für alle gesundem sozialen Arbeitsleben, denn Stimmungsschwankungen wirken sich ja immer auch auf die anderen aus.

Ich bin froh, dass ich so intensiv empfinden kann, ich bin auch froh, dass ich eine Arbeit habe, in der ich mich so wohl fühle, die ich gut machen will, dass sie so etwas auslöst. Dennoch ist es nötig, diese Achterbahn etwas einzuebnen, die Kurven, Steigungen und Gefälle, mindestens mal die Loopings aus den Schienen rauszunehmen. Dieses Auf und Ab ist nämlich emotional anstrengend, sehr sogar. Nur zu sehr einebnen sollte man’s nicht. Sonst wird es stumpf.

Es gibt da einerseits die Balance aus Gutem und Schlechtem. Durch Gewöhnung wird meist ein allzu guter Durchschnitt der Ereignisse des Alltags normal, das funktioniert – nicht ganz so schnell – auch beim Ausschlag in die schlechte Richtung. Aber die Bilanz am Ende ist nicht die ganze Wahrheit. Auch die Amplitude, die Stärke und Häufigkeit der guten und schlechten Ausschläge, die sich (durch die Gewohnheit) am Ende meist zu irgendwas um die Mitte herum ausgleichen, spielt eine Rolle. Ein Alltag, der aus einer Achterbahn von Euphorie und Katastrophengefühl besteht, ist kaum auf Dauer bewältigbar. Auch hier reduziert die Gewohnheit die Amplitude, wie sie auch den Mittelwert Richtung Ausgleich verschiebt. Und das ist auch gut so, sonst würden wir alle durchdrehen, glaube ich.