Weiche Hindernisse

Gestern Abend habe ich meine Lauferei nach dem Wettkampf und der Erholung davon wieder gestartet. Ich möchte es nicht übersteigern, aber irgendwie war es keine gute Woche – meine Laune war am Boden. Das mag seltsam erscheinen, aber ganz unverständlich ist es nicht für mich: Ich habe einen großartigen Wettkampf hingelegt, meine eigenen Erwartungen übertroffen und das Training hat sich gelohnt. Nun ist aber plötzlich der nächste Wettkampf weit weg, man kann nicht permanent jedem seinen Erfolg unter die Nase reiben. Dazu war ja noch einiges an unserer Fassade zu tun – obwohl die Nachbarn da tatsächlich mehr übernehmen als wir, ist es doch ungewohnt mehr als sonst, und dazu ungewohnte Arbeit. Dazu noch ist mein Mann erkrankt, die Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat er sich selbst und mich mit Husten wach gehalten, hatte keine Stimme – und natürlich hatte ich die starke Befürchtung, mich anzustecken, erst recht nach dem Halbmarathon … aber zum Glück scheine ich diese Viren nicht angenommen zu haben.

Aber … ich gleite ab. Denn ich hatte auf meinem Wieder-Anlaufen nach dem Wettkampf zwei „weiche“ Hindernisse. Das erste war auf dem Weg neben der künftigen Bahnstrecke. Bei uns vor dem Dorf wird neben der neuen Trasse der B36 auch eine neue Bahntrasse gebaut. Diese dient als Zuleitung zum Tunnel unter Rastatt – genau zu dem Tunnel, dessen Bau die Rheinschiene letzten Herbst lahmgelegt hat. Meine kürzeren Laufstrecken führen an der Baustelle der nicht im Tunnel laufenden Strecke zum Tunnel hin entlang, und dort wurde der Feldweg nun durch einen asphaltierten Weg für Baumaschinen ersetzt. Dummerweise ist der Wendekreis der Baumaschinen zu groß, so dass sie in einer engen Kurve von Weg oben auf der Böschung zum Weg hinunter auf die Bahnbaustelle über den Dreck seitlich des Weges fahren – nach dem Regen der letzten Tage haben sie eine 15 Meter lange, bis zu 10 Zentimeter dicke, sandige Dreckschicht auf die Straße geworfen dabei. Meine schönen, neuen Saucony Kinvara 9 sehen nun so aus:

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Aber es gab noch ein anderes „weiches“ Hindernis. Das zweite Hindernis ist so ein „weiches“ Hindernis, das Autofahrer langsam werden lässt: Eine Geschwindigkeitskontrolle, aber keine mit Blitzer, sondern eine mit Anzeigetafel und Smiley. Dieser Smiley wird ein Grinsesmiley, wenn man das Limit einhält, und ein böser Smiley, wenn man es überschreitet. Ich habe zwar keine Ahnung, ob die Straße vor unserem Rathaus Spielstraße ist – ich fahre da eigentlich nie mit dem Auto lang – und wieso das Gerät plötzlich mich registrieren konnte – aber für eine Spielstraße war ich zu schnell. Der Smiley guckte böse, 12 km/h waren angezeigt. Kein Auto weit und breit, und mein Tempo passte auch – das Gerät muss wohl mich verwarnt haben, ich sei zu schnell. Das fand ich nun irgendwie WIRKLICH witzig!

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Schadenfreude 2.0

Und wieder ist es passiert. So wie ich vor einiger Zeit einem Polizeiauto zuschaute, wie es auf die A8 bei LKW-Überholverbot auffuhr, direkt davor ein LKW zu überholen begann – und dann rausgezogen wurde …

Heute hatte ich diesen Moment, in dem ich auf der A831/B14 im Tunnel am Johannesgraben bedrängelt wurde. Ich fuhr 85km/h am Beginn des Tunnels und ließ auf ca. 60km/h auslaufen, was ja genau das Limit dort ist. Hinter mir hatte es jemand eilig, der Abstand verringerte sich zusehends, obwohl die linke Spur frei war. Als ich dann mit den vorgeschriebenen Sechzig aus dem Tunnel kam, scherte das andere Auto aus –

BLITZ!

Ich glaube, den Fahrer hat das ziemlich geschockt, er fuhr dann auch gleich so weit recht rüber wie möglich und bremste runter. Tja, es ist nicht unbedingt so, dass ich die 60km/h Limit an dieser Stelle voll einsehe. Auch an vielen anderen Stellen ist es fraglich, ob die Geschwindigkeitslimits nicht vielleicht eher so niedrig sind, wie sie sind, weil man eh davon ausgeht, dass sie um 20km/h überschritten werden, weil’s erst bei mehr Überschreitung Punkte gibt. Aber prinzipiell sehe ich ein, dass die Geschwindigkeitslimits für Lärmschutz, Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und Erhalt der Straßen essentiell sind. Wahrscheinlich bräuchte man bei häufigeren Kontrollen auch nicht ganz so strenge Limits anlegen – wie gesagt, im Alltag sind 20km/h Überschreitung scheinbar Standard, während 20km/h Unterschreitung bei bekannten Blitzerpositionen oft zu Staus führen – schließlich bremst der gesamte Verkehr um 40km/h herunter, wo ein Blitzer stehen könnte.

Jedenfalls begeistert es mich zu sehen, dass eben doch kontrolliert wird. Denn es dient der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, der Gesundheit der lärmbelästigten Anwohner und an manchen Stellen auch dem Erhalt z.B. von Brücken. Also auch meiner Sicherheit, Gesundheit und dem Erhalt der Infrastruktur, die ich benutze.

… und ich kann absolut damit leben, dass das nun spießig klingt.

Von Blitz und Fehlleistung

Heute Morgen passierte es mir auf der A8. Auf der Überleitung von A8 auf A8, Richtung Stuttgart hoch. Dort gibt es eine stationäre Geschwindigkeitskontrolle für zwei Spuren. Die variable Geschwindigkeitsregelung zeigte 100km/h Limit. Und doch blitzte es vor mir, auch wenn mein Tacho nur 80km/h zeigte – vor mir fuhr ein LKW oder Bus. Und dann wurde der Instinkt wach: Ich stieg auf die Bremse.

Ich könnte mich dafür ohrfeigen, denn dieses Bremsmanöver war eigentlich zu rasch und hätte durchaus einen Unfall verursachen können – und ich hielt das Limit ein, und wusste das auch. Aber der Instinkt sagt: Roter Blitz, steig auf die Bremse. Da kann Vernunft und Ratio sich auf die Hinterbeine stellen, es bringt nix.

In so fern verstehe ich ein bisschen die Fahrer auf der A8 weiter oben, in der Gegenrichtung, die vor der stationären Geschwindigkeitsmessanlage runterbremsen. Wenn vor ihnen ein LKW fährt – wie erkennt die Anlage das überhaupt? – blitzt das Ding schon bei 85, selbst wenn groß leuchtend 120 oben in den Anzeigen steht. Und wenn’s blitzt, bremst man. Schuldbewusst oder wie auch immer.

Sehr ärgerlich ist das! Aber die Frage ist auch, wie man es besser macht. Denn die unterschiedlichen Tempolimits für LKW und PKW sind durchaus sinnvoll, ebenso variable Tempolimits an manchen Stellen. Und Kontrollen sind auch sinnvoll. Aber dann blitzt’s halt für den LKW, der PKW kriegt instinktiv Angst und steigt in die Eisen und eine Stauwelle breitet sich durch den Verkehr auf und schon hat man den Salat.

Einzig eine Sache gibt es, wo ich mir denke: Das ist doch nun wirklich nicht nötig. Öfters erlebe ich, dass bei recht zähem Verkehr auf der letzten Anzeige von variablen Geschwindigkeitslimits vor dem Blitzer eben nur das Stausymbol steht – auch wenn der Verkehr mit 70km/h oder mehr fließt. Und dann fragt sich instinktiv alles in mir: War da nun auf der Tafel vorher 100? Oder 80? Oder gar 60? Man bremst sicherheitshalber runter. Oder es blitzt beim LKW und prompt steigt man in die Eisen. Das müsste nicht sein, und ich würde auch sagen: Da sollte immer die gerade aktuelle Limitierung auf JEDEM der Anzeigesysteme stehen, und ganz besonders auf dem letzten vor dem ortsfesten Blitzer.

Die Nachstockung

Vorkommen: Nach jeder Art von Spur-Zusammenführung, sichtbarem Blitzer, Auffahrt, Senke – kreiert hat mein Kopf den Begriff anhand von Staus nach Spur-Zusammenführungen.

Symptome: Eben stockte es, gerade lief es wieder. Und schon steht man wieder. Genau das ist die Nachstockung. Die Ursache ist am Straßenrand hinter einem zurück geblieben und stockt’s gleich nochmal, oft sehr abrupt.

Unterstellte Ursachen: Eben erst hat man mit Bravour die Sache gemeistert: Man hat nach eigener Auffassung sinnvolles Einfädeln hinbekommen – ob nun reinrassiger Reißverschluss oder Reindrängeln oder viel zu früh einscheren, man selbst fand’s richtig. Oder man hat richtig geschaltet für die Senke, am Blitzer die richtige Geschwindigkeit (oder vielleicht 20 weniger) durch abruptes Bremsen drauf gehabt. Sprich, man hat alles richtig gemacht. Nun soll aber auch mal eine Belohnung dran sein – man darf wieder auf die schnellste Spur fahren, ein bisschen dichter auffahren, weil der Vordermann nur schleicht und …

Plötzlich werden die schlagartig einsetzenden egoistischen Fahrmanöver mit noch immer vom Stocken zu geringen Abständen kombiniert und schon bremsen alle zum Stillstand ab – je kürzer die Abstände, um so abrupter und um so nachhaltiger wirkt sich die Nachstockung aus. Oft vereinigt sie sich sogar mit der Stockung an der vorherigen Ursache.

Nervfaktor: Unnötig wie ein Kropf, keiner kommt schneller voran. Ich könnte in’s Lenkrad beißen, aber das schmeckt ja nicht.

Vorfreude in Teer

Heute morgen ging es fahrtechnisch am Karlsruher Dreieck mal wieder nicht so toll – aber dann zeigte sich doch, dass in Baden-Württemberg Pfingstferien sind: Vom Beginn an auf der A8 lief alles großartig und flüssig und …

Naja. Ich war allerdings nicht so sehr von der Verkehrssituation beeindruckt, denn eine gewisse Entspannung wegen der Ferien hatte ich erwartet. Nein, wesentlich mehr beeindruckt hat mich der Fortschritt an zwei Baustellen.

1. Sechsstreifiger Ausbau der A8 zwischen Karlsbad und Pforzheim West. Dort ist nun nicht nur der Damm fertig, der die Brücke bei Nöttingen an die Fahrbahn auf der Karlsruher Seite anschließen soll, nein: Es zeigt sich schon eine erste schwarze Schicht auf dem Damm. Es wird also schon an einer Fahrbahn gebaut. Und auch wenn diese Baustelle noch lange nicht fertig ist – Prognose ist irgendwann, vermutlich am Ende des Jahres 2015 – wird dann endlich die Brücke ihren Effekt zeigen, die A8 wird hier also eine Autobahn moderner Auslegung: Nicht über 4% Steigung. Das wird dann hoffentlich die übliche Senkenstockung bei Nöttingen ein bisschen rausnehmen, so bald der Verkehr über eine der neuen Fahrbahnen läuft – vorerst noch baustellenhaft vierstreifig, die linken Fahrstreifen jeweils nur 2,20m breit, aber immerhin! Außerdem zeigt sich weiter oben deutlich, dass die an Baggerarmen befestigten Meißel und die Bagger auch mindestens am Samstag nicht stillgestanden haben, denn es ist erheblich mehr Strecke schon auf dem richtigen Niveau, um dort eine Richtungsfahrbahn nach Karlsruhe hin zu bauen.

2. Fahrbahnerneuerung zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost. Dort habe ich heute frischen Asphalt auf der Fahrbahn gesehen, die gerade gesperrt ist – es geht was voran und vielleicht ist diese Baustelle auch bald passé.

So ganz nebenbei habe ich mich auch noch gefreut, dass endlich mal an einer Stelle, an der auf der A8 die Geschwindigkeit wegen Steigung und Lärmschutz auf 80 begrenzt ist, tatsächlich auch kontrolliert wurde! Das ist super, denn dort wird das Limit gerne nur als Vorschlag begriffen, obwohl es durchaus sinnvoll ist, gemessen an Straßenverhältnissen und Nähe von Häusern der Anwohner.

Dschungel oder was?

Am gestrigen Morgen bin ich wieder einmal meine Ausweichstrecke über Bruchhausen, Ettlingen und Busenbach gefahren. Natürlich vor allem wegen des Staus auf der A5, der sich ja immer schön über die Auffahrt und die B3 fortsetzt. Dabei habe ich allerdings auch etwas feststellen dürfen: Es kann tatsächlich sein, dass ich am Ortsausgang von Bruchhausen letzte Woche eine Geschwindigkeitsübertretung begangen habe und dabei erwischt wurde.

Ich fuhr an dem Tag dort entlang, aus dem Kreisel am Ortsausgang heraus und ging davon aus, dass nach dem Kreisel die 30 im Ort aufgehoben waren, man also bis zum Ortsschild 50, danach 70 fahren dürfe. Als ich allerdings auf’s Gas drückte, hatte ich den Eindruck, von hinten eine Lichthupe zu bekommen. Irritiert sah ich wieder nach vorne und glaubte, entweder einen Blitz oder eine Reflexion auf meiner Brille zu sehen. Der Tacho zeigte 45 – und ich fragte mich, was nun war. Denn bei 50 hätte es sicher nicht geblitzt und der Hintermann, der gerade aus dem Kreisel kam, hätte mich auch sicher nicht mit der Lichthupe vor einer Kontrolle warnen müssen. Inzwischen bin ich etwas schlauer: Ich hatte tatsächlich zwar recht, dass 30 im Ort sind, und natürlich würden die nach einem Kreisel aufgehoben sein. Aber Bruchhausen ist eine Tempo-30-ZONE, zumindest ein Teil davon, und dieser Teil endet erst zwischen Kreisel und Ortsausgang Richtung Ettlingen. Somit muss ich wohl mit einem Brief rechnen – wenn er auch nicht zu drastisch ausfallen wird. Ärgern tut es mich dennoch, vor allem, weil ich es eben einfach übersehen habe, dass es sich um eine Tempo-30-Zone handelte.

Aber deswegen denke ich noch nicht, wir leben im Dschungel. Der Eindruck kam eher, weil ich heute – wieder auf der Ausweichstrecke, nun aber auf der Straße vom Wattkopftunnel Richtung Bad Herrenalb, schön mit den erlaubten 70 hinauffuhr und plötzlich merkte, wie von hinten ein Fahrzeug näher kam. Etwas abgelenkt habe ich erst mit etwas Verzögerung realisiert, dass vor mir die Ampel auf Gelb umsprang. Kein Problem, ich war inzwischen zu nah, noch zu bremsen, und außerdem hielt die Gelbphase noch lang genug, um mich locker durch zu lassen. Nur: Der Hintermann, mit einigem Abstand, fuhr auch noch rüber – und da war’s sicher schon rot. Okay, dachte ich mir, das muss ja nun bewusst geschehen sein – muss er wissen, so lange er niemanden gefährdet. Und dann kam die Ampel, an der ich nach Busenbach abbiege. Besagter anderer Fahrer war im Laufe der Strecke etwas hinter mir zurückgeblieben, und ich war auf die Linksabbiegerspur gefahren und guckte zu, wie eine ganze Reihe Schüler und andere Leute über die Ampel gingen – von links nach rechts, wohl zum Bahnhof auf der rechten Seite der Straße. Die Fußgängerampel war grün, der aus Busenbach heraus links abbiegende Verkehr achtete schön auf die Fußgänger.

Und da quietschte es plötzlich fies. Ich drehte den Kopf und sah zur Seite – und sah meinen Ex-Hintermann, der die vorherige Ampel so großzügig behandelt hatte – der gerade noch zum Stehen kam, mehr als drei Viertel der Länge bereits über die rote Ampel für die Geradeaus-Fahrer geschoben. Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte einen für die Fußgänger bremsenden Linksabbieger gerammt – oder wäre in die Fußgänger hinein gefahren. Da dachte ich dann auch: An einer Ampel, wo weit und breit kein Querverkehr und keine Fußgänger zu sehen sind, die gerade erst rot geworden ist – sicher kein Kavaliersdelikt. Aber an einer Ampel, die Fußgänger gerade akut schützt, mit Querverkehr und die gemäß meinem Warten schon eine Weile rot ist – das sieht entweder nach wirklich eklatanter Unaufmerksamkeit oder nach Methode aus. Das hat mich dann doch ziemlich geschockt.

Der Blitzer-Auflauf

Vorkommen: Vor stationären und mobilen Geschwindigkeitsmessstellen, bevorzugt solchen, die bekannt oder üblich sind.

Symptome: Während der Verkehr vorher mit ungefähr 20km/h mehr als erlaubt fließt, gelegentlich auch etwas mehr oder weniger, verringern sich direkt vor der Geschwindigkeitskontrollstelle Geschwindigkeit und Abstand massivst, meistens auf 20 oder mehr Kilometer pro Stunde unter das lokale Tempolimit.

Unterstellte Ursachen: Schlechtes Gewissen. Nichteinhalten von Tempolimits und massive Überkompensation. Unkenntnis des Tempolimits. Zudem: Verstärkungseffekt von verringertem (auch zuvor schon zu geringem) Abstand und starkem Bremsen.

Nervfaktor: Argh! Aber meistens ist es schnell wieder vorbei. Einziges Problem: Vor lauter Gucken und Bremsen und allem kommt man kaum dazu, sich mit dem Blick auf den Tacho zu vergewissern, dass man auch wirklich schon vor dem Bremsen nicht zu schnell gewesen wäre.