Autsch!

Leider ist es so: wenn es kommt, kommt es dicke. Dass auch die eigene Unachtsamkeit aufgrund von „mehr als sonst“ oder gar „zu viel“ dazu beiträgt, die Situation zu verschärfen, habe ich heute eindrucksvoll bewiesen bekommen.

Es ist kurz vor Weihnachten, es gibt unzählige Dinge noch in diesem Jahr zu erledigen. Dazu habe ich noch einen Beitrag zu unserer Weihnachtsfeier auf der Arbeit gebastelt – einen kulinarischen: blanchierter Spinat mit einer Sesam-Mirin-Sojasauce-Sauce. Also hatte ich heute nach Stau auf der Autobahn bei der Fahrt zur Arbeit, engem Zeitrahmen bis zum ersten Termin am Morgen auch noch eine Tasche und eine Schüssel zu tragen. Wie meistens, wenn man hundert Dinge denkt, in Eile ist und auch physisch zu viel schleppt, wird man unachtsam. Mein Fuß rutschte seitwärts vom Bordstein, das Gleichgewicht war weg, zumal ja auch die Arme ungleich schwer waren: In der einen Hand hatte ich die Metallschüssel mit Gomaae. Also fing sich mein Körper über linkes Knie, dann rechts Knie, dann linken Handballen ab. Schlimmes ist nicht passiert, aber für einen Moment hat es schon weh getan. Dazu sind in der robusten, tollen Eislaufstrumpfhose, die im Winter zu meinen Röcken fest gehört, am linken Knie ein paar Löcher und ein paar Flecken, am rechten Knie ging’s mit zwei Löchern ab. Zum Glück habe ich ja Overknee-Strümpfe an, die ich zur Zeit normal unterhalb der Knie lasse – die habe ich einfach hochgerollt, schon sieht man nichts mehr.

Aber die Lehre aus dem Ganzen ist: Auch wenn die Zeit knapp ist, gehe lieber zweimal, wenn zu viel zu tragen ist. Auch Gehen ist nichts vollständig Selbstverständliches, man kann nicht beliebig Konzentration davon abziehen, irgendwann ist man nicht mehr auf unvorhergesehene Dinge vorbereitet.

Mittagspause

Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht –

So fangen Vorsätze an, die man früh ansagt und dann doch nicht einhält. Also: Ich habe damit angefangen, jeden Tag die Mittagspause mit einem Spaziergang zu verbringen, statt herumzusitzen oder in der Mensa etwas zu essen, das mich qualitativ nicht befriedigt. Also gehe ich spazieren – meistens eher flott.

Heute ging es wieder durch den Pfaffenwald in Stuttgart-Vaihingen. Die Gegend ist der Ausläufer des Rot- und Schwarzwildparks in Richtung Vaihingen, und untenstehend könnt Ihr sehen, wie hübsch Sonne und Wald miteinander in Wechselspiel traten.

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Gegangen bin ich übrigens fünf Kilometer in 45 Minuten und habe dabei fast neunzig Höhenmeter aufwärts bewältigt.

Spazierengehen vs. Laufen

Ich laufe nicht jeden Tag – wer tut das schon, zumindest unter den Hobby-Läufern? Klar, bei kurzen Strecken und manchmal, wenn man Zeit hat, geht das schon. Aber wenn man etwas länger unterwegs ist, spürt man das Vorhandensein einer vergangenen Beanspruchung einerseits noch eine Weile, die länger als 24 Stunden anhält – ich zumindest – und andererseits ist es schwer, in einem normalen Arbeitsalltag mit Sozialleben und noch privaten Dingen, die zu erledigen sind, jeden Tag eine Stunde Laufen oder mehr unterzubringen.

Nun habe ich mir aber einen Schrittzähler gekauft, wenn auch nicht vor allem des Schrittzählers wegen. Die 8000 Schritte pro Tag habe ich als Ziel gesetzt und die Serie der erfüllten 8000 Schritte hält nun schon zehn Tage. Wenn ich aber nicht jeden Tag laufe und mein Schrittziel nunmal im Raum steht und ich es erfüllen will, weil Serien verdammt motivierend sind … muss ich irgendwie auf die Schritte kommen. Wenn man so zählt, merkt man schon, dass manche Tätigkeiten durchaus mehr Schritte beinhalten, als man das dachte – zum Beispiel aufräumen, kochen oder auch Zeug zwischen Küche und Esszimmer oder Wohnzimmer hin- und hertragen. Kurze Wege, aber häufige Wiederholung – es sammelt sich. Andererseits gibt’s da beispielsweise die Strecke vom Büro zur Teeküche und mit den Tassen zurück. Vom Büro zum Labor und die Treppe hoch wieder zurück. Bevor ich den Zähler hatte, hätte ich diese Wege als die Hauptquelle meiner Schritte pro Tag angesehen. Indes: Sie sind es nicht. Diese Wege gehe ich zwar wiederholt pro Tag, aber nicht so oft wiederholt wie die kurzen Wege beim räumen, kochen, Tisch decken und abräumen.

Was ist das Resultat?

Genau. Ich gehe spazieren. Ich trage dabei keine Sportklamotten, bin also nicht im Sinne des verlinkten Beitrages eine Walkerin. Aber ich gehe, gelegentlich durchaus auch flott. Statt in der Mittagspause herumzusitzen, wenn ich eh nichts esse, drehe ich eine Runde um den Block, steige danach auch fleißig die Treppe hoch – oftmals vom Keller bis zum Dach des Gebäudes, in dem ich arbeite, um dann drei Stockwerke wieder unter auf den dritten Stock zu gehen – außerhalb der Aufzugstoßzeit auch mal statt Treppe wieder runter auch per Lift. Schließlich sollen meine 8000 Schritte ja auch Schritte mit mindestens dem Energieverbrauch von Schritten auf der Ebene sein, also eine gute Bilanz zwischen Kraftaufwand und Gelenkbelastung haben.

Das bewusste Gehen von Wegen zu Fuß, der Nachtspaziergang und auch mal ein Gang zum Supermarkt zu Fuß, obwohl ich weiß, dass wir wegen des großen Einkaufs kurz darauf nochmal per Auto hinmüssen, hat sich in meinen Alltag eingeschlichen, schneller als ich dachte. Die Strecke, die ich zu einer bestimmten Aktivität zu gehen bereit oder willens bin, hat sich vergrößert – auch wenn’s länger dauert als mit dem Auto oder man es mit dem Auto vielleicht (vor allem aus Faulheit) gar nicht gemacht hätte. Tut mir gut, tut dem Verbrauch meines Autos gut, spart das Verbrauchen von Treibstoff im Allgemeinen – und bringt mich auch dazu, mehr Dinge zu tun, die ich sonst nicht täte: Schließlich kommen durch das dort hin Gehen auch meine Schritte für das Schrittziel zusammen.

Nun bin ich gespannt, ob die Spazierengeherei und das Laufen so synergieren, wie ich es erhoffe …

In Laufgeschwindigkeit spazieren gehen …

… das habe ich gestern gemacht, als ich in der Sauna war. Na ja, wenn man es genau nimmt, habe ich das vorher gemacht. Nachdem ich unseren Spaziergang am Feiertag getrackt hatte und als Gehen gelabelt hatte, hatte ich meine Runtastic-App noch nicht wieder auf Laufen umgestellt. Prompt hagelte es Lob aus dem Äther – ich sei so schnell spazieren gegangen wie nie, neuer Rekord, Bla-Bla!

Nachdem ich meine Scherze darüber getrieben habe, ich sei mit einem Schnitt von 8:10/km spazieren gegangen, fühlte sich eine Freundin noch herausgefordert, ihr 8:00/km beim Laufen zu verteidigen. Dabei wollte ich nur meinen eigenen Fehler zur Belustigung preisgeben – aber sie meinte das auch nicht ernst. Ich weiß, dass wenn man mit dem Laufen anfängt, selbst wenn man anderen Sport zuvor getrieben hat und parallel treibt, die Geschwindigkeit erst mit der Zeit kommt. Ich würde mich nie einfach so über das Tempo anderer lustig machen. Über Angeberei, hinter der dann nichts steckt, vielleicht schon. Das ist was Anderes. Aber wer läuft, hat meinen Respekt – egal, wie schnell, ob in der Komfortzone oder im Bereich der ordentlichen Steigerung.

Das Problem ließ sich auch innerhalb der Handy-App nicht lösen: Ich konnte das „Gehen“ nicht antatschen, um es in ein „Laufen“ zu verwandeln. Zuhause dann ging es aber, und nun prangt ein Lauf-Icon neben der Aktivität, ich habe doch keine neuen Rekorde und bin glücklich darüber.