Rampenpampe

Am vorgestrigen Abend war die Autobahn frei wie lange nicht mehr. Am Stuttgarter Kreuz ging’s ohne jede Stockung trotz der Baustelle an der Brücke über die Landesstraße von der A831 auf die A8. Auch in Pforzheim war vergleichsweise wenig Stockung.

Aber die Rampen! Es gibt mehrere große Rampen auf der A8, manche fahre ich morgens hoch und abends runter, andere umgekehrt. Eine Rampe, die ich abends hochfahre, und die mich beinahe zur Weißglut bringt, ist jene von Leonberg hoch nach Rutesheim. Die ist auf den ersten Blick nicht sehr steil – aber hat es durch die Länge und die konstante Steigung eben doch in sich. Dort denkt jeder, PKW wie LKW, er wäre unglaublich viel schneller als der Vordermann, weil’s ja plötzlich immer langsamer wird. Es geht einfach unmerklich, aber verhältnismäßig steil den Berg hoch. Unmerklich, aber verhältnismäßig steil, fragt Ihr? Was schreiben die Highway Tales hier für einen Mist? Nun – die Steigung ist nicht ganz so ohne. Aber die Autobahn ist hier breit, beidseitig dreistreifig ausgebaut, neu, glatt. Ringsum scheint die Landschaft bis auf die Lärmschutzwälle verhältnismäßig eben oder zumindest, wie man im Englischen sagen würde, „gently rolling“. Dass die Landschaft dabei dennoch Richtung Westen ansteigt, merkt man gar nicht so richtig. Daher scheint es eben zu sein, aber es geht in Wirklichkeit eben doch ganz schön aufwärts. In vielen Autofahrern geht dabei der Gedanke vor: „Meine Güte, die Tachonadel sinkt. Der Vordermann wird langsamer. Ich kann bestimmt schneller, es ist ja nicht bergig.“ Konsequenz: Ausscheren. Merken, dass es doch nicht schneller geht. Derweil ist die Lücke rechts zu. Machen PKW und LKW gleichermaßen. Unterstelle ich diese Gedanken nur? Wenn ja, dann nur, indem ich von mir auf andere schließe. Ich kenne diesen Gedanken, inzwischen weiß ich es besser.

Der Effekt am Ende ist, dass auf der linken Spur 102km/h gefahren werden, auf der mittleren 95km/h und auf der rechten 88km/h. Quälend langsam zieht man aneinander vorbei, alle Abstände sind zugefahren. Ein Fahrfehler, ein Bremsen läuft durch den ganzen Zug und alles fährt nur noch halb so schnell. Das passiert fast jeden Tag, so häufig wie – oder häufiger als! – der übliche Einfädelstau am Stuttgarter Kreuz.

Dann gibt’s da noch die andere Rampe. Die fahre ich runter, jeden Abend. Karlsbad bis Dreieck Karlsruhe. Das ist nun keine gerade, unmerkliche Rampe, das fühlt sich richtig „alpin“ an, auch wenn’s „nur“ die nördliche Abdachung des Schwarzwaldes ist, die hier in die Rheinebene abfällt. Zuerst geht es recht steil runter, rechts ist ein Hang im Blick, links geht’s runter auf die Gegenfahrbahn, dann noch tiefer nach Grünwettersbach und das zugehörige Tal, dann steigt der bewaldete Boden wieder an. Etwa auf halber Höhe gibt’s eine leichte Linkskurve, dann läuft die abfallende Autobahn langsam in Richtung Karlsruher Dreieck aus. Im oberen Teil der Abfahrt ist Tempo 120km/h vorgeschrieben, die meisten kommen von der windigen Ebene zwischen Palmbach und Stupferich recht schnell an – sehen den Hang und bremsen. Und bremsen. Und bremsen. 120km/h? Nie! Da geht’s ja runter! 100km/h, bestenfalls, oft sogar weniger, nicht nur die LKW. Dann kommt die leichte Linkskurve, plötzlich sehen alle: Da kommt das Karlsruher Dreieck, keine Kurve mehr voraus, lassen wir laufen – nur dummerweise sind hier 100km/h vorgeschrieben, die – wenn nicht gerade Rückstau von der A5 ist – oft maßlos überschritten werden. Die 100km/h einhaltende Fahrer werden bedrängelt. Für die Fahrer, die nach Süden auf die A5 fahren, geht’s dann in einer sanften Linkskurve unter der Gegenfahrbahn durch – und dahinter gibt’s einen Feldweg, von dem aus oft geblitzt wird. Unter der Brücke bremsen die ganzen Schnellfahrer dann von 130km/h auf 90 ab …

Warum mich das so ärgert? ICH würde eigentlich gerne meine erlaubten 120km/h von der Strecke zwischen Anschlussstelle Karlsbad und dem Beginn der Abfahrt durch den oberen Teil der Abfahrt retten – einfach rollen lassen, dabei kommt zumindest mein Auto im fünften Gang sogar noch auf 125km/h bis 130km/h, verliert dann langsam im Bereich des 100er-Schilds auf vielleicht 110km/h und in der flacheren Strecke bis zur Brücke unter der Gegenfahrbahn sind’s 95km/h – ohne gebremst zu haben. Ohne das Gas berührt zu haben. Quasi verbrauchslos – an Sprit wie auch an Bremsbelägen. Auf leerer Autobahn tiefnachts habe ich es ausprobiert – oben mit 120km/h in den Berg, an keiner Stelle mehr als 10km/h zu viel, unten mit 95km/h in den Gegenhang der Rampe auf die A5 Richtung Süden. Mehr als eine Minute einfach rollen lassen und nur steuern. Ein Traum!

In der Realität braucht’s keinen Stau von der A5 Richtung Norden auf die A8, dass das nicht klappt. Im oberen Bereich der Strecke, wo 120km/h erlaubt sind, werde ich bei 115km/h ausgebremst. Im unteren Teil, wo 100km/h erlaubt sind, werde ich bei 110km/h bedrängelt. Man sollte meinen, die Leute haben zu viel Geld, wenn sie für nichts und wieder nichts Sprit aufwenden, um ihre Bremsbeläge abzuschaben. Die könnten mir das Geld doch stattdessen auch überweisen? Zeitlich bringt’s ihnen nichts.

Blöde Rampenpampe!

Sparfuchs

Als Sparfuchs betätige ich mich derzeit manchmal, wenn der Verkehr auf der Strecke es zulässt. Mein Toyota Aygo besitzt ja eine Anzeige des Spritverbrauchs, die als Balken gemittelt über Minutenintervalle angezeigt werden kann, auf dem Display in der Mitte. Wenn ich diesen Modus der Anzeige wähle, merke ich sehr deutlich dass ich bewusster – genaugenommen: Spritverbrauchsbewusster fahre.

Ganz deutlich merkt man zum Beispiel Steigungen in diesem Diagramm: Plötzlich steigt der momentane Verbrauch an, sobald wieder eine Minute rum ist, zieht der Balken der letzten Minute nach. Aber auch beim „sinnlos die Autobahn entlang heizen“ sieht man recht deutlich, dass sich der Bleifuß auch gleich in Tankleerung äußert. Ein bisschen schwierig für mich sind die Minutenintervalle schon: Ich kann nicht einfach schön über die Balken mitteln und kriege meinen Spritverbrauch pro 100km für die ganze Fahrt. Warum nicht? Ganz einfach: In Minuten, in denen ich langsam fahre, mag der Verbrauch pro 100km niedrig sein (außer, es ist nerviges Stop-And-Go), aber ich lege auch wenige Kilometer zurück – diese kurze Strecke trägt also nur wenig zum Gesamtverbrauch bei. Schnelle Streckenabschnitte haben im Gesamtverbrauch auf der Strecke viel mehr Gewicht – weil sie einfach länger sind. Aber diese kleine Spitzfindigkeit braucht einen eigentlich nicht sehr zu interessieren.

Ich finde es sehr spannend, wie ich mit ein wenig defensiver-langsamerem Fahren auf meine Strecke vielleicht ein, zwei, drei Minuten länger brauche, aber auch deutlich weniger Sprit verbrauche. Zumindest, wenn es läuft. Auch sehr deutlich sieht man in dem Diagramm, dass Standzeiten – in denen keine Kilometer zurückgelegt werden – Gift für den Verbrauch sind, wenn der Motor läuft. Auch ständiges Anfahren, das immer wieder für kurze Strecken viel Sprit frisst, schlägt in heftig hohen Balken zu Buche.

Am schönsten ist aber stets die Abfahrt von Karlsbad hinunter zum Dreieck Karlsruhe. Wenn die Vorderleute nicht zu nervös sind und laufend spurwechseln und bremsen, kann man da wunderbar im fünften Gang hinunterrollen, die Welle wird vom Rollen der Achse gedreht, die wiederum durch den Abhang in Gang gehalten wird. 100km/h wie im unteren Bereich erlaubt sind gar kein Problem, wenn man oben bereits mit 100km/h in den Hang geht – kommt man mit 120km/h an, muss man beim 100er-Schild kurz vor der Trennung der A8 in zwei Richtungen A5 sogar bremsen. Über den ganzen Hang, der über zwei Kilometer lang ist, wird der Motor nur vom Runterrollen gedreht. Zumindest zeigt die Verbrauchsanzeige Null an. Nichts. Wenn man nicht viel Pech hat und gerade in der Mitte des Abhangs eine neue Minute anfängt, kann man dort einen Minutenbalken, der nicht existiert – also Null Verbrauch bedeutet, auf das Diagramm malen. Bei 100km/h sind zwei Kilometer in gut einer Minute zurückgelegt …

Der Nullverbrauchsbalken fühlt sich jedenfalls immer ganz großartig an, wenn ich ihn hinbekomme!