Zum Thema „Damentag“

Am Mittwochabend war ich ja in der Sauna. Mittwochs ist im von mir bevorzugten Saunapark „Damentag“, also sollen (?) oder dürfen nur Frauen in den Saunapark, während es im Thermalbad gemischt zugeht. Den Damentag hatte ich schon ein, zweimal ausprobiert, aber mich dort immer komisch gefühlt. Ich meine, ich bin eine Frau und wenn ich nackt auf meinem Handtuch sitze, kann darüber auch kein Zweifel bestehen, trotz etwas breiterer Schultern, tiefer Stimme und nicht unbedingt überbordernder Brust. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – fühlte ich mich früher beim Damentag in der Sauna öfter mal beobachtet, hatte den Eindruck, taxiert zu werden – mehr als an den „gemischten“ Tagen. Das brachte mich auf den Punkt, dass ich eigentlich nicht mehr zum Damentag in die Sauna gehen wollte.

Einige meiner Freundinnen jedoch schwören auf den Modus „ausschließlich Frauen“ in der Sauna, weil sie sich von Männern unangenehm beobachtet fühlen. Das mag damit zu tun haben, dass sie gefälligere Figuren haben, um die ich sie beneide. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich mir meiner Weiblichkeit zeitweise unsicher war. Gelegentlich, beispielsweise wenn mich am Telefon aufgrund meiner Stimme als „Herr Schmidt“ identifiziert und ich in manchen Fällen einfach drüber weg gehe, weil es keine Rolle spielt, oder souverän erkläre „FRAU Schmidt – ich bin mir aber meiner Stimme bewusst, alles gut.“, nagt immer noch etwas im Inneren.

Am Mittwoch in der Sauna belauschte ich – naja, eher: hörte ich, denn aktiv habe ich nicht gelauscht – ein Gespräch zwischen zwei Damen, die erklärten, in Wochen, an denen das Bad mittwochs nicht auf habe, es also keinen Damentag gäbe, könnten sie nicht in die Sauna kommen. Aber ich scheine inzwischen souverän genug – und mir meistens meiner selbst, meiner Weiblichkeit hinreichend bewusst zu sein, um meine Vorbehalte gegen den Damentag abzulegen. Vielleicht hat sich auch der Blickwinkel der anderen verändert, aber ich glaube eigentlich eher, es liegt an mir.