Zweifel

Eines vorweg: Dies hier ist Jammern auf hohem Niveau. Es ist vielleicht nicht ganz verständlich, warum ich mir solche Gedanken mache. Aber ich tu’s.

Seit fast sechs Wochen bin ich keinen Wettkampf gelaufen. Die ersten anderthalb dieser sechs Wochen war ich erkältet, da ging gar nichts – und danach ging natürlich nur Grundlagentraining, erstmal. Der Körper wollte keine große Leistung bringen und ich habe es ihm auch nicht abverlangt, bin eher ruhige Geschwindigkeiten auf zugegebenermaßen teils langen Strecken gelaufen. Allerdings kam auch das Radfahren als Sport hinzu, der einen Trainingsbereich erschloss, den ich zuvor nicht in meinem Programm hatte.

Dennoch: Seit dem Zehner in Rheinzabern am dritten Advent 2018 war ich auf keinen Wettkampf so wenig spezifisch vorbereitet. Damals lief ich 45 Minuten auf zehn Kilometer und fing danach mächtiges Intervalltraining an. Tempotraining hatte ich kaum intus, so auch dieses Mal – Tempoläufe und Intervalltrainings habe ich je einmal gemacht, beide sind Ende Januar/Anfang Februar geschehen. Vom letzten Jahr aus Rheinzabern steht da noch eine 20-Kilometer-Zeit, die mit den Zehner-, Halbmarathon- und Zwölferzeiten des zweiten, dritten und vierten Quartals 2019 kaum etwas zu tun zu haben scheint. Und aller Freude am Laufen zum Trotz, bei aller Begeisterung, die Wettkämpfe in mir wecken, so wenig es um die Zeit an sich geht – ich will eigentlich nicht eine Zwanzigerzeit da stehen lassen, die schlechter als der beste Halbmarathon ist. 1:27:30 bin ich letztes Jahr beim Zwanziger in Rheinzabern gelaufen, die 1100 Meter mehr des Halbmarathons habe ich im August letzten Jahres in 1:27:02 bewältigt. Es war also nicht nur die Geschwindigkeit geringer beim Zwanziger, ich habe sogar absolut für die 20-Kilometer-Wettkampfstrecke länger gebraucht als sechs Monate später für einen Halbmarathon.

Nun ist der Zweifel da: Packe ich es, die 1:27 zu unterbieten, vielleicht die 1:25? Das wäre immer noch langsamer als beim schnellsten Halbmarathon. Doch da war ich optimal vorbereitet, jetzt habe ich gerade erst wieder das Tempotraining begonnen, nachdem ich in meinen Grundlagen-Trainings nicht mehr die Restwirkung der Erkältung gespürt habe.

Vielleicht sollte ich einfach nicht zweifeln, sondern stattdessen meine Erwartungen dämpfen. 2019 war so furios als Laufjahr, dass es Ansprüche geweckt und weiter geschürt hat, die erst einmal an der realistischen Situation, dass man halt nicht immer durchgehend ohne Krankheit oder Verletzung durchkommt, geerdet und neu gefasst werden müssen.

Schauen wir mal, was der Lauf morgen bringt. Eines ist sicher: Danach kommt der Sturm. Zum Glück aber nach bisheriger Prognose wirklich erst danach!

Jetzt in einer Woche …

Werde ich beim Campus Run der Uni Stuttgart starten. Ich halte mich ja recht bedeckt in Sachen Wettkämpfe, aber bei diesem laufe ich mit. Zwölf Kilometer sind angesagt, mein Personal Best von 2014 möchte ich knacken – das waren damals 1:02:47 auf 12 Kilometer, und ich war stolz wie eine Königin.

Im Vorfeld des Wettkampfes damals war ich im Monatsmittel schneller als jetzt, aber die Spitzenleistungen, vor allem auch die Leistungen auf längere Distanzen sind dieses Jahr besser – aber mehr in langsamere Einheiten dazwischen eingebettet. Ich habe auch schon rund 60 Kilometer mehr absolviert, dieses Jahr, als ich im ganzen Jahr 2014 absolviert habe. Dazu war ich konstanter – 2014 war der Mai ein sehr aktiver Monat, im April dagegen hatte ich gar nichts getan.

Nächste Woche um diese Zeit ist der Start. Es sind weniger Höhenmeter auf der Strecke als beim letzten Mal, der giftige Anstieg zum Stadion am Allmandring hoch ist auch aus der Strecke genommen. Insgesamt eine angenehmere, gleichmäßigere Strecke, die mir Läuferin aus der Rheinebene sehr entgegen kommt. Ob nun Leute an der Strecke stehen werden, die mir zujubeln, steht noch in den Sternen. Ich fürchte, bei uns am Institut ist das Interesse eher gering, zumal drei Doktoranden wegen Dienstreisen und Urlaub nicht dabei sind, obwohl sie eigentlich gerne mitgelaufen wären. Der Rest der Leute wird vermutlich andere Prioritäten haben – aber das passt schon. Klar macht es Spaß, ein paar Anfeuerer an der Strecke stehen zu haben, die explizit wegen mit gekommen sind, aber ich mach‘ das ja vor allem für mich selbst.

Und so harre ich der Dinge, die da kommen – zwei Trainingseinheiten noch, dann vier Tage Ruhe bis zum Wettkampf …