Fünf Kilokalorien …

Ich bin Physikerin und als solche manchmal einfach neugierig. Daher habe ich mir überlegt, für eine optimale Anhebung meines Körpers von der Kellerebene bis auf den obersten Treppenabsatz des Gebäudes, in dem ich arbeite, den Energieaufwand zu berechnen.

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass Treppensteigen nicht der Hubarbeit durch simples, reibungsfreies Anheben entspricht. Es ist also wohl etwas mehr Energie, die bei einem solchen Aufstieg verbraucht wird – wahrscheinlich sogar eine Menge mehr. Allerdings habe ich einen solchen Aufstieg heute absolviert und aus der Zahl der Stufen und der Stufenhöhe abgeschätzt, wie hoch ich gestiegen bin:

  • vom Keller ins Erdgeschoss: 24 Stufen (erst verzählt 25),
  • vom Erdgeschoss ins erste Obergeschoss: 35 Stufen,
  • Von Obergeschoss zu nächsthöherem Obergeschoss (bis 5 geht es): je 24 Stufen
  • und zuletzt 24 Stufen vom obersten genutzten Geschoss in die Dach-Konstruktion mit (stets verschlossenem) Zugang auf das Flachdach.

Wenn ich mich nicht ganz groß verzählt und verrechnet habe, sind das sechs mal 24 Stufen und einmal 35 … im Ergebnis also 179 Stufen. Jede der Stufen ist 17 Zentimeter hoch, womit wir auf eine „besteigbare“ Gebäudehöhe von 30,43 Metern kommen. Kraft- bzw. Energieaufwand für Schritte, Verlust in den Muskeln und all das rechnen wir nun mal nicht ein, und für einen Verlust durch Reibung war ich nicht schnell genug. Wenn ich nun einfach ausrechnen möchte, wie viel Kalorien ich rein durch die Netto-Hubarbeit, also ohne das Anheben und Senken des Körpers bei jedem Schritt, geleistet habe, setze ich mein derzeitiges Gewicht von etwa 69 Kilogramm einsetze, komme ich auf eine Hubarbeit von:

  • W = m * h * g  = 69 Kilogramm * 30,43 Meter * 9,81 Joule pro Kilogramm und Meter

Der Einfachheit halber habe ich bei der Fallbeschleunigung die Meter pro Sekunde im Quadrat beziehungsweise Newton pro Kilogramm direkt umgerechnet. Ich komme also auf rund 20600 Joule, das sind 20,6 Kilojoule (kJ). Wenn wir nun Kilokalorien (kCal) draus machen wollen, müssen wir umrechnen – 4,1868 Joule sind eine Kalorie, dementsprechend sind 4186,8 Joule eine Kilokalorie.

  • W = 20600 Joule = 20600 Joule / 4186,8 Joule pro Kilokalorie = 5 Kilokalorien

Ich habe ein bisschen gerundet, eigentlich sind’s eher sowas wie 4,9 Kilokalorien. Wenn man bedenkt, dass ich 1400 Kilokalorien, grob überschlagen nach üblichen Rechnern, jeden Tag in Ruhe verbrauche, erscheint das nicht viel. Andererseits höhlt steter Tropfen den Stein. Einmal die Treppe hochrennen bringt also nichts. Immer wieder Treppen steigen statt den Aufzug benutzen ist allerdings echt ein Kalorienfresser – zumal man dabei auch noch Muskeln im Hintern und den Oberschenkeln aufbaut, die sprungkräftiger machen, gut aussehen und dazu noch auch wenn wir nicht die Treppe hochlaufen Energie verbrauchen.

Und ja, ich weiß. EIGENTLICH habe ich bei der Aktion durch die Gehbewegung auch Kalorien verbraucht, aber das ist nicht so einfach aus grundsätzlicher Physik zu berechnen, sondern erfordert Formeln, die auf Abschätzungen basieren – Gehstil, Muskeln, wie hoch ich meinen Körper anhebe beim Steigen, wie viel er wieder absinkt beim Aufsetzen … all das wollte ich mir an Annahmen nicht einhandeln und habe daher stur auf Schulphysik gesetzt.

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Probieren geht über studieren?

Man sagt ja, dass probieren über studieren gehe. In vielerlei Hinsicht sind Erfahrungen nicht zu ersetzen – Buchwissen muss mittels Anwendung gefestigt werden. Ein solches Erlebnis hatte ich kürzlich.

Ich WEISS, dass ein Läufer genug trinken muss, und ich weiß auch, dass für über zehn Kilometer Strecke empfohlen wird, Wasser mitzunehmen. Natürlich war ich bislang zu faul dafür und habe gedacht, es geht so. Bis zwölf oder vierzehn Kilometer ging das auch verhältnismäßig gut, ich habe danach dann viel getrunken und alles war gut. Nun bin ich aber in der Vorbereitung für einen Halbmarathon und brauche auch meine Erfahrungen auf längeren Strecken. So entstand am Mittwoch, also vor zwei Tagen, eine Runde über knapp neunzehn Kilometer, die mich von meiner „üblichen“ Zehn-Kilometer-Runde wegführte, ungefähr bei der Marke „Vier Kilometer“, dann in den nächsten Ort, durch den Wald zurück und dann nochmal in den Nachbarort – also Bietigheim, Neumalsch, fast Muggensturm, Ötigheim und dann wieder nach Hause. Die Zeit war grandios: 6:02/km, das ist bei einer Angabe von 2:10:00 im Zielzeitfeld bei der Halbmarathon-Anmeldung schon Wettkampftempo, auch wenn ich eigentlich ganz locker gelaufen bin – gefühlt. Die ersten sechzehn Kilometer. Denn danach brach ich massiv ein. Also so richtig massiv – aber darüber habe ich schon geschrieben, glaube ich.

Nachdem es mir allerdings den Abend danach und auch den Donnerstag ziemlich schlecht ging, weil ich mich einfach übernommen hatte, bewerte ich die Sache etwas anders. Die letzten drei Kilometer des Laufes vom Mittwoch waren einfach ein Laufen auf leeren Speichern – was Wasser und Nährstoffe angeht. Aber ich habe daraus gelernt. Heute war ich mit meinem neuen Gürtel unterwegs, in dem zwei Wasserflaschen mit je etwa 330ml Wasser drinstecken, einen Müsliriegel hatte ich auch dabei. Das Wasser habe ich bei etwa sechs Kilometern und etwa vierzehn Kilometern getrunken, den Riegel irgendwann dazwischen gegessen. Pulsmessung hatte ich wieder nicht dabei, ich will meiner Haut Zeit geben, bevor ich sie wieder mit dem Pulsgurt nerve. Das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache zugunsten des „Füll Wasser und Kohlenhydrate nach, wenn Du so weit läufst!“. Ich bin sogar weiter gelaufen, und schneller. Und ich fühlte mich danach nicht ausgelaugt, sondern richtig gut. Bisher sind auch keine Kopfschmerzen wie nach dem Lauf am Mittwoch zu sehen. Außerdem wurde ich am Schluss nicht langsamer.

Klar. Ich habe Wasser nachgefüllt, ich habe Kohlenhydrate – also Energie – nachgefüllt, wie man das machen soll. Eigentlich ist das alles kein Wunder. Aber hey, ich WUSSTE das vorher. Ich hab’s beim Laufen dennoch nicht berücksichtigt. Probieren geht über studieren, ist aber lernen auf die harte Tour. Lektion gelernt – und das ist dann doch ein Wert an sich.

Bullenhitze im Auwald

Am gestrigen Abend war es ziemlich warm. Ziemlich warm? Das ist noch eine Untertreibung. 33°C zeigte das Thermometer meines Autos an, als ich auf dem Heimweg war. Natürlich glühte der Asphalt unter dem Fahrzeug, dazu stand die Luft – und auch das Auto teilweise mal wieder. Vor der Baustelle zwischen Karlsruhe Süd und Rastatt Nord standen sie – in beiden Richtungen. Immerhin waren es am Abend keine Unfälle, sondern nur der übliche Wahnsinn. Am Morgen hatte ich einen fiesen Unfall auf der anderen Seite der Mittelleitplanke gesehen – nicht viel davon gesehen, zum Glück, und ich will auch nicht gaffen, denn von den Bildern bekomme ich Albträume. Das blaue Blitzen vom Montagmorgen am Karlsruher Dreieck, den Hubschrauber und die Kräne habe ich aber gesehen, dann ganz schnell weggeschaut und gebetet: „Fahrt weiter, fahrt weiter, ich will keine Zeit haben, dass mein Blick da hin gelenkt wird, ich will da dran vorbei und mich dabei auf die Straße konzentrieren müssen …“ – und die anderen Fahrer müssen es gehört haben.

Egal, ich war bei der Bullenhitze am Montagabend. Natürlich war ich mal wieder mit der Energie zu geizig, meine Klimaanlage anzuschalten – die braucht eine Menge Strom, und der kommt aus Sprit, und verbrannter Sprit ist CO2. Da ich wusste, daheim wartet eh die Dusche auf mich, habe ich sie ausgelassen.

Daheim dann kam die Erkenntnis: „Tally, Du musst eh duschen. Also kannst Du auch noch eine Runde laufen gehen.“ Und genau das habe ich getan. Ob es die Hitze war oder ob mein Handy langsam kaputt geht, weiß ich nicht. Jedenfalls war am Anfang der Runde das GPS-Signal schwach. Ich vermute, das Telefon hat stattdessen mit dem Lagesensor die Strecke abgeschätzt. Da es am Oberarm ganz schön wackelt … naja, im Endeffekt zeigte das Tracking zu meinem Entsetzen ein Tempo von 3:20/km an. Bei allem Stolz – so schnell bin ich nicht. Erst recht nicht, wenn ich unter 150bpm Puls habe. Im Endeffekt konnte ich die 1,2km, die das System zu viel getrackt hat, am Schluss rauskorrigieren. Anhand des weiteren Verlaufs, als sich mein GPS einigermaßen berappelt hatte, war die Geschwindigkeit von 6:20/km ganz gut abschätzbar – damit habe ich dann anhand von Zeit und unter der Annahme, am Anfang auch nicht langsamer oder schneller gelaufen zu sein, meine Strecke korrigiert. Natürlich habe ich das Ganze bei den tollen Erfolgen der App rausgenommen, ein so komisch getrackter Lauf würde nur Maßstäbe setzen, die unrealistisch sind.

Gestern war ein guter Abend: Heimgefahren, Sprit gespart weil auf Klimaanlage verzichtet, getankt, gelaufen – und dann ein supernetter Trek Monday. Stau und GPS-Macken fallen da unter den Tisch.