I’ve got the Power!

Jeder hat jetzt den Song von Snap! im Ohr, oder? Ich auch – und darauf habe ich natürlich angespielt. Allerdings wollte ich auf etwas anderes hinaus. Ich habe heute mein (sauberes) Rennrad aus der Garage geholt und im Wohnzimmer auf den Ständer gestellt, mit einem Stück Pappe drunter, falls doch Schmutz oder Fett dran gewesen wäre. Dann habe ich ein wenig herumprobieren müssen, aber schlussendlich habe ich es doch geschafft, die linke Kurbel abzumontieren – und schon hatte ich eine linke Ultegra-Kurbel in 172,5mm Länge in der Hand. Die andere, mit Powermeter drin, lag noch in der Schachtel. Diese habe ich dann draufgeschraubt, noch das Kombi-Pedal (Plattform und SPD-Cleat) von der alten auf die neue Kurbel versetzt… und dann ein bisschen die Kurbel gedreht.

Zuerst bekam ich keine Anzeigen, als ich das Ding mit meinem Edge 830 koppelte. Aber das ist kein Wunder: Ich drehte ja nicht schnell und Kraft übte ich auf die Pedale auch nicht wirklich aus. Also führte kein Weg an einer Testfahrt vorbei:

Leistungsmessungs-Testfahrt.

Ich bin ganz angetan, nun einen neuen Messwert zu haben. Ein bisschen werde ich noch damit zu spielen haben, eventuell wird der neue Messwert auch bedingen, dass ich wieder ein „Auto-Lap“, also eine automatische Rundenbilanz nach einem Kilometer Fahrt, auf dem Edge einstelle. Eigentlich fände ich das nämlich sehr interessant, so ein bisschen die Streckenabschnitte nach Leistung, Tempo und Puls zu charakterisieren.

Geschwindigkeit, Leistung, Trittfrequenz, jeweils Momentanwerte.

Vermutlich wird mir auf Dauer nicht reichen, nur die besten 5 Sekunden (heute: 424 Watt), die beste Minute (heute 258 Watt) usw. anzuzeigen, sondern ich werde eine durch längere Mittelung geglättete Kurve wollen. Aber es war ja nur ein erster Test. Ich muss mich dem ganzen erstmal annähern. Auf jeden Fall bin ich begeistert, dass es auf Anhieb funktioniert hat. Nun muss ich nur noch die andere Kurbel auf das andere Rad montieren…

[KuK] Im grünen Bereich

Dies ist kein Statement zur Landtagswahl in Baden-Württemberg. Nein, ich bin anderweitig „im grünen Bereich“. Meine Zielerfüllung bei Ausdauer- und Kraftsport für das Jahr 2021 verwalte ich ja über eine Liste, die automatisch aus meinem Trainingstagebuch die Daten des laufenden Jahres nimmt und mit dem Stand vergleicht, den ich erreicht haben müsste, wenn ich an meiner Zielerreichung genau jeden Tag ein Dreihundertfünfundsechzigstel Fortschritt machen würde.

Man könnte sagen, ich habe mir für meine verschiedenen Ziele virtuelle Pacer in Excel geschrieben. In jeder Zeile wird über bedingte Formatierung automatisch angezeigt, ob ich meinem Ziel voraus bin (hellgrün), es bereits ganz erreicht habe (dunkelgrün), dem Ziel höchstens 10% hinterherhinke (gelb) oder dem Ziel mehr als 10% hinterherhinke (rot). Habe ich mir kein Ziel definiert, erscheint die Zeile in blau.

…und wie soll ich sagen: Mit der Fahrt zur Arbeit, der Fahrt von dort heim und einer kleinen Tribbelei am Abend vor dem Voicechat mit den Leuten, mit denen ich außerhalb von Corona-Zeiten am Montagabend DVD schauen würde, habe ich heute das vorletzte Ziel „vor die Welle“ gebracht. Nur das Schwimmen dümpelt mangels Schwimmbädern und Badeseen weiterhin bei Null, alles andere ist im Plan. Nun gilt’s, vor der Welle zu bleiben!

Datennerd

Das beschreibt mich. Ich nehme gerne Daten auf, entwickle mit der Zeit ein Gefühl dafür, arbeite mit den Messungen…

Das war natürlich auch Teil meiner Aufgabe, als ich meine Diplomarbeit in Physik und danach meine Dissertation in Physik schrieb. Auch in meiner späteren Aufgabe als wissenschaftliche Mitarbeiterin gehörte das zur zentralen Aufgabe, auch wenn ich da schon langsam in den Strahlenschutz hineinwuchs – doch auch hier geht es um Messungen, da man ionisierende Strahlung nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann. Daher habe ich natürlich ein bisschen Erfahrung darin.

Nun habe ich – wie ich des öfteren hier zeige – eine umfangreiche Datennahme und Datenhaltung mit entsprechender Analyse im Bereich meines Sports etabliert. Insbesondere bei den Ausdauersportarten kommen da ein paar gemeinsame Daten zusammen:

  • Rahmendaten: das Datum sowie Daten zu Sportart, Sportgerät, Trainingsart bzw. Anlass des Trainings.
  • Streckendaten: zurückgelegte Distanz, dabei vergangene Zeit, überwundene Höhenmeter – hier ist der GPS-Sensor meiner Trainingscomputer wesentlich.
  • Körperdaten: Herzfrequenz während der Aktivität, Atemfrequenz und verbrannte Kalorien, wobei letzteres eine Abschätzung darstellt. Das können die Sensoren in meiner Uhr am Handgelenk, der Fahrradcomputer ist auf eine sendende Handgelenksmessung oder den Pulsgurt angewiesen.
  • Sportartspezifische Bewegungs-Daten: Schritt- oder Trittfrequenz, Schritthöhe, Schrittweite, Bodenkontaktzeit – das funktioniert dann über Bewegungssensoren in der Sportuhr, externen Sensoren (wie dem Pulsgurt, der das unterstützt, sowie meinem Running Dynamics Pod, und Trittfrequenzsensoren an der Tretkurbel am Rad).
Meine Rohdatenliste.

Zusätzlich unterstützen mich meine Trainingscomputer beim Bestimmen der Laktatschwelle und anderer abgeleiteter, trainingstechnischer Daten. Aus den Werten lassen sich dann verschiedene Parameter ableiten – wie zum Beispiel die Geschwindigkeit, aber eben auch eigene Analyse-Parameter wie die Herzschläge pro Strecke (beim Laufen errechne ich mir die Herzschläge pro 100 Meter gelaufener Strecke, beim Radfahren und Inline-Skaten die Herzschläge pro 200 Meter gefahrener Strecke). Diese Parameter geben mir eine gewisse Übersicht über meine Trainingsfortschritte und helfen mir, einzuordnen, was so alles ging. Natürlich entwickle ich all diese Schätzer immer weiter…

Ein Wert fehlt aber bis jetzt, vielleicht fällt das auch auf: Es geht dabei um die Leistung. Diese ist beim Laufen freilich schwierig zu bestimmen, denn es ist eine kombinierte Vorwärts- und Auf- und Abbewegung. Man bräuchte einen Haufen Sensoren dafür. Beim Radfahren ist das einfacher: Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine ist einfach zu benennen: Pedale und Tretkurbel. Nun interessiert mich die Leistungsmessung. Nicht so sehr, weil ich sie zur Trainingssteuerung einsetzen möchte. Das kann freilich noch kommen, aber für den Moment ist das nicht meine Intention, sondern es geht mir einfach um die Freude an der Messung, Auswertung, dem Vergleich. Also suchte ich nach Leistungsmessung.

Es gibt diese in den Pedalen, hier wird dann die ausgeübte Kraft am Pedal gemessen und die Drehzahl, dazu kommt dann noch die Kurbellänge, und schon hat man alles zusammen, um die Leistung zu berechnen. Tja, und dann sehe ich: Es gibt Leistungsmesser-Pedale für die üblichen Rennrad-Klickpedale, nicht jedoch für die Shimano SPD Cleats, die eigentlich Mountainbike-Systeme sind. Ich benutze sie aber, weil sie für mich als Einsteigerin angenehmer sind und es zudem Kombi-Pedale gibt, die man auch als Plattformpedale ohne Einklicken fahren kann. Also musste ich für die Messung an die Kurbel. Nun habe ich mir – für’s Erste, um ein Gefühl dafür zu entwickeln – linke Kurbeln für meine beiden Rennräder bestellt. Warum nur linke? Nun – an der rechten Kurbel hängen gleich zwei Zahnkränze dran, das ist die teurere Seite des Systems. Da ich erstmal nicht davon ausgehe, dass ich auf einer Seite fundamental stärker trete, reicht mir das erstmal als erste Annäherung. Kann gut sein, wenn eh ein Austausch des vorderen Zahnkranzsatzes anstehen würde, dass es dann auch ein Leistungsmesser werden wird, aber das hat Zeit.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was ich aus der weiteren Messgröße machen werde und wie sich das dann auf lange Sicht auswirkt, wenn ich besser Leistung und Puls miteinander korrelieren kann. Ich habe gelesen, dass mancherorts auf Trainingssteuerung per Leistungsmessung statt Herzfrequenz gesetzt wird. Aber man kann ja beides haben, sich wissenschaftlich dran annähern, und wenn dann auch noch bessere Trainingssteuerung dabei rumkommt, um so besser. Jedenfalls freue ich mich drauf, wenn die Dinger kommen, auch wenn es durchaus noch eine Weile dauern wird.

Zahlen und Analyse – diesmal nicht Sport

Zahlen, Analyse, Statistik und deren Darstellung in Diagrammen sind mein Ding. Das weiß ich selbst, das weiß jeder, der diesen Blog liest. Bisher habt Ihr das vor allem für meinen Sport gesehen – Monatsbilanzen, Projekt „zum Mond“, Wettkampfanalysen und dergleichen.

Da ich aber auch mit Spannungskopfschmerzen und einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung geschlagen bin und leider dieses Jahr auch mit psychischer Belastung durch eine Kombination mehrerer Faktoren kämpfe, habe ich mir ein Tagebuch hierfür angelegt. Die Idee resultiert aus dem Trainingstagebuch in Excel und der Frage, ob ich wegen der Kopfschmerzen nicht ein Schmerztagebuch führen wolle. Also habe ich mal angefangen…

Toll geht es mir dieses Jahr nicht, wie man sieht.

Freilich höre ich schon die ersten unken, ich solle die Probleme lösen, statt sie nur zu dokumentieren. Das ist aber gar nicht so einfach voneinander zu trennen. Für mich ist die Aufzeichnung, die Analyse, die Darstellung Teil der Lösung. Wenn ich für mich ehrlich aufschreibe, wann war ich wie krank, was war los und so weiter, dann hilft mir das. Es hilft vor allem dabei, zu erkennen, wo die Ursachen, wo die gerade drängendsten Probleme liegen.

Zu meiner Verblüffung habe ich, vielleicht auch dank des Sports (insbesondere Dehnen und Rückenstärkung in Sachen Kopfschmerz, insbesondere Stressabbau durch Ausdauersport in Sachen Darm) die beiden physischen Aspekte Kopfschmerz und Darmerkrankung trotz unglücklich verlaufenem ersten Jahressechstel ganz gut im Griff. Das freut mich schon deswegen, weil mit einer nicht-ansteckenden, aber für beide belastenden Sache bei meinem Mann, hoher Last auf der Arbeit und der Pandemie mit allen Auswirkungen einiges zusammenkam, das mich psychisch belastet hat. Das gilt es nun in den Griff zu bekommen. Dabei hilft die Vogelperspektive, die ich mit diesen Diagrammen einnehme, aber auch Listendarstellung, mit der man ja vielleicht Korrelationen zwischen verschiedenen Dingen erkennen können wird. Ich bin allerdings noch nicht so weit, die Korrelationssuche zu teilautomatisieren. Vielleicht braucht es das aber auch gar nicht.

Waage Vermutung

Bei uns im Bad steht eine Waage, wie das wohl in vielen Haushalten der Fall ist. Es ist eine simple Körperfettwaage, die neben dem Gewicht auch noch Abschätzungen von Körperfettanteil, Muskelanteil, Wasseranteil und Knochenmasse sowie Kalorienverbrauch angibt. Da sie nur eine Messung mit Elektroden an den Füßen hat – und zudem nicht allzu viele Einstellungen ermöglicht, über Größe und Geschlecht hinaus, sind die Werte über das Gewicht hinaus überaus ungenau.

Nun hat mein Mann eine neue Waage besorgt, die neben der Einstellung von Größe und Geschlecht auch das Alter abfragt – und dazu noch die Möglichkeit gibt, zwischen „athletischen“ und „normalen“ Versionen des jeweiligen Geschlechts ermöglicht. Nach einem ersten Test, den ich direkt nach dem Heimkommen machte, ergaben sich beim Gewicht mit der alten Waage konsistente Werte – beim Körperfett und der Muskelmasse sah’s ganz anders aus. Das muss ich nun noch ein bisschen beobachten, allerdings kann es durchaus sein, dass sich mit der neuen Waage eine ziemliche Stufe in meinen Diagrammen zu Fett und Gewicht meines Körpers ergeben wird.

Der neuen Waage vertraue ich auch mehr – sie besitzt noch ein Handteil, misst also die Impedanz des ganzen Körpers zur Abschätzung der Körperzusammensetzung aus Fett, Muskel, Wasser und Knochen. Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass die Ergebnisse unserer alten Waage, die wir damals bei einer Bonus-Aktion in unserem Supermarkt kauften, bestenfalls vage Vermutungen waren. Wie genau das mit der neuen sein wird, werde ich sehen. Ich bin jedenfalls gespannt – und motiviert, weil die Ergebnisse tatsächlich deutlich eher mit dem Körpergefühl übereinstimmen.

Zurück im grünen Bereich

Meine Garmin Fénix kann ja das „Physio TrueUp“ verwenden, um das Training zu bewerten. Freilich, ich bewerte mein Training nach Körpergefühl, eigenem Wissen und eigener Statistik selbst, aber ich hab’s trotzdem mal angeschaltet und denke mir so: Es kann nicht schaden, auch mal andere Analysen zu sehen als die eigenen, selbst wenn’s ein Automat ist. Allerdings fiel mir sehr deutlich auf, dass die App auch Dinge nicht kann. Zum Beispiel nicht berücksichtigen, dass man nach einem schweren Formverlust durch Erkältung schon wieder aufbaut.

Das liegt – nach meinem Überblick – an einem Konzept, das da eingebaut ist: Das Programm interpretiert das übliche Auf und Ab der Trainingsbelastung und der maximalen Sauerstoffaufnahme als statistische Schwankungen oder Komponenten von bewusst im Training gewählten, eventuell dabei zu kurzen oder bewusst kurzen Erholungspausen. Man hat also den „eigentlichen Zustand“ und die Schwankung, die als Leistungszustand angezeigt wird – beim Laufen immer nach so etwa zehn Minuten das erste Mal. Daher verändert sich das VO2max nur langsam… was ja auch der Fall ist. Außer, man verliert rabiat durch Krankheit an Form. Dann hindert das „Verzögern der Veränderung“ im VO2max das System daran, sich schnell an die für den Moment stark veränderte Fitness anzupassen. So war das auch bei mir. Ich trainierte wieder, es lief wieder, ich merkte, wie’s besser wurde – aber das Programm nannte mein Training unproduktiv, färbte die Kurve daher in orange ein.

Ich gestehe, auch wenn ich eigentlich sagte, dass ich mit meiner eigenen Trainingsplanung und meinem Körpergefühl arbeite, fuchste mich die Anzeige an. Aber nun ist der schlagartige Formverlust durch die Erkältung wieder angepasst, die Schwankungsreduktion des Programms wieder sinnvoll.

Und so konnte ich heute 23,6 Kilometer auf meinen FiveFingers laufen und mich riesig über eine Menge Daten über meine Laufkinetik freuen, die ich zwar nicht über mein Körpergefühl stelle, aber auch trotzdem gerne aufnehme, angucke und benutze, um besser zu werden. Zum Glück decken die sich dann auch eher und konsequenter mit meinem Gefühl, als es die Analyse von Physio TrueUp tut.

Es ist schön, dass es wieder alles grün ist. Auch wenn die Belastung ein bisschen höher als der grüne Bereich ist. Aber das nehme ich in Kauf. Mein Körpergefühl sagt, es ist okay.

Soooo viele Daten!

Meine neue Garmin Fénix 5S mit Running Dynamics Pod.

„So viele Daten!“, das war der Ausruf, den ich nach dem Synchronisieren meiner neuen Laufuhr nach dem ersten Testlauf am Heiligabend-Abend machte. Es sind aber auch wirklich ein Haufen mehr Daten, die mit der Fénix in Verbindung mit dem Running Dynamics Pod herauskommen, setzt man als Vergleich die bisher benutzte vívosport an. Was ich bisher schon immer bekam, waren natürlich Distanz, Strecke auf der Karte, Dauer, Herzfrequenz, Schrittfrequenz und Geschwindigkeit jeweils über Zeit.

Mein erster Testlauf mir der Fénix.
Daten, wie ich sie bisher vom Laufen auch bekommen habe – das sind dieselben, die’s auch mit der vívosport gab.

Nun kommen dazu: Leistungszustand, Schrittlänge, Bodenkontaktzeit, aufgelöst nach rechts und links, dazu das vertikale Verhältnis, also die Schritthöhe im Verhältnis zur Schrittlänge und die Temperatur.

Ausschnittsweise die neuen Daten.

Ich habe extra mal rumgespielt mit Schrittfrequenz und Tempo: Man sieht am Anfang eine recht konstante Schrittfrequenz bei variierender Schrittlänge und variierendem vertikalen Verhältnis, dann eine Experimentier-Runde mit bewusst schnellen, dann bewusst langen Schritten. Am Ende habe ich noch zwei schnelle Intervalle eingestreut, bei denen man auch deutlich die Änderung der Laufdynamik-Daten sieht.

Sehr spannend finde ich das, und ich werde weiter damit herumspielen – abhängig von Schuh, Tempo und Untergrund werden sich denke ich neue Bilder ergeben. Das Handling der neuen Uhr ist auch super, da sie sich nicht auf einen Touchscreen verlässt, sondern über fünf Tasten an den Seiten gesteuert wird. Nach zwei weiteren Tests – der Testlauf am Heiligabend war mit Mizuno WaveShadows und Variation, der Lauf am 25.12. war auf Altra Escalante und langsam, um Kopfschmerzen zu bekämpfen (leider vergeblich), der Lauf am 26.12. schließlich war ein Tempodauerlauf auf Fivefingers. Ich finde superspannend, wie sich die Werte da ausnehmen, und werde mal beobachten, ob irgendwas davon künftig in die regelmäßige Auswertung kommt.

Noch sichte ich die zusätzlichen Daten und füttere meinen Geist mit Ideen und Tests. In jedem Fall liefert mir die neue Uhr, die ein Geschenk des Freundeskreises war, einen solchen Haufen neuer Daten und Möglichkeiten, dass mir richtig der Kopf schwirrt. Ich bin so begeistert – auch wenn ich bei so einem teuren Geschenk ein wenig ein schlechtes Gewissen habe, dass ich es erwähnt hatte, dass ich mir so ein Teil kaufen mag bzw. wünsche – und es dann auch noch bekam!

Modellgedanken

Warum habe ich gestern geschrieben, dass eine Exponentialfunktion besser an meine Wettkampfdaten, genauer die Bestleistungen passt als eine Parabel?

Nun, die kurze Antwort: Die optimierte Summe der quadratischen Abweichungen („Chi-Quadrat“) erreicht bei optimaler Anpassung für die Parabel 0,0971, beim Exponentialgesetzt sind es 0,0958. Das ist allerdings nur ein bisschen besser … je näher dran, um so kleiner natürlich die Summe der quadratischen Abweichungen meiner Bestleistungen von der Kurve. Der Vorteil des Exponentialgesetzes sind also nur 1,3%. Man kann das Ganze allerdings auch noch ein bisschen visualisieren – über Residuen. Ich trage nun hier also die Abweichungen zwischen meiner Fit-Funktion und den tatsächlichen Bestleistungen gegen die Distanz auf:

Die Abweichungen meiner Bestleistungen von einer optimal angepassten Kurve in zwei verschiedenen Modellen.

Ich hatte gehofft, dass insbesondere beim Marathon und beim Fünfer klar wird, dass die Datenpunkte beide eindeutig über oder unter der Kurve liegen, also z.B. die roten Punkte ganz links und ganz rechts stark positiv oder stark negativ liegen, während die Punkte dazwischen auf der anderen Seite der Nulllinie lägen. Dann hätte ich sagen können, das Modell, bei dem das der Fall ist, passt nicht.

Aber noch ist es indifferent. Mal sehen, ob es nächste Saison eindeutiger wird.

Analyse-Schritte

Mit einer Laufkollegin sprach ich im Lauftreff vor einiger Zeit darüber, was schnelles Laufen im Wettkampf ausmacht. Es ging dabei darum, welcher Faktor mich im Wettkampf schneller macht. Dafür verwende ich eine einfache Gleichung:

Die Laufgeschwindigkeit ergibt sich als Produkt aus Schrittlänge und Schrittfrequenz.

Es ist zu beachten, dass ich hier nicht die „Pace“ benutze, also die Minuten pro Kilometer. Bei der Laufgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde gilt: Je höher, um so schneller – ganz analog zu den gebräuchlicheren Kilometern pro Stunde, die wir als „km/h“ aus dem Straßenverkehr kennen.

Ich habe nun also zwei Wege, meine Geschwindigkeit im Wettkampf gegenüber dem Training zu erhöhen. Erstens: Ich erhöhe die Schrittfrequenz, mache also mehr Schritte pro Sekunde oder mehr Schritte pro Minute. Meine Uhr zeichnet üblicherweise die Schritte pro Minute auf, so dass man in der obigen Formel noch durch sechzig teilen müsste. Zweitens: Ich mache längere Schritte, drücke mich also kräftiger ab. Meine Laufpartnerin im Lauftreff war sich recht sicher, dass die Schrittfrequenz sich erhöhen würde. Ich war mir nicht so sicher und wollte es herausfinden. Vor einiger Zeit hatte ich ja ein Diagramm „Schrittlänge und Schrittfrequenz gegen Pace“ erstellt. Später kam dann das unten gezeigte Diagramm hinzu.

Diagramm 1: Schrittlänge aufgetragen gegen Schrittfrequenz – Stand Juli 2019.

Die Daten in Diagramm 1 sagen mir nicht viel. Klar: Ich sehe eine gewisse Tendenz, nach der meine Schrittlänge eher wächst, wenn ich eine schnellere Schrittfrequenz laufe, insgesamt sagt mir das auch, dass ich schneller laufe. Aber wo und wie ich besonders schnell laufe, was ich in Wettkämpfen anders mache, erkennt man hier noch nicht. Ich war nun ehrlich gesagt lange Zeit zu faul, dieses Diagramm nach Trainingsformen oder Wettkampf zu sortieren. Stück für Stück allerdings baute ich meine Tabelle aus, so dass ich nun die Diagramme für einzelne Trainingsformen erstellen konnte. Zur Klärung nochmal meine Laufanteile als Kuchendiagramm:

Diagramm 2: Anteile an der Gesamtlaufstrecke 2019 für verschiedene „Aktivitätsformen“ des Laufens, Stand 26.07.2019.

Das kleinste Kuchenstück, das Spezialtraining, habe ich für meine Aufzählung ignoriert. Warum diese Kilometer, die Ihr in Diagramm 2 in lila seht, mich für die Schrittfrequenz-Analyse nicht interessierten, ist ganz einfach: Unter Spezialtraining fasse ich alles zusammen, was in die anderen Formen nicht reinpasst. Die Gruppe ist so inhomogen, dass sie kein geschlossenes Bild geben wird, und daher nur ablenken wurde. Zur Übersicht habe ich im folgenden „Refit“ von Diagramm 1 dieselben Farben wie in Diagramm 2 als Füllung und passende Farben als Umrandung der Marker verwendet …

Diagramm 3: Schrittlänge gegen Schrittfrequenz nach Laufart.

In Diagramm 3 sehe ich nun eine erstaunlich klare Struktur: regenerative Einheiten liegen üblicherweise im niedrigen Schrittfrequenz- und Schrittlängenbereich. So weit, so logisch, denn ich laufe ja nicht sehr schnell dabei. Die Dauerläufe bilden eine Punktwolke, die die niedrigsten und die höchsten Schrittfrequenzen umfasst, insgesamt eine breite Streuung auch in der Schrittlänge aufweist. Beim Intervalltraining liegen wir in einem Bereich, der quasi ein Subset der von den Dauerläufen aufgespannten Fläche umfasst, manchmal jedoch recht hohe Schrittfrequenzen aufweist. Da Intervalltraining wettkampfschnelle Abschnitte und erholende umfasst, außerdem meist in den Aktivitäten das Ein- und Auslaufen mit drin ist, ist das kein Wunder. Aber dann wird es klar und schön. Die Tempodauerläufe, die dem Wettkampf von allem Training am nächsten kommen, liegen in meinem typischen schnellen Frequenzbereich, aber bei hoher Schrittlänge. Die Wettkämpfe liegen noch einmal darüber.

Im Endeffekt laufe ich Schrittfrequenzen wie im Wettkampf in allen bis auf regenerativen Einheiten öfter mal, aber die Schrittlänge ragt deutlich heraus. Ein einziger Wettkampf bleibt in der Schrittlänge hinter manchen Tempodauerläufen oder Intervalltrainings zurück. Im Fazit kann ich also sagen: Mein Wettkampftempo basiert nicht auf höherer Schrittfrequenz als im Training, sondern auf längeren Schritten!

Was die Daten (noch) nicht hergeben

Seit Anfang Januar 2019 enthält meine Sport-Datei einen weiteren Wert, den ich mitnotiere und somit für Analysen für mich selbst zur Verfügung stelle. Es handelt sich dabei um die Schrittfrequenz.

Diese hängt natürlich vom Tempo ab, aber auch von der Schrittlänge – ganz einfach: Die Geschwindigkeit ergibt sich, indem man Schrittlänge mit Schrittfrequenz multipliziert. Nun ist laufen – speziell auch in der Gruppe laufen – nicht immer gleich. Man gleicht eine Schrittfrequenz der Umgebung an, ganz unbewusst. Damit verändert sich auch die Schrittlänge, wenn das Tempo gleich ist. Dennoch glaubte ich, dass ich mein Tempo vor allem über die Schrittfrequenz erhöhe. Ich war und bin mir aber nicht sicher – denn die Daten geben noch keine detaillierte Analyse her. Aber ich sammle ja noch Statistik.

Was ich bisher habe, sind drei Monate Schrittfrequenzen und Geschwindigkeiten, läuferüblich in Form der „Pace“, also der Minuten pro Kilometer. Diese Werte habe ich für jede Aktivität zusammengestellt und dann die Schrittfrequenz über der Pace aufgetragen. Das Ergebnis ist … äh … eine Punktwolke. Ein wenig eindeutiger wird der Zusammenhang, wenn man die die Schrittlänge gegen die Geschwindigkeit aufträgt. Woher ich die Schrittlänge bekomme? Ganz einfach:

l_{Schritt} = \frac{1000 \frac{m}{km}}{p \cdot f_{Schritt}}

Hierbei ist l_{Schritt} die Schrittlänge in Metern, p die inverse Geschwindigkeit (Pace) in Minuten pro Kilometer und f_{Schritt} die Schrittfrequenz in Schritten pro Minute.

Schrittfrequenz in Schritten pro Minute sowie Schrittlänge in Metern aufgetragen über dem Tempo in Minuten pro Kilometer, für meine Laufaktivitäten 01.01.2019 bis 27.03.2019.

Was sagt mir das nun? Naja – es GIBT einen losen Zusammenhang zwischen Schrittfrequenz und Tempo, aber das hatte ich erwartet. In der Schrittlänge sieht das Diagramm nicht so gestreut aus, aber auch hier keine unerwarteten Strukturen. Ansonsten sammle ich mal weiter Statistik und schaue mir an, ob sich Strukturen ergeben. Ich hatte ja auf eine Art „Knick“ gehofft, an dem klar wird, dass ich bis zu einer gewissen Geschwindigkeit vor allem über Schrittfrequenz schneller werde und ab da vor allem über Schrittlänge. Aber nichts da, man sieht, dass man nichts sieht. Mit mehr Statistik wird man sehen, ob man was sieht. Ich geh‘ dann mal laufen. Statistik sammeln, damit es mehr zum analysieren gibt. Auf geht’s!