Wieder hervorgeholt

Bei uns im Esszimmer hängt ein Bild an der Wand, das gizzy einmal für mich gemalt hat. Das Bild lag recht lange bei ihr, bis ich dann nach Berlin kam, um es persönlich abzuholen. Was ein wundervoller Abend das war, vor nunmehr etwas mehr als einem Jahr!

Das Bild wurde nach meiner Beschreibung von Miyoshi Sayuri, eines ShadowRun-Charakters aus meinem Fundus, von gizzy komponiert.

Miyoshi Sayuri, einer meiner ShadowRun-Charaktere. Gemalt von Michaela T. Eckert alias gizzy.

Gestern Abend fand die Tochter unseres Besuchs Interesse an dem Bild. Sie packte, als das Gespräch der Erwachsenen ihr zu langweilig wurde, ihr Tablet aus und begann, das Bild elektronisch abzuzeichnen. Ich habe daraufhin einen erneuten kleinen Kick bekommen, wie sehr mir das Bild gefällt. Es ist ja durchaus so: Was wir dauernd haben, täglich sehen, nehmen wir irgendwann nicht mehr ganz so wahr. Nun kam diese Darstellung eines meiner Charaktere ganz stark wieder hoch, weil die junge Dame sie abzeichnete – sehr kunstfertig übrigens!

Und deswegen möchte ich Euch daran teilhaben lassen, was ich so toll finde. Ich habe oben auch gizzys Facebook-Seite verlinkt, da gibt’s noch sehr viel mehr tolle Bilder!

Warum ich so gerne viel erzähle …

… hat zwei Gründe. Ich scherze oft und gerne, dass ich mich sehr gerne reden höre. Das ist wahr. Allerdings gibt es nicht nur ein, sondern zwei Felder, in denen ich das gerne tue. Natürlich ist das im Bezug auf meine Gedanken und deren Vermittlung an andere Extrovertierte an mir durchaus in beiden Feldern involviert, aber es sind – immer noch – zwei getrennte Felder.

Das eine ist meine Phantasie. Ich zitiere hier mal eine Freundin: „Aus jedem Gedanken entwickeln sich ganze Gedankenströme, die sich in unberechenbare (und oft auch phantastische) Richtungen ergießen.“ Das ist bei mir definitiv so und ich erzähle gerne darüber. Dass ich dabei aufblühe, weiß ich und habe ich schon oft gesagt bekommen.

Aber ich bin auch eine leidenschaftliche Erklärerin und Dozentin. Freilich vertrete ich dabei aus dem Wissen und Verständnis heraus, wie ich es habe, wie ich die Realität sehe, auch einen gewissen Standpunkt, was aus diesem Wissen folgen soll. Aber ich will es niemandem aufzwingen, ich will niemanden überreden. Ich würde lieber den Menschen Mechanismen, Gedanken, Denkarten erklären, nahe bringen und ihnen ermöglichen, diese anzunehmen oder – auf der Basis von Verständnis – abzulehnen. Wenn sie sie annehmen, dann hoffe ich, dass sie dieselben Folgerungen ziehen wie ich, wenn aber nicht, dann zumindest auf der Basis von Wissen und Verstehen.

Bei einer Veranstaltung in unserem Labor, bei der Externe über die Gegebenheiten vor Ort informiert werden sollten, wurde mir von einer der externen Personen gesagt, man würde mir die Leidenschaft, mein Wissen anderen nahe zu bringen, deutlich anmerken. Daraufhin habe ich mal in mich hineingehört, habe ein bisschen Rückschau betrieben und stelle fest: Ja. Es ist so. Ich genieße Vorlesungen, Vorträge, ich genieße es, Dinge zu erklären. Ich genieße es, selbst wenn die Informationen, die ich gebe, selbst wenn das Wissen, das ich vermitteln möchte, nicht angenommen wird. Kritisch hinterfragen ist sowieso okay, nicht annehmen ist auch okay. Nur Totdiskutieren, wo man eigentlich einer Meinung ist, oder mit extrem vielen Worten wenig sagen und dabei aneinander vorbeireden, das mag ich nicht. Ich habe auch kein Problem damit, Unrecht zu haben – mir geht es um den Austausch, das Vermitteln, das Anregen zum Nachdenken. Das liebe ich zutiefst, und dabei hilft mir auch sehr, dass ich mich dem radikalen Konstruktivismus als erkenntnistheoretische Schule zugewandt fühle. Im Gegensatz zu dem, was man denken könnte, ist durch die Bildung unterschiedlicher Realitäten basierend auf uns selbst und unserer Wahrnehmung und Wahrnehmungsfilterung das Weltbild nicht beliebig – letztlich leben die meisten von uns in einem recht breiten Konsens über die Struktur der Realität, und in den Feinheiten und Abweichungen ist der Konsens verhandelbar. Da tritt Kommunikation hinein – und wird wichtig. Deswegen erkläre ich gerne. Deswegen denke ich, Wissen oder auch nur eine Version von Wissen erklärt zu bekommen, dafür offen zu sein, hilft uns, andere besser zu verstehen und zugleich auch, unsere eigene Realität besser zu verstehen. Deswegen erkläre ich gerne. Spreche darüber. Freue mich über Fragen.

… und das mit LEIDENSCHAFT!