Doppelt virtuell

Dieses Jahr ist es schwierig mit den Wettkämpfen, denn wegen der Corona-Pandemie finden viele große Veranstaltungen nicht statt. Man rennt bei einem Laufwettkampf zwar den größten Teil der Zeit mit mehr oder minder großem Abstand zu anderen Läufern durch die Gegend – durch Straßen, Wälder, über Brücken… aber beim Start ist es eng und insbesondere in der kalten Jahreszeit hängt man am Ziel eng aufeinander, und da ist dann auch nach dem Wettkampf das Immunsystem etwas schwächer. Ist also durchaus richtig…

Natürlich tut’s mir nach dem Wettkampf- und Bestleistungsfeuerwerk von 2019 ein bisschen weh, dass nichts geht. Aber ich seh’s ein. Auch für den Köhlbrandbrückenlauf habe ich meine Teilnahme auf das kommende Jahr verschoben, denn infektionsschützend in kleinen Blöcken starten und dafür sechs Stunden hin und sechs Stunden zurück mit Maske im Zug sitzen… das ist irgendwie nicht das, was ich mir von einem Wettkampf erhoffe.

Was blieb also? Virtuelle Wettkämpfe… nur dass ich mir mit denen schwer getan habe. Am Wettkampf ist das direkte Messen aneinander, das anfeuernde Publikum, all das, ein entscheidender Teil des Erlebnisses. Virtuelle Wettkämpfe reduzieren das alles auf pure, unpersönliche Konkurrenz. Bei sowas habe ich dann ehrlich gesagt eher auf die gesondert ausgerichteten, zeitlich beschränkten virtuellen Wettkämpfe verzichtet und mich auf Strava-Segmente verlegt. Diesem Grundsatz bin ich aber an einer Stelle untreu geworden – beim Campus Run. Da ist es allerdings kompliziert…

Wie Ihr vielleicht wisst, oder auch nicht wisst, habe ich beim Campus Run der Uni Stuttgart seit Beginn immer teilgenommen. Ich bin sogar die einzige, die einmal häufiger beim Campus Run gelaufen ist, als er ausgetragen wurde – im ersten Jahr waren der Sechser und der Zwölfer nicht parallel ausgerichtet, so dass ich beide mitlaufen konnte – den Zwölfer für meine Leistung, den Sechser als Begleitung für eine Kollegin. Diese Serie wollte ich halten – der Versuch, den letztjährigen Sieg zu verteidigen, war zwar auch eine Motivation, aber die Serie zu halten war wichtiger. Indes, es war nicht möglich. Der Campus Run der Uni Stuttgart wird dieses Jahr erstmals virtuell ausgerichtet, der Wertungszeitraum endet heute Abend, er ging vom 21.09. bis 27.09., auch die Strecken waren andere als normal: fünf, siebeneinhalb und zehn Kilometer. Entscheidend war aber, dass der Hochschulsport natürlich ein bisschen den Auswerteaufwand reduzieren musste und daher das Teilnehmerfeld auf Mitarbeiter und Studenten der Uni Stuttgart begrenzte. Alumni, Ex-Mitarbeiter und auch Sonstige, die in den Jahren zuvor teilnehmen konnten, waren nun außen vor. Als Vorjahressiegerin und treue – treueste Teilnehmerin des Laufs bot man mir auf meine Frage aber an, meine Ergebnisse „außer Konkurrenz“, sozusagen in virtueller Teilnahme am virtuellen Lauf, einzureichen. Ich werde also – hoffentlich – in den nächsten Tagen eine Mail erhalten, in der man mir mitteilt, wie ich abgeschnitten hätte, wenn ich hätte teilnehmen können. Was ich eingereicht habe, war natürlich die längste verfügbare Strecke – wie immer! Bei dieser Gelegenheit habe ich allerdings eine neue persönliche Bestleistung über zehn Kilometer aufgestellt. Ich lief mich gestern drei Kilometer warm, dann pushte ich mich durch die zehn Kilometer und lief noch einen drei Kilometer langen Cool Down.

Meine virtuelle Teilnahme am virtuellen Lauf.

Im Dezember 2019 war ich zuletzt ein Personal Best auf zehn Kilometer gelaufen, das war bei der Winterlaufserie in Rheinzabern. Nach dem Hardtwaldlauf (39:58) war der Zehner der Winterlaufserie mit 39:41 schon eine ziemliche Steigerung. Nun musste ich „es“ ohne Publikum, ohne Verpflegung, ohne Konkurrenz tun. Das ist hart! Andere Leute auf der Strecke, das Publikum, das spornt an. Auch der Becher Wasser auf halber Strecke hilft. Aber geht ja nicht! Bei virtuellen Läufen nicht, bei noch viel virtuelleren, „inoffiziellen“ Teilnahmen noch weniger.

Und dennoch lief ich 38:41 auf zehn Kilometer. Es war mein erster Wettkampflauf, vor dem ich mich eingelaufen habe und nach dem ein Cool Down eingeplant war. Es war ein unglaublich schneller Lauf, den ich deswegen „Perfect Ten“ genannt habe. Viel Verbesserung ist da nicht mehr drin für mich, auf den Zehner, glaube ich.

Nun bin ich gespannt, was bei der virtuellen Teilnahme an einem virtuellen Lauf rausgekommen wäre, denn es eine nicht-virtuelle Teilnahme an einem virtuellen Lauf gewesen wäre. Jedenfalls bin ich sehr stolz, meine persönliche Bestleistung auf zehn Kilometer um eine Minute verbessert zu haben – das sind mehr als 2,5%!

Redaktionsausflug der Highway Tales zum Campus Run nach Stuttgart

Heute wurde der vierte Campus Run der Universität Stuttgart ausgetragen. Für mich war es die fünfte Teilnahme – die fünfte, fragt Ihr, bei vier Austragungen? Ja, im ersten Jahr wurden Sechser und Zwölfer nicht parallel ausgetragen und ich lief zuerst für mich den Zwölfer und dann den Sechser mit einer Kollegin.

Der Campus Run geriet aber auch zum Redaktionsausflug der Highway Tales – denn der von seinem hartnäckigen Husten genesende Holger und auch Manuel waren dabei, beide gehören ja zum Team. Für mich begann der Campus Run bereits kurz nach Mittag in Karlsruhe, als ich meinen Nachmittag Arbeitszeitausgleich antrat und zum Hauptbahnhof fuhr, um mich dort mit Holger zu treffen. Dann ging es mit einem IRE nach Stuttgart und weiter an die Uni nach Vaihingen. Da ich meinen Körper in weiser Voraussicht mit Flüssigkeit gesättigt hatte, ging ich mit einem sehr dringenden Bedürfnis über den Campus in Richtung Startnummernausgabe.

Zwei Drittel der Redaktion bereit zum Laufen bzw. Walking.

Doch dieses Bedürfnis musste warten, denn als ich gerade meine Starnummer in Empfang nahm, nannte Holger neben mir die Nachnamen von Manuel und Holger … und ich so: „Was? Das musst Du mir erklären!“ Tatsächlich wurde beim Campus Run dieses Mal das erste Mal auch Walking ausgetragen und im Dienste der Rekonvaleszenz von Knie- und Hustenproblemen machten Holger und Manuel den Sechs-Kilometer-Walk mit! Das hat mich voll umgehauen! Doch dann ging ich auf Toilette und weiter ging alles recht schnell. Manuel traf ein und ließ sich mein dummes Gesicht schildern, das ich bei der Erkenntnis, dass die beiden mitliefen, gemacht hatte. Er hatte auch meinen Ex-Kollegen Abdennaceur mitgebracht, der leider nicht mitlief, aber zumindest beim Start anfeuerte. Auch eine kurze Unterhaltung mit dem Brandschutzbeauftragten der Uni hatte ich, denn mit ihm hatte ich ja lange zusammengearbeitet. Dann ging es auch schon auf die Strecke.

Zwölf Kilometer über den Campus sind es, in zwei gleich langen Runden von je sechs Kilometern. Um 16:30 starteten die Zwölfer, etwas später die Sechser-Läufer und denn die Sechser-Walker. Ich ordnete mich recht weit vorne ein, drei Jungs ließ ich noch vor, die sicher unter 50 Minuten zu laufen beabsichtigten. Die zogen auch recht rasch davon, aber ich ordnete mich schnell in einer der Verfolgergruppen der Jungs ein. Während der ersten Runde habe ich meine direkten Konkurrentinnen gar nicht gesehen, war die ganze Zeit Spitze des Rennens der Damen. Erst im Stadion sah und hörte ich, dass am Ende der ersten Runde die Vorjahres-Zweite etwa 400 Meter hinter mir kam. Im Vorjahr war ich Vierte geworden … und so rechnete ich jeden Moment damit, dass die Vorjahres-Zweite mich einholen würde. Die zweite Runde gab ich daher ordentlich Stoff, trank noch einen Schluck Wasser an der Wasserstelle bei zwei Kilometern. Dort überholte ich auch meine beiden Walker-Kollegen aus der Redaktion der Highway Tales und jubelte ihnen zu. Mit viel Druck versuchte ich, mögliche Verfolgerinnen gar nicht erst in Sichtweite kommen zu lassen, und als ich vom Gipfel der Strecke hinter dem MPA-Turm wieder Richtung Wohnheime den Abstieg begann und auf der langen Gerade keine Frau hinter mir erkennen konnte, wusste ich: Nun gilt’s, den Sieg nach Hause zu laufen. Und siehe da, ich kam souverän mit zwei Minuten Abstand als schnellste Zwölfer-Läuferin ins Ziel und brüllte erstmal meinen Jubel über den ersten ersten Platz dieses Jahr aus mir heraus.

Nach gemütlichen sechs Kilometern Walking in unter einer Stunde tauchten dann Manuel und Holger im Stadioneingang auf, die ich auf ihren letzten Metern begleitete. Sie hatten es angesichts beider Knie-Probleme und Holgers Husten langsam angehen lassen. Bei langanhaltend-asthmaartigem Husten ist Ausdauersport ja durchaus eine gute Therapie. Und so gab’s ein glückliches Bild von drei Finishern:

Die Redaktion nach absolvierten insgesamt 24 Kilometern.

Am Ende des Tages kam ich mit 50:18 rein, als Siegerin der Damen. Nach dem vierten Platz mit über 52 Minuten im vergangenen Jahr eine richtig tolle Steigerung! Die beiden Walker-Herren erreichten die Plätze sieben und acht mit 59:48, und vor allem: Bewegung, warme Luft und Sonne scheinen den Knien der beiden und dem Hals des einen gut getan zu haben!

Mittig auf dem Podium: Talianna Schmidt von den Highway Tales.

Das übliche Bild nach dem Lauf umfasst dieses Mal neben Preisen nicht nur eine, sondern drei Startnummern und drei Urkunden. Ich bin sehr froh, dass neben meinem Erfolg auch der Genesung meines Mannes Vorschub geleistet wurde – und wir einen tollen Ausflug der Redaktion der Highway Tales hatten.

Drei Startnummern, drei Urkunden, eines von drei Campus-Run-Shirts, mein Sieger-Gutschein vom Sponsor Heart & Sole sowie das Siegershirt.

Campus Run re-iterated

2018-07-19 22.09.53

Der dritte Campus Run der Universität Stuttgart hat am heutigen Donnerstag stattgefunden. Ich war bisher jedes Mal dabei – ich bin wohl die einzige Läuferin, die auf dem Campus Run der Uni Stuttgart bereits VIER Mal angekommen ist. Denn im ersten Jahr, als der Sechser und der Zwölfer nicht parallel liefen, bin ich bei beiden gestartet.

Aber zum aktuellen Jahr: Es ging über eine sehr angenehme Strecke, dieses Mal am MPI in den Allmandring, hinter der Bioverfahrenstechnik vorbei, über die berüchtigte „Wackel-Brücke“ nahe des Internationalen Zentrums der Uni Stuttgart, durch das NWZ (Naturwissenschaftliches Zentrum), an der Keltenschanze vorbei in den Wald und über den Weg hinter der MPA und dem DLR-Gebäude durch die Wohnheime zurück. Für die Zwölfer – angeboten waren zwölf und sechs Kilometer – ging es über zwei Runden, aber das war voll in Ordnung, der Kurs war sehr abwechslungsreich. Absoluter Pluspunkt war, dass wir dieses Mal keine Treppe auf der Strecke hatten, das machte es viel angenehmer.

Nach drei Teilnahmen am „Zwölfer“ des Campus Runs (2014, 2017 und 2018) habe ich auch endlich geschafft, das „Projekt 59:59“ auf der geplanten Veranstaltung zu schaffen. Mit einer Netto-Zeit von 52:38 gewann ich meine Altersgruppe, lag insgesamt auf Platz 4 bei den Damen und trug zudem den berüchtigten „Propeller“, also das Symbol für Radioaktivität für das Team „Fast Neutrons“ über den Campus. Leider war es ein „One Woman“-Team, weil die anderen, die ich angefragt hatte, aus verschiedenen Gründen nicht konnten. Ich schreibe natürlich nicht, dass sie gekniffen haben … würde ich nie machen.

Man merkt dem Campus Run an, dass er nicht nur größer, sondern auch professioneller und organisierter wird, dabei aber immer noch die sympathisch-hochengagierte Note des Hochschulsport-Teams, vor allem von Melanie Haag behalten hat, die zwar nicht die Moderation übernimmt, aber immer ein paar Worte sagt und sich über Resonanz freut.

Ein paar Impressionen hat mein Anfeuer-Team aus meinem Mann und meinem Ko-Autor Manuel auch mitgebracht:

20180719_172258
Zieleinlauf – sprintest Du noch oder fliegst Du schon?

20180719_172305
Ich glaube, es war doch kein Fliegen.

20180719_181118
Nach dem Fliegen kommt das Siegen. Zumindest in der Altersklasse.

Insbesondere lustig war dann auch, dass ich eigentlich nur zum Abholen von Post zu meinem alten Institut lief und dort mitten im Sommerfest landete – und dann fuhr Ko-Autor Manuel meinen Mann und mich, beide per Bahn angereist, noch nach Hause.

Schleifendurchlauf

Am Donnerstag findet der Campus Run 2018 der Universität Stuttgart statt. Ich werde dort sein, von einer Reise in meinem neuen Job aus Heidelberg direkt nach Stuttgart fahren und teilnehmen.

Das ist das erste Mal, dass ich zwei Jahre in Folge am selben Wettkampf teilnehme und dabei auch noch in Form bin. Zweimal in Folge, dazwischen keine Probleme mit der Colitis ulcerosa, munter weiter trainiert … seit dem letzten Campus Run bin ich über 2000 Kilometer gelaufen, habe nur in einem Monat weniger als 50 Kilometer zurückgelegt. Es ist das erste Mal, dass ich so konsequent durchgängig trainiert habe – ich wollte es UND der Körper ließ es zu.

Letztes Jahr begann die für mich furiose Laufsaison mit dem Campus Run. Dieses Jahr habe ich schon einen Halbmarathon und zwei Wettkämpfe über knapp zehn Kilometer absolviert. Die Schleife ist einmal durchlaufen. Nun folgen Wiederholungen. So weit war ich in Sachen laufen noch nie.

[KuK] Thema-Team

Ich beabsichtige, diesen Sommer wieder den Campus Run meines Ex-Arbeitgebers, der Uni Stuttgart mitzulaufen. Da ich dort Reaktor-Betriebsleiterin an einem kerntechnischen Institut war, boten sich Neutronen als Thema an – schnelle, natürlich, keine thermischen.

2018-05-29 08.14.28

Die Schreibweise (n,f) stellt eine Kernspaltung durch Neutronen dar. Vor der Klammer würde zum Beispiel Uran-235 als zu spaltender Kern stehen, dahinter dann die Produkte. Das „n“ in der Klammer, vor dem Komma stellt ein einfallendes Neutron ein, nach dem Komma steht das, was dabei rauskommt – manchmal wäre das ein α oder γ für Alpha- bzw. Gamma-Strahlung, aber im Falle einer Spaltung schreibt man „f“ für Fission (Englisch für Spaltung).

Mag etwas seltsam sein, aber hey, es ist ein Lauf an einer Uni …

Ausreden

Nach einem furiosen April, in dem ich viel zu sagen hatte, einen neuen Mitautoren gewann und so viel in einem Monat lief, wie noch nie in einem Monat zuvor, beginnt der Mai eher langsam. Das liegt daran, dass ich Gründe – oder Ausreden? – für die meisten üblichen Verdächtigen, über die ich normalerweise blogge, und auch ein bisschen für die Zeit habe, die ich normalerweise zum Bloggen verwende.

Beim Laufen ist gerade so etwas ähnliches wie das berüchtigte „Tapering“ angesagt, die Reduktion des Trainingsumfangs vor dem Wettkampf. Im Mai habe ich zwei Wettkämpfe – die Badische Meile über 8,88 Kilometer am morgigen Sonntag, den sechsten Mai in Karlsruhe. Da habe ich natürlich schon ein bisschen die Intensität heruntergefahren, in der ersten Maiwoche. Am Maifeiertag gab’s nochmal ein Intervalltraining, seit dem ist Ruhe angesagt. Die Badische Meile selbst betrachte ich aber immer noch als Vorbereitungswettkampf, denn am zwölften Mai geht’s nach Mannheim zum Halbmarathon. Daher werde ich die Badische Meile als „Vorbereitung“ betrachten und einfach mal schauen, ob ich es hinbekomme, mich nicht von jedem vor mir herausgefordert zu fühlen. Wir werden sehen, ob es klappt – eine Zeitvorgabe für die Badische Meile habe ich mir nicht gesetzt, beim Halbmarathon strebe ich unter 100 Minuten. Natürlich verändert die wettkampfbedingte Veränderung des Rhythmus auch ein bisschen die Themen, die mir einfallen.

Aber ein neuer Termin steht nun auf meinem Sport-Jahresplan fest: Ich habe mich zum Campus-Run der Uni Stuttgart angemeldet. Dieser Wettkampf gehörte fest zu meinem Plan – wenn er denn stattfand. Zweimal war das bisher der Fall, 2014 und 2017. Auch wenn ich nun nicht mehr in Stuttgart arbeite, möchte ich weiterhin dem Campus-Run meine Aufwartung machen, zumal ich bei zwei Durchführungen des Campus-Run bereits dreimal angetreten bin. Wie das geht? Ganz einfach: Der Campus-Run besteht aus mehreren Wettkämpfen und im ersten Jahr, 2014, liefen meine damalige Laufpartnerin und ich gemeinsam in ihrem Tempo den Sechs-Kilometer-Lauf und ich allein den Zwölfer. Wenn ich dieses Jahr wieder beim Zwölfer teilnehme, habe ich immer noch eine Urkunde mehr vom Campus-Run, als es Termine gab. Ich bin gespannt, ob meine Ex-Kollegen, von denen einige 2017 gerne mitgelaufen wären, aber verhindert waren, dieses Jahr dabei sind. Als gemeinsamen Teamnamen bin ich schonmal mit „Fast Neutrons“ vorgeprescht, da ich ja an einem kerntechnischen Institut in Stuttgart arbeitete.

Durch mehrere Termine am Anfang des Mais, die sich alle schön überschneiden, ist zudem nicht einmal Zeit für alle Termine, geschweige denn zum vielen Bloggen. Denn: Unser Haus ist ja, wie ich berichtet habe, eingerüstet. Da wird gestrichen, und im Rahmen dessen, wie ich kann, bin ich natürlich dabei. Außerdem hat das Laufen Kreise gezogen – ich unterstütze heute Nachmittag eine Freundin beim Kauf von neuen Schuhen. Das geschieht dann auf dem Weg zwischen Abholen der Startnummer für die Badische Meile und einer Geburtstagsfeier – und morgen werde ich von der Badischen Meile aus direkt zu Freunden in Karlsruhe gehen, Duschen und dann Rollenspiel leiten. Bei der Eröffnung des japanischen Teehauses im Japangarten in Karlsruhe konnte ich gestern nicht dabei sein, weil ich arbeiten musste – und da sich Veränderungen abzeichnen, war es auch wichtig, gestern auf Arbeit zu sein, um alles rechtzeitig auf die Reihe zu bekommen. Dazu schreibe ich vielleicht aber mehr, wenn die Dinge spruchreifer und sowohl objektiv als auch emotional besser geordnet sind.

Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass ich im April mehrere Rekorde gebrochen habe: Ich hatte meinen allerschnellsten Kilometer beim Intervalltraining mit 4:05 – so schnell war ich noch nie. Ich bin fast 250 Kilometer in einem Monat gelaufen – das ist auch Rekord, bisheriger Top-Monat war der Oktober 2017 mit 242. The Highway Tales hat zudem mit dem April 2018 seinen bisher stärksten Monat an Aufrufen, Besuchern, Likes und Kommentaren erfahren, was mich sehr freut – auch wenn dieses etwas konfuse Blog natürlich ein „kleines Licht“ am Himmel der Blogosphäre ist.

Ich frage mich gerade, ob ich am Ende ausgeredet habe oder Ausreden präsentiert habe.

Begeisterung

Am Tag nach meiner Teilnahme am Campus Run gab’s bei mir auf der Arbeit eine Sitzung, an der ich teilnahm. Die war nicht ganz unwichtig, aber das ist nun nicht mein Thema hier. Jedenfalls kam auch meine Leistung zur Sprache – und daraus resultierte dann eine Mail vom Institutsdirektor an alle Mitarbeiter, wie ich abgeschnitten hatte – er hat sogar die online verfügbare Urkunde herausgesucht und an die Mail angehängt.

Das fand ich toll, auch wenn es mir auch ein wenig peinlich ist – ich bin doch nur ein Stückchen gelaufen! Jedenfalls erreichte mich danach noch eine Mail einer Kollegin, mit einem Bild einer Medaille und Glückwünschen!

Klar, die Läufer unter meinen Lesern sagen jetzt: „Genauso wie wir auch läuft Talianna von den Highway Tales doch nur, oder?“ Das stimmt. So empfinde ich das auch. Ich laufe regelmäßig, orientiere das Laufen in Länge und Belastungsstruktur ein bisschen daran, halbwegs auf die wenigen Wettkämpfe vorbereitet zu sein, die ich mir in den Plan schreibe, laufe die Wettkämpfe dann. Meistens denke ich auch: Wenn ich gut abschneide, liegt das in erster Linie daran, dass nicht so viel Konkurrenz da war. Andererseits – und das fällt mir, obwohl es mir schmeichelt, durchaus schwer zuzugeben – gehöre ich doch zumindest zur aktiveren Hälfte der Bevölkerung, vielleicht sogar zu den aktiveren und laufschnelleren 25%.

Egal wie, es freut mich total, wenn Freunde, Familie und Kollegen an einem Erfolg bei oder auch nur einer Teilnahme an einem Laufwettkampf Anteil nehmen, obwohl oder vielleicht gerade weil es mich ein bisschen beschämt.

Campus Run Uni Stuttgart – mein Bericht

Um es vorweg zu nehmen: Ich hab’s nicht geschafft, die zwölf Kilometer unter einer Stunde zu laufen. Aber ich war schnell, und ich habe auch ein gutes Ergebnis vorzuweisen.

Zunächst war mein Tag vor dem Campus Run von mehreren Dingen geprägt, die ich vor dem Lauf vielleicht nicht so gerne habe: erstens hatte ich nicht so durchgeschlafen, wie ich das wollte, zweitens war der Tag restlos voll mit einer Blockvorlesung und dritten hatte ich so halb mit der Blockvorlesung kollidierend noch einen Termin. Nicht unbedingt optimal, um sich mental und physisch drauf vorzubereiten, nicht unbedingt optimal, um genug zu trinken. Aber einerlei: Ich suche keine Ausrede, denn ich bin mit meinem Ergebnis zufrieden. Dass da eine emotionale Achterbahn dahinterstand, ist eine andere Sache, aber das hat mit dem eigentlichen Campus Run nicht so viel zu tun.

Der Startschuss des Laufs war für nach der Arbeit, oder zumindest so in etwa angesagt: halb fünf sollte es für den Zwölfer losgehen, eine Viertelstunde später für den Sechser. Ich rüstete mich also mit allem meinem Zeug, schloss den Rest im Büro ein und marschierte die anderthalb Kilometer zum Stadion, wo ich gegen vier ankam. Dort war schon ein bisschen was los, erstmal ging ich meinen Beutel an der Garderobe abgeben, dann ging es runter ins Stadion, in dem Start und Ziel sein sollten. Dort traf ich nicht nur auf meinen Vater – mit dem hatte ich gerechnet – sondern auch auf meine Schwester und deren Verlobten, die kurzerhand einfach mitgekommen waren. Mit ihnen stand ich dann eine Weile herum, während um mich herum alles immer voller wurde – fast 650 Läufer traten an, für die beiden Wettbewerbe zusammengenommen. Es gab Verpflegung durch die Fachschaft Sport an der Uni, natürlich wurden auch Sponsoren in Szene gesetzt. Weil die vom Sponsor unterstützten Shirts, die es zum Lauf gab, eher groß ausfielen, somit M etwas viel für mich war, und ich mich darin außerdem nicht wohlfühlte, trat ich in eigener Klamotte an. Kurz nach halb vier wurde dann angekündigt, dass der Sechs-Kilometer-Lauf demnächst gestartet würde – großes „Hä?“ bei den Läufern, die den Zwölfer laufen wollten und dachten, vor den „Sechsern“ zu starten. Letztlich korrigierte sich die Organisatorin vom Hochschulsport dann, und die Leute für die Zwölf Kilometer gingen an den Start – viele in den blauen Shirts, die ich verweigert hatte, aber auch eine Menge Leute in eigenen Sachen. Und dann kam der Startschuss, alles raste los wie verrückt und ich ließ mich mitreißen. Das war eine eingeschränkt gute Idee, denn als ich bei etwa zwei zurückgelegten Kilometern, nach einem Oval um die Schmetterlingswege zwischen Bioverfahrenstechnik und anderen Uni-Gebäuden mein Tempo checkte, lag ich bei 4:15/km und wusste, dass ich das unmöglich halten können würde – wieder mal zu schnell gestartet. Mist.

Bis mein Körper sich daran gewöhnt hatte, dass ich meinen Tempoverlust irgendwie abfangen wollte und musste, aber eben auch nicht die 4:15/km illusorischerweise durchlaufen wollte, hatte ich zwischen Wohnheimen und Parkplätzen dann einen der uni-typischsten, zugleich aber vielleicht nicht unbedingt den schönsten Streckenabschnitt hinter mir, da kam dann der schwierigste Abschnitt: Scharf links abbiegen, dort spitz den Berg hoch, über eine Brücke über den Pfaffenwaldringvor der Mensa, und dann entweder die Wiese oder die Treppe hinunter. Hier musste der Hochschulsport beim Abstecken der Strecke Kompromisse machen – heraus kam diese anspruchsvolle, um nicht zu sagen etwas doofe Passage. Danach ging es konstant den Berg hinauf, nicht stark, aber eben doch quer über den Campus durch die Schleife des Pfaffenwaldrings hinter den Gebäuden entlang über die Wege. Dort ist die Strecke wirklich schön. Ein bisschen enttäuscht realisierte ich an der Ecke des Gebäudes, in dem ich arbeite, dass von meinem Institut niemand an der Strecke stand – naja, vielleicht ja auf der zweiten Runde!

Bis dahin war meine Geschwindigkeit schon fast auf mein gewünschtes Renntempo abgefallen, aber ich merkte, so richtig gut lief es dennoch nicht. Zwischen dem neuen Gebäude Arena 2036 und älteren Gebäuden durch ging es zum Heizkraftwerk, wo die erste Wasserstelle war. Ich war zu beschäftigt mit mir, um einen Becher zu nehmen, bog auf den Pfaffenwaldring und dann ging es in den Wald – genau, den Pfaffenwald. Dort begann ich, mich besser zu fühlen. Ich verlor immer noch Tempo, war inzwischen langsamer als mein gewünschtes Tempo, aber so langsam auch richtig eingeordnet: Ich hielt das Tempo derer, die um mich liefen, das Überholen und Überholtwerden hielt sich trotz ziemlich deutlichem Gefühl, es überzogen zu haben, in etwa die Waage. Am höchsten Punkt des Kurses, am Grillplatz im Wald, richtig schön in Schatten und Wald, wundervoll zu laufen, merkte ich: Es geht wieder. Beim Runterlaufen zurück Richtung Stadion gewann ich sogar etwas Zeit, hatte Freude und kam wieder zu Atem. Erst in Richtung Stadion wurde es wieder schwierig, denn ich realisierte: Entweder meine Messung ist falsch, oder der Kurs ist ein bisschen länger … und ich war schon bei korrekter Messung durch meine App langsamer … das machte es schwer. Aber ich gab nicht auf: Ich zog nochmal an, lief ins Stadion. So recht habe ich nicht verstanden, WIESO ich das weiß, aber am Ende der Runde standen 6,45km auf meinem Display. Durch mein „Durchziehen“ habe ich eigentlich nicht die Zeit gehabt, auf das Display zu schauen. Aber: Im Stadion waren nicht nur meine Familie, sondern auch zwei Kollegen aus dem Sicherheitswesen, die mich kräftig, wirklich kräftig anfeuerten! Das gab richtig Extraschub.

Auf der zweiten Runde fing es dann an, dass ich wenig Zeit, aber viele Plätze im Rennen gut machte, immer wieder auch bei nochmal am Ende aufdrehenden Männern eine Weile, teils auch die letzte Hälfte der zweiten Runde das Tempo hielt und merkte: Der Kurs ist vielleicht länger als 12km, ich bin selbst mit meiner Messung, die ihn eventuell zu lang anzeigt, zu langsam für mein Ziel, aber es macht Spaß und es kommt was rum!

Im Ziel wurde ich dann von Begeisterung meiner Leute begrüßt, keiner wollte hören, dass ich mein Ziel nicht erreicht hatte – alle fanden klasse, was ich dann eben doch geschafft hatte. Und so ging es mir recht schnell besser: Von „Mist, Mist, Mist!“ wandelte sich die Stimmung zu: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiterlaufen!“ und schließlich zu: „War die Runde vielleicht wirklich etwas länger? Andere sagen das auch – mindestens drei andere!“

Dann fiel mir auf, wie viele nach mir noch ins Ziel kamen, ich war umgeben von netten Leuten und ein Kollege aus der Chemie, ein deutlich erfahrenerer Läufer als ich, meinte: Der Kurs war länger als gesagt und er war sehr anspruchsvoll. Deine Zeit ist gut! Und ihm habe ich es dann auch geglaubt. Wir trieben uns dann noch vor Ort herum, ich musste ja noch meinen Beutel wieder holen, meinen Transponder abgeben und so weiter … und dann waren es nur noch zehn Minuten bis zur Siegerehrung, die ich mir eigentlich schenken wollte. Ich rechnete nicht mit Treppchen oder sonstwas, wusste genau: Dafür war ich zu schlecht. So stand ich da rum und dachte: „Eigentlich will ich weiter, was Essen … “ Und plötzlich bei der Ehrung für die schnellste Frau 30+ wurde mein Name aufgerufen! Ich wollte es nicht glauben, aber ich war die schnellste Frau jenseits der dreißig. Erst nachts nach dem Heimkommen fand ich heraus, dass ich auch so weit nicht vom Treppchen weg war: etwa drei Minuten zu langsam auf Platz fünf in der Frauen-Gesamtwertung über 12km.

Und so habe ich meine Ziel nicht erreicht. Nicht in der 12km-Messung meines GPS, erst recht nicht auf der vermessenen Strecke. Euphorisch bin ich dennoch: Ich habe mein Ziel zumindest nach meinem eigenen GPS nur knapp gerissen, und das auf einer schwierigen Strecke, dazu habe ich einen Altersklassen-Sieg eingefahren und besser abgeschnitten, als ich dachte. Nachdem ich meinen Arbeitsplatz noch meiner Familie gezeigt hatte, ging’s Essen und Trinken – und dann nach Hause.

Was ein Tag! Was ein Tag!

Ready to Run

2017-07-12 22.12.43.jpg

Vollzugsmeldungen:

  • Schuhe mit Transponder dran – check!
  • Startnummer – check!
  • Campus-Run-Shirt plus Ersatzshirt, weil ich nicht weiß, ob ich es mag – check!
  • Sport-Wäsche, Laufsocken – check!
  • Handyhalter, Pulsgurt, Bluetooth-Heartrate-Monitor – check!
  • Verpflegung, Beutel, Gepäckverwahrungsband – check!
  • Jacke zum nach dem Lauf überziehen – check!
  • Essen, Trinken – check!
  • Gut geschlafen – war schonmal besser, aber geht!

Ready to go? Nope! Ready to RUN!