Entzaubert

Damals – Wimpfener Steige

Vor langer, langer Zeit war ich mit meinem Vater mit dem Rennrad auf Burg Guttenberg im schönen Neckartal. Ich war immer der Ansicht, das sei ziemlich weit von meinem Heimatort Bad Wimpfen gewesen – war es aber eigentlich nicht. Wir fuhren anschließend bei herrlichem Wetter den Berg hinunter, dann über Heinsheim nach Bad Wimpfen zurück. Ich fuhr die ganze Zeit im Windschatten meines Vaters, am Wimpfener Schwimmbad ging ich dann nach vorne und trat in die Pedale – mein Vater konnte nicht folgen. Wie bei der Tour de France bei einer Bergankunft stürmte ich die Serpentinen hinauf…

In meiner Erinnerung war das hoch und steil und insgesamt superschwer.

Heute – Anstieg nach Freiolsheim

Wie ich gestern schon schrieb, wollte ich von meinem jetzigen Zuhause in Bietigheim in der Rheinebene nach Bad Herrenalb zu Vorträgen fahren – mit dem Rennrad. Der direkte Weg führt über Freiolsheim und das sind 400-500 Höhenmeter. Ich hatte Respekt vor der Strecke, aber ich wollte es probieren, bevor ich es wirklich für die Fahrt zum Vortrag zu machen hätte.

Also probierte ich es heute. Ich sag’s mit den Worten des Mountainbikers, der einen flachen Weg fuhr, der die Straße kreuzt, als ich nach etwas mehr als einem Drittel der Höhenmeter an einem sehr steilen Stück aufgab: „Da sucht man sich auch nicht gleich das steilste Stück aus.“ Es ist halt echt so: Ich bin bisher in meiner neuen Radkarriere nicht viele Berge gefahren. Und dieser war noch zu steil für mich. Also habe ich zu trainieren.

Heute – entzaubert, Damals – auch entzaubert

Die Steige in Wimpfen, auf der ich meinen Vater damals abhängte, habe ich auf Google Maps mal nachgeschaut. Es sind 72 Höhenmeter. Nur 72! Oberhalb von Waldprechtsweier habe ich bei 156 an einem sehr steilen Stück aufgegeben. Aber was heißt es, wenn man irgendwo nicht hochkommt?

Genau: Man kommt NOCH nicht da hoch. Ich werde es nun mit weniger krassen Bergen probieren, weniger starken Steigungen. Und in ein, zwei Jahren fahre ich da dann vielleicht wirklich mal hoch, wenn ich mehr gelernt habe, wie ich Berge am besten fahre und mehr darauf trainiert bin, sie tatsächlich zu fahren.

Fremdes Revier

Ich bin zur Zeit im Urlaub im Mittelrheintal. Eigentlich sollte man ja denken, dass bei einem generischen Fluss das Tal zunehmend breiter und flacher wird, je näher der Fluss dem Meer kommt und je mehr Wasser er führt. Wie die meisten Menschen wissen, ist das beim Rhein nicht der Fall – in der Oberrheinischen Tiefebene haben wir eine beginnende divergierende Plattengrenze, also sozusagen den Beginn eines Ozeans. Der Rhein füllt hier eine tiefe, tiefe Spalte, die zwischen dem Schwarzwald, dem Kraichgau und dem Odenwald auf der einen Seite und den Vogesen sowie der Pfalz auf der anderen Seite mehrere tausend Meter tiefer als die umgebenden, genannten Gebirge liegt. Tatsächlich ist durch die Verfüllung dieser Spalte mit Sedimenten, dorthin getragen durch den Rhein und seine Nebenflüsse die Oberrheinische Tiefebene flacher als die eiszeitlichen Landschaften im flachen Norddeutschland – zumindest außerhalb der Urstromtäler.

Nach der Tiefebene allerdings durchschneidet der Rhein das Rheinische Schiefergebirge und bildet das spektakuläre, tief eingeschnittene Mittelrheintal, bevor es am Niederrhein wieder, wie man so schön sagt, „topfeben“ wird. Hier geht’s dann keine zwei Kilometer vom Rhein aus steil bergauf.

Lauftechnisch äußert sich das für mich in der Form, dass ich zuhause in der Oberrheinischen Tiefebene etwa 20 bis 30 Höhenmeter pro zehn Kilometer erlaufe, selbst wenn ich nicht nur einmal über den „Bruch“ der Hardt hinweglaufe, an der Unterelbe sind’s 40 bis 50 Höhenmeter pro zehn Kilometer, sofern ich im Geest bleibe und nicht im Urstromtal unterwegs bin. Hier in Unkel bei Bonn habe ich heute auf dem ersten Kilometer bereits über 100 Höhenmeter, eher mehr absolviert. Das zog ganz schön in den Beinen! Mal sehen, ob ich hier morgen mein bisheriges Höhenmetermaximum in einem Lauf übertreffe – es waren gut 250 Meter in den Bergen oberhalb von Kassel, Anfang Oktober 2017. Wenn ich den Anstieg vom Scheurener Hof bis zum Haanhof hier in Unkel morgen zweimal unterbringe in meiner Lauftour vor dem Frühstück, sind das mehr als 300 Höhenmeter.

Grau im Hintergrund die Höhe über dem Meer, orange Punkte zeigen die Schrittfrequenz.

Ich bin mal gespannt, was meine Schenkel morgen sagen, wenn ich sie schon wieder vom Rhein hoch auf die umgebenden Berge jage … und das auch noch mehrfach. Tatsächlich spielen sich meine heimischen Läufe – außer, wenn ich im Murgtal laufe und dort dann die Berge hoch – zwischen knapp über 100 Meter über dem Meeresspiegel und maximal etwa 140 Metern über dem Meer ab. Hier habe ich drunter angefangen und bin deutlich drüber gekommen. Das ist schon spannend, wie es sich woanders läuft.

Berg und Sauna

Heute kam der zweite Teil meines Wellness-Plans für das lange Wochenende: Ich war Laufen im Murgtal, oder eher am Rand des Murgtals. Morgens um halb neun fuhr ich los nach Bad Rotenfels und parkte mein Auto, dann ging des – bereits in Sportklamotten gekleidet – auf die Strecke: Vom Rotherma in Rotenfels noch entlang der B462, auf einem Weg oberhalb der Bundesstraße, das Murgtal einen Kilometer weit hoch, dann den Hang hinauf. Zeitweise dachte ich, es ginge nur noch bergauf, allein auf dem zweiten Kilometer waren es über fünfzig Höhenmeter. Die Trailrunner und Extremläufer unter Euch tun das nun sicher als „Piece of Cake“ ab, aber für mich ist es anstrengend. Mit etwa 8:30/km lief ich da hoch, dann ging es langsam wieder runter. Dann kam da diese nette Stelle, an der man durch die Bäume eine mit einer Erdmauer aufgestaute Wasserfläche sieht. Ich weiß inzwischen, dass das der Girrbach ist, der dort aufgestaut wird. Nun sah ich, dass es auf der anderen Seite des angestauten Stücks des Girrbachs einen weiteren Weg gibt. Also drehte ich an der Kreuzung zwischen Unimog-Museum und Akademie Schloss Rotenfels um und lief die andere Seite des Girrbachs hoch. Naja, nicht nur wegen des Wegs am See, sondern auch um der lärmenden Wandergruppe aus dem Weg zu gehen. Das Reservoir entpuppte sich als Teil eines Amphibienschutzgebietes, das zudem von den Fischern aus Bischweier beansprucht wird. Irgendwo weiter oben wurde mit der Weg zu unwegsam und ich musste nun doch durch die lärmende, wie ich dann merkte aus Jugendlichen bestehende Wandergruppe hindurchlaufen. Durch den Kurpark kam ich zu meiner nächsten Station …

Denn eigentlich war das Laufen nur das Vorspiel. Ich wollte einen großen Teil des Tages im Thermalbad mit Sauna, dem Rotherma verbringen. Hübsch auf der Südseite des Murgtals gelegen, ist der Saunapark für mich ein heißgeliebtes Ziel – das Wortspiel ist durchaus beabsichtigt. Freundliches Personal sorgt für Bewirtung und Aufgüsse, es gibt eine – seit Mai letzten Jahres vergrößerte – Auswahl an Saunen, dazu ein Dampfbad und vier verschiedene Ruheräume. Erstmal trank ich einen Tee, dann arbeitete ich mich durch die Saunen. Meinen Sonnenbrand von gestern behandelte ich mit Feuchtigkeitscreme, die in die von der Sauna geöffneten Poren regelrecht eingeschlürft wurde. Neben ein paar normalen Saunagängen – unter anderem in der von mir heißgeliebten, weil recht dunklen, geräumigen und insgesamt sehr urigen Felsensauna – machte ich auch den „Heiß auf Eis“-Aufguss mit Mentholkristallen und Eiswürfeln mit. Später stieß noch eine Freundin hinzu, die einen Freund mitgebracht hatte, und wir lagen im Schatten auf der Liegewiese, nachdem wir den Fächeraufguss mitgemacht hatten.

Eine gelungener Tag, den ich voraussichtlich bei Essengehen in einem Restaurant hier in meinem Wohn- und mittlerweile auch Heimatort ausklingen lassen werde. Ich fühle mich nur sehr relaxed und gerade eben, zugegeben nach der Sauna, zeigte die Waage das erste Mal seit einem Jahr wieder unter siebzig Kilogramm an. Zwar genau 69,9kg, aber immerhin … mittlerweile sind’s wieder mehr, weil ich drei Gläser Saft getrunken habe und gleich eine Batterie Tee zu mir nehmen werde.

Nächstes Mal habe ich dann vor, „obenrum“ um den Girrbach zu laufen, somit noch ein paar Höhenmeter mehr zu laufen und ein paar hundert Meter weiter als dieses Mal. Man lernt eben nie aus, insbesondere auch im Bezug auf Laufstrecken.

Ich hoffe, Ihr genießt die wunderschönen ersten richtigen Sommertage und vermeidet, anders als ich, Euch den „Pelz zu verbrennen“.

Unpassendes Schuhwerk

Am Freitagabend war’s so weit: Eine Freundin nahm mich – im Rahmen eines einzulösenden Geburtstagsgeschenks – mit in den Schwarzwald, für eine Übernachtung und den Besuch im Badeparadies Schwarzwald in Titisee. Am Vorabend jedoch ging es erstmal ein bisschen den Schwarzwald angucken. Wir fuhren zwar nicht über die Panorama-Strecke dort hoch, aber nach dem Einchecken im Hotel ging’s auf dem Weg zum Futter Suchen noch ein bisschen durch die Umgebung des Feldbergs. Wir waren auf der Jagd nach einem geeigneten Ort, die Sonne hinter den Bergen verschwinden zu sehen.

Auf dem Feldberg selbst waren wir ein bisschen spät – es hätte nicht mehr gereicht, da hoch zu laufen, und im Frühjahr ist die Zufahrt ja auf jeden Fall auf der abendlichen Schattenseite. Also schauten wir uns um, landeten etwas weiter unten im Ort Feldberg und marschierten dann aufwärts, um gegenüber des Feldbergs, von dessen Kuppe getrennt durch den Sattel, den die Bundesstraße überquert, einen geeigneten Ort zu finden. Das klappte soweit auch, allerdings liefen wir über eine Piste nach oben, da wir den Weg nicht sahen. Den fanden wir erst hinterher. In glatten, in meinem Fall auch nicht ganz flachen Schuhen ging es denkbar unpassend, wenn auch ungefährlich dort hoch. Eigentlich stimme ich voll zu, dass man solche Dinge nur in passendem Schuhwerk tun sollte – es geht dabei ja auch ganz stark um Verletzungsgefahr und darum, nicht durch eigenen Leichtsinn von Leuten gerettet werden zu müssen. Aber nun ist es mir eben doch auch mal passiert. Immerhin nicht in Flipflops im Hochgebirge, sondern nur in Straßenstiefeln auf einer abschüssigen Wiese im Mittelgebirge, aber schlimm genug. Es ist allerdings nichts passiert, zum Glück, und ich hoffe, dass ich künftig hier vorsorglicher nachdenken werde. Der Abstieg ging dann über einen befestigten Weg, für den unser Schuhwerk bedingungslos geeignet war.

Der Sonnenuntergang war übrigens wundervoll!