Abfahren…

…muss er noch lernen. Das sagte ich zu einer Mama, die mit ihrem Sohnemann in Karlsruhe unterwegs war. Das war so…

Ich fahre morgens stets über eine Fußgänger- und Radlerbrücke über die Ebertstraße in Karlsruhe, in Höhe der Haltestelle Welfenstraße. Die Brücke führt Radler und Fußgänger zugegebenermaßen etwas anstrengend, aber sicher und frei von Auto-Querverkehr über die große Straße und die Straßenbahn. Durch die Oberleitungen ist’s etwas höher, aber das ist es einem ja wert. Ich kam gerade von den Glascontainern an der Ecke Hohenzollernstraße/Wartburgstraße in Richtung der Brücke geradelt, da sah ich einen (sehr) jungen Mann auf einem Kinderfahrrad von der Brücke abfahren – die Mutter lief hinterdrein. Dann begann er zu schlingern, korrigierte noch zweimal, nach rechts, nach links, aber dann ging es nicht mehr. Seitlich fiel er um, mit dem Fahrtschwung den Berg runter. Er trug natürlich einen Helm, erschrak furchtbar. Aber viel passiert zu sein schien nicht.

Natürlich hielt ich an, bot meine Hilfe an. Die Mutter untersuchte ihr Kind, nahm dem Helm ab, sah nach Kopfverletzungen. Das ist natürlich ihr Job, das Kind vertraut der Mama und nicht der fremden Radlerin, die da gerade anhält. Allerdings hatte ich das Handy parat und bot an, Hilfe zu rufen – ob nun über 112 oder eine Person der Wahl der Mama, ließ ich offen. Doch es war nicht nötig. Der Junge begann schon wieder, bessere Laune zu bekommen. Ich in meinem ONCE-Trikot munterte ihn auf und meinte, Abfahren müsse er noch ein bisschen lernen, mit dem Bergauffahren klappte es schon super. Aber er solle sich trösten, ich bin auch eine miserable Abfahrerin, sagte ich ihm. Die Mama wusste es zu schätzen, erzählte noch etwas, wiederholte es für den Sohnemann auf Deutsch und Französisch, das Kind wächst wohl zweisprachig auf.

Dann fuhren Mutter und Kind in die eine Richtung, ich in die andere weiter. Bei mir ist beim Abfahren Hopfen und Malz verloren, der junge Mann kriegt’s vielleicht noch irgendwann hin und wird ein echter Rennfahrer.

[KuK] Neffentreffen

Heute morgen in der Bahn – ich hatte beschlossen, eine Stunde später als üblich zu fahren – traf ich meinen Neffen.

Er fuhr nach Karlsruhe, ich ebenfalls – allerdings musste er noch ein Ticket lösen, ich habe ja meine Jahreskarte. Stehend unterhielten wir uns eine Weile: über Kaffee, Fitnessstudio, Bahnen.

Am Albtalbahnhof amüsierten wir uns über den Bahnfahrer, der wie ein Flugkapitän nach der Landung das Wetter beschrieb, die Pünktlichkeit des Zuges betonte und einen schönen Tag sowie ein schönes Wochenende wünschte. Geklatscht hat allerdings keiner. Dann stieg mein Neffe aus.

Nun geht’s für mich in einen sonnigen, kurzen Arbeitstag mit Mittagspausenlauf.

Der nette Nachtportier

Heute früh habe ich das zweite Mal Kontakt mit ihm gehabt: dem netten Nachtportier vom Ibis Styles in Aachen. Ich bin ja hier auf Dienstreise, daher im Hotel – und ich habe es mir quasi zur Gewohnheit gemacht, hier vor dem Frühstück zu laufen. Naja, zwei von drei Mal machen noch keine Gewohnheit, aber immerhin.

Beim ersten Mal fragte er mich, ob ich laufen gehe – klar, er wollte Konversation machen, dachte ich. Aber dann freute er sich, fragte, wo ich laufen würde und erklärte mir, das Wetter sei schon besser geworden – zuerst hatte es in der Nacht gestürmt, dann stark geregnet. Er war froh, dass ich nun bei halbwegs wenig Regen laufen konnte – und wünschte mir viel Spaß. Auch, dass ich meinte, Regen mache mir beim Laufen nichts aus, freute ihn – er laufe gerne bei Regen, sagte er. Das war gestern.

Heute freute er sich sichtbar, dass ich wieder laufen war, bewunderte meine 45 Minuten laufen von gestern vor dem Frühstück und meinte, die 20 von heute früh reichten auch – wir haben ein paar nette Worte VOR und auch NACH dem Lauf gewechselt. Dazu hat er noch einen angenehmen flämischen oder niederländischen Akzent und ein sonniges Gemüt. Sowas freut doch bei der morgendlichen Begegnung! Ich hoffe, ich schaffe es morgen wieder, er meinte, er würde sich freuen.

Euphorie, Heulkrampf und das tollste Kind der Welt

Zurück vom Konzert von VNV Nation im Jazzhaus Freiburg sitze ich nun wieder vor meinem Rechner, weiß genau, dass morgen erstmal viel Tee nötig sein wird, um mich wieder mit der Stimme zum Rollenspiel Leiten auszustatten und bin noch völlig geflasht von dieser wundervollen Automatic-Empires-Show!

Ich möchte gar nicht zu tief einsteigen in die Musik – auch wenn ich totaler Fan bin. Was ich an VNV-Konzerten unheimlich schätze, ist die enorme Präsenz, das Charisma und den Enthusiasmus von Ronan Harris und seiner Crew, darunter der ruhigere, aber nicht minder präsente Mark Jackson an den Drums. Dazu kommt ein euphorisches, enthusiastisches Publikum und eine freundliche Atmosphäre unter den Fans, die von Rücksicht und aufeinander achten geprägt ist. Deswegen war es auch für keinen ein Problem, auch für keinen eine Einschränkung oder gar ein Faktor, Angst um sie zu haben, als ein Papa seiner kleinen Tochter einen Platz in der ersten Reihe erbat. Das Mädchen sprach nur Französisch, hatte adäquaten Hörschutz dabei und hört – laut dem Papa – bereits seit dem Kindergarten Bands wie VNV Nation und Hocico. Der Vater vertraute den Fans in der ersten Reihe auch so weit, dass er nicht sich selbst direkt dahinter dazustellte, sondern seinen Platz in der dritten Reihe nahm und seine Tochter direkt vor der Bühne in Sicherheit wusste. Tatsächlich ging die Kleine total ab, sie war begeistert, ging mit und hielt, bis auf einen kurzen Ausflug, um auf’s Klo zu gehen oder was zu Trinken, das gesamte Konzert durch. Ich war völlig begeistert von der Kleinen, die dann auch, als sie etwas stiller dastand und ich besorgt fragte: „Ça va?“, wie der Vater es getan hatte, heftig nickte, später wieder voll dabei war. Als Ronan Harris sie fragte, ob sie Spaß habe, verstand sie ihn nicht – dann habe ich Ronan zugerufen, dass sie Französisch spreche: „French!“, und später forderte er in unsere Ecke nicht nur auf: „Go!“ und „Auf geht’s!“, sondern auch „Allez!“. Zwei Stunden erste Reihe auf einem Konzert, halb so groß wie die Leute um sich herum, zu keinem Zeitpunkt Angst – alle Achtung! Und dann der Musikgeschmack …

Für mich selbst war es ein Konzert voller blanker Euphorie und Begeisterung. Ich habe über „Futureperfect“ zu VNV gefunden, die Band mit „Matter+Form“ heiß lieben gelernt und nenne „Automatic“ inzwischen mit Inbrunst mein Lieblingsalbum, auch wenn die anderen auch toll sind. Mit „Empires“ kann ich allerdings auch einiges anfangen, so dass viele, eigentlich die meisten Lieder für mich nicht nur bekannt, sondern auch vertraut, geliebt und zum mitsingen waren. Dazu kamen absolut begeisterte weitere Fans um mich herum, und bei einigen Liedern haben wir alle lautstark mitgesungen – großartig.

Bei „Photon“ schließlich erwischte es mich heftig – ich wurde von Gefühlen übermannt, glücklich, melancholisch, begeistert und allgemein emotional konnte ich nur noch weinen und mitwippen. Auch hier bemerkten es die anderen und fragten, ob alles okay sei – meine Begleitung, die meine Reaktionen schon kennt, versicherte – wahrheitsgemäß – dass alles okay sei. Ich hing emotional so in den Seilen, dass ich das nicht konnte. Später ging es wieder, es war sehr heilsam – in einer Intensität, wie ich das oft nur bei VNV-Nation-Konzerten erlebe.

Nun werde ich erstmal völlig erledigt in mein Bett fallen!

Fasan!

Heute beim Laufen habe ich auf den Feldern einen Fasan gesehen! Ich habe kein Foto gemacht – die Kamera an meinem Telefon geht seit einem Sturz nicht mehr – aber ich habe das Tier beobachtet und an der Färbung und den charakteristischen Schwanzfedern erkannt.

Das hat mir meine heutigen zehn Kilometer dann doch ziemlich versüßt – denn ich fand es spitze, so ein Tier auf den Feldern zu sehen. Der Vogel stand auch ganz majestätisch in einem Feld, wippte mal mit den Schwanzfedern auf und ab und guckte nur einmal kurz rüber, dann ging er weiter dem nach, was er auch immer auf dem Feld tat. Mich jedenfalls hat’s gefreut!