Bahn-Begegnungen

Ich habe heute wieder die Bahn genutzt – das zweite Mal. Es ist einfach super, wenn man die 400-Meter-Einheit zur Verfügung hat und so genau kontrollieren kann, was man läuft. Heute gab’s Intervalltraining in „Pyramidenform“: 400 Meter, 800 Meter, 1200 Meter, 1600 Meter, 1200 Meter, 800 Meter und 400 Meter. Insbesondere die 1600 brettern ganz schön rein. Die Idee war, die beiden 400er in einer 3:40er-Pace zu laufen, die 800er in einer 3:50er, die 1200er in 4:00er und die 1600 in 4:10er. Ich war wohl sogar etwas schneller, aber im Mittel passte die Staffelung.

Der Fokus dieses Beitrags soll aber ein anderer sein. Denn die Bahn ist – ähnlich dem Lauftreff und doch anders – auch ein sozialer Ort. Andere Leute kommen auf die „öffentliche“ Bahn des Fußballvereins, um Training durchzuführen. Dieses Mal waren es zwei andere Parteien auf dem Platz: ich teilte die Bahn mit einer jungen Erwachsenen, die 4000 Meter auf der Bahn lief. Natürlich war sie etwas langsamer als ich, aber Kunststück: Ich lief ja maximal 40% der Strecke am Stück, die sie ohne abzusetzen zurücklegte. Von der Mama, die ihre Tochter zusammen mit dem Hund begleitete, erfuhr ich, dass die junge Dame angehende Polizistin ist und für ihre Fitness-Normen bei der Polizei trainiert. Ich fragte noch ein bisschen nach, stellte aber fest, dass bereits kompetente Hilfe am Start ist und Trainingspläne erstellt wurden – sonst hätte ich mal geschaut, ob ich unterstützen könnte: Schließlich sind meine Erfahrungen besser als nichts. Alle drei Damen auf der Bahn – Mutter, Tochter und meine Wenigkeit – waren Ausdauerläuferinnen, keine Sprinterinnen. Der 100-Meter-Sprint beim Sportabzeichen fiel meiner Bahn-Mitnutzerin der Erzählung nach viel schwerer als der 2000-Meter-Lauf.

Dann war da noch der Fußballtrainer, der bereits Material bereitstellte. Später schlossen sich im zwei Schützlinge an, mit denen er Stabilitäts-, Ball- und Ausdauertraining machte. Er meinte, meine Lauferei sähe gut aus, erzählte von seinen eigenen Marathon-Erfahrungen. Er hob stark auf die Notwendigkeit von Stabilitätstraining ab, vor allem für den Rücken. Es war eine sehr nette Unterhaltung, und zeitweise – jedoch vor meiner Zeit in dem Lauftreff – war er wohl auch im sonntäglichen Lauftreff dabei, an dem ich derzeit zumeist teilnehme.

Schön war’s, und ein bisschen Training kam nebenbei auch noch rum. Das fühlt sich ziemlich gut an so!

Paradigmenwechsel

Wir sind – wie schon gestern geschrieben – im Urlaub im Mittelrheintal. Normalerweise fahre ich ja gerne mit der Bahn in den Urlaub, ich bin lange nicht mehr so lange Strecken mit dem Auto gefahren. Freilich, es ist nicht die Distanz bis nach Hamburg, es sind nur knapp über 300 Kilometer von uns zuhause. Da allerdings von Karlsruhe bis Koblenz und dann per Bimmelbahn bis nach Unkel durchaus ein bisschen anstrengend wäre, sind wir mit meinem Auto gefahren. Es war die erste längere Strecke dieses Jahr.

Mehr denn je habe ich dabei gemerkt, dass ich nicht mehr daran gewöhnt bin, viel Auto zu fahren. Wie mit dem Laufen – auch das tägliche Fahren von knapp unter 100 Kilometern trainiert einen. Schon ganz am Anfang der Strecke, als wir noch rasch unseren Umschlag mit der Steuererklärung in Rastatt einwarfen, merkte ich, dass die Nonchalance, mit der ich Autofahren und verrückten Verkehr um mich herum wegstecke, nachgelassen hat. Vielleicht bin ich auch zum Teil älter geworden und will dieses Autofahr-Multitasking nicht mehr, kann es vielleicht weniger. Auf jeden Fall aber „fehlt“ das Training. Nach den 300 Kilometern über B36, B10, B9, A61, A48 und B42 merkte ich dann um so deutlicher, dass ich es inzwischen sehr stark bevorzuge, mich in die Bahn zu setzen. Klar, ich KANN noch konzentriert fahren, ich bekomme das immer noch locker hin. Die Pause am Rasthof Hunsrück hätte ich für meine Konzentration nicht gebraucht, wenn ich nicht auf Toilette gemusst hätte – gut getan hat sie mir und meiner Konzentration dennoch. Aber wenn es nicht so viel praktischer wäre auf genau dieser Strecke, dann würde ich sicher nicht Auto fahren wollen. Es macht einfach keinen Spaß mehr, Bahnfahren ist so viel angenehmer!

Noch vor zwei Jahren war ich zwar genervt von meiner Auto-Pendelei nach Stuttgart, aber steckte das Autofahren – trainingsbedingt – auch über längere Strecken problemlos weg. Nun kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen, so viel Zeit ständig hinter dem Steuer zu verbringen.

Altstadtlauf in Ettlingen

Es ist schon der achte Wettkampf dieses Jahr. Ja, der ACHTE, noch innerhalb des fünften Monats. Das ist schon ein bisschen krass. Jedenfalls war ich gestern beim Altstadtlauf in Ettlingen, angetreten für das Rennwerk Laufteam. Ich fuhr direkt von der Arbeit mit der S-Bahn dorthin, traf mich mit meinem per Pedelec angereisten Ehemann und strebte dann zur Startnummernausgabe. Auf dem Weg „stolperten“ wir erstmal über den Stand des Rennwerks, wo wir uns mit Petar und Damir eine Runde unterhielten. Dann holten wir meine Startnummer ab, brachten unser Gepäck am Stand unter und holten uns noch etwas zu trinken. Ich war bereits im Laufdress – ein Rennwerk-Laufshirt habe ich noch nicht, vermutlich aber mit der Betonung auf dem „noch“.

Nach einem kleinen Getränk lag ich dann rücklings mit unter dem Kopf verschränkten Armen auf dem Gras neben dem Stand, genoss die Sonne und bekam mit, wie langsam die anderen Rennwerk-Läufer und eine weitere Rennwerk-Läuferin eintrudelten. Ich lernte ein paar mehr Leute aus dem Umfeld des Rennwerks kennen und freute mich sehr darüber – wurde dann aber schon langsam hibbelig auf den Start hin. Mit Selina, ebenfalls vom Rennwerk Laufteam, orientierte ich mich in den Bereich zwischen den 40:00- und 45:00-Zugläufern, wo ich auch Michael von meinem Lauftreff der LG Hardt traf – der mir unterstellte, ich sei blind: Ich hatte ihn wegen des Gesprächs mit Selina gar nicht bemerkt. Genossen habe ich sehr, dass ich endlich mal am Start nicht zu frieren hatte – der zweite Lauf in diesem Jahr mit richtig gutem Wetter. Zumindest für mich: die anderen stöhnten, es sei zu warm. Warm war’s auch wirklich, aber für Wasser war an zwei Stationen des Rundkurses über etwa 3500 Metern gesorgt, man hatte also in weniger als zwei Kilometern Abstand immer wieder die Möglichkeit, sich einen Becher zu nehmen, einen Schluck zu trinken und sich den Rest über den Kopf zu schütten. Davon machte ich auch häufiger Gebrauch.

Der Ettlinger Altstadtlauf führt zunächst aus der Altstadt hinaus direkt an die Alb, dann ein Stück am Flüsschen Alb nach oben ins Albtal, in Form einer kurzen Strecke, die eher eine Wende ist, auf die Pforzheimer Straße – und mitten durch die Altstadt zurück zum Start/Ziel. Ein bisschen vergleichbar ist die Runde für mich mit der (deutlich längeren) Runde des Freiburg-Marathons: An der Alb hoch wird’s recht einsam, die Pforzheimer Straße runter ist auch nicht so viel los, aber in der Altstadt steppt der Bär. Das Schöne ist, dass man nach Beschleunigen auf dem Weg zurück nach unten durch den Hexenkessel und Stimmungshöhepunkt in der Altstadt läuft. Die dritte Runde ist dasselbe in ein wenig kürzer – mit einem herrlichen Lauf abwärts auf Rad-/Fußwegen entlang der Alb statt auf der Pforzheimer Straße – der Anteil an „Hexenkessel“ ist größer und das macht dann richtig Laune.

Gefinisht habe ich – so viel schonmal vorweg.

Für mich war der Anstieg in der ersten Runde einfach – die Motivation vom Start, das Stellung Finden nach dem Start trieb mich – dann ging’s runter und alles war super und in der Stadt trieb mich die Stimmung und die Anfeuerungsrufe, ich sei die zweite, dritte, manchmal die erste Frau im Rennen. Ein paar Leute gingen so richtig, richtig ab – war das schön! Ich selbst freilich wusste, dass ich auf Rang zwei war, hinter Claudia Wipfler in ihrem knall-pinken Trikot, die aber schon während der ersten Runde außer Sicht geriet. Dann kam der eher einsame Anstieg am Albgaubad zum zweiten Mal – und da tat er richtig weh. Ich war sehr schnell gelaufen, es wurde langsam richtig warm, der Arbeitstag steckte auch in den Knochen und ich quälte mich nach oben. Ich merkte aber auch, dass ich gut im Rennen war – die Abstände nach vorne wurden zwar größer, die nach hinten aber auch. Der Abstieg in der Pforzheimer Straße mit der anschließenden Altstadt, in der ich teils sogar namentlich angefeuert wurde, holten mich aber aus dem Loch. Mit dem Wissen, dass mehr als zwei Drittel geschafft waren, verlor ich nicht so viel an Tempo wie beim zweiten Anstieg, außerdem ging’s ein ganzes Stück weniger weit hoch. Nach dem recht einsamen Weg an der Alb entlang, der die Abkürzung auf der dritten Runde darstellt, kam ich dann mitten in das „dicke Ende“ der zweiten Runde, wo sehr, sehr viele Läufer auf dem letzten Stück Pforzheimer Straße und in der Altstadt unterwegs waren. Da artete es schonmal in Slalom aus, aber die Stimmung war noch mehr der Hammer als vorher – und dann bog ich zum Ziel ab, wo der Laufreport gerade Claudia Wipfler nach ihrem Sieg interviewte. Sie wies den Herrn vom Laufreport dann noch darauf hin, dass ich Zweite gewesen war – er erkannte mich als Dritte vom Rißnertlauf wieder, wo er mich gemeinsam mit Emma Simpson Dore interviewt hatte.

Altersklassen-Sieger Jugend bis W40 auf der Bühne – es wurden dann noch alle Altersklassensieger auf die Bühne geholt, dann die besten drei geehrt und der 222. Läuferin ein Gutschein für ein Paar Gratis-Laufschuhe verehrt. Die links mit dem Pferdeschwanz, direkt neben dem Herrn im Anzug – das bin ich.

Euphorisch stellte ich Michael vom Lauftreff und meinen Mann einander vor, ließ mir von Damir und Petar vom Rennwerk gratulieren und freute mich über das tolle Erlebnis. Meinen Hunger stillte ich kaum zehn Minuten nach der Zielankunft mit zwei Bratwürsten. Leider dauerte es noch mehr als eine Stunde bis zur Siegerehrung – und wir verpassten unseren Zug um 21:49, weil’s zu lange dauerte – fuhren dann aber um 22:49 nach Hause und kamen kurz vor Mitternacht daheim an.

Fette Beute – Urkunde für Altersklassensieg, Urkunde für Platz 2 Damen gesamt, Startnummer, Rennwerk-Gutschein, Stirnlampe, Eismacher, Power-Bar, Decke und Stofftasche.

Homerun – mal wieder

Heute habe ich einen Homerun gemacht. Nein, ich habe nicht angefangen, Baseball zu spielen. Der Begriff aus dem Baseball bot sich nur an – denn nach meinem Arbeitstag, der im Wesentlichen aus einer (Pflicht-)Schulung bestand, habe ich mich im Büro umgezogen, meine Klamotten für den morgigen weiteren Schulungstag dort deponiert und bin von Karlsruhe nach Hause gelaufen. Es waren 18 Kilometer in knapp über 90 Minuten, also schon recht flott.

Allerdings war es auch schon spät – der Kurs ging von 9:30 bis 17:35, dann bin ich noch zum Büro und habe dort neben dem Umziehen auch noch kurz ein paar Themen mit Kollegen besprochen. Um 20:15 hatte ich dann schon den nächsten Termin – gemeinsames Spielen in Guild Wars 2 mit meiner „Wednesday Night Fever“-Gruppe. Da mich die Schulung auch um meinen Mittwochslauftreff in der Mittagspause auf Arbeit gebracht hat, fand ich diesen „Homerun“ eine schöne Lösung.

Zuerst ging es die Beiertheimer Allee durch Karlsruhe nach Süden, dann am Albtalbahnhof durch die Unterführung unter der Ebertstraße – das gehörte auch zum Rundkurs der Badischen Meile. Von dort aus lief ich – genau wie bei Start vom Albtalbahnhof – durch Beiertheim-Bulach, im wesentlichen auf der Litzenhardtstraße, dann kurz durch Oberreut und an die Bahnlinie nach Süden. Dieser folgte ich dann von Oberreut zum Silberstreifen, wechselte dort auf die andere Seite der Bahn, um an der Brücke über die Bahn in der Mörscher Gemarkung wieder zurück auf die Westseite der Bahn zurückzukommen. In Durmersheim verließ ich dann die direkte Nachbarschaft der Bahn, um südlich doch wieder direkt neben der Bahn zu laufen – und vom Bahnhof Bietigheim aus über die Kronenstraße nach Hause zu rennen. Etwas mehr als 18 Kilometer sind das, wie gesagt – mit abwechslungsreicher Landschaft: Erst Stadt, dann Wald, Felder, Kleinstadt, wieder Felder und schließlich wieder Kleinstadt. Natürlich alles oberrheinisch flach, aber sehr verschiedene Bebauung und Vegetation, dazu noch die Baustelle der neuen Verzweigung der Bahn zur Bedienung des Tunnels unter Rastatt.

Zuhause musste ich dann schnell unter die Dusche und essen, damit es Abends noch rechtzeitig klappte, aber mit dem Lauf nach Hause hatte ich wirklich eine Menge von dem langen Tag schon wieder kompensiert. Nun freue ich mich auf morgen – und da ich eh in Sportsachen morgens unterwegs bin, denke ich darüber nach, das Haus etwas früher zu verlassen und zumindest bis zum Bahnhalt Durmersheim Nord zu laufen. Mal sehen, ob das was wird!

[KuK] Seilzug

Heute habe ich – erstmals bewusst – beobachtet, wie das Signal in Durmersheim Nord umschaltete. Die beiden Drähte auf dem Bild übertrugen von viel weiter im Süden die Kraft, die hellen Hülsen um den Draht verschoben sich gegeneinander und das Signal wechselte die Position.

Simpel und sicher vielen selbstverständlich. Ich fand’s toll, es erstmals bewusst zu beobachten.

Wachstum

An der Bahnlinie Rastatt-Karlsruhe via Durmersheim tut sich was! Der Graben entlang der B36 … der neuen B36, die die Dörfer Durmersheim, Bietigheim und Ötigheim umgeht, existiert ja schon seit geraumer Zeit. Im Süden, bei Ötigheim, wird er auch schon eine Weile fortgesetzt, dazu sieht man dort Tunnelverschalungen herumliegen und auch den Tunneleingang. Mit Gleisen wird der Abzweig in Höhe Mörsch bereits bestückt. Besonders augenfällig sind aber all die Pfosten, die für Lärmschutzwand und Oberleitung aufgestellt werden.

Im Bild zu sehen ist der Abzweig in die Grube zum Tunnel, gesehen aus der S8 von Rastatt nach Karlsruhe, in Höhe des Nordrands von Durmersheim … und die Sonne über dem Nordschwarzwald.

Hinten sitzen

Früher war es cool, im Bus ganz hinten zu sitzen. Die Fünferreihe hinten in Reisebussen, wenn wir mit der Schule irgendwohin fuhren, war sofort vergeben, meist an die Cooleren unter uns. Einmal saß ich dabei, aber da waren’s auch nicht die „Coolen“, sondern eine Gruppe der „etwas Anderen“, innerhalb derer ich anders anders war.

Heute ziehe ich meistens vor, nicht Bus zu fahren, sondern Bahn. Warum? Die Vibrationen sind anders und einfach angenehmer in der Bahn, es gibt seltener so richtig krasse, plötzliche Beschleunigungen, wobei man das bei den Karlsruher Straßenbahnen auch des öfteren hat. Dennoch sitze ich morgens bevorzugt recht weit hinten in der Bahn – hinten im hinteren Fahrzeug, was bei den Dreier-Zügen der S7 und S8 bedeutet, bis Albtalbahnhof hinten im zweiten von drei Fahrzeugen zu sitzen und ab da hinten im hinteren. Warum ist das so?

Wenn ich am Kronenplatz in der Fritz-Erler-Straße aussteige, muss ich hinten um die Bahn herum, um dann mittels Ampel über die Fritz-Erler-Straße in die Markgrafenstraße zu gehen. Wenn ich also hinten sitze, ist der Weg um die Bahn herum nicht so weit. Wie jetzt, fragt Ihr? Talianna meidet zu gehende Wege? Eigentlich bin ich um jeden zusätzlichen Schritt froh, den ich gehe. Hier hat das Verkürzen aber tatsächlich einen Grund: Wenn die Bahn die Kreuzung Markgrafenstraße/Fritz-Erler-Straße überquert, ist in aller Regel gerade die betreffende Fußgängerampel grün, aber kaum ist die Bahn da rüber, können ja die Linksabbieger wieder grün bekommen – und dann wird die Fußgängerampel recht schnell rot. Ich bin zwar um keinen zusätzlichen Schritt zu gehen verlegen, da „verschwende“ ich auch gerne mal ein paar Minuten vor der Arbeit für, aber an einer Ampel herumSTEHEN, darauf habe ich gar keine Lust. Also optimiere ich den Weg zur Ampel so, dass ich meistens noch rüberkomme. Fast jeden Morgen, wenn ich es noch schaffe, springt die Fußgängerampel auf rot, wenn ich gerade halb über die Straße rüber bin. Einzig, wenn ein Gegenzug zu einer roten Ampel über die Straßenbahnschiene führt, reicht’s meistens nicht ohne Warten.

Also sitze ich nah an meiner Ampel, um den Weg dorthin zu verkürzen, damit ich weniger herumstehe. Denn Laufen oder Gehen vermeiden, das ist meine Sache nicht.

Die coolen Kids sitzen hinten, nicht wahr?

Starren in der Bahn

Heute hatte ich in der Bahn eine skurrile Situation. Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Grundsätzlich ist eine volle S-Bahn ja eine ähnliche Situation wie ein voller Aufzug. Die Menschen sitzen oder stehen zu eng, um sich wohl zu fühlen. Daher meiden die meisten die Blicke der anderen.

Heute fuhr ich aber am frühen Nachmittag mit der fast leeren S-Bahn zur Arbeit, da ich zuvor einen Außendienst mit dem Privatwagen in der Nähe meines Wohnortes erledigt hatte. Platz war reichlich, im vorderen Bereich des Wagens saßen in vier Vierersitzgruppen vier Menschen – einer pro Vierersitzgruppe. In Fahrtrichtung rechts waren das zwei Männer – einer in Arbeitskleidung mit Reflektoren mit Rücken zur Fahrtrichtung, mit ihm Rücken an Rücken ein anderer, älterer Mann mit Blick in Fahrtrichtung. Auf der linken Seite saß eine blonde, junge Frau mit Blick in Fahrtrichtung und ich mit Rücken zur Fahrtrichtung an die Fahrerkabine gelehnt, also der Blonden gegenüber und dem älteren Mann schräg gegenüber.

Ich kann nicht genau sagen, warum das so war, aber das Gesicht der jungen Frau mir über zwei Sitze gegenüber faszinierte mich, zugleich wollte ich sie aber auch nicht anstarren. Als ich einmal reflexhaft weggeschaut hatte, als ich sie anschaute und sie den Kopf in meine Richtung drehte, „war es rum“. Ich konnte nicht verhindern, dass ich hinschaute, um herauszufinden, was mich an ihrem Gesicht faszinierte, aber auch nicht, dass ich wegschaute, wenn sie hinschaute. Dumm, eigentlich, aber so war es.

Der ältere Mann mir schräg gegenüber hatte nicht diese Bedenken. Er starrte mich immer wieder an, versuchte nicht einmal, zu lächeln, wich meinem Blick aber nach ein paar Sekunden Blickkontakt stets aus. Er starrte unverhohlen, hielt meinem Blick aber nicht stand, während ich bei der Frau mir gegenüber meist auswich, bevor die Blicke sich berührten.

Man könnte unterstellen, dass der Unterschied nur in meiner Wahrnehmung war: Ich sehe mich natürlich in der „Aggressor“-Rolle selbst scheuer als in der „Opfer“-Rolle des Gestarres. Doch die vermeintliche Symmetrie wurde gebrochen, als beide am Bahnhof ausstiegen: Die junge Frau ging, ich schaute ihr nicht mehr nach, war eh mit meinen Gedanken befasst. Der Mann trat nach Verlassen des Zuges an die Scheibe neben dem Zug und starrte mich offensiv mit grimmigem Blick und heruntergezogenen Mundwinkeln durch das Zugfenster an, bis die Bahn abgefahren war.

Da hatte ich dann richtig ein schlechtes Gewissen. Ich hoffe, nicht auch nur 10% des unangenehmen Gefühl des Angestarrtwerdens verursacht zu haben, das dieser ältere Herr bei mir auslöste. Mir ist mein komischer Reflex, immer hingucken und doch gleich weggucken zu müssen, überaus peinlich. Das Verhalten des Herrn im Zug kann ich mit demselben Reflex erklären, was er aber durch die Scheibe tat, war nichtmal Zoobesucher-Glotzen sondern Gaffen voller Missbilligung. Niemand wird gern so angesehen, und heute bin ich mir auch keines Anlasses bewusst, den ich dazu gegeben haben könnte.

… und gerade schimpft hier ein lallender Herr im Zug ungeniert Beschimpfungen. Ich weiß nicht, ob er telefoniert oder in echt unterirdischem Duktus Selbstgespräche in Lautsprecherlautstärke führt.

Laufen statt SEV reloaded – Nachlese

Wieder einmal habe ich das Projekt durchgezogen. Radfahrer auf dem Gehweg, gesperrte Wege und kühle Temperaturen konnten mich nicht abhalten. Die Neuerung war, dass ich hinwärts zur S2 nach Mörsch gelaufen bin, zurück aber einmal ab Albtalbahnhof, einmal sogar durch die Beiertheimer Allee quasi vom Büro aus – hin etwa sieben Kilometer, zurück siebzehn bis neunzehn, zwei Tage hintereinander.

Ich habe – wieder einmal – festgestellt, dass längere Strecken zweimal am Tag anstrengender sind als dieselbe Strecke am Stück. Die Erholungsphasen sind einfach zu kurz, um sich nicht KO zu fühlen. Die Strecke durch die Beiertheimer Allee ist aber ein Modell für die Zukunft, speziell auch, wenn ich im Sommer öfter mal morgens mit der Bahn hin und abends auf Laufschuhen von der Arbeit heim laufen werde. Man kann also sagen, dass die Aktion wieder ein voller Erfolg war. Ich stelle auch fest, dass mein Trainingsstand sich auch auf das Laufen statt SEV auswirkt – ich bin schneller, ausdauernder und nicht so schnell kaputtzukriegen, auch wenn ich nun deutlich längere Strecken heimwärts gelaufen bin als im Sommer. Im Hellen macht es aber mehr Spaß als in der Dämmerung, und mir ist es auch wesentlich lieber, wenn es noch brütend heiß ist, als wenn über den Lauf langsam Kühle und Feuchte einsetzen und man noch vom sonnenbestrahlten Frühabend erhitzt in das kühl-feuchte Dunkel läuft. Da wird’s einfach kalt! Zum Glück hatte ich eine Jacke dabei,

Kurz und gut: Dieses Mal habe ich einiges für künftige von-der-Arbeit-Heimlauf-Aktionen gelernt, auch über das Laufen in den Winterabend. Es hat Spaß gemacht, es kamen viele Kilometer zusammen (sieben plus siebzehn plus sieben plus neunzehn und noch vier extra – 54 Kilometer insgesamt an zwei Tagen) und es dürfte durchaus auch einen sinnvollen Trainingseffekt gehabt haben.

Als ich heute dann heimkam, lief ich noch vier Kilometer mit meinem Mann hintenan und bin nun brotfertig, wie man so schön sagt – brotfertig und hungrig. Nächste Woche fährt die Bahn wieder. Zum Glück … oder vielleicht doch ein bisschen schade?