Wetterleuchten

Am Sonntagabend fuhren mein Mann und ich vom Rollenspiel nach Hause. Wir hatten einen wundervollen Abend verbracht, unsere Gruppe besteht aus einem befreundeten Pärchen und uns beiden. Nun war es spät, wir beide müde – aber nicht zu müde zum Fahren. Am südlichen Himmel wirkte, wohl eine Kombination aus Effekten von Wasserdampf und Wolken, das Licht der Dörfer und Städte, das eine Aura über den Dörfern bildete, leicht rötlich.

Und dann blitzte es. Immer und immer wieder: weiße, helle, wattebauschartig wirktende Wolken wurden immer und immer wieder von Blitzen erhellt. Die Blitze selbst sah man gar nicht, nur die aufleuchtenden Wolken, die aber nicht wie gefährliche Gewitter-Wolken, sondern eher wie plötzlich angeleuchtete, größere, aber weiße Wolkengebilde am Sommerhimmel aussahen. Das ganze Stück A5 nach Süden von Karlsruhe Durlach bis Karlsruhe Süd und auch die lange gerade der B3 von Ettlingen bis nach Muggensturm hatten wir diese immer wieder aufleuchtenden Wolken vor uns. Wunderschön sah das aus, aber auch ein bisschen unheimlich.

Später, als wir daheim Blitz-Melde-Karten konsultierten, wurde uns auch klar, warum wir keinen Donner gehört hatten: Das Gewitter lag weit vor uns, die Wolken müssen sehr hoch gelegen haben. Nach unserem Dafürhalten waren es auch weitgehend innerhalb der Wolken zuckende Blitze, keine zum Boden hinunter: Das Gewitter lag über Haguenau auf der anderen Rheinseite, und die A5 wie auch die B3 biegen von ihrer süd-südwestlichen Richtung erst in Höhe Rastatt voll Richtung Süden ab. Somit schauten wir die ganze Zeit auf Wolken, die noch über dem Elsass hingen, weit vor uns. Bevor das Gewitter allerdings bei uns war, flaute es ab. Einerseits muss natürlich kein Gewitter daheim sein, aber auf der anderen Seite war ich fast enttäuscht, weil wir über das Forschen nach dem Ort des Gewitters eine herrliche für uns neue Blitzmelde-Karte gefunden hatten: Dort werden die Blitze in Echtzeit angezeigt, die Verzögerung abgeschätzt und entsprechend ein Ausbreitungskreis des Donners auf die Karte animiert, das Ganze unterlegt mit einer Satelliten-Karte von Google Maps. Ich wollte zu gerne Blitze sehen, mit der Karte abgleichen und dann auf den Donner warten – und mich darüber freuen, wie gut das zeitlich zusammenpasst, auch das Dauergrollen beim Übereinanderlaufen mehrerer Donner-Wellen auf Karte und Gehör parallel beobachten.

Nun ja – aber besser, das Gewitter endete und wir konnten gut schlafen.

Auswirkungen

Heute morgen war mal wieder ein reichlich spezieller Tag auf meiner Pendelstrecke. Sicher, ich bekomme immer wieder zu hören: „Da wird doch immer und überall gebaut.“

Das mag richtig sein, aber es gibt deutliche Abstufungen. Heute Morgen waren es auch nicht die Fahrbahnerneuerungen zwischen Heimsheim und Leonberg West sowie im Leonberger Dreieck, auch nicht der Brückenneubau zwischen Leonberg Ost und dem Stuttgarter Kreuz. Nein, heute früh ging es schon viel früher los.

Seit einiger Zeit lasse ich mich ja von Google Maps lotsen, da die Abschätzungen der Verzögerungen durch Staus ziemlich gut sind, zumindest bei meinem Fahrstil. In aller Regel sind die Abweichungen von der Prognose unter 10%, was bei einem so variablen System wie dem Straßenverkehr zur Stoßzeit schon ziemlich gut ist. Nur hat Google Maps ein Defizit, das mir schon mehrfach aufgefallen ist – und heute morgen stieß mir das mal wieder besonders sauer auf.

Aber von vorn. Klein-Tally aka Miss Highway Tales startete also ihren netten kleinen Aygo, drehte den noch nach Westen schauenden Bug in Richtung Osten und wartete, was Google Maps zur Strecke sagen würde. 1:12 für 86km zur Stoßzeit klangen nun schon recht hoffnungsvoll, also verließ ich mein malerisches Heimatdorf Bietigheim und steuerte über die obere Hardt Richtung B3. Als ich durch den Kreisel am Industriegebiet durch war, entlockte mir mein navigierendes Telefon ein Stirnrunzeln: wie bitte? Ich sollte Richtung Süden fahren, um in Rastatt Nord auf die Autobahn zu fahren? An der Ampel guckte ich also mal kurz, wie es auf der B3 Richtung Norden aussah – denn eigentlich fahre ich ja immer in Karlsruhe Süd auf die A5. Die B3 war zwischen meinem Standort und Neumalsch, danach nochmal zwischen Bruchhausen und Ettlingen ein einziger roter Strich. Stau auf der Bundesstraße, Verzögerungsprognose im Bereich einer Stunde! Also beschloss ich, auf Frau Google zu hören und bog tatsächlich Richtung Süden ab, freute mich auf die hübsche Umfahrung der komplexen Kreuzung von B3, B36 und B462 nördlich von Rastatt, um dann zu schauen wie mein Auto, nur erheblich langsamer.

Was Google mir nämlich nicht gesagt hatte, war die Tatsache, dass die Auffahrt Rastatt Nord Richtung Karlsruhe gesperrt war und vermutlich noch eine Weile ist. Fahrbahnerneuerung! Dieses Mal war es wenigstens so, dass die Sperrung noch nicht eingetragen war. Google Maps hatte mich in der Vergangenheit schon ein paar Mal knallhart in Sperrungen hineingeleitet, die sogar schon auf der Karte von Google Maps verzeichnet waren.

Also fuhr ich nett über die vermeintlich vermiedene komplexe Kreuzung und hoffte, der Stau auf der B3 möge nicht so schlimm sein. Doch es war eben doch so schlimm. Das hat mehrere Gründe: die B3 führt hier über eine recht lange Strecke zwischen Industriegebieten mit Speditionen, Kurierservices und so weiter hindurch, dazu gibt es eine ziemlich schwierig geschaltete Ampel in Neumalsch, wo die Kreuzung zudem eigentlich zu eng ist für den Verkehr von der B3, der Richtung Industriegebiet Malsch abbiegen will. Außerdem kam steigernd hinzu, dass gerade an der B3 gebaut wird, und zwar in Ettlingen, wo der Verkehr aus Ettlingen und der Verkehr von Süden Richtung Autobahn sowie Richtung Karlsruhe miteinander verknotet wird. Zusammen mit all dem Verkehr, der normal in Rastatt Nord auf die A5 fährt, war das natürlich eine mittlere Katastrophe. Im Endeffekt habe ich das Ganze dann mittels der B36 umgangen und hätte ohne gewisse Irrwege nur 10 Minuten verloren, nicht die 35, die mir tatsächlich verloren gingen.

Was ich mich allerdings frage: Sowohl die Baustelle an der B3 als auch die Autobahnauffahrt betreffen nur Straßen in Verantwortung des Bundes. Eine Bundesstraße, eine Auffahrt von einer Bundesstraße auf eine Bundesautobahn. Eigentlich könnte man sich doch denken, dass bei Sperrung einer Auffahrt und Baustelle an der wahrscheinlichsten Ausweichauffahrt ein ziemlicher Kollaps des Berufsverkehrs droht, erst recht, wenn noch viele LKW dazwischenhängen und es auf der Strecke ohnehin auch ohne Baustellen besser laufen könnte … aber wie mir scheint, wird so etwas nicht bedacht.

Dahingehend möchte ich auch nochmal anmerken: Ich hatte ja schonmal beim Bundesverkehrsministerium und beim Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg nachgefragt, ob im recht dicht mit Dörfern und Industrie bevölkerten Bereich zwischen Ettlingen und Rastatt nicht vielleicht eine Auffahrt in Höhe Malsch oder Muggensturm nicht vielleicht sinnvoll sei … damals wurde mir beschieden, zu eng nebeneinanderliegende Anschlussstellen würden abgelehnt und so sei das auch an dieser Stelle – Rastatt Nord und Karlsruhe Süd liegen auch nur 14km auseinander. Eine entsprechende Initiative der Gemeinde Malsch sei abgelehnt worden. Da kommen einem dann Karlsruhe Süd, Ettlingen, Karlsruhe Mitte, Karlsruhe Durlach und Karlsruhe Nord ein wenig wie Hohn vor … eine ordentlich angebundene Anschlussstelle in Höhe Malsch, vielleicht mit einer B3-Umgehung um Neumalsch mit Anbindung an eine solche Auffahrt würde aus solchen Ausnahmezuständen und aus dem normalen Stoßzeitwahnsinn der Gegend viel Druck herausnehmen. Aber wie gesagt – es wird nicht für nötig befunden.

Dreckschleuder

Heute Morgen fuhr ich auf meinem kleinen ersten Stück über die Obere Hardt – also zwischen Bietigheim und Muggensturm – hinter einem knallorangen, uralten Golf mit oranger Heckscheibe her. Auf das Kennzeichen habe ich nicht geachtet, ich könnte also nicht mal – naja – Kennzeichen-Calling machen, wenn ich es wollte.

Was mir nämlich viel mehr auffiel, war die schwarze, hässliche Wolke, die bei jedem Anfahren aus dem etwas ausgefranst aussehenden Auspuff herausqualmte. Eine Mischung aus Geruch nach Treibstoff, Russ und noch mehr kam durch die Lüftung, bis ich sie vorübergehend auf Innenzirkulation stellte. Und dabei habe ich mir gedacht: „Meine Güte, Tally, Du fährst ein möglichst kleines Auto, das möglichst wenig Sprit verbraucht, lässt Dein Abgassystem in Ordnung halten, um einerseits möglichst wenig Sprit in die Maschine rein zu schütten, andererseits auch möglichst wenig Abgase – ob nun Kohlendioxid oder anderer Schadstoffe – rauszublasen. Und da fährt so einer und haut sorglos Ruß, unverbrannten Sprit und allen möglichen Schrott in die Umwelt … “

Natürlich habe ich wenig Berechtigung, mich über Umweltsünder aufzuregen. Meine Kohlendioxid-Bilanz ist durch das Pendeln nicht besonders gut. Aber andererseits: Ich versuche, an den Stellen, wo es im Rahmen meiner Möglichkeiten geht, zu minimieren. Ich werde auch als nächstes Auto sicher keinen großen, leistungsstarken Wagen kaufen, schon allein, weil mir mein Geld viel zu schade ist. Einerseits kostet eine große Maschine viel Geld, und andererseits verbraucht so ein größerer Wagen viel Sprit. Und bei den Distanzen, die ich im Jahr zurücklege, zählt jeder Hundertstelliter auf 100 Kilometer. Aber andererseits ist die Feinstaub- und Schadstoffproblematik eine aktuelle. Nicht nur in Sachen Klima, sondern auch in Sachen Gesundheit von Mensch und anderen Lebewesen, insbesondere in Städten. Und gerade da denke ich mir: muss das sein? Oder auch: „Tut das Not, dass der Autowagen so viel Ruß ausstößt?“

Sorry für einen kleinen, vielleicht etwas selbstgerechten Zwischenruf am Morgen.

Baumaßnahmen

Ich schreibe immer, immer wieder über sie. Und sie sind auch jedem, der einigermaßen oft Autobahn fährt, gleichermaßen bekannt und verhasst: Baustellen. Es gibt diverse Arten: Tagesbaustellen, Nachtbaustellen, Dauerbaustellen. Oft genug ist die Lücke zwischen Nachtbaustelle und Tagesbaustelle am Morgen sowie umgekehrt am Abend groß genug, um die Rush-Hour durchzulassen. Nur, wenn ich wirklich, wirklich spät dran bin, fahre ich manchmal in eine Tagesbaustelle rein – meistens handelt es sich um kleine Reparaturen oder auch nur um Mäharbeiten.

Wesentlich langwieriger und im Grad der Behinderung des Verkehrs auch wesentlich schwerwiegender sind die Dauerbaustellen. Von denen hat es zur Zeit drei auf meiner Strecke, und eine vierte ist mir noch sehr deutlich in Erinnerung:

1. Ausbau der A8 auf sechs Fahrstreifen zwischen Pforzheim West und Karlsbad. Diese Baustelle hat diverse verschiedene Darreichungsformen schon gezeigt und ist im Moment schon wesentlich weniger nervig als sie es früher war. Was wird dort gemacht? Die A8 wird ein wenig verlegt, teils ein bisschen nach Norden, teils ein bisschen nach Süden. Und die Steigungen werden zu großem Teil reduziert. Eine Brücke durch das Tal bei Nöttingen existiert schon, ist aber bisher nur auf einer Fahrtrichtung und da nur von einer Seite angeschlossen – wird also noch nicht befahren. Dazu wurde eine künstliche Senke in eine Anhöhe gegraben, so dass man von Karlsbad herunter nicht erst steil nach unten, dann wieder stark nach oben und dann wieder steil nach unten fährt. Prinzipiell besteht dieses Runter-Hoch-Runter noch, aber auf der inzwischen befahrbaren einen neuen Richtungsfahrbahn sind die Steigungen deutlich reduziert. Nur auf dem Stück, das so bald die Brücke angeschlossen ist, stillgelegt werden wird, sind die Steigungen noch hoch. Die Brücke selbst wird mit einem Damm angeschlossen. Eine kolossale Arbeit mit gewaltigen Bodenbewegungen, Ausgraben unter die Krume bis ins Gestein und das Ganze auf vielen Kilometern. Sehr beeindruckend. Früher musste man sich da auf der Breite der halben alten Autobahn mit je zwei extrem schmalen Richtungsfahrbahnen durchschlängeln. Auf der neuen Richtungsfahrbahn Richtung Stuttgart hat mehr Autobahn Platz, als die A8 früher war. Dennoch ist die Baustelle immer noch recht nervig, weil sie als schmaler, zweispuriger Teil zwischen zwei gut ausgebauten, dreispurigen Abschnitten liegt. Ich freue mich auf eine herrliche neue Autobahn Ende 2015.

2. Fahrbahnerneuerung im und um das Dreieck Karlsruhe. Klar, die Fahrbahn hier ist furchtbar schlecht gewesen. Aneinanderasphlatierte Betonplatten, die schon allmählich sich heben wollten. Allerdings ist das Dreieck Karlsruhe und die umgebenden Abschnitte der A5 auch ein wichtiger Verkehrsweg. Sprich: Hier entsteht vor allem auf der Überleitung von der A8 Richtung Norden, auf der A5 von Süden her und wohl auch auf der A5 von Norden her immer wieder Stau. Da die Erneuerung den Bereich südlich des Dreiecks nur rudimentär betrifft, habe ich mit besagter Baustelle morgens viel mehr zu kämpfen als Abends – denn in der Regel staut es sich von der A8 nur Richtung Frankfurt, nicht Richtung Basel. Morgens allerdings zwingt – und da sie bald fertig ist, hoffentlich zwang – mich der Stau oftmals, bereits in Bruchhausen die B3 zu verlassen und über Ettlingen und Busenbach zur A8 zu fahren. Der Stau auf die B3 bei Karlsruhe Süd zeigt deutlich auf, wie heftig wichtig die A5 für den Verkehr in und um Karlsruhe ist, gerade jetzt, wo wegen der U-Strab und anderen Dingen so viel dort gebaut wird.

3. Fahrbahnerneuerung zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost. Das war eine Baustelle, die für mich schwer einzusehen war. Meine Gedanken sagten: Die ist doch noch gut! Gleichviel. Die Richtungsfahrbahn nach Stuttgart wird erneuert. Und statt auf dem schönen sechsstreifigen Teil fahren die Autos nun auf vier – also zwei pro Richtung – durch die Baustelle, alles auf der Richtungsfahrbahn nach Karlsruhe. Vor allem die Verbreiterung auf drei Fahrstreifen im Anstieg von Pforzheim Ost nach Pforzheim Nord ist stark zu merken – da ergibt sich nun immer Stau.

4. Brückenarbeiten zwischen Dreieck Leonberg und Kreuz Stuttgart. Was sie da genau gemacht haben, weiß ich gar nicht. En passant einen stationären Blitzer installiert haben sie jedenfalls. Aber ansonsten war das einfach nur eine Fahrbahnverengung, die eigentlich – eigentlich! – nicht so schlimm hätte sein sollen. Aber dort ist verdammt viel Verkehr. Und in dieser Zeit der Baustelle habe ich mir etwas angewöhnt, das mir heute noch sehr nützlich ist: In Leonberg Ost runter von der A8 und über die Magstadter Straße hoch zum Schattenring und dann über die B14 zur Uni. Das nützt mir auch heute noch.

So – und hoffentlich ist nach meinem momentanen Krankheitsaussetzer auch Baustelle Nummer 2 Geschichte, so wie Nummer 4 seit geraumer Weile. Das käme mir sehr entgegen!

Blinder Aktionismus

Die eine oder andere Aktion auf der Straße kann ich mir nur so erklären, also durch blinden Aktionismus. Hier zwei Beispiele von heute:

Blinder Aktionismus aus Altruismus: Auf der Autobahn, direkt vor einer Anschlussstelle. Der Verkehr fließt, vielleicht etwas zäh, auf jeden Fall ziemlich dicht, aber alles rollt, und zwar meist mit mehr als 50 oder 60. Und dann kommt jemand auf den Besschleunigungsstreifen gerollt, von der Rampe herunter – und ordnet sich auf dem Beschleunigungsstreifen neben dem LKW ein und tut – nichts. Fährt einfach neben dem LKW her. Und was macht der LKW? Ohne Rücksicht auf den fließenden Verkehr wird der Blinker gesetzt und einfach ausgeschert. Oftmals sogar, wenn der versuchte Auffahrer gerade schon massiv gebremst hat, um hinter dem LKW oder sogar hinter dessen Hintermann auffahren wollte. Klar, wenn man kann, ist es nett, die Leute rein zu lassen. Aber so – denn heute hat mich das an den Anschlussstellen Karlsbad auf der A8 und Ettlingen auf der A5 jeweils eine recht harsche Bremsung gekostet. Und der Auffahrer konnte in beiden Fällen nicht in die entstehende Lücke rein, der LKW scherte direkt nach dem mich Ausbremsen wieder ein.

Blinder Aktionismus aus Egoismus: Da zwischen Karlsruhe Süd und Rastatt Nord auf der A5 heute wohl irgendwas passiert ist, war auch auf meiner Route auf der B3 nach Hause ziemlich viel Verkehr. Solcher Ausweichverkehr staut sich in aller Regel an der recht langen Rotphase in Neumalsch, die davon ausgeht, dass auf der B3 und auf der Straße von Durmersheim nach Malsch jeweils vergleichbar viele Autos bewältigt werden müssen. Wenn Stau ist auf der A5 ist das schlicht nicht wahr. Heut fing der Stau direkt hinter Bruchhausen an – und ich überlegte mir: Bis Neumalsch ist es weit. Ich habe eigentlich keine Lust, immer drei-Autolängen-weise aufzufahren und dann wieder zu stehen. Das mag meine Kupplung nicht. Anfahren kosten Sprit. Also ließ ich Abstand und zuckelte hübsch langsam im ersten Gang im Standgas hinter den anderen Autos hinterher. Nun war mein Hintermann offenbar nervös – und während ich bei offenem Fenster laut die Toten Hosen mit Hier kommt Alex laufen hatte, sah er seine Chance, als kein Gegenverkehr kam – er zog mit Macht vorbei, in die lange Lücke vor mir, bremste vor dem Vordermann voll … und stand in Neumalsch genau und direkt vor mir an der Ampel, gefühlte zwanzig Mal Anfahren bei ihm (bei mir waren’s Null) später. Auch an der Muggensturmer Straße/K3737 stand er direkt vor mir an der Ampel, nur dass ich ihm – gemeinerweise – noch nett winkte, als ich an ihm vorbei auf den Rechtsabbiegerstreifen fuhr, um nach Bietigheim abzubiegen.

Es ist ja echt schön, dass sich Leute bemühen, anderen oder auch sich selbst einen Vorteil zu verschaffen – aber wenn es absolut nichts bringt und eventuell sogar noch den Rest der Autofahrer in Gefahr bringt oder zumindest Zeit kostet, dann ist’s doch echt unnötig … 

Stunde früher, Stunde später

Jeden Morgen, wenn ich feststelle, dass es doch wieder eher halb acht als kurz vor sieben geworden ist mit dem Losfahren, frage ich mich die selbe Frage:

Wär’s besser gelaufen, wenn ich früher gefahren wäre?

Heute morgen habe ich zumindest eine Stichprobe einer Antwort bekommen. Und diese eine Stichprobe sagte eindeutig: Nein! Derselbe Stau am Karlsruher Dreieck, der sich über Karlsruhe Süd schon auf die B3 fortzupflanzen anfing, derselbe Flaschenhals an der Baustelle nach Karlsbad und auch dieselben Stockungen in der Baustelle bei Pforzheim. Tatsächlich hatte ich sogar den Eindruck, dass die Fahrweise teils noch aggressiver war als zu späteren Zeiten. Es mag sein, dass es der Montagmorgen, das frühe Aufstehen nach WM-Gucken oder sowas ist. Vielleicht sind auch die Spätaufsteher und Spätfahrer etwas relaxter, weil sie – wie ich – denken, durch’s späte Losfahren seien sie selbst schuld, in den Stau zu kommen.

Der heutige Morgen hat mir dann nun auch gezeigt, dass ich vielleicht mal über ein paar neue Stauanatomien bzw. Stautypen nachdenken sollte: Den Lückenspringer und den Sprinter. Ersterer ist hinreichend bekannt, letzterer ist in meinen Augen ein riesiges Ärgernis, weil er das Auflösen von Staus verhindert: Wann immer sich im Stau eine Lücke ergibt, die Leute losfahren, und sei es langsam – drückt der Sprinter voll auf’s Gas, schließt auf und steht dann fast quietschend auf der Bremse, selbst wenn der Vordermann noch langsam rollt. Hinter dem Sprinter steht wieder alles. Und es braucht acht oder zehn Ausgleicher, um den Stop’n’Go-Effekt eines Sprinters aufzuweichen. Außerdem muss ich drüber nachdenken, ob ich nicht vielleicht mal über ein Prinzip, das dem Abendländer aus der Bibel bekannt sein dürfte, auch im Verkehr schreibe: Die Goldene Regel – „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ Das kam mir heute morgen, als ich zwischen den stehenden LKW zwischen Karlsruhe Süd und Ettlingen stand und links raus wollte. Dort ergab sich eine Lücke – und ich setzte den Blinker und wollte auf die mittlere Spur raus. Derjenige, der zuvor langsam hinter selbiger Lücke fuhr, beschleunigte zum Sprint und starrte mich durch seine Sonnenbrille feindselig an, als er die Lücke geschlossen hatte. Nur um dann vor mir dreimal Spur zu wechseln, als es schien, dass es mal auf der mittleren, mal auf der rechten Spur schneller ging. Im Licht der Goldenen Regel … aber lassen wir das.

Eine staufreie, sonnige Woche wünsche ich all meinen Lesern!

Radsport und LKW

Der belgische Kreisel ist eine Methode aus dem Radsport. Eine Gruppe von Radfahrern bildet dabei zwei Reihen, von denen eine ungefähr zwei Stundenkilometer schneller fährt als die andere – und man so recht schnell die Fahrer im Wind ablöst, so dass niemand zu lange führen muss und ein hohes Tempo gehalten werden kann.

Was hat das nun mit der Straße zu tun?

Zweierlei: Eine Sache wollte ich seit Ewigkeiten mal posten, und ich denke, ich mache da dann noch eine Stauanatomie draus, auch wenn es nicht im eigentlichen Sinne eine Stau-, wohl aber eine straßenverkehrsanatomische Sache ist. Dabei geht es um LKW auf der Autobahn. Die andere Sache ist der Anlass, dass ich endlich mal diesen Begriff hier einbringe.

So geschehen auf der Bundesstraße 3 an Frohnleichnam: Ich fuhr, gegen 13:00 ganz unschuldig in Richtung meiner alten Heimat bei Heilbronn, ins schöne Bad Wimpfen. Doch am Anfang entspricht das Ganze ja meinem Arbeitsweg, also bewegte ich mich auf für mich ausgetretenen Wegen. Dass der ein oder andere Radfahrer den Radweg auf der Westseite der B3 nicht nutzt, ist nicht ungewohnt, damit habe ich mich abgefunden. Erst recht, weil mein Vater, selbst ein recht exzessiver Radfahrer, mir mal erläutert hat, dass ihm auf Radwegen schon des öfteren Reifen verlorengingen, weil aus Autos weggeworfene und auf dem Radweg zerbrochene Bierflaschenreste drin steckten. Nicht, dass Autofahrer Bierflaschen auf Radfahrer werfen würden – ich hoffe, das tut niemand! – sondern eben dass Autofahrer ihren Müll aus dem Fenster entsorgen. Dass das nicht unrealistisch ist, sehe ich bei jedem Stau auf dem Mittelstreifen der A8.

Aber ich komme vom Thema ab. Ich überholte also einen langsamen Moped-Fahrer und einen recht flotten Rennradfahrer auf der B3 und dann wollte ich mir am liebsten die Augen reiben: Zwischen Neumalsch und Bruchhausen, mitten im Wald, fand ich einen voll ausgebildeten belgischen Kreisel, bestehend aus sechs oder mehr Rennradfahrern, die auf der Bundesstraßen tatsächlich zweireihig fuhren, zwar recht flott, aber eben deutlich unter den erlaubten 100km/h an der Stelle – und nicht nur das! Als ich von hinten heranfuhr, praktizierte einer der Fahrer das, was ich gelegentlich in der Vergangenheit sehen durfte, als ich noch nicht vom Doping abgeschreckt das Radfahren-Gucken aufgegeben hatte: Er löste sich seitwärts zur Straßenmitte, um nach hinten zu schauen, an den beiden Reihen des belgischen Kreisels vorbei. Etwas mehr als eine volle Fahrbahn war damit durch Radfahrer blockiert und das trotz Radweg neben der Strecke und mir als von hinten anfahrendem Autofahrer!

Es ist nicht so, dass ich Radfahrern das Fahren auf der Straße völlig absprechen möchte, aber wenn ein meiner Erfahrung nach (ich war da auch schon!) scherbenfreier Radweg existiert und dann auch noch die Radler sich als Velo-Rambos betätigen und die halbe Straße à la Ausreißergruppe bei der Tour de France versperren, dann ist mein Verständnis sehr schnell aufgebraucht. Das fand ich ein absolutes No-Go!

Autobahnausfahrt Malsch – Status laut MVI BW

Disclaimer: Dieser Beitrag – und die zitierte Anfrage – stammt aus dem Jahr 2014. Zwischenzeitliche Änderungen gab es nur wenige – zum aktuellen Stand geht es hier.

Nun kommt mal etwas Ausführlicheres und Amtlicheres. Ich habe tatsächlich eine Antwort vom Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg bekommen, nach dem meine Anfrage bezüglich weiterer Ausfahrten zwischen Rastatt Nord und Karlsruhe Süd an der A5 vom Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur an das Landesministerium weiter gegeben wurde.

Und hier das, was man mir schrieb, zunächst bezüglich der allgemeinen Situation, was neue Anschlussstellen angeht:

„Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und digitale Infrastruktur nimmt gegenüber der Einrichtung neuer Anschlussstellen im Zuge von Bundesautobahnen eine sehr restriktive Haltung ein. Bei jedem Antrag auf Bau einer neuen Autobahnanschlussstelle ist eine Einzelfallprüfung durchzuführen, bei der sehr strenge Anforderungen hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit gestellt werden. Grundsätzlich erfolgt die Prüfung auf der Grundlage eines bundeseinheitlichen Fragekataloges, wobei der Bedarf einer neuen Anschlussstelle hinreichend und belastbar begründet werden muss. Neben der technischen Machbarkeit – wie z.B. die Einhaltung der geforderten Mindestabstände zu anderen Anschlussstellen, die Gewährleistung des Verkehrsflusses und der Verkehrssicherheit für den durchgehenden Verkehr auf der Autobahn, die Prüfung der Anbindung an das nachgeordnete Netz u.s.w. – wird insbesondere die Fernverkehrsrelevanz, die verkehrliche Notwendigkeit sowie die Wirtschaftlichkeit geprüft.“ – Quelle: Antwort des MVI Baden-Württemberg auf „Bürgeranfrage Frau Talianna Schmidt zu Autobahnanschlussstellen im Bereich der A 5″

So weit, so gut. Ich für meinen Teil sehe für die technischen Anforderungen und Mindestabstände zu anderen Anschlussstellen, zwischen Rastatt Nord und Karlsruhe Süd nun keine zu große Dichte von Anschlussstellen, aber ich gehe davon aus, dass die geforderten Abstände von der Besiedlungsdichte abhängen, somit zum Beispiel die Abstände Karlsruhe Nord, Karlsruhe Durlach, Karlsruhe Mitte, Ettlingen, Karlsruhe Süd keine Referenz für den eher ländlichen Raum zwischen Karlsruhe und Rastatt bilden. Naja. Aber es kam auch noch ein konkreter Teil:

„Der Wunsch nach neuen Anschlussstelle an Autobahnen wird – insbesondere auch im Bereich von Gewerbegebieten – von vielen Kommunen erhoben und wurde in der Vergangenheit von der Raumschaft auch bereits für eine neue Anschlussstelle im Bereich von Malsch vorgetragen. Dabei wurde jedoch von der Straßenbauverwaltung einer neuen Anschlussstelle bei Malsch bislang keine Aussicht auf Erfolg eingeräumt.“ – Quelle: Antwort des MVI Baden-Württemberg auf „Bürgeranfrage Frau Talianna Schmidt zu Autobahnanschlussstellen im Bereich der A 5″

Somit ist wohl das, was ich für sinnvoll erachte, im großen Zusammenhang vielleicht nicht ausreichend sinnvoll, um verwirklicht zu werden. Schade – aber die Auskunft gibt mir doch ein wenig Halt beim Bewerten von Aussagen, die ich ohne Quellen im Netz finde, zum Beispiel auf Wikipedia zur A5.

Da das eine Bürgerinfo-Kontaktanfrage war, gehe ich davon aus, dass nichts dagegen spricht, dass ich das so hier blogge. Ich habe die Anrede und die Anmerkungen zum Verfahren wie Weiterleitung der Anfrage vom Bundesministerium zum Landesministerium weggelassen, aber die wesentliche Antwort vollständig wiedergegeben.

Vielleicht ist das ja auch noch für ein paar andere Leute erhellend.

Der Dschungel mal wieder

Heute muss ich sagen: B3, A5 und A8 präsentierten sich von ihren besten Seiten, was das Vorankommen anging. 63 Minuten prognostizierte Google Maps beim Losfahren, 63 Minuten habe ich gebraucht. Es stockte ein bisschen in den Baustellen, aber eher nicht wesentlich. Die Definition von stockendem Verkehr (30-10km/h) oder Stau (unter 10km/h) war nie dauerhaft erfüllt.

Aber ich habe doch etwas zu berichten. Und zwar von der B3, genau genommen von der Ampelkreuzung in Neumalsch. Da stand ich hinter einem LKW, der LKW war bei roter Ampel der erste in der Reihe. Und dann wurde die Ampel – durch den LKW für mich unsichtbar – wohl grün. Der LKW setzte sich langsam in Bewegung, und da erschrak ich ziemlich. Denn von mindestens zwei Autos hinter mir, nach meiner Wahrnehmung, scherte jemand aus, beschleunigte mit aufheulendem Motor auf der Linksabbiegerspur, fuhr an mir, am LKW vorbei, über die rote Linksabbiegerampel – und dann wieder auf die geradeaus führende Spur. Und ich stammelte beim Anfahren nur meinem Spiegel entgegen: „Dschungel, oder was?“

Dazu gab’s nach Pforzheim Ost noch eine nette kleine Spurwechselschere zwischen einem LKW und mir. Ich blinkte, hatte das Relais schon mindestens viermal, eher fünfmal klicken gehört, wollte etwa drei Autolängen vor einem LKW einscheren, der auf der mittleren Spur fuhr. Das Ganze geschah aus der Einsicht, dass ich nicht schnell genug beschleunigen konnte und mit 105km/h bei Tempolimit 120km/h auf der linken Spur nichts zu suchen hatte. Und was geschah? Ein LKW setzte den Blinker (als ich geschaut habe, blinkte er noch nicht – und mein Blinkerrelais klickte in der Zeit zweimal, nicht mehr) und scherte aus. Als ich gerade das Rüberziehen einleitete, war der LKW schon halb auf meiner Spur. Ein Glück fingen die Leute hinter mir noch nicht massiv an, nachzurücken, sonst wäre eventuell was passiert.

Gerade Überholen scheint mir manchmal wirklich gemeingefährlich zu sein.

Sommer ohne Stau

Das lange, sonnige, heiße Pfingstwochenende ist paradiesisch. Wenn ich mir vorstelle, wie gerade auf der A8 über dem dunklen, aufgerauten Flüsterasphalt zwischen Karlsruhe und Pforzheim die Sonne brennt, die Luft drüber flimmert und eventuell sogar Leute dort stehen – dann tut’s mir um die Leute leid, aber ich freu mich, dass ich nicht dort steh.

Denn an Pfingsten arbeite ich zum Glück nicht – und somit war ich gestern Mittag mit Freunden Picknicken, danach mit meinem Mann bei uns im Garten Grillen, und heute Morgen habe ich 16 Kilometer zurückgelegt – in grandiosen 104 Minuten. Manchmal bin ich im Auto langsamer – denn das war nun zu Fuß. Laufen – und seltsamerweise habe ich sogar die Wärme dabei genossen. Natürlich sollte man nicht in der prallen Mittagshitze laufen – und auch nicht am Nachmittag, wenn so richtig schön viel Ozon in der Luft ist. Aber vom Morgen in den Mittag rein Laufen, doch, das hatte was. Und nun haben wir auf der Terrasse gefrühstückt – oder eher gespätstückt. Nachher geht es noch mit der Yoga-Matte auf die Terrasse – nicht zum Sport machen, sondern weil die so herrlich bequem ist zum Sonnen.

Der treue kleine silberne Aygo musste nur wenig Arbeiten, bisher an diesem Wochenende: Von Bietigheim nach Karlsruhe und wieder zurück. Meine übliche B3 war frei, auch der sonst gerne verstaute Zubringer von Karlsruhe Süd nach Karlsruhe auf die Brauerstraße auch. Samstag gegen Mittag in die Stadt rein, Samstag frühabends aus der Stadt wieder raus – super! Dazu laute Musik – VNV Nation in dem Falle – und Sonnenbrille auf, da merkte ich fast nicht, dass ich im Auto saß. Ob man sich dran gewöhnt und irgendwann die ruhigeren, schöneren Fahrten in entspannter Atmosphäre – also nicht durch den Stau und nicht mit der Ansage, ich muss dann und dann auf Arbeit oder Daheim sein – gar nicht mehr als Fahrstress wahrnimmt?

Vielleicht ist es wie mit dem Laufen. Am Anfang waren drei Kilometer schwer. Nun, nach vielen Pausen und wieder Anfangen, nach nunmehr sechs Wochen Training seit dem letzten Ausfall wegen Krankheit, gehen sechzehn Kilometer ganz locker, sind entspannend und ohne das will ich meinen Sonntag eigentlich gar nicht beginnen. Okay, müssen nicht jeden Sonntag ganze 16 Kilometer sein, aber irgendwie …

Ist wahrscheinlich mit allem so. Man gewöhnt sich dran. Und dann ist das, was man früher mit Mühe gemacht hat, irgendwann ganz einfach und eine Erholung von größeren, schnelleren, längeren, anstrengenderen Einheiten. Voll gut!