Carless Talk

Vielleicht kennt Ihr es, vielleicht auch nicht: „Careless Talk“ von Billy Joel, veröffentlicht auf dem Album „An Innocent Man“. Ich mag dieses Lied sehr gerne – im Titel des Beitrages habe ich mich aber dennoch nicht vertippt. Denn auch wenn es bereits sehr konkret wurde, nun ist es final, offiziell und tatsächlich der Fall:

Wir sind autolos.

Man kann tatsächlich sagen, dass es ein wilder Ritt war da hin. Vor etlichen Jahren fuhren mein Mann und ich nach Karlsruhe, um irgendwas in der Stadt zu tun. Damals pendelte ich mit dem Auto nach Stuttgart zur Uni, mein Mann ebenfalls mit dem Auto zu seiner Arbeit. Er fuhr täglich zehn Kilometer hin und wieder zurück, bei mir waren’s 86 – eine Strecke. Wir waren das Autofahren gewohnt, beide. Mein Mann blinkte, um einzuparken, und mit aufheulendem Motor schoß ein Lieferwagen an uns vorbei – das kam so unerwartet, dass er nicht mehr reagieren konnte. Da aber der Wagen schon vor uns war und somit der Kotflügel seines Autos und die Seite des Lieferwagens beschädigt worden war, und die Versicherung der Gegenseite sich streitig stellte, bekam er vor Gericht eine Teilschuld. Ich glaube, an dieser Stelle ist bei ihm sehr schnell und nachhaltig, bei mir aber auch langsam etwas an unserer Beziehung zum Autofahren zerbrochen. Das war eine Zeit, in der ich noch nicht wieder viel lief und gar nicht Rad fuhr, er das Rad auch wenig benutzte.

Im Laufe der Jahre sind viele Entwicklungen passiert, und dennoch: Ich würde den Anfangspunkt auf diesen Unfall legen. Da wurde für uns vieles in Frage gestellt, vieles an diesem Leben, in dem das Auto und der rücksichtslose, hektische und teils auch völlig unreflektierte Umgang damit selbstverständlich sind. Es mag peinlich sein, dass es nicht das Ökologische war, das für uns das Umdenken ausgelöst hat, aber in den folgenden Entwicklungen schwang auch der ökologische Aspekt stets und gewann mit jeder Entscheidung weg vom Auto mehr Betonung in unserer Motivation. Zuerst schaffte er sich ein Pedelec an, um auch ohne Dusche auf Arbeit dorthin ohne Auto pendeln zu können. Er fuhr nun also mit dem Rad oder dem Pedelec zur Arbeit, sein Auto verkauften wir, meines blieb noch in unserem Besitz – wurde aber weniger gefahren, da ich durch einen Stellenwechsel meine Pendelstrecke reduzierte – zuerst auf die Hälfte, ein halbes Jahr später mit abermaligem Wechsel auf nur noch 20 Kilometer. Ich pendelte meist mit der Bahn, gelegentlich auf Laufschuhen zur Arbeit. Ende 2019 begann ich das Radfahren wieder, Anfang 2020 wurde das Fahrrad mein bevorzugtes Pendel-Verkehrsmittel. Unser Auto diente nur noch für den Wocheneinkauf und gelegentlich zum Fahren in den Urlaub, wobei die ganz weiten Strecken auch zunehmend lästig erschienen und wir mehr und mehr mit der Bahn fuhren, wenn so etwas anstand.

Die Pendelstrecken waren somit für uns autofrei seit 2018 – mit den Gepäcktaschen an meinem Alltagsrad (statt Rucksack) entstand die Idee, mit dem Rad einzukaufen, aber Getränkekästen blieben ein Problem. Das Alltagsrad hatte ich im Januar 2021 angeschafft im März 2021 kam dann der Fahrradanhänger dazu, und Getränkekästen waren kein Problem mehr. Für uns begann der Alltagstest des Projekts „ohne Auto“.

Es hat also nichts mit den aktuell hohen Benzin- und Dieselpreisen zu tun, dass wir es nun final gemacht haben. Wir haben unser Auto, den kleinen Toyota Aygo, nunmehr verkauft. Liebe Freunde, bei denen es nicht ohne Auto geht, haben ihn übernommen und ihr größeres, weniger sparsames Fahrzeug abgeschafft. Vor drei Wochen war der Alltagstest abgeschlossen, nach zwölf Monaten war klar: Das Auto wird nicht mehr gebraucht. Wir hatten dann mehrere Optionen geprüft und letztlich einen privaten Verkauf bevorzugt. Am gestrigen Samstag holten wir, in der letzten Fahrt des Aygo in unserem Besitz, die Freunde vom Bahnhof ab, nachdem wir gemeinsam beim Park Run in Karlsruhe waren – ausnahmsweise und letztmalig mit dem Auto.

Vor etwas mehr als einer Stunde ist unser ehemaliges Auto davon gefahren. Nach einem Jahr Test, ob es ohne geht, ERFOLGREICHEM Test, DASS es ohne geht, war immer noch dieser kleine Gedanke: „Und was wenn…?“ dabei, als wir die Rücklichter um die Ecke verschwinden sahen. Vor allem aber war das erleichterte Gefühl, kein Geld mehr für Steuer, Versicherung und Wartung eines Gefährts zu zahlen, das hier eh nur herumsteht, davon nicht besser wird und nicht benutzt wird. Das erleichterte Gefühl, im Hof mehr Platz zu haben, auch eine Ecke in der Garage, in dem die Winter- bzw. Sommerkompletträder lagerten, freigeräumt zu haben.

Es ist getan. Von einem Auto-Pendler mit zweimal zehn Kilometern am Tag und einer Auto-Pendlerin mit über 35.000 Kilometern im Jahr sind wir zu einem autofreien Haushalt geworden, in dem fünf Fahrräder genutzt werden, gegebenenfalls ÖPNV oder im Notfall auch Taxi die seltenen Gelegenheiten, wenn’s nicht mit dem Rad geht, einspringen können – aber gebraucht haben wir das in den zwölf Monaten, die wir getestet haben, de facto nicht.

Gestern sprach ich mit einigen Verwandten auf einer Feier. „Ich kann mir das nicht vorstellen ohne Auto.“, „Manchmal würde ich schon gerne mit dem Auto losfahren.“, „Es ist halt so bequem mit dem Auto.“, das waren Dinge, die mir gesagt wurden. Auch das Argument, bei großen Einkäufen würde man es doch vermissen, habe ich gehört. Dass das Wocheneinkaufen mit dem Anhänger bei einer gewissen Gebrechlichkeit nicht mehr geht, war ein Argument, dass dann aber gleich von einem „Ich kaufe dann halt einen Tag Milch, den anderen Tag Mehl, ich habe ja Zeit.“ abgemildert wurde. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, ein wenig mischte Unglauben, dass wir wissen, was wir tun, mit dem Bedürfnis, zu rechtfertigen, dass man selbst nicht ohne Auto kann oder will. Das Auto ist mehr in unseren Köpfen als tatsächlich nötig. Es ist durch Lebensweise und Alternativen bereits in vielen, gut erschlossenen Gegenden weit weniger nötig, als man das denkt – aber da ist noch ein weiter Weg zu gehen, an vielen Orten.

Wir allerdings haben uns mit den zugegebenermaßen privilegierten Gegebenheiten im Bereich Karlsruhe/Rastatt arrangiert. Rad, ÖPNV und ggf. Miet- oder Carsharing-Wagen sowie Taxi genügen für den Alltag, die Bahn oder Mietwagen für weitere Reisen. Wir haben unsere persönliche Autokorrektur getestet, sie funktioniert und somit haben wir sie vollzogen.

Wir sind autolos. Und das ist auch gut so!

Wettstreit der Verbrenner

Es gibt – im Zuge des Klimaschutzes und des damit verbundenen Aufstiegs des E-Autos – derzeit viele Diskussionen, ob Elektromobilität oder „der Verbrenner“ das Mittel der Wahl seien. Das bezieht sich dann auf die Autos, und man kann ja mit dem Materialaufwand für Akkus (insbesondere die Herstellung bestimmter Metalle, die für Akkus gebraucht werden, und deren Lebensdauer) gewisse Punkte ins Feld führen, dazu noch die Erzeugung des Stroms. Grundsätzlich sind aber nicht alle Verbrenner schlecht.

Die „Verbrenner“, die in meinem Alltag zum Einsatz kommen oder kommen können, habe ich nun mal in Beziehung zu setzen begonnen. Die Elektromobilität kommt bei mir bisher nur in Form von ÖPNV und öffentlichem Fernverkehr zum Einsatz, daher ist es tatsächlich ein Wettstreit der Verbrenner, wenn ich meinen Individualverkehr nach Strecke aufführe. Zur Personenbeförderung sind bei mir derzeit im Einsatz:

  • Toyota Aygo der zweiten Generation, Verbrenner fossiler, eher kurzkettiger Kohlenwasserstoffe mit gewissem Anteil regenerativer Alkohole (derzeit eher unter 5% als unter 10%)
  • Für kurze (schwer erfassbar) und längere Strecken „Schusters Rappen“, also Gehen und Laufen. Da ich teils auf Laufschuhen ins Büro gependelt bin und auch schonmal mit Rucksack zum Einkaufen zum Bäcker gerannt bin, möchte ich den „Glykogen- und Lipid-Verbrenner ohne Räder/Rollen“ nicht von den Verkehrsmitteln ausnehmen, auch wenn der Großteil der erfassten Laufstrecken doch eher in Training und/oder vergnügliches, freizeitliches „Spazierenlaufen“ fällt.
  • Bisher eher nicht als Verkehrsmittel genutzt kommt noch das Inline-Skaten dazu. Aber Freunde von mir skaten durchaus ins Büro, und wenn ich mal mehr Praxis und weniger Homeoffice habe, werde ich diese Option sicher nicht ausschließen. Schneller und dabei weniger schweißtreibend als das Laufen ist es allemal, und damit effizienteres Pendeln.
  • Definitiv stark als Verkehrsmittel genutzt tritt derzeit das Radfahren auf. Auch hier haben wir – wie beim Laufen und Skaten – einen Glykogen- und Lipidverbrenner vorliegen, der aber regenerativ betrieben wird, denn sobald organische Verbindungen als „fossil“ gelten dürfen, bin ich ziemlich sicher, dass ich sie nicht mehr essen oder trinken mag.
  • Der Vollständigkeit halber aufgeführt sei hier das Schwimmen.

Über die unteren vier – Laufen, Radfahren, Skaten und Schwimmen – führe ich ja schon länger Buch. Da nun aber bei mir erstens das Radfahren zunehmend kurze Auto-Strecken ersetzt, selbst wenn viel Last zu befördern ist, und ich zweitens durchaus mit dem Gedanken kokettiere, beim „Stadtradeln“ mal als Stadtradeln-Star mitzumachen zu versuchen, habe ich beschlossen, auch Auto-Kilometer zu dokumentieren und in der Liste aufzuführen. Das tue ich nicht rückwirkend, sondern erst ab Mai 2021, also ab dem laufenden Monat. Einerseits habe ich schon mehrfach im Kopf den Vergleich angestellt, wie sich per Muskelkraft zurückgelegte Strecken zu den mit dem Auto abgespulten Kilometern monats- und jahresweise bei mir verhalten, andererseits hilft’s mir natürlich, abzuschätzen, wie viel Umstellung es erfordern würde, wenn das Auto nicht mehr als eigenes Auto jederzeit auf dem Hof stünde – entweder, weil’s kaputt wäre, oder weil wir nur noch über Carsharing eine Verfügbarkeit des Autos für uns gewährleisten würden. Das ist jeweils rein hypothetisch gesprochen, denn unser kleiner Aygo funktioniert, hat immer noch unter 110.000 Kilometer auf dem Buckel und eine Abschaffung ist auch nicht in Planung. Natürlich nutzt die Statistik, wie oft und über welche Strecken das Auto genutzt wurde, auch bei der Abschätzung, ob und wenn ja, was für ein neues Auto angeschafft werden sollte, wenn der Aygo dann doch mal den Geist aufgibt.

Und somit habe ich nun die Möglichkeit, den „Wettstreit der Verbrenner (im Individualverkehr)“ in meinem Leben aufzumachen:

Das neue Gesamtkilometer-Diagramm ab Mai 2021. Stand der Monate vor Mai ohne Erfassung von Autofahrten, Stand der Erfassung im Mai: 05.05.2021, 6:00.

Bis jetzt ist nur in der Legende das Auto dazugekommen. Monate, in denen eine „0“ an Autokilometer zusammenkommt, erfasse ich für das Diagramm mit einem „#NV“, was in Excel dem Fehler „no value“ entspricht. In den Diagrammen erscheint dann kein Punkt. Natürlich geht das Auto nicht in die Kilometersumme „Cardio Gesamt“ ein, sondern steht als Gegenstück dazu mit drin. Da ich die Erfassung von Autofahrten erst ab Mai 2021 beginne und rückwirkende Schätzungen sicherlich sehr ungenau wären, und wir im Mai noch gar nicht Auto gefahren sind, gibt’s bisher keine Punkte in Braun, sondern nur den Legendeneintrag.

Ich bin sehr gespannt, ob ich die Disziplin habe, tatsächlich quasi ein Fahrtenbuch draus zu machen und somit eine Datenbasis zu legen, die auch die Entscheidung beim nächsten Auto fundierter machen wird. Wenn nämlich nur sehr wenige, lange Fahrten auftreten, ist eventuell die Mietwagen-Lösung gangbar. Sind’s einige kurze und weniger lange, dann könnte neben dem Rad eine Carsharing- und Mietwagen-Lösung her, sind es etwas mehr kurze, ist vielleicht ein E-Auto eine Idee. Nur bei eher mehr, eher langen Fahrten müsste man wohl, wenn die technische Entwicklung der tatsächlich verfügbaren Fahrzeuge und der Ladeinfrastruktur dann nicht wesentlich vorangekommen sein sollte, wieder einen eigenen Verbrenner in Erwägung ziehen.

Das klingt nun schon fast nach einem „ganzheitlichen persönlichen Verkehrskonzept“. Oh weh!

[KuK] Immer auf die Autos schimpfen…

…greift viel zu kurz.

Heute hat beim Radfahren ein Autofahrer, der von einer Tankstelle auf die Straße rausfahren wollte, aber wegen des Verkehrs nicht konnte, extra zurückgesetzt.

Warum? Ganz einfach: Weil ich auf dem Radweg daherkam und sonst wegen ihm bremsen hätte müssen. Ich war ebenso verblüfft wie begeistert.

Ich hab‘s nicht vermisst…

Heute hatte ich zusammen mit Kollegen einen Außendienst. Auf der Rückfahrt… nun ja. Bei Rastatt-Rauental gab‘s einen Unfall und im daraus resultierenden Stau standen wir dann. Die Unfallaufnahme zog sich hin, und es gab völligen Stillstand für fast eine Stunde…

Dann kam es tatsächlich dazu, dass der Verkehr auf der autobahnartigen Bundesstraße umgekehrt zur normalen Richtung abgeleitet wurde!

Nach nunmehr über 18 Monaten Bahnpendeln wird mir wieder einmal bewusst, wie sehr Autofahren nerven kann. Dabei bin ich heute nur Beifahrerin gewesen.

Nachtrag: Wie cool! Die Polizei ermahnt gerade die Fahrer und lässt sie wieder umdrehen. „Es wurde in umgekehrter Fahrtrichtung abgeleitet“ war wohl ein voreiliger Schluss! Die haben das wohl eigenmächtig getan, bekommen nun Ärger von der Polizei… während auch ansonsten Chaos herrscht. So sehr mich das auf einer zynischen Ebene amüsiert, ich hab‘s auch weiterhin nicht vermisst!

[KuK] Landwirtschaftlicher Verkehr?

Ich hatte heute ja mal wieder einen kleinen Lauf durch die Umgebung von Bietigheim (Baden). Mein Weg führte mich nach Durmersheim und dann auf der Hardt an Bietigheim vorbei nach Ötigheim, dann kehrte ich über den „Ötigheimer Weg“ (in Bietigheim) bzw. „Am Schlangenrain“ (in Ötigheim) über die Wiesen und Felder in dem schmalen Spalt zwischen Bietigheim und Ötigheim zurück. Das ist ein asphaltierter Radweg zwischen den beiden Dörfern, auf dem ganz korrekt mit Verkehrszeichen 260, Fahrrad fahren gestattet, aber Auto- und Motorradfahren untersagt ist.

… und kommt mir nicht ein Geländewagen mit mindestens 45 km/h entgegen, zwei junge Burschen sitzen drin, rasen an mir vorbei? Mag ja sein, dass die beiden „Land- und Forstwirtschaftlicher Verkehr“ waren, kann ich nicht beurteilen, auch wenn ich es nicht glaube. Aber auf einem solchen Weg, bei entgegenkommender Läuferin, halte ich angemessene Geschwindigkeit für das Gebot der Stunde.

Navi spielen

Unser Besuch hat ein größeres Auto als wir, wenn wir also durch die Gegend fahren, bietet es sich an, mit dem Auto des Besuchs zu fahren. Der Fahrer kennt sich bei uns natürlich nicht so gut aus, außerdem sind ja wir da, die uns auskennen …

Und so spiele ich immer das Navigationsgerät. Bei dieser Aktion versuche ich dann immer, wie das Navi zu sprechen. Kaum ist das Auto an, wir müssen aber ausparken, wenden und in die andere Richtung durch unsere Straße, da sage ich: „Bitte wenden!“. Ich gestehe, mit dem Abschätzen der Distanzen ist es noch nicht so gut, manchmal sind’s sicher eher 80 Meter, wo ich dann sage: „Nach 120 Metern links abbiegen!“

Aber ich habe das die meisten Fahrten gestern durchgezogen: Auf der Fahrt nach Rastatt, um im Kino „Spiderman“ anzuschauen, dann wieder auf der Fahrt nach Rastatt, um später am Abend japanisch essen zu gehen. Ich hatte unheimlichen Spaß daran und das hat man auch gemerkt!

Natürlich blieben die Sprüche nicht aus: „Aber du bist doch gar nicht sehr groß und blau“, meinte mein Nennbruder. „Oh, wir haben ein Tallytom!“, kam von meinem Mann. Aber sowas begrüße ich dann ja! Damit habe ich ganz offiziell Navigationsgerät gespielt – und Spaß dran!

Paradigmenwechsel

Wir sind – wie schon gestern geschrieben – im Urlaub im Mittelrheintal. Normalerweise fahre ich ja gerne mit der Bahn in den Urlaub, ich bin lange nicht mehr so lange Strecken mit dem Auto gefahren. Freilich, es ist nicht die Distanz bis nach Hamburg, es sind nur knapp über 300 Kilometer von uns zuhause. Da allerdings von Karlsruhe bis Koblenz und dann per Bimmelbahn bis nach Unkel durchaus ein bisschen anstrengend wäre, sind wir mit meinem Auto gefahren. Es war die erste längere Strecke dieses Jahr.

Mehr denn je habe ich dabei gemerkt, dass ich nicht mehr daran gewöhnt bin, viel Auto zu fahren. Wie mit dem Laufen – auch das tägliche Fahren von knapp unter 100 Kilometern trainiert einen. Schon ganz am Anfang der Strecke, als wir noch rasch unseren Umschlag mit der Steuererklärung in Rastatt einwarfen, merkte ich, dass die Nonchalance, mit der ich Autofahren und verrückten Verkehr um mich herum wegstecke, nachgelassen hat. Vielleicht bin ich auch zum Teil älter geworden und will dieses Autofahr-Multitasking nicht mehr, kann es vielleicht weniger. Auf jeden Fall aber „fehlt“ das Training. Nach den 300 Kilometern über B36, B10, B9, A61, A48 und B42 merkte ich dann um so deutlicher, dass ich es inzwischen sehr stark bevorzuge, mich in die Bahn zu setzen. Klar, ich KANN noch konzentriert fahren, ich bekomme das immer noch locker hin. Die Pause am Rasthof Hunsrück hätte ich für meine Konzentration nicht gebraucht, wenn ich nicht auf Toilette gemusst hätte – gut getan hat sie mir und meiner Konzentration dennoch. Aber wenn es nicht so viel praktischer wäre auf genau dieser Strecke, dann würde ich sicher nicht Auto fahren wollen. Es macht einfach keinen Spaß mehr, Bahnfahren ist so viel angenehmer!

Noch vor zwei Jahren war ich zwar genervt von meiner Auto-Pendelei nach Stuttgart, aber steckte das Autofahren – trainingsbedingt – auch über längere Strecken problemlos weg. Nun kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen, so viel Zeit ständig hinter dem Steuer zu verbringen.

Was – soll – das?

Heute auf dem Heimweg vom Fitnessstudio kamen mein Mann Holger und ich aus dem Wald auf die Straße zwischen der einen Seite des Dorfes und Festplatz sowie Sportplätzen. Das ist eine Straße innerhalb des Dorfes, müsste ein Tempo-30-Bereich sein, es sind enge Kurven, Häuser mit Familien mit Kindern daran, eine schmale Brücke über den Bach, Waldwege für’s Joggen und Radfahren in der Nähe, für viele Kinder und Erwachsene des Dorfes der Weg zum Sportverein – Handball, Fußball, Turnverein und Schützenverein sind dort. Außerdem hat’s dort die Glas- und Altkleidercontainer. Eine Gegend, in der ich immer besonders vorsichtig mit dem Auto fahren würde, da Kinder, Radfahrer, sonstige Fußgänger … eben diverse schwächere Verkehrsteilnehmer in Legion unterwegs sind, oft hinter der Kurve durch eine Hecke versteckt.

Wir kamen also aus dem Wald heraus, sahen uns an der T-Kreuzung zwischen Waldweg mit Containern zwischen Kreuzung und Eingang zum Wald auf der abknickenden Dorfstraße um, wollten die Straßenseite wechseln – und hielten inne.

WRRRRRRRRUUUUMMMM!

Ein schwarzes, tiefergelegtes Fahrzeug, das sich massiv in die Kurve legte und nach „keine volle Kontrolle mehr“ aussah, schoß um die Ecke mit Hecke, schlug andersrum ein, am Steuer ein junger Typ, schoß um die nächste Ecke, an der wir gerade auf die Straße wollten. Ein Glück waren wir noch nicht ganz normal dort lang gefahren beziehungsweise gelaufen – mein Mann auf dem Fahrrad , ich auf Laufschuhen. Der Typ hätte nicht bremsen können, wir wären nicht weggekommen. Wo nun drei Blitzsäulen auf der Hauptstraße im Dorf stehen, muss scheinbar auf den noch mehr von Fußgängern und Kindern frequentierten, noch unübersichtlicheren Seitenstraßen gerast werden wie irre … der Typ hat doch einen Peperoni dort stecken, wo die Sonne nie scheint!

… und der Zweite, scheinbar vernünftigere, kam langsamer direkt hinterher, bis er an der Kurve war, dort quietschte und krachte es, als er grausam runterschaltete und beschleunigte wie auf dem Hockenheimring.

Ob das etwas nützt?

Auf meinem Weg vom Büro zur Bahn wurde ich heute Zeugin eines Gesprächs, das mir im Gedächtnis blieb. Ein Autofahrer stand an der Ampel der Markgrafenstraße auf die Fritz-Erler-Straße und stritt mit einer Radfahrerin. Mir wurde erst, als ich schon in der Bahn saß, so richtig klar, dass es möglicherweise einen ernsten Anlass gegeben haben könnte. So wirkte das recht skurril …

Sie (in moderatem Badisch): „Wo isch rechts?“

Er: „Sie haben keine Ahnung!“

… und dann wieder von vorne. Nach einem Moment wechselte sie, nach mindestens sechs Wiederholungen, auf: „Es gilt rechts vor links!“ Was er erwiderte, verstand ich nicht, da er von mir abgewandt aus seinem Autofenster heraus stritt. Das fruchtlose Gespräch aus stupider Wiederholung auf beiden Seiten währte garantiert anderthalb Minuten.

Ich gewann den Eindruck, dass er ihr dann auf einem Tablet, nunmehr ausgestiegen, etwas zeigte. Ich vermute, dass es um ein Einbiegen der Radfahrerin von rechts ging, und er der Ansicht war, aufgrund des geradeaus Fahrens (falsch) oder einer Bordsteinkante (richtig) davon ausging, sie habe keine Vorfahrt gehabt. Sie dagegen war natürlich ebenfalls von ihrer Vorfahrt überzeugt.

Aufgrund des Verhaltens beider gehe ich von einem Fast-Unfall aus, jedoch nicht von einem tatsächlichen Unfall. Wissen kann ich es natürlich nicht. So blöd es ist, wenn es einen Fast-Unfall gab – einander aufgebracht mit einem einzigen Satz niederschreien und nicht ausreden lassen bringt gar nichts zur Klärung.

Irgendwie schon krass, wie sehr sich sowas aufheizen kann!