Was bedeutet dieses Schild?

Bildschirmfoto 2017-05-09 um 07.23.19.png

Dies ist das Verkehrszeichen 277. Es bedeutet ein Überholverbot für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht – darunter fallen sogar eine Menge der berüchtigten Lieferwagen – wenn auch nicht alle. LKW fallen sogar zu wesentlichen Teilen darunter, wenn nicht alle.

Wo findet man dieses Schild? Zum Beispiel vor der Verengung von drei auf zwei Spuren vor der Anschlussstelle Pforzheim Ost – übrigens in beiden Richtungen, also von Karlsruhe kommend kurz hinter der Anschlussstelle Pforzheim Nord und von Stuttgart kommend kurz hinter der Anschlussstelle Pforzheim Süd. Auf der Steigung von Pforzheim Ost hoch Richtung Pforzheim Nord übrigens auch …

Zumindest behaupten das meine Augen. Vermutlich liege ich falsch, denn es wird wirklich dauernd ignoriert. Am Montag war es tatsächlich so, dass trotz des Schilds, trotz verfügbaren Lücken vor mir drei LKW bis direkt zur Verengung Richtung Karlsruhe fuhren, also bis fast an den Rasthof Pforzheim – auf der mittleren Spur. Mehr noch, einer blinkte rechts, um in eine Lücke einzuscheren. Er tat das auch halb, dann kam das Überholverbotsschild für LKW in Sicht – und prompt fuhr er halb auf dem rechten, halb auf dem mittleren Fahrstreifen weiter. Bündig mit dem Beginn des Überholverbots zog der Fahrer seinen LKW wieder direkt vor mir ganz auf den mittleren Streifen – und hatte natürlich massive Probleme mit dem Finden einer Lücke, da sich die LKW-Fahrer, die sich an die Regeln hielten, übervorteilt vorkamen.

Auf der Steigung – auch da findet man dieses Schild, deutlich sichtbar – waren dann mehr LKW auf der mittleren Spur als LKW auf der rechten Spur. Ich gebe zu, ein LKW hatte wohl mehr geladen, als für seine Motorisierung gut war. Er fuhr SEHR langsam. Allerdings rechtfertigt das nicht, bei bestehendem Überholverbot superknapp und gefährlich herauszuziehen – und danach noch die gesamte Reststeigung auf der mittleren Spur zu bleiben, um in Zeitlupe weitere, fast gleichschnelle LKW zu überholen – bei gültigen Überholverbot, wohlgemerkt!

Wenn ein wirklich als Verkehrshindernis agierender, also kaum noch 20km/h fahrender LKW auf der rechten Spur unterwegs ist, wird kaum jemand das Verständnis verweigern, wenn die LKW daran vorbeiwollen, auch wenn Überholverbot herrscht. So nachsichtig sind die meisten PKW-Fahrer – und auf der Talsohle bei Pforzheim Ost sind die meisten ja hinreichend langsam, dass das kein Problem darstellt. Allerdings bei gültigem Verbot Blinker setzen und im selben Augenblick schon mit Überlapp rausziehen, das geht zu weit.

Ich würde nicht so weit gehen, ein LKW-Überholverbot auf allen Autobahnen generell zu fordern. Aber die Einhaltung bestehender Verbote, vielleicht bis auf oben genannte Ausnahmefälle, möchte ich schon bestehen. So kam dann auch auf besagter Heimfahrt meine Hupe ziemlich häufig zum Einsatz … jemanden, der ganz offenkundig regelwidrig handelt, darf man durchaus drauf hinweisen.

Du Reißverschluss-Weisheitszahn, Du elender!

Noch eine Staubegegnung, auch wieder eine vom Dienstag dieser Woche. Ich habe einen der Weisheitszähne des Reißverschlusses in Reinkultur erlebt, und das hat mich so geärgert, dass ich sein amtliches Kennzeichen aufgeschrieben habe – aber ich werde es dennoch nicht hier veröffentlichen. Was ist also passiert?

Ich fuhr im Megastau am Dienstag auf der A8, war durch so ca. 30% der Verzögerung auf meiner Strecke durch. Ich näherte mich der Verengung bei Pforzheim Ost an, langsam entwickelte sich der Kampf um die beste Stellung zum Einfädeln zwischen mittlerer und linker Spur. Ich war auf der mittleren, der Fahrer schräg vor mir auf der linken Spur suchte sich die potentielle Lücke vor mir aus. Ich zog diese also auf und hielt mich schön auf Lücke zum schräg-linken Vordermann und dem schräg-linken Hintermann. Und genau dieser Hintermann entpuppte sich als reinrassiger Weisheitszahn des Reißverschlusses. Er drängte immer wieder neben mich, halb vor mich, während der Vordermann ganz brav seine Lücke suchte – und weder für mich noch für ihn Platz war, um eine Lücke für den Drängler zu finden, der hinter meinem Heck von meinem direkten Hintermann SEINE Lücke aufgezogen bekam. Der direkte Hintermann des Dränglers suchte sein Glück weiter hinten, so dass ein einwandfreier Reißverschluss möglich gewesen wäre.

Der Drängler zog das Ganze tatsächlich bis zum Äußersten durch und musste dann wegen der in seine Spur hineinwachsenden Leitplanke bremsen und die für ihn aufgezogene und aufgehaltene Lücke HINTER mir nehmen. Danach fuhr er anständig. Aber so, genau so wie der das gemacht hat, tötet man das Reißverschlussverfahren. Genau so zerstört man potentiell funktionierenden Reißverschluss und bremst alle aus!

Woah, wie mich das noch immer ärgert!

LKW-Tetris Mark II

Dienstagmorgen, gegen 9:00, Rasthof Pforzheim Ost.

Gemäß offiziellen Verkehrsregeln sollten die folgenden Ereignisse …

… niemals passieren!

Was also ist passiert, dass ich einen Staubegegnungen-Post mit einer Art Zitat des Vorspanns von „Jagd auf Roter Oktober“ beginnen lasse? So einfach wie frustrierend: Als ich nach gewaltigem Stau und vor gewaltigem Stau (Pforzheim Ost lag mitten im Rückstau eines Unfalls auf der A8 zwischen Rutesheim und Leonberg West, der nahtlos in den Rückstau von der Verengung und Senke bei Pforzheim Ost überging) am Rasthof Pforzheim Pause für Toilette und Espresso machte, wollte ich danach natürlich wieder auf die Autobahn und weiter Richtung Stuttgart. Naja, „wollen“ ist so eine Sache, bei dem Stau, der mir da noch bevorstand. Aber ich musste ja. Also fuhr ich wundervoll über die Brücke, den Zubringer entlang und wollte über diese kleine, parkplatzartige Bucht wieder auf die Autobahn fahren. Wollte. Ja.

Denn der LKW vor mit bremste und stand. Aus meiner Perspektive war nicht zu erkennen, warum genau. Das bekam ich erst hinterher heraus. Während ich noch rätselte, was bei allen Blech-und-Reifen-Göttern nun schon wieder kaputt war, drückte der stehende LKW auf die Hupe, dann nochmal und nochmal. Mittlerweile sammelten sich hinter mir die LKW und PKW, die wie ich wieder auf die Autobahn wollten. Es ging aber nichts. Gar nichts. Dann stieg da vorne einer aus, gestikulierte wild mit den Armen. Mittlerweile kam mir ein Verdacht:

Wegen eines Lieferwagens, der auf der eher als Verkehrsinsel denn als Parkplatz markierten nicht-Fahrbahn-Stelle auf der Abfahrt zum Rasthof Pforzheim geparkt hatte, hatte ein weiterer LKW zu weit rechts auf dem Fahrstreifen durch diese Halte- und Abfahrtsbucht hindurch geparkt. Natürlich konnte mit der fast rechtwinkligen Kurve, die mein Vorder-LKW-Mann in Richtung Autobahn Richtung Stuttgart zu fahren hatte, und einer viel zu schmal gewordenen Fahrspur (an der Leitplanke zur Autobahn hin stand auch ein LKW) niemand mehr durch. Die weiter rechts gelegene Fahrspur, sozusagen die „innere“ auf dieser Ausfahrtbucht, war durch meinen querstehenden Vordermann blockiert. Es ging gar nichts mehr, während der LKW, der den LKW blockierte, der mich blockierte, in Zeitlupe, immer halbe Raddurchmesser vorankommend, aus dem Weg schlich. Ich lehnte mich zurück, dachte mir so: „Alles klar, die brauchen noch – hä?!?“

Denn in diesem Moment fuhr sehr beherzt ein PKW mit Mannheimer Kennzeichen an den fünf PKW, dem LKW und mir vorbei, die sich inzwischen auf dem Zubringer stauten. Er schaute sich den Schlamassel, an mir vorbeirollend, erstaunt an. Dann guckte er hilflos und entschuldigend lachend zu mir rüber. Ähm … ich meine, wir halten ja auch alle auf der Zufahrt zur Autobahn an, weil wir nichts Besseres zu tun haben, nicht wegen eines eventuellen Hindernisses …

Jedenfalls blockten selbiger PKW-Fahrer und der LKW hinter mir dann fast noch die Ausfädel-Spur in Richtung des Rasthofes, so dass man nur noch mit Hin- und Herkurven von der Autobahn zum Rasthof kam, um auf der linken der beiden Spuren durch die Parkbucht zum Stehen zu kommen, damit sie möglichst schnell auf die Autobahn fahren konnten, wenn die Situation geklärt wäre.

Da sich der Fahrer des Lieferwagens im Weg nicht fand und drei LKW nebeneinander durch eine etwa zweieinhalb LKW breite Lücke durchzubekommen einfach dauert, lehnte ich mich zurück und wartete – und es lohnte sich. Denn für den PKW-Verkehr war der Weg RECHTS am Lieferwagen vorbei recht schnell wieder frei, während direkt neben der Autobahn noch Rangierchaos herrschte. All die Drängler und vermeintlich erfolgreichen Opportunisten mussten sich noch gedulden, während ich auf der freigewordenen rechten Fahrbahn wieder in Richtung Autobahn und dann auffahren konnte. Immerhin. Regelgerecht warten, bis ein nicht-regelkonform aufgebautes Chaos abgebaut war, führte mich schneller wieder auf die verstaute Strecke, als die anderen mit nicht-regelkonformem Drängeln wieder drauf kamen.

Ich sehe natürlich, dass bei solch gewaltigen Staus wie heute LKW ihre Pausen machen müssen. Deswegen aber Zufahrten zuzuparken, ist echt das Letzte. Deswegen mein Appell an alle LKW-Fahrer, die unbedingt Pause machen müssen: Bevor Ihr die Zufahrt zu einem ohnehin vollen Parkplatz welcher Couleur auch immer, oder gar dessen Durch- oder Ausfahrt zustellt, stellt Euch lieber davor oder dahinter auf den Standstreifen. Das ist nicht mehr und nicht weniger regelwidrig, hält aber nicht alle anderen auf.

Verkehrs-Brennpunkt: Pforzheim Ost

Derzeit ist es auf der Autobahn 8 mal wieder alles andere als spaßig. Ich habe glaube ich schon mehrfach geäußert, dass bei schlechtem, nebligem, eisigem Wetter viele Leute entweder daheim bleiben, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder wie von Zauberhand verändert plötzlich anständig fahren.

Derzeit wird das Wetter besser – nicht beständig, aber schließlich ist ja April – und entweder nimmt das Verkehrsaufkommen zu oder die Weisheitszähne des Reißverschlusses sind mal wieder bevorzugt unterwegs oder besonders aktiv. Der Brennpunkt dabei ist natürlich die Engstelle bei Pforzheim Ost.

Die Fakten:

  • Für einige wenige Kilometer verengt sich die Fahrbahn von drei modernen Spuren mit Standstreifen auf einen nur wenig modifizierten Dreißigerjahre-Standard.
  • Die Engstelle geht einher mit einer Senke, nämlich dem Enztal, mit eher steilen Flanken.
  • In der Senke, genau auf dem tiefsten Punkt, befindet sich die Autobahn-Anschlussstelle Pforzheim Ost, die zudem zumindest an der Abfahrt aus Richtung Karlsruhe auf die B10 im Enztal und der Auffahrt in Richtung Karlsruhe von der B10 die kurzen, fast nicht vorhandenen Verzögerungs- beziehungsweise Beschleunigungsstreifen des oben genannten Dreißigerjahre-Standards besitzt.
  • Verkompliziert wird die Situation durch den ebenfalls nicht vorhandenen Beschleunigungsstreifen der Auffahrt vom Rasthof Pforzheim in Richtung Stuttgart. Dazu kommt, dass die Anschlussstellen Pforzheim Ost und Rasthof Pforzheim zu nahe aneinanderliegen und die jeweiligen Störungen des Verkehrsflusses sich aufschaukeln.
  • Aktuell erschwerend wirken sich die Brückenschäden an der Enz-Brücke aus, weswegen direkt auf der Talsohle, zusätzlich zur Störung durch die Anschlussstelle, der Verkehr noch mit einer durch die Brückenschäden bedingten Reduktion des Gesschwindigkeitslimits in Richtung Karlsruhe von 100km/h auf 80km/h klarkommen muss.

Jeden Morgen steht man bis mindestens Pforzheim Nord, in Richtung Stuttgart fahrend. Zur nachmittäglichen Rush-Hour variiert die Staulänge in Richtung Karlsruhe stark – manchmal bis Pforzheim Süd (was nicht sehr lang ist), manchmal geht’s bis fast nach Heimsheim, sogar ohne Unfall.

Freilich weiß ich, dass hier etwas geschehen wird. Mittlerweile ist die Verbreiterung und Modernisierung der A8 im Enztal ja schon sehr stark am Weitergedeihen, nächstes Jahr soll Baubeginn sein, mit möglichst geringen Auswirkungen auf den laufenden Verkehr. Laufender Verkehr? Äh, guter Witz! Aber wenn man die ohnehin schon schreckliche Engstelle möglichst wenig verschärfen möchte, soll mir das recht sein. Auch wenn direkt um Stuttgart herum (Dreieck Leonberg bis Flughafen) auch die wundervoll ausgebaute A8 noch überfordert ist, ist die Enztalquerung tatsächlich das letzte echte Krisenstück auf dem Abschnitt Karlsruhe-Stuttgart – und zur Zeit, ohne neue Baustelle, wieder mehr denn je.

Zum Thema A8 bei Leonberg und Stuttgart möchte ich dann doch noch sagen: Wen wundert’s, dass die dortige Strecke problematisch ist? Dort werden – anders, als ursprünglich (LANG her!) geplant – Umfahrungsverkehr und Berufsverkehr aus Stuttgart und den südlich vorgelagerten Städten Sindelfingen und Böblingen, Ost-West-Fernverkehr UND Nord-Süd-Fernverkehr miteinander verknotet, und das bei teils großen Steigungen (von Leonberg hoch zum Kreuz Stuttgart). Da würde wohl wirklich nur noch die Wiederaufnahme eines Baus der durchgehenden A81 Leonberg-Herrenberg helfen. Aber das wird nicht geschehen.

Im Enztal ist es aber ein lösbares Problem. Schade, dass der Kampf um die richtige oder vermeintlich richtige Lösung diese Engstelle im – danach wirklich – laufenden Ost-West-Verkehr so lange verzögert hat!

Entfrustungslauf

Gestern Abend war es mal wieder super-ätzend, nach Hause zu fahren. Wieder einmal staute es sich bei Pforzheim, wohl ein Unfall. Ich fuhr also über die Dörfer und auch da war viel los, aber immerhin ging es schneller als über die Autobahn.

Nun ist der Mittwochabend aber bei uns fest verplant. Mein Mann und ich spielen mit meinem besten Freund „Q“ gemeinsam Online-Spiele. Wir würde ja auch Brettspiele zusammenspielen, aber mein bester Freund wohnt leider in der Nähe von Bonn, so dass nur per TS reden und gemeinsam ein Online-Spiel spielen in Frage kommt – macht aber auch Spaß und ist sozialer, als es so nun klingen mag. Wir nennen das Ganze WNF – das steht für Wednesday Night Fever. Entstanden ist der Name in Guild Wars 2, aber den Spiele-Mittwoch gibt es schon viel länger, in wechselnden Besetzungen. Die Magierin meines Mannes tanzte im Spiel, und das Tanz-Emote in Guild Wars 2 sah für mich sehr nach Saturday Night Fever aus – also machten wir WNF daraus, gründeten eine kleine Gilde namens WNF … wobei wir mittlerweile in einer größeren Gemeinschaft von Individualisten namens Kuhba Libre wohl geborgen sind. Aber darüber habe ich schonmal geschrieben …

… nun ist mein Mann aber derzeit ein bisschen am Hadern mit Guild Wars 2. Es macht ihm keinen Spaß mehr, er braucht Abwechslung. Also spielen wir nun Borderlands 2, und ich finde das Spiel auch sehr nett. Nun bin ich allerdings unflexibel und brauche einen gewissen Grad von Vorrat an guter Laune, um bei neuen Spielen, die ich noch nicht beherrsche, entspanntes Freizeit-Gefühl aufkommen zu lassen. Nach dem zweiten Aufräumtag auf Arbeit und Stau auf dem Heimweg war das nicht mehr unbedingt gegeben. Gute Laune musste also her, Frust musste weg. Ich war Dienstag schon neun Kilometer gelaufen, aber um den Frust loszuwerden, ist Laufen topp. Dafür brauche ich aber etwas „Belastung“, ein Regenerationslauf entfrustet mich nicht so gut – erst recht, wenn er kurz sein muss, weil einfach nicht so viel Zeit zur Verfügung steht.

Also zog ich meine Laufsachen an, ließ die Pulsuhr daheim und lief los. Ein Kilometer „alles, was geht“, das half schon ordentlich gegen die ersten Frust-Vorräte. Dann ließ ich es einen weiteren Kilometer lang langsamer angehen und stürmte den dritten Kilometer wieder mit aller Gewalt Richtung Zuhause. Das Ergebnis war eine schwitzende, körperlich erschöpfte, aber sehr, sehr glückliche Tally, die dann duschte, mit dem Ehemann was aß und eine Folge „Nick Knight, der Vampircop“ anschaute – und dann auch als es mal nicht ganz so gut lief, großen Spaß an Borderlands 2 hatte.

Ob der Lauf nun trainingstechnisch sinnvoll war, sei dahingestellt – ich würde sogar sagen: „Nein, ganz eindeutig, war er nicht.“ Aber für meine Laune und den Ablauf des Abends war der Lauf genau richtig.

Stau-Gelüste

Heute war es mal wieder ein bisschen anstrengend, von der Arbeit nach Hause zu kommen. Bei Pforzheim gab es einen größeren Unfall – ich habe keine Ahnung, was genau passiert ist. Ich wollte es auch nicht wissen, der kurze, eigentlich ungewollte Blick auf einen hinten eingedrückten LKW und die vielen Abschleppfahrzeuge mit gelben Blinklichtern haben gereicht, um meine Phantasie dazu zu bringen, eigentlich gar nicht mehr wissen zu wollen. Dass es einen Gaffer-Stau auf der anderen Seite gab, steht auf einem anderen Blatt, zusätzlich gab’s noch 1:30 Verzögerung durch einen Stau in meiner Richtung, den ich aber hübsch auf der Landstraße in 0:30 umfahren konnte.

Nun, was passierte mir denn so beim Fahren durch den Stau, beim Umfahren des Staus?

Tja. Ich bekam Hunger. Großen Hunger. Und Gelüste auf Miso-Suppe.

Das Ergebnis war, dass ich nicht direkt nach Hause fuhr, sondern noch bei unserem lokalen Supermarkt vorbeiging. Dort gab’s Blaubeeren (ich weiß, ist nicht die Saison, aber ich hatte Lust darauf), Frühlingszwiebeln und Tofu. Alles weitere – Miso-Paste, Wakame-Algen, Shiitake-Pilze und zugegebenermaßen Instant-Dashi steht daheim immer bereit. Mein Mann guckte zwar etwas kariert und musste sich erstmal damit befassen, ob wir ein passendes Ein-Mann-Gericht da hatten, denn Miso-Suppe isst er nicht, wegen der Meeres-Zutaten. Für ihn gab es dann Mini-Maultaschen und Markklößchen in der Brühe, für mich Miso-Suppe mit Shiitake, Tofu, Frühlingszwiebeln und Wakame.

Irgendwie kam mir das mit der ganzen Menge Flüssigkeit, die ich dabei aufgenommen habe, auch sehr entgegen. Solche Stau-Gelüste sind doch mal sehr produktiv – besser jedenfalls als im Stau Lust auf Schokolade oder irgendwas zum zerhacken zu bekommen.

Schadenfreude

So geschehen diese Woche auf der A8: Ich fuhr mal wieder den Berg hoch, von Pforzheim Ost in Richtung Pforzheim Nord. Ordentliche Steigung, LKW-Überholverbot ab knapp vor der Ausfahrt (und durch erneute Schilder nach der Auffahrt bekräftigt). Auf der Auffahrt fuhr ein Polizeifahrzeug auf, und ich denke mir: „Ui.“

Tja, und was tut der niederländische LKW rechts vor mir und dem Polizeifahrzeug? Ja, ganz genau: Er schert aus, noch bevor die Autobahn bergauf dreispurig wird, überholt fünf andere LKW in Schneckentempo. Zuerst war ich am triumphieren, weil er das vor der Polizei tat – doch es tat sich nichts, rein gar nichts. Zunehmend resigniert rollte ich mit adäquatem Abstand hinter den Polizisten her, doch dann scherte der niederländische LKW wieder ein – die Polizisten machten das Blaulicht an, scherten vor dem LKW wieder ein und schalteten die „Bitte Folgen!“-Tafel an.

Ich fürchte, die beiden Polizisten haben mein Jubeln gehört, endlich wird mal einer der bestimmt hundert Regelbrüche, die ich auf der Strecke schon gesehen habe, geahndet!

Der Egotrip-Strudel

Vorkommen: In Staus auf mehrstreifigen Autobahnen. Immer. Überall. Immer wieder.

Symptome: Stau ohne erkennbares Verkehrshindernis – außer vielleicht einer Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen.

Unterstellte Ursachen (an einem Beispiel): Am Stauende wechseln die Weisheitszähne des Reißverschlusses quer durch die mittlere Spur (und deutlich VOR Ende der ganz linken Spur) auf die rechte Spur. Warum? Ganz einfach: Vorn funktioniert der Reißverschluss nicht. Deswegen geht’s links und in der Mitte nicht richtig voran, rechts läuft es schon wieder. Die Weisheitszähne fahren also so schnell es geht rechts an der Einfädelstelle vorbei, ziehen mit Macht, kurz und spitz in zu kurze Lücken wieder nach links, wenn es auch links wieder laufen könnte – das führt zu einer Nachstockung. Ich sehe das dauernd bei Pforzheim Ost, Fahrtrichtung Karlsruhe, auf der A8.

Nervfaktor: Das eigentlich Schlimme daran ist, dass die 1-5% der Autofahrer, die sich als Egotrip-Strudel-Teilchen betätigen, selbst nicht langsamer vorankämen, wenn keiner den Egotrip-Strudel fahren würde. Denn insgesamt sorgt das Ganze für Verzögerungen für ALLE. Symptomatisch ist auch, dass derjenige, der den Strudel mitmacht, am wenigsten ausgebremst wird, aber alle anderen ausbremst – die Strafe für das egoistische Verhalten ist also nicht vorhanden, die Konsequenzen tragen andere. Gerade deswegen ist der Egotrip-Strudel als Makrostruktur der Stauanatomie so unglaublich nervig – weil er genau zeigt, WORAN es eigentlich krankt.

Baumaßnahmen

Ich schreibe immer, immer wieder über sie. Und sie sind auch jedem, der einigermaßen oft Autobahn fährt, gleichermaßen bekannt und verhasst: Baustellen. Es gibt diverse Arten: Tagesbaustellen, Nachtbaustellen, Dauerbaustellen. Oft genug ist die Lücke zwischen Nachtbaustelle und Tagesbaustelle am Morgen sowie umgekehrt am Abend groß genug, um die Rush-Hour durchzulassen. Nur, wenn ich wirklich, wirklich spät dran bin, fahre ich manchmal in eine Tagesbaustelle rein – meistens handelt es sich um kleine Reparaturen oder auch nur um Mäharbeiten.

Wesentlich langwieriger und im Grad der Behinderung des Verkehrs auch wesentlich schwerwiegender sind die Dauerbaustellen. Von denen hat es zur Zeit drei auf meiner Strecke, und eine vierte ist mir noch sehr deutlich in Erinnerung:

1. Ausbau der A8 auf sechs Fahrstreifen zwischen Pforzheim West und Karlsbad. Diese Baustelle hat diverse verschiedene Darreichungsformen schon gezeigt und ist im Moment schon wesentlich weniger nervig als sie es früher war. Was wird dort gemacht? Die A8 wird ein wenig verlegt, teils ein bisschen nach Norden, teils ein bisschen nach Süden. Und die Steigungen werden zu großem Teil reduziert. Eine Brücke durch das Tal bei Nöttingen existiert schon, ist aber bisher nur auf einer Fahrtrichtung und da nur von einer Seite angeschlossen – wird also noch nicht befahren. Dazu wurde eine künstliche Senke in eine Anhöhe gegraben, so dass man von Karlsbad herunter nicht erst steil nach unten, dann wieder stark nach oben und dann wieder steil nach unten fährt. Prinzipiell besteht dieses Runter-Hoch-Runter noch, aber auf der inzwischen befahrbaren einen neuen Richtungsfahrbahn sind die Steigungen deutlich reduziert. Nur auf dem Stück, das so bald die Brücke angeschlossen ist, stillgelegt werden wird, sind die Steigungen noch hoch. Die Brücke selbst wird mit einem Damm angeschlossen. Eine kolossale Arbeit mit gewaltigen Bodenbewegungen, Ausgraben unter die Krume bis ins Gestein und das Ganze auf vielen Kilometern. Sehr beeindruckend. Früher musste man sich da auf der Breite der halben alten Autobahn mit je zwei extrem schmalen Richtungsfahrbahnen durchschlängeln. Auf der neuen Richtungsfahrbahn Richtung Stuttgart hat mehr Autobahn Platz, als die A8 früher war. Dennoch ist die Baustelle immer noch recht nervig, weil sie als schmaler, zweispuriger Teil zwischen zwei gut ausgebauten, dreispurigen Abschnitten liegt. Ich freue mich auf eine herrliche neue Autobahn Ende 2015.

2. Fahrbahnerneuerung im und um das Dreieck Karlsruhe. Klar, die Fahrbahn hier ist furchtbar schlecht gewesen. Aneinanderasphlatierte Betonplatten, die schon allmählich sich heben wollten. Allerdings ist das Dreieck Karlsruhe und die umgebenden Abschnitte der A5 auch ein wichtiger Verkehrsweg. Sprich: Hier entsteht vor allem auf der Überleitung von der A8 Richtung Norden, auf der A5 von Süden her und wohl auch auf der A5 von Norden her immer wieder Stau. Da die Erneuerung den Bereich südlich des Dreiecks nur rudimentär betrifft, habe ich mit besagter Baustelle morgens viel mehr zu kämpfen als Abends – denn in der Regel staut es sich von der A8 nur Richtung Frankfurt, nicht Richtung Basel. Morgens allerdings zwingt – und da sie bald fertig ist, hoffentlich zwang – mich der Stau oftmals, bereits in Bruchhausen die B3 zu verlassen und über Ettlingen und Busenbach zur A8 zu fahren. Der Stau auf die B3 bei Karlsruhe Süd zeigt deutlich auf, wie heftig wichtig die A5 für den Verkehr in und um Karlsruhe ist, gerade jetzt, wo wegen der U-Strab und anderen Dingen so viel dort gebaut wird.

3. Fahrbahnerneuerung zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost. Das war eine Baustelle, die für mich schwer einzusehen war. Meine Gedanken sagten: Die ist doch noch gut! Gleichviel. Die Richtungsfahrbahn nach Stuttgart wird erneuert. Und statt auf dem schönen sechsstreifigen Teil fahren die Autos nun auf vier – also zwei pro Richtung – durch die Baustelle, alles auf der Richtungsfahrbahn nach Karlsruhe. Vor allem die Verbreiterung auf drei Fahrstreifen im Anstieg von Pforzheim Ost nach Pforzheim Nord ist stark zu merken – da ergibt sich nun immer Stau.

4. Brückenarbeiten zwischen Dreieck Leonberg und Kreuz Stuttgart. Was sie da genau gemacht haben, weiß ich gar nicht. En passant einen stationären Blitzer installiert haben sie jedenfalls. Aber ansonsten war das einfach nur eine Fahrbahnverengung, die eigentlich – eigentlich! – nicht so schlimm hätte sein sollen. Aber dort ist verdammt viel Verkehr. Und in dieser Zeit der Baustelle habe ich mir etwas angewöhnt, das mir heute noch sehr nützlich ist: In Leonberg Ost runter von der A8 und über die Magstadter Straße hoch zum Schattenring und dann über die B14 zur Uni. Das nützt mir auch heute noch.

So – und hoffentlich ist nach meinem momentanen Krankheitsaussetzer auch Baustelle Nummer 2 Geschichte, so wie Nummer 4 seit geraumer Weile. Das käme mir sehr entgegen!

Tiefflug

Verglichen mit den vergangenen Tagen war die heutige Heimfahrt ein Tiefflug. Es war echt erstaunlich, das erste Mal seit Wochen, nein, wohl schon Monaten zeigte die Abschätzung von Google Maps für die Heimfahrt unter 1:10 an. In optimalen Fällen wären es 0:55.

Und ich habe auch ein Gefühl dafür bekommen, warum die Sache besser läuft: Mindestens ein Teil der Fahrbahnerneuerung am Karlsruher Dreieck ist heute beim Heimfahren abgebaut gewesen. Ich habe heute auf der Strecke viele Dinge gesehen, die mich hoffen lassen: Bis auf an wenigen Stellen ist die zweite Fahrbahn – die Richtung Karlsruhe – zwischen Nöttingen und Karlsbad nunmehr ausgegraben und bereit, da eine Fahrbahn drauf zu basteln. An der Brücke über die Straße zwischen Waldbronn und – wo auch immer wird auch fleißig gegossen. Und am Karlsruher Dreieck lässt die Baubehinderung nach.

Und so kam es, dass ich eben tatsächlich recht gut meinen Heimweg machen konnte, die meisten Geschwindigkeitslimits ausschöpfen konnte und nur in der noch anhaltenden Fahrbahnerneuerungsbaustelle zwischen Pforzheim Ost und Pforzheim West ein bisschen Stockung hatte. Alles in allem eine gute Stunde, vielleicht sogar unter einer Stunde – so genau habe ich nicht nachgeschaut.

Ein Gefühl wie „es wird“ macht sich breit!

Und noch etwas anderes „wird“. Aber davon in einem anderen Post.