Geplante neue Anschlussstellen in Baden laut Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg

Nachdem ich beim Bundesverkehrsministerium (BMVI) und dem Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg (MVI BW) weiterverwiesen wurde, habe ich mich nun an die Regierungspräsidien gewandt – jeweils an die Abteilungen 4, in denen das Verkehrswesen angesiedelt ist, konkret an die Referate 44, verantwortlich für den Straßenbau.

Wohl auch durch den Feiertag stehen die Antworten aus Stuttgart und Tübingen noch aus, aber von den Regierungspräsidien Karlsruhe (RPK, Regierungsbezirk Nordbaden) und Freiburg (RPF, Regierungsbezirk Südbaden) haben mir jeweils die Referatsleiter nett und informativ geantwortet. Aus Karlsruhe bekam ich auch ein paar allgemeine Erläuterungen, warum die Sache mit neuen Anschlussstellen eine so komplizierte ist, die ich zwar aus meiner Anfrage aus dem Jahr 2014 schon kenne, aber hier gerne noch einmal wiederhole:

Anschlussstellen stellen stets einen erheblichen Störfaktor für den Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit auf den Autobahnen dar. Erfahrungsgemäß nimmt besonders bei hoch belasteten Autobahnen wie der A 5 mit der Dichte der Knotenpunkte auch die Störanfälligkeit signifikant zu. Daher nimmt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und digitale Infrastruktur  (BMVI) gegenüber der Einrichtung neuer Anschlussstellen im Zuge von Bundesautobahnen eine sehr restriktive Haltung ein. Es führt bei jedem Antrag eine Einzelfallprüfung durch und stellt sehr strenge Anforderungen.
Quelle: Antwort des RPK vom 13.06.2017 auf eine Bürgeranfrage von Talianna Schmidt

Natürlich ist es sinnvoll, dass das BMVI bei den Begehrlichkeiten von Anschlussstellen berücksichtigt, dass durch Anschlussstellen, insbesondere auch durch zu eng stehende Anschlussstellen, der Verkehrsfluss erheblich gestört wird. Ich muss gestehen, dass die Antwort des Regierungspräsidiums Karlsruhe für mich aber auch die Frage aufwirft, warum das BMVI, da doch alle diese Anfragen über das Bundesministerium laufen, laut Fachreferat keine vollständige Liste geplanter oder in Prüfung befindlicher neuer Anschlussstellen besitzt.

Zu den Bedingungen für neue Anschlussstellen hat sich das Regierungspräsidium Karlsruhe auch geäußert, und das bringt mich darauf, dass ich neben den angehängten Listen und Tabellen auch den Textkörper des Bundesverkehrswegeplans mal lesen sollte:

Grundsätzlich erfolgt die Prüfung auf der Grundlage eines bundeseinheitlichen Fragekataloges auf Antrag der Straßenbauverwaltung des jeweiligen Landes. In diesem Antrag muss der Bedarf einer neuen Anschlussstelle hinreichend und belastbar begründet werden. Neben der technischen Machbarkeit wie z.B. die Einhaltung der geforderten Mindestabstände zu anderen Anschlussstellen, die Gewährleistung des Verkehrsflusses und der Verkehrssicherheit und die Prüfung der Anbindung an das nachgeordnete Netz, wird insbesondere die Fernverkehrsrelevanz, die verkehrliche Notwendigkeit sowie die Wirtschaftlichkeit (gemäß den Maßstäben des Bundesverkehrswegeplans) geprüft.
Quelle: Antwort des RPK vom 13.06.2017 auf eine Bürgeranfrage von Talianna Schmidt

Soweit zu den allgemeinen Informationen, die sich seit meiner Anfrage – damals vom Landesministerium beantwortet (siehe Link weiter oben) – nicht verändert haben, vom RPK aber noch etwas ausführlicher erklärt wurden. Nun zum „Eingemachten“, also der konkret gefragten Information:

Derzeit wurde vom BMVI im Zuge der Neuanbindung des Baden-Airparks an die A 5 im Bereich von Halberstung eine neue Autobahnanschlussstelle genehmigt. Hierfür wird demnächst unter Federführung des Landkreises Rastatt das Planfeststellungsverfahren eingeleitet.

Desweiteren ist im Bereich von Malsch eine neue Anschlussstelle im Zuge der A 5 in der Diskussion.
Quelle: Antwort des RPK vom 13.06.2017 auf eine Bürgeranfrage von Talianna Schmidt

Zur Anschlussstelle zum Baden-Airpark in Hügelsheim mit Bauwerk im Bereich der Gemeinde Halberstung gibt es auch eine Unterseite zum Projekt beim RPK sowie auf der Seite der Gemeinde Halberstung. Es gibt hier schon recht konkrete Planungen, auch wenn einige Dinge noch in der Diskussion sind.

Eine Anschlussstelle in Höhe Malsch ist laut der Antwort des RP Karlsruhe weiterhin in der Diskussion, aber weit unkonkreter. Viel findet man dazu auch im Netz bisher nicht – eines der Suchergebnisse bei einer Netz-Recherche ist mittlerweile nicht mehr verfügbar, das andere ist eine Stellungnahme des CDU-Gemeindeverbands Malsch.

Im Regierungsbezirk Freiburg bzw. Südbaden sieht die Lage wesentlich einfacher aus, untenstehend die Antwort vom dortigen Referat für Straßenbau:

[…]
derzeit gibt es im Bereich des Regierungspräsidiums Freiburg keine Planungen für Neue Anschlüsse an bestehenden Autobahnen.
Quelle: Antwort des RPF vom 13.06.2017 auf eine Bürgeranfrage von Talianna Schmidt

Beeindruckt hat mich, dass ich postwendend von den jeweiligen Leitern der Referate 44 in den Regierungspräsidien Karlsruhe (Herr Speer) und Freiburg (Herr Kaiser) die oben zitierten, meine Fragen erschöpfend beantwortenden Mails bekam. Noch innerhalb des Arbeitstags, an dem ich angefragt habe, kam etwas zurück. So viel also zum aktuellen Stand im Westen Baden-Württembergs. Ich bin gespannt auf die weiteren Antworten aus Tübingen und Stuttgart sowie vom Verkehrsministerium in Hessen, bei dem ich ebenfalls angefragt habe.

Ich habe versucht, die sich mir zu dem Thema stellenden Fragen mit halbwegs fundierter Recherche zu beantworten. Vielleicht hat sich ja jemand dieselben Fragen gestellt und kann hier auf die von mir gefundenen Antworten zurückgreifen, ohne sich erst die zuständige Stelle herauszusuchen und dort anzufragen.

Auswirkungen

Heute morgen war mal wieder ein reichlich spezieller Tag auf meiner Pendelstrecke. Sicher, ich bekomme immer wieder zu hören: „Da wird doch immer und überall gebaut.“

Das mag richtig sein, aber es gibt deutliche Abstufungen. Heute Morgen waren es auch nicht die Fahrbahnerneuerungen zwischen Heimsheim und Leonberg West sowie im Leonberger Dreieck, auch nicht der Brückenneubau zwischen Leonberg Ost und dem Stuttgarter Kreuz. Nein, heute früh ging es schon viel früher los.

Seit einiger Zeit lasse ich mich ja von Google Maps lotsen, da die Abschätzungen der Verzögerungen durch Staus ziemlich gut sind, zumindest bei meinem Fahrstil. In aller Regel sind die Abweichungen von der Prognose unter 10%, was bei einem so variablen System wie dem Straßenverkehr zur Stoßzeit schon ziemlich gut ist. Nur hat Google Maps ein Defizit, das mir schon mehrfach aufgefallen ist – und heute morgen stieß mir das mal wieder besonders sauer auf.

Aber von vorn. Klein-Tally aka Miss Highway Tales startete also ihren netten kleinen Aygo, drehte den noch nach Westen schauenden Bug in Richtung Osten und wartete, was Google Maps zur Strecke sagen würde. 1:12 für 86km zur Stoßzeit klangen nun schon recht hoffnungsvoll, also verließ ich mein malerisches Heimatdorf Bietigheim und steuerte über die obere Hardt Richtung B3. Als ich durch den Kreisel am Industriegebiet durch war, entlockte mir mein navigierendes Telefon ein Stirnrunzeln: wie bitte? Ich sollte Richtung Süden fahren, um in Rastatt Nord auf die Autobahn zu fahren? An der Ampel guckte ich also mal kurz, wie es auf der B3 Richtung Norden aussah – denn eigentlich fahre ich ja immer in Karlsruhe Süd auf die A5. Die B3 war zwischen meinem Standort und Neumalsch, danach nochmal zwischen Bruchhausen und Ettlingen ein einziger roter Strich. Stau auf der Bundesstraße, Verzögerungsprognose im Bereich einer Stunde! Also beschloss ich, auf Frau Google zu hören und bog tatsächlich Richtung Süden ab, freute mich auf die hübsche Umfahrung der komplexen Kreuzung von B3, B36 und B462 nördlich von Rastatt, um dann zu schauen wie mein Auto, nur erheblich langsamer.

Was Google mir nämlich nicht gesagt hatte, war die Tatsache, dass die Auffahrt Rastatt Nord Richtung Karlsruhe gesperrt war und vermutlich noch eine Weile ist. Fahrbahnerneuerung! Dieses Mal war es wenigstens so, dass die Sperrung noch nicht eingetragen war. Google Maps hatte mich in der Vergangenheit schon ein paar Mal knallhart in Sperrungen hineingeleitet, die sogar schon auf der Karte von Google Maps verzeichnet waren.

Also fuhr ich nett über die vermeintlich vermiedene komplexe Kreuzung und hoffte, der Stau auf der B3 möge nicht so schlimm sein. Doch es war eben doch so schlimm. Das hat mehrere Gründe: die B3 führt hier über eine recht lange Strecke zwischen Industriegebieten mit Speditionen, Kurierservices und so weiter hindurch, dazu gibt es eine ziemlich schwierig geschaltete Ampel in Neumalsch, wo die Kreuzung zudem eigentlich zu eng ist für den Verkehr von der B3, der Richtung Industriegebiet Malsch abbiegen will. Außerdem kam steigernd hinzu, dass gerade an der B3 gebaut wird, und zwar in Ettlingen, wo der Verkehr aus Ettlingen und der Verkehr von Süden Richtung Autobahn sowie Richtung Karlsruhe miteinander verknotet wird. Zusammen mit all dem Verkehr, der normal in Rastatt Nord auf die A5 fährt, war das natürlich eine mittlere Katastrophe. Im Endeffekt habe ich das Ganze dann mittels der B36 umgangen und hätte ohne gewisse Irrwege nur 10 Minuten verloren, nicht die 35, die mir tatsächlich verloren gingen.

Was ich mich allerdings frage: Sowohl die Baustelle an der B3 als auch die Autobahnauffahrt betreffen nur Straßen in Verantwortung des Bundes. Eine Bundesstraße, eine Auffahrt von einer Bundesstraße auf eine Bundesautobahn. Eigentlich könnte man sich doch denken, dass bei Sperrung einer Auffahrt und Baustelle an der wahrscheinlichsten Ausweichauffahrt ein ziemlicher Kollaps des Berufsverkehrs droht, erst recht, wenn noch viele LKW dazwischenhängen und es auf der Strecke ohnehin auch ohne Baustellen besser laufen könnte … aber wie mir scheint, wird so etwas nicht bedacht.

Dahingehend möchte ich auch nochmal anmerken: Ich hatte ja schonmal beim Bundesverkehrsministerium und beim Landesverkehrsministerium Baden-Württemberg nachgefragt, ob im recht dicht mit Dörfern und Industrie bevölkerten Bereich zwischen Ettlingen und Rastatt nicht vielleicht eine Auffahrt in Höhe Malsch oder Muggensturm nicht vielleicht sinnvoll sei … damals wurde mir beschieden, zu eng nebeneinanderliegende Anschlussstellen würden abgelehnt und so sei das auch an dieser Stelle – Rastatt Nord und Karlsruhe Süd liegen auch nur 14km auseinander. Eine entsprechende Initiative der Gemeinde Malsch sei abgelehnt worden. Da kommen einem dann Karlsruhe Süd, Ettlingen, Karlsruhe Mitte, Karlsruhe Durlach und Karlsruhe Nord ein wenig wie Hohn vor … eine ordentlich angebundene Anschlussstelle in Höhe Malsch, vielleicht mit einer B3-Umgehung um Neumalsch mit Anbindung an eine solche Auffahrt würde aus solchen Ausnahmezuständen und aus dem normalen Stoßzeitwahnsinn der Gegend viel Druck herausnehmen. Aber wie gesagt – es wird nicht für nötig befunden.