[KuK] Die erste Tour

Langsam beginnt, wer einsteigt oder wieder einsteigt. Mit noch etwas zu ölender Kette und reichlich Unsicherheit fuhren mein Mann und ich am vergangenen Sonntag auf den Parkplatz vor der Festhalle im Ort und ich übte ein bisschen anfahren und schalten auf meinem neuen, gebrauchten Fahrrad.

Danach ging es eine kurze Runde um den Block. Langsam, freilich, sehr langsam. Ich kann schneller laufen als wir fuhren, aber darauf kam es nicht an. Es ging darum, wieder sicher zu werden, wieder anzufangen. Und so bin ich nun wieder unter die Fahrradfahrer gegangen und habe eine 22 Jahre alte Phobie nach meinem Radunfall überwunden.

Stolz wie eine Königin hoch zu Stahlross!

Fazit: November 2019 gelaufen

Der November 2019 reiht sich in die starken Laufmonate dieses Jahres ein – der elfte ist es nunmehr, und der achte in diesem Jahr, in dem ich über 300 Kilometer gelaufen bin. Damit habe ich mich vergangenen Monat bereits bis auf knapp 23 Kilometer an das Jahresziel von 3650 Kilometern herangearbeitet. Warum so eine krumme Zahl? Ganz einfach: Das ist eine verdammt glatte Zahl, nämlich 10 Kilometer pro Tag im Jahresmittel. Das werde ich wohl übererfüllen…

Etwa drei Kilometer blieb der November hinter dem Oktober zurück.

In vielem mehr glich der November dem Oktober – ich lief etwa gleich schnell und im Mittel etwa gleich weit pro Lauf wie im Oktober. Es war auch nur eine Aktivität weniger im November als im Vormonat – unten seht Ihr die mittlere Strecke pro Lauf und die mittlere Geschwindigkeit über jeweils ganze Monate:

Mittleres Tempo und mittlere Distanz pro Lauf für meine letzten 12 Laufmonate.

Das Jahr 2019 zeigt sich als enorm laufintensives Jahr für mich – nach den jeweils über 400 Kilometern pro Monat im dritten Quartal zeichnen sich jeweils über 300 Kilometer im vierten Quartal ab. Die insgesamte Strecke im Jahr 2019 übertrifft auch alle vorangegangenen Jahre bei weitem, schon jetzt:

Jahresweise Strecken und Dauern meiner Lauferei.

Am Ende des Monats waren’s im November insgesamt 310 Kilometer in knapp 28 Stunden – und der Gesamtkilometerstand für 2019 lag bei 3627 Kilometern. Allerdings habe ich heute von jemandem gelesen, der über 640 Kilometer im November lief – und dazu noch fast jeden Tag wanderte – und der trainiert nicht auf einen Ultra, sondern läuft einfach nur so! Da hat’s mich trotz aller Lauferei bei mir aus den Socken gehauen!

Advent, Advent – der Zucker brennt

Gestern wurde – seit langem einmal wieder – dieser Beitrag aufgerufen. Er stammt aus dem Sommer 2016 und stellt eine Rechnung dar. Im Sommer 2016 war ich recht stark auf dem Weg, schwerer zu werden – und mochte es auch damals nicht. Ich lief nicht, weil ich nicht so in die Sonne sollte – aufgrund meiner Colitis ulcerosa nahm ich das Immunsuppressivum Azathioprin, weswegen die körpereigene Abwehr gegen insbesondere den sogenannten weißen Hautkrebs nicht richtig funktioniert. Dennoch war mir sehr bewusst, dass ich etwas tun musste, da mein Gewicht immer mehr stieg.

Es war wohl auch so, dass ich mich in dieser Zeit ein wenig darüber ärgerte, dass es beim Runtergehen im Gebäude immer hieß: „Nehmen wir doch die Treppe!“, ging’s dann aber die drei Stockwerke wieder hoch, bestanden alle auf den Aufzug. Ich wollte schon damals lieber Treppe laufen. Also erklärte ich den damaligen Kollegen, dass treppab gehen wenig Energie verbrennt und gleichzeitig insbesondere bei Übergewicht die Gelenke stark belastet. Die Treppe hoch gehen dagegen schont die Gelenke und verbrennt mehr Energie. Auch bei meiner aktuellen Arbeitsstelle liegt mein Büro derzeit im vierten Stock. Ich fahre quasi gar nicht Aufzug, sondern nutze – hoch wie runter – die Treppe. Übergewicht, das meine Gelenke bei jeder Stufe runter zusätzlich belastet, habe ich auch nicht mehr.

Dennoch finde ich es interessant, was ich damals gerechnet habe. Reine Hubarbeit habe ich nur angesetzt und natürlich nicht viele Kilokalorien herausbekommen. 5 kCal an Energie braucht’s, wenn man meine damaligen 69 Kilogramm um 30 Meter nach oben bewegen will und Gehstil, Absenken des Körpers beim Aufkommen auf der Stufe und dergleichen unberücksichtigt lässt. Zur Zeit verbrenne ich meine Kalorien eher beim horizontalen Bewegen, unter anderem in Form des Anhebens des Körpers bei jedem Schritt – ca. 7% der Körperhöhe, nehmen einige Modelle an. Künftig will ich diesen Wert bei meinem Laufstil messen, mit einer neuen Sportuhr mit entsprechenden Peripherie-Geräten – die gibt’s nach dem Geburtstag. Dann kann ich mal sehen, wie sich mein rein physikalisches Modell und die Einschätzung der Sportuhr über den Energieverbrauch verhalten.

Man verlernt es nicht…

… sagen sie. Das ist wie mit dem Schwimmen.

Worum es geht? Um das Fahrradfahren. Vor zwanzig Jahren hatte ich einen Unfall mit dem Rennrad, das Oberrohr wurde um fast 30 Grad verbogen – die Kraft wurde vom Kühler des Geländewagens durch mein Knie auf das Oberrohr vermittelt. Knöcherner Innenbandabriss, so lautete damals die Diagnose, und das war noch gewaltig Glück bei dieser Kollision – der eine Gegner ca. 30km/h schnell, der andere 60km/h. Keine Sorge: ICH war’s, die 60km/h drauf gehabt habe. Wäre der Geländewagen so ein Tempo gefahren, dann gäb’s mich vielleicht nicht mehr. Auch wäre wohl einer der Obstbäume der Wiese, in die ich dann flog, ein ziemliches Problem gewesen. Indes, ich verfehlte sie alle und es brach auch nur ein Stück Knochen raus, an dem das Innenband am Knie hing. Zusammengeschraubt, Sommerferien in Gips, Urlaub passé – aber immer noch SEHR glimpflich!

Seit dem bin ich fast nicht mehr Rad gefahren. Ich war damals 17, habe es im darauffolgenden Herbst und dem Sommer des Jahres drauf nochmal versucht, aber die Angst war immer dabei. Also stellte ich das Radfahren ein.

In den vergangenen Wochen nun hat sich mein Schwiegervater ein E-Bike gekauft und sein altes Fahrrad an mich verschenkt. Kein Rennrad, ein Mountainbike mit Federung und allem drum und dran. Bestimmt besser für mich, die ich darauf sehr unsicher sein würde, sagte ich mir. Heute endlich habe ich mich mal darauf gewagt.

Man verlernt es nicht? Hmm … aber es ist verdammt nah dran am verlernt Haben! Besonders schwer war das Anfahren – das Vertrauen in die stabilisierende Wirkung der sich drehenden Räder in Verbindung mit den kleinen Lenkbewegungen am Vorderrad ist einfach nicht mehr da. Es ist auch schwer, dieses Vertrauen zu haben, wenn man von der stabilisierenden Kraft noch nichts spürt, weil die Räder stillstehen, aber man sich darauf verlassen soll. Anfahren war sauschwer, alle fünf Male, die ich es heute im langsamen Dunkelwerden bei uns vor dem Haus probiert habe.

Vielleicht geht es morgen nochmal raus auf den Parkplatz vor der Festhalle, um ein bisschen auf einem Rundkurs und mit weniger Gefahr durch Autos ringsum zu probieren, was geht. Aber ich denke, früher oder später werde ich es wieder können. Es ist nur nicht ganz einfach, wieder reinzukommen. Aber der erste Schritt – oder der erste Tritt, wenn man so will – ist getan. Ich werde wieder Fahrradfahren. So trivial das all denen erscheinen mag, die damit nicht 20 Jahre lang aufgehört hatten: Es ist schwer. Und ich bin verdammt stolz darauf, dass ich es wieder probiert und nicht beim ersten Versuch wieder gekniffen habe.

[KuK] Anmaßung

Meine vívosport synchronisiere ich mit Garmin Connect. Das System besitzt – neben der Funktionalität für die Garmin-Geräte und Trainingshilfen – auch einen sozialen Netzwerk-Aspekt.

Man kann Verbindungen zu anderen Sportlern knüpfen, Mitglied von Gruppen werden und an Challenges teilnehmen. In einer solchen Challenge, zu der ich eingeladen wurde, werden Strecken gelaufen, wie ich sie auch im Sommer nicht absolviert habe: Zwei Teilnehmerinnen lagen bereits vergangenes Wochenende Kopf an Kopf bei fast 400 Kilometern im November. Eine der beiden stellte dann eine technische Frage, weil ihre Uhr nicht mehr richtig synchronisierte.

Da kam dann der Kommentar, was sie denn erwarte, die Uhr halte wohl ihre 400km in drei Wochen nicht aus. Inzwischen glaube ich, dass das eher bewundernd-witzig gemeint war. Im ersten Moment maßte ich mir aber an, den Kommentar für anmaßend zu halten. Die Läuferin wisse nicht, was sie tat, und laufe zu viel, schwang da für mich mit. So rein von den sichtbaren Zahlen kann man das aber meiner Ansicht nach nicht beurteilen.

Vermutlich spielt mit, dass Läufer aus ihrem weniger sportlichen Umfeld gerne mal unterstellt bekommen, sie machten sich aus Übereifer kaputt. Das mag manchmal der Fall sein, aber von den Nicht-Sportlern wird’s viel häufiger unterstellt, als es wohl so ist – „die“ können sich einfach nicht vorstellen, das die Knochen, Knorpel und Sehnen sich anpassen.

Und so war meine ad hoc getroffene Unterstellung der Anmaßung in der Challenge … anmaßend.

Stop-and-Go

Ich liege regelrecht in meinem Sitz in der S7 nach Achern und denke über Geschwindigkeit und Rhythmus nach.

Um 17:21 oder 17:23 sollte meine Bahn abfahren. Auf der Anzeigetafel standen um 17:24 eine Tram [2], eine S1 und eine S7 mit der Abfahrtszeit „sofort“. Effektiv war mein „sofort“, also unter einer Minute, um 17:28 erreicht.

Dann stand meine Bahn vor der Kriegsstraße und wartete auf den senkrechten Strich auf der Bahnampel – bevor sie etwa dieselbe Zeit an der Haltestelle Rüppurrer Tor stand. Ähnliches Spiel vor dem Tivoli und vor der Poststraße, und um 17:42 erst erreichte die Bahn den Albtalbahnhof.

Nun bin ich gerade im Zweifel, ob ich diesen Beitrag noch fertig bekomme, bevor die Bahn über Forchheim (Bahnhof), Durmersheim Nord und Durmersheim Bahnhof meinen Ausstieg erreicht.

Die Fahrzeit von Station zu Station ist nicht sehr unterschiedlich, obwohl es auf dem knappen Kilometer vom Kronenplatz bis zum Tivoli insgesamt vier, auf den bestenfalls fünfhundert Metern von der Poststraße zum Albtalbahnhof drei Stationen gibt, während die Bahn vom Albtalbahnhof bis nach Forchheim und von dort weiter nach Durmersheim jeweils 4-5 Kilometer zurückzulegen hat.

Auch für die Stadtbahn ist der Stadtverkehr kein Spaß. Von zuhause bis zur Stadtgrenze geht sogar schneller als kaum zwei Kilometer durch die Stadt.

Das ist keine Beschwerde, nichtmal ein Plädoyer für weniger Stationen. Ich schätze die Stadtbahn sehr! Ich staune nur auch manchmal über das Selbstverständliche.