Urlaub!

Ab dem heutigen Tage habe ich Urlaub und fahre auch schon weg: Auf das Amphi-Festival, zu Freunden nach Bochum, Amsterdam, an die Unterelbe und nach Mönchengladbach. Ob ich aus dem Urlaub bloggen werde, weiß ich noch nicht so genau – im Grunde habe ich allerdings vor, im Moment zu leben. Da KANN bloggen dazugehören, muss es aber nicht.

Allerdings habe ich schon den einen oder anderen kleinen Beitrag vorbereitet und zur Veröffentlichung während meines Urlaubes geplant. Ob diese Vorbereitung allerdings die zwei Wochen ganz füllen wird, bis ich wieder zuhause bin und den Rest meiner freien Zeit auf Terrassien verbringe, steht in den Sternen. Ich freue mich schon sehr auf diese Reise, habe einen Ablaufplan in einer wasserfesten Hülle dabei, damit ich auch nie verwirrt bin, selbst wenn mein Handy mal leer sein sollte. Zwar sind Amsterdam und Hamburg (das ja von der Unterelbe gut erreichbar ist) durchaus auch als Orte lohnenswerte Ziele, aber ich freue mich noch mehr auf die Menschen: Freunde, die ich treffen werde, wieder, manche liebgewonnene „virtuelle“ Bekanntschaften das erste Mal real. So ein bisschen „Verkehr“ ist auch dabei: Wir werden über den Abschlussdeich des Ijsselmeeres fahren und meiner Autobahnsammlung ein oder zwei neue Einträge bescheren.

In den letzten Jahren ist in mir eine Überzeugung gewachsen: Ich sollte Menschen, Freunde besuchen, wenn ich Urlaub mache, nicht Orte. Klar, auch schöne Orte sind wunderbare Ziele, aber gute Gespräche, Freunde, Menschen geben mir einfach mehr. Genau das setze ich die letzten paar Urlaube und auch diesen um. Und es fühlt sich gut an!

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Packen …

Der Moment, in dem man feststellt, was man alles mit den Menschen machen möchte, die man besuchen möchte – und was man dafür alles braucht. Es ist genau dieser Moment, in dem der Traum vom minimalistischen Reisen zerplatzt.

Allerdings haben wir zum Glück die Wahl zwischen meinem kleinen Auto und dem etwas größeren meines Mannes. Reichlich voll wird’s trotzdem, aber wir kriegen es da deutlich entspannter hin. Gepäck-Tetris will ja doch keiner spielen, am Ende verschwinden die lückenlosen Reihen ja doch mal, so wie im Spiel … und dann hat man den Salat. Oder eben genau nicht mehr.

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Reisefieber

In den letzten Tagen wurde mir sehr bewusst – also so RICHTIG sehr bewusst – dass wir bald auf Reisen gehen. Noch sind wir nicht losgefahren, aber eine Packliste für meinen Koffer, meinen Rucksack, meine Handtasche und meine Notebooktasche existiert schon, ebenso ein tabellarischer Ablaufplan mit Einträgen für die jeweiligen Hotels, dazu ausgedruckte Reservierungen und so weiter.

Aber da ist noch mehr, das mich derzeit beschäftigt. Beim ersten Besuch eines Orts lasse ich mich meistens treiben, lasse mich von den Menschen, die ich dort treffe, ein bisschen herumführen. Ich besuche ja eher Freunde, als dass ich Orte besuche. Es hilft oft, einen Bezug zu diesem Ort zu gewinnen, weit mehr, als zuvor einen starren Touristen-Plan zu bauen. Beim zweiten Mal sieht es aber oft anders aus. Ich lese nach, was ich dort gesehen habe – und mit einem Bild, einem direkten Eindruck von vor Ort, haben die Beschreibungen doch weit mehr Realität. Dann beginne ich, die Dinge aufzufüllen, die ich gerne noch sehen oder machen würde. Dazu kommt, dass ich natürlich meine Laufsachen mitnehme und nun schonmal anfange, Laufstrecken zu planen. Schließlich ist einfach loslaufen und sich treiben lassen gefährlich, weil man in ungewohnter Umgebung eventuell riskiert, sich zu verlaufen. Es ist nicht so sehr, dass ich Angst hätte, dann nicht mehr nach Hause zu kommen. Aber wenn ich nicht abschätzen kann, wie weit es noch ist, eventuell von anderem Wetterverhalten an anderen Orten überrascht werde, könnte es doch eher vorkommen, dass ich das Tempo drosseln muss, weil die Strecke zu weit wird, dann weht starker Wind, ich friere und erkälte mich. Nach zehn oder fünfzehn Kilometern ist der ironisch geäußerte Satz „Wer friert, läuft zu langsam“ gar nicht mehr lustig.

Und so habe ich mir nun überlegt, was ich sehen will, wenn ich an der Unterelbe bin: Eine der Binneninseln will ich mir angucken. Klingt banal, aber ich finde es unglaublich interessant und schön zu sehen, was aus der Interaktion von Sand und Strömung entsteht. Somit steht, angesichts des Übernachtungsstandorts zwischen Buxtehude und Stade, entweder Lühesand oder Hanskalbsand läuferisch vom Deich aus über den jeweiligen Elbarm hinweg anschauen auf dem Programm. Danach ist der Plan, an der Lühe entlang zu laufen und am besten quasi von einem gemeinsamen, motorisierten Ausflug mit den anderen, nicht ganz so starken Läufern, den Rest der Strecke bis zur Unterkunft läuferisch zurückzulegen. Fünfzehn Kilometer, vielleicht zwanzig wären das, in vernünftigem Tempo ohne Druck und Hast ist das ein schöner Abschluss für einen Ausflug. Ich bin gespannt, ob es klappt, die Strecke habe ich mir schon herausgesucht. Sicherlich wird sich zwischen Lühe, Aue und altem Land noch eine weitere Strecke finden, die Interessantes zeigt. Zwei Stationen vorher, in Bochum, wird wohl der Kortumpark in der Nähe unseres Hotels eine Laufstrecke bieten – keine so richtig lange, aber vermutlich gibt auch die Dauer des Aufenthaltes in Bochum einen solchen nicht her. Vielleicht laufe ich da dann sogar zusammen mit meinem Mann!

In Amsterdam gibt’s in der Nähe unseres Hotels eine große Grünfläche, da muss ich dann mal schauen, ob ich da morgens ein paar Runden drehen kann …

Menschen. Orte. Laufmöglichkeiten. Interessante Prioritäten.

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Vorahnung von Verzögerung

Es ist nicht selten so, dass ich an einer Tankstelle, an einer Kaffee-Ausgabe an der Raststätte Pforzheim Ost, irgendwo jedenfalls, wo man an der Kasse manche Produkte zum Zahlen mit hinbringt, andere von dem dortigen Mitarbeiter gereicht bekommt, schon ahne: „Oh Mist, das wird jetzt länger dauern!“, wenn ich die Leute vor mir sehe. Gestern morgen, als ich tanken musste, war das mal wieder so:

Ich hängte gerade die Zapfpistole wieder in die Tanksäule ein und machte mich auf den Weg zum zahlen, da sah ich eine Gruppe um die Ecke des Tankshops kommen: Fünf Frauen, die meisten davon eher Mädchen, dazu ein junger Mann, bei dem ich die Bezeichnung „Junge“ eigentlich fast angebrachter fände. Und wie ich es ahnte, schwirrten die sechs Leute um die eine Kasse herum wie die Wespen um das Glas Cola, jeder musste einzeln seine Wünsche verkünden, überlegte mehrfach um, diskutierte mit den anderen. Zum Glück war noch eine zweite Kasse offen, an der vier eilige Leute – eine davon ich – einfach nur null bis drei Produkte und jeweils eine Tankfüllung pro Person bezahlen wollten.

Ähnliches gab es vor kurzem am Rasthof Pforzheim. Dort gibt es einen Coffee-Fellows-„Stand“ innerhalb der Raststätte, an dem Kaffee frisch gemahlen und aus dem Siebträger verkauft wird. Allerdings gibt es dort auch Doughnuts, Bagels glaube ich auch, Brezeln, Brötchen … Panini vielleicht sogar. Zeug zum Essen, jedenfalls. Tee gibt es auch.

Faszinierende Szene Nummer 1: Zwei Bundeswehrsoldaten in Feldanzug (oder wie man das auch immer nennen mag) stehen an der Kasse und entscheiden sich dreimal zwischen verschiedenen Kaffees zum Hiertrinken oder Mitnehmen um, hinter mir ist ein schlanker, großer Herr mit merklicher Eile schon reichlich genervt. Und dann bestellt der in der Schlange vor mir umständlich und mit fast einer Minute Diskussion nicht nur einen Cappuchino zum Mitnehmen, sondern auch noch ein belegtes Brötchen, das gerade nicht verfügbar ist … Im Ergebnis musste der Mitarbeiter dort das Brötchen bereiten, bekam auf die Schnelle keinen zweiten Mitarbeiter für die Kaffeemaschine und eine ungeduldige Schlange wurde langsam immer genervter. Ich sah das ganz gelassen, aber ich konnte auch die anderen Warter verstehen.

Faszinierende Szene Nummer 2: Vor meinem Mann und mir steht ein etwas verwirrt aussehender Herr, der bei dem Coffee Fellows Menschen umständlich einen mittleren Kaffee bestellt – langsam kristallisierte sich heraus: Vor uns steht ein Brite. Dieser bestellte dann zum Kaffee noch einen Tee und zwei Doughnuts. Der Mitarbeiter: „What kind of tea?“ – „Eh … I don’t care.“ – „We have different teas.“ Der Mitarbeiter zeigt dem Kunden eine Schachtel, in der neun verschiedene Teesorten säuberlich beschriftet verfügbar sind. „I don’t know“, bescheidet ihm der Kunde. Der Mitarbeiter guckt verwirrt. Der Kunde: „It doesn’t matter, it is for my wife.“ Die ganze Warteschlange lacht. Der Brite tauscht sich über die Warteschlange hinweg mit seiner Frau aus, die am Ende der Schlange vor der Vitrine mit den belegten Brötchen steht, um dort auszuwählen. Das Ergebnis: „We don’t care which kind of tea.“ – „So my choice?“, fragt der Mitarbeiter. Der Brite nickt. Also kriegt er Darjeeling. Natürlich dauerte es dann noch einen Moment, aber mein Mann und ich konnten beinahe nicht mehr ob dieser skurrilen Unterhaltung. Bis wieder genervte Ungeduld auftreten konnte, waren wir dann schon dran und ich bekam meinen doppelten Espresso.

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Begeisterung

Am Tag nach meiner Teilnahme am Campus Run gab’s bei mir auf der Arbeit eine Sitzung, an der ich teilnahm. Die war nicht ganz unwichtig, aber das ist nun nicht mein Thema hier. Jedenfalls kam auch meine Leistung zur Sprache – und daraus resultierte dann eine Mail vom Institutsdirektor an alle Mitarbeiter, wie ich abgeschnitten hatte – er hat sogar die online verfügbare Urkunde herausgesucht und an die Mail angehängt.

Das fand ich toll, auch wenn es mir auch ein wenig peinlich ist – ich bin doch nur ein Stückchen gelaufen! Jedenfalls erreichte mich danach noch eine Mail einer Kollegin, mit einem Bild einer Medaille und Glückwünschen!

Klar, die Läufer unter meinen Lesern sagen jetzt: „Genauso wie wir auch läuft Talianna von den Highway Tales doch nur, oder?“ Das stimmt. So empfinde ich das auch. Ich laufe regelmäßig, orientiere das Laufen in Länge und Belastungsstruktur ein bisschen daran, halbwegs auf die wenigen Wettkämpfe vorbereitet zu sein, die ich mir in den Plan schreibe, laufe die Wettkämpfe dann. Meistens denke ich auch: Wenn ich gut abschneide, liegt das in erster Linie daran, dass nicht so viel Konkurrenz da war. Andererseits – und das fällt mir, obwohl es mir schmeichelt, durchaus schwer zuzugeben – gehöre ich doch zumindest zur aktiveren Hälfte der Bevölkerung, vielleicht sogar zu den aktiveren und laufschnelleren 25%.

Egal wie, es freut mich total, wenn Freunde, Familie und Kollegen an einem Erfolg bei oder auch nur einer Teilnahme an einem Laufwettkampf Anteil nehmen, obwohl oder vielleicht gerade weil es mich ein bisschen beschämt.

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Gedränge und krampfhaftes Weggucken

Am Montagabend auf der Heimfahrt schien alles gut zu laufen, es war kein Stau angesagt und ich fand das schon etwas erstaunlich – nun ja, ich habe es wohl herausgefordert.

Jedenfalls begann dann kurz vor Pforzheim Ost die angezeigte Restzeit meiner Fahrt in Google Maps deutlich anzusteigen, dann zogen hinter mir plötzlich alle hektisch eine Rettungsgasse auf. Ich war bereits auf der mittleren Spur recht weit rechts positioniert, machte dann aber doch noch etwas mehr Platz: Zwei Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge und ein Krankenwagen fuhren durch die Gasse. Dennoch lief es ganz gut weiter, es war schon absehbar, dass nur einer der zwei Fahrstreifen am Rasthof Pforzheim vorbei blockiert war.

Kurz vor dieser Stelle realisierte ich dann, dass es doch ein bisschen anders war: Zwei Spuren waren blockiert, aber noch in jenem Bereich, in dem der Verkehr auf drei Fahrstreifen Richtung Karlsruhe strömen soll und meistens eher tröpfelt. Allerdings begann dann das Gedränge, ein ziemliches Durcheinander. Alle waren schon langsam, so dass nichts passierte – aber das Chaos war schon recht groß: Ein Anteil von ungefähr zwei Drittel der LKW und einem Drittel der PKW im Stau hatte sichtlich beschlossen, eventuell auf Hinweise eines nun nicht mehr absichernden Polizisten, den rechten Fahrstreifen UND den Standstreifen zum Passieren des Unfalls auf der linken und mittleren Spur zu benutzen. Der Rest der Fahrer – die meisten PKW, ein Teil der LKW – strebte nach den normalen Regeln der Unfallstelle und damit verbundenen Verengung von drei auf einen Fahrstreifen zu. Es war wirklich schwer zu beurteilen, was man nun tun sollte – ich befand mich wegen meiner recht weit nach rechts verschobenen Position bezüglich der Rettungsgasse ohnehin schon zwischen den beiden Versionen, da ich von der bisher benutzten mittleren Spur fast auf die rechte hinübergedrückt wurde. Die LKW strömten schon auf dem Standstreifen rechts vorbei … und für einen kurzen Moment hatte ich Übersicht über die Fahrzeuge vor mir, es war – faszinierend und beängstigend zugleich: Es war nicht zu erkennen, welches Fahrzeug auf welchem Fahr- oder Standstreifen war, denn kein Fahrzeug stand hinter dem anderen. Da alle halbwegs rücksichtsvoll mit dem Wiederherstellen der Ordnung umgingen, behob sich diese Situation recht schnell wieder, aber im ersten Moment war ich einfach nur restlos verwirrt.

Danach, beim Vorbeifahren an der Unfallstelle, hielt ich meinen Blick krampfhaft nach vorne. Ein Einsatzleitungswagen des roten Kreuzes, mehrere Polizeifahrzeuge, mindestens ein, eher zwei Krankenwagen und drei Feuerwehr-Fahrzeuge befanden sich auf dem linken Fahrstreifen, eine Beschädigung der Mittelleitplanke zu erkennen war nicht vermeidbar, denn ich kann nicht völlig weggucken oder die Augen zumachen, wenn ich weiter sicher am Verkehr teilnehmen will. Ich war sehr dankbar, dass im Vorbeifahren an der Unfallstelle langsam der Verkehr wieder etwas mehr floss und die Feuerwehr mit zwei größeren Einsatzfahrzeugen den Blick auf die Unfallstelle verstellt hatte. Ich wollte es nicht sehen. Die paar Trümmer, die auf dem mittleren Fahrstreifen zu sehen waren, reichten meiner Phantasie schon, um meinen Bauch sich vor Schrecken zusammenziehen zu lassen. Vermutlich, wenn man dort ist, helfen muss, etwas zu tun hat, kann man es ausblenden. Aber wenn man von einem Auto abgefallene Teile sieht, um die Anwesenheit von Feuerwehr und Ärzten weiß und somit nichts anderes zu tun hat als sicher und langsam daran vorbeizufahren, dann ist der Schrecken bei mir da. Ich will dann gar nicht hingucken. Und ich sah auch nicht mehr.

Dankenswerterweise fuhren danach alle halbwegs nett, es lief auch staufrei, bis auf einen Fahrer, der im weiteren Verlauf dann schon auf der Landstraße beim zweispurig rechts Abbiegen über die Spurbegrenzung driftete und mich zum Bremsen brachte.

Bin ich froh, dass aus dem Gewimmel von wild über die Spuren verteilten Staustehern nicht noch ein Unfall entstanden ist und dass ich nichts vom eigentlichen Unfall gesehen habe!

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Lauf-Phantasie

Am Sonntag, als ich morgens aufstand, um zur Teezeremonie-Vorführung im Japangarten in Karlsruhe als Helferin aufzubrechen, hatte ich Kopfschmerzen. Fiese Kopfschmerzen. Wie so oft wusste ich: „Laufe oder falle den Tag lang aus.“ Das war die Ansage meines Körpers, und ich wusste ganz genau, dass das Ultimatum ernst gemeint war. Also schnürte ich meine Laufschuhe, zog mich an und ging los. Oder eher: Ich lief los.

Beim Laufen wurde es langsam besser und in meinem Kopf formte sich ein Bild, wahrscheinlich basierend auf einem Traum in der Nacht zuvor, der nicht unbeträchtlich mit dem Wettkampf vergangenen Donnerstag zu tun hatte. Um das Ganze zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen.

Mein bester Freund und ich spielen jeden Donnerstag gemeinsam über Chat Rollenspiel. Dabei kommt es nicht auf ein Spielsystem, nicht auf Würfel, Abenteuer, Erfolge an. Es kommt auch nicht auf große Geschichten an, sondern vor allem auf die Charaktere, auf Figuren, die durch ihre etwas verrückten Features interessant werden, zugleich aber menschlich, sehr menschlich sind, Probleme, Ängste und Freuden haben. Vor langer Zeit entstand aus einer (alkoholfreien, da nur metaphorischen) Schnapslaune heraus eine dieser Gestalten: Dr. phil. Laura Kraft, ursprünglich gestaltet für das Rollenspiel Scion, bzw. für dessen Hintergrundwelt, später dann übergeführt in die riesige, soziale, im Sportumfeld stattfindende ShadowRun-Gesellschaft, die wir betreiben. Laura ist Archäologin, sie ist eine Expertin für die Geschichte Südostasiens, speziell Malaysia und die großen Sunda-Inseln. Ihre Feldarbeit findet weitgehend auf Sumatra statt, und sie ist durchaus auch in Entwicklungshilfe engagiert – nicht nur, weil ihr das einen Bonus gibt, wenn sie dort arbeiten will, sondern auch, weil es ihr wirklich am Herzen liegt. Vor allem aber ist Laura Sportlerin. Ihre Kindheit war davon geprägt, dass sie das anständige Mädchen sein sollte, tanzen und bestenfalls turnen, eine Banklehre machen und dann heiraten und Kinder kriegen. Das jedenfalls hatte ihre Mutter im Sinn, während Lauras Brüder Kampfsport machen und erfolgreiche Karrieren anstreben sollten. Allerdings waren Lauras Brüder Komplizen, als sie statt Nähkurs lieber ins Taekwondo gehen und laufen wollte. Sie brach aus, studierte Archäologie und arbeitet an der Uni, macht Feldarbeit für ihren Professor, der lieber in seiner Bibliothek sitzt. Als Läuferin und Kampfsportlerin mit Turn- und Tanzerfahrung ist sie natürlich hochgradig sportlich und das nimmt in ihren Hobbies – neben dem Erlernen der modernen Sprachen ihrer Forschungsregion – auch den weitaus größten Raum ein.

Archäologin, Kampfsportlerin, Feldforschung? Ich weiß, das klingt nach … naja, Indiana Jones, Sidney Fox oder eben … Lara Croft. Den Namen habe ich ihr bewusst verpasst, ich bin ja meistens gemein zu meinen Charakteren. Irgendwann bekamen ihre Studenten ein Bild von Laura in Shorts, mit einem Gurt für ein Messer und einem für Werkzeuge an den Schenkeln, Wanderstiefeln, einem Top und langem Zopf in die Finger. Recht schnell war das Top in helles Blaugrün umgephotoshopt, und plötzlich stand in der Fachschaft ein Pappaufsteller mit Dr. phil. Laura Kraft in „Tomb-Raider“-Aufmachung herum. Natürlich hasste Laura diese Assoziation zunächst. Sie fühlte sich nicht ernst genommen, außerdem besteht sie darauf, dass sie keine „Abenteuer-Archäologin“ oder gar „Grabräuberin“ ist, sondern ernsthafte Feldforschung betreibt. Allerdings hielt sich das Bild nachhaltig, und noch dazu gibt es da einen Konkurrenten und wirklichen Abenteurer namens Marcus Jones, der mit Indiana Jones kokettiert und Laura immer wieder damit aufzieht. Ungünstig nur, dass sowohl Marcus als auch Laura eine gegenseitige Anziehung spüren – und irgendwann meinte Marcus, Laura solle doch das Bild als Kompliment nehmen, sie wisse ja selbst, dass sie ernsthafte Wissenschaftlerin sei … und so kam es dazu, dass einmal in einem der Rollenspiel-Abende mit meinem besten Freund Laura Kraft vorkam, die in Lara-Croft-Verkleidung einen Laufwettkampf mitlief.

Genau diese Phantasie hatte ich nun, während ich am Sonntagmorgen meine Kopfschmerzen weglief, um noch an der Teezeremonie-Vorführung als Helferin teilnehmen zu können und den Rest der Gruppe nicht hängen zu lassen. Vor meinem inneren Auge lief Laura Kraft in Verkleidung auf den letzten mehreren Hundert Metern eines Laufwettkampfes, hielt das Tempo einer Gruppe Männer und wurde von ihren Studenten und ihren Freunden in passenden Verkleidungen am Rand der Strecke angefeuert. Ein starkes, motivierendes Bild, das natürlich nur im Kontext meiner Phantasie halbwegs verständlich ist. Aber ich liebe das Bild und hoffe, es noch das eine oder andere Mal zum Laufen mitnehmen zu können.

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