In einer Woche …

… findet die Bundestagswahl statt. Ich betrachte „The Highway Tales“ nicht als politisches Blog, allerdings braucht man nicht politisch zu sein, um an der Bundestagswahl Interesse zu haben. Vielleicht ist es auch nicht verborgen geblieben, dass meiner Aussage zum Trotz, hier kein politisches Blog zu führen, ein durchaus politischer Mensch hinter den Beiträgen steckt.

Zunächst einmal ist meine Empfehlung zur Wahl, sie zu nutzen. An vielen Orten dieser Welt darf man nicht wählen. An vielen Orten dieser Welt sind Wahlen eine Farce, weil sie gefälscht werden oder nur eine Partei auf dem Wahlzettel steht. An vielen Orten der Welt ist die Berichterstattung über Politik in einem Maße eingeschränkt, dass die Wahlen trotz Opposition auf dem Wahlzettel zur Farce werden. Das ist in Deutschland – aller Unkenrufe zum Trotz – nicht der Fall. Hier wird über die Programme der Parteien, über den Unmut der Menschen und vieles mehr berichtet – hier steht jede Partei, die genug Unterstützer-Unterschriften vorweisen kann, auch auf dem Wahlzettel. Kleine Parteien werden nicht durch ein Mehrheitswahlrecht aus dem Parlament gehalten. Im Verhältnis zu vielen Orten der Welt leben wir in einem Musterbeispiel von Pluralismus und politischer Freiheit. Das Geringste, was wir zur Verteidigung dieser Freiheit und dieses Pluralismus tun können und sollten, ist zur Wahl zu gehen und eine nicht-verfassungsfeindliche Partei zu wählen. Wobei natürlich – zumindest rein juristisch betrachtet – jegliche Partei auf dem Wahlzettel entweder nicht als verfassungsfeindlich beklagt wurde oder vom Bundesverfassungsgericht nicht als verfassungsfeindlich eingestuft wurde, denn sonst wäre eine solche Partei ja verboten. Am Ende dieses zu langen Abschnitts: Ich empfehle einzig und allein, dass man wählen geht. Welche Partei, das muss jeder mit sich selbst und den Zielen der Partei ausmachen.

Natürlich bin ich aber nicht ohne eine gewisse Richtung und nicht ohne eine gewisse politische Haltung und Meinung. Als Person, die von der Achtung der deutschen Gesellschaft und des deutschen Systems vor Minderheiten und Personen jenseits des vermeintlich „normalen“ profitiert, hänge ich den damit verbundenen Rechten und den für sie eintretenden Teilen des politischen Spektrums an. Auch wenn Angela Merkels CDU über mehr als das letzte Jahrzehnt einen weiten Weg in Richtung der Mitte und in Richtung der Rechte von dem klassischen Konservativismus fremden Personengruppen gegangen ist, sehe ich mich „weiter links“ besser aufgehoben. Für mich spielt die Erhaltung des Pluralismus, die Gleichbehandlung des Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung und politischer Haltung eine ganz wesentliche Rolle – immer gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes. Da steht nämlich nicht: „Die Würde des deutschen, männlichen, weißen, christlichen oder atheistischen, heterosexuellen, cis-sexuellen Menschen ist unantastbar.“, sondern ganz schlicht und schön „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Natürlich habe ich die Attribute nicht zufällig in diese fiktive Erweiterung des berühmten Artikel 1 des Grundgesetzes eingefügt – sondern zumindest eine Tendenz dessen, was ich selbst wählen werde, angedeutet. Ob Ihr gerne eine oder mehrere dieser Einschränkungen in dem Artikel oder in der gelebten Politik der Bundesrepublik Deutschland hättet, müsst Ihr wissen – es gibt sicher Parteien, die zumindest in der tatsächlichen Politik einen graduellen Unterschied zwischen der Achtung vor der Würde verschiedener Menschen nach einigen der oben genannten Kriterien machen möchten. Für mich gilt: Wird die nach Artikel 1 Grundgesetz ausgerichtete Grundlage der Politik in einer Eigenschaft ausgehebelt, ist der Weg leichter, auch die anderen Allgemeingültigkeiten der Achtung vor der Würde des Menschen einzuschränken. Davor habe ich Angst – mehr als vor der Möglichkeit, was Menschen mit unserer Achtung vor ihrer Würde machen könnten.

Aber wie gesagt, dieser nach links zielende Grund für meine kommende, aber noch nicht ganz endgültige Wahlentscheidung betrifft nur mich. Das ist keine Empfehlung an irgendwen – auch wenn ich, wie vermutlich jeder andere auch, die Hoffnung habe, mit meiner Ansicht nicht allein, sondern im Gegenteil in einer Mehrheit zu sein. Was mir ehrlich gesagt auch die Wahlentscheidung leichter macht und das Ergebnis des Wahl-o-Maten beeinflusst hat: Ich erachte ein allgemeines Tempolimit auf 120 oder 130km/h auf deutschen Straßen inklusive Autobahnen für sinnvoll. Außerdem bin ich für mehr Europa … Insgesamt haben meine Antworten im Wahl-o-Maten Grüne, Linke und Piraten recht weit hoch in der Liste gespült – und nach weiterem Recherchieren kann ich nicht behaupten, dass der Wahl-o-Mat mich hier getrollt hat, auch wenn es bei einzelnen Themen durchaus auch KO-Kriterien gibt. Keine Partei bildet meine Meinung exakt ab, aber so ist das nun einmal.

Ich schaue mit einiger Sorge auf die Wahl – denn ich fürchte, dass am Ende etwas herauskommen wird, das eine schwierige Regierungsbildung und viele Kompromisse bei der Koalitionsbildung bedingen wird. Vor acht Jahren hatten alle drei „kleineren“ Parteien, die in den 17. Bundestag einzogen, eines meiner Herzthemen in jeweils einer mehr oder minder für mich akzeptablen Form auf der Agenda – und eine dieser Parteien opferte dieses Thema dann auf dem Altar der schwarz-gelben Koalition. Ob die anderen das genauso gemacht hätten – kann sehr gut sein, nachprüfen kann man es nicht. Mit nunmehr voraussichtlich sechs Parteien im 19. deutschen Bundestag, von denen eine wohl nicht regieren will, eine weitere von allen anderen als Koalitionspartner ausgeschlossen wird, wird das sicher nicht einfacher. Somit werden sicher nicht weniger Programmpunkte der Parteien, wegen derer eine Partei gewählt wird, auf solchen Altären der Koalitionsverhandlungen geopfert. Auch das macht die Entscheidung schwer.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass realisierbare Sachthemen Gründe für Wahlentscheidungen sein sollten. Nichtwählen ändert nichts, Protestwählen bringt keines unserer Sach-Herzthemen weiter. Ich glaube auch, dass wir mit unserer Wahlentscheidung, allen Unkenrufen zum Trotz, im Verhältnis zum Rest der Welt, in Deutschland verdammt viel verändern können. Ich selbst befürchte, dass eine Menge Leute Dinge in eine andere Richtung verändern möchten als ich – und eine Menge weiterer Leute sich beklagen, aber eigentlich nichts ändern wollen und dementsprechend wählen. Zu unterstellen, dass diese Leute die Programme und Ziele dieser Parteien, die sie wählen, nicht gelesen oder nicht verstanden haben, ist bequem. Weniger bequem ist, sich einzugestehen, dass viele von Euch da draußen etwas ganz Anderes ändern wollen als ich – oder eben nichts ändern wollen, obwohl sie sich beschweren. Aber das ist Demokratie. Das Einzige, das ich wirklich nicht akzeptieren kann, ist Leute zu wählen, die unser Mitspracherecht einschränken möchten. Laut einer Umfrage glauben viele Menschen, dass eine wohlwollende Diktatur besser und agiler wäre als unsere pluralistische, zugegeben etwas träge Demokratie. Ich glaube das nicht. Ich halte es da mit Ephraim Kishon, der schrieb: „Die Demokratie ist die beste Regierungsform, weil man sie ungestraft beschimpfen kann.“

In diesem Sinne: Bald ist Bundestagswahl. Wählt nach Möglichkeit etwas, das eine Politik formt, die Euer Mitspracherecht und Eure Interessen verteidigt. Natürlich fände ich ganz persönlich es besser, Ihr würdet alle das wählen, was ich auch wählen würde – aber hey, es nennt sich Pluralismus.

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Eichhörnchen!

Wenn man statt zu Essen in der Mittagspause eine Runde spazieren geht, fallen einem so manche Eindrücke und Bilder in den Schoß. Am heutigen Nachmittag habe ich in meiner Pause einen kurzen Spaziergang durch den angrenzenden Pfaffenwald gemacht – nicht weit von der Universität beginnt das Grüne. Kaum bog ich um eine Ecke auf dem Waldweg und konnte die Gebäude nicht mehr sehen, schon drängte sich ein anderer Eindruck auf:

Da flirrte was um einen Baumstamm herum. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die roten Blitze als zwei Eichhörnchen, die einander um den Baumstamm jagten, gut zehn Meter hoch über mir. Immer wieder verharrten die beiden Tiere, um sich dann weiter zu jagen.

Bis ich allerdings meine Handykamera am Start hatte, war eines schon über hochgelegene Äste und Zweige auf dem Weg in den nächsten Baum und viel zu weit weg. Das andere Tier verharrte auf einem Ast – und mit ein wenig Zoom kann man es sogar sitzen sehen, auf dem Bild, das ich geschossen habe. In der Eile wurd’s natürlich nur ein mäßig gutes Bild – aber vielleicht gibt das einen Eindruck von dem großartigen Nachmittag, den mit die beiden Nager verschafft haben!

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Schleife

Es wird kühler draußen, auch wenn die Sonne nun wieder herausgekommen und der Regen und Sturm vorbei gezogen sind. Dem trage ich derzeit Rechnung – und ziehe mich ein bisschen anders an. Unter anderem habe ich eine heißgeliebte Wickeljacke wieder ausgepackt: Die sieht nicht nett aus, fühlt sich wegen eines für Sport tauglichen Stoffs gut an und hält die Arme warm, weil sie halbwegs enge Ärmel bis an die Handgelenke hat.

Allerdings fiel mir beim Blick an mir herunter und beim Blick in den Spiegel auf, dass es noch ein herrliches Detail an dieser Jacke gibt: Die Schleife. Die Bänder fallen so enorm hübsch in Wellen, dass ich nicht umhinkonnte, das zu fotografieren und hier auf dem Blog zu teilen – es ist so ein Detail am Rande, das mir früher gar nicht so richtig aufgefallen ist.

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Vielleicht fällt mir sowas aus einer neuen Achtsamkeit heraus auf, die wohl mit dem Laufen und allem drumherum zu tun hat. Vielleicht fallen die Bänder auch deswegen hübscher als früher, weil durch den Sport der Bauch flacher ist. Wer weiß das schon? Jedenfalls – hab‘ ich das die Tage entdeckt und mich immer wieder drüber gefreut. Und deswegen steht es nun hier.

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Der „Left-Lane-Lurker“

Am heutigen Morgen hatte ich eine Staubegegnung, wie sie viele hassen. Sehr viele Menschen stöhnen über die Menschen, für die das Rechtsfahrgebot in der Straßenverkehrsordnung nicht einmal als Vorschlag daherkommt. Ich selbst sehe das eher gelassen. Mir ist sehr bewusst, dass häufige Spurwechsel für den Verkehrsfluss oft schädlicher sind als einfach mal ein bisschen länger auch eine linksgelegene Spur zu halten. Natürlich sind 300 bis 400 Meter zwischen zwei LKWs auf jeden Fall eine Lücke, die man gerne auch zwischen den LKWs auf der rechten Spur zurücklegen kann – aber bei 50-100 Metern hängt’s schon wieder vom Verkehrsfluss ab: Es kann mehr stören, dass man beim LKW abbremsen und Lücke suchen muss, dabei den Verkehr auf der Spur eins weiter links aus dem Takt bringt.

Der Fall heute Morgen auf der A8 war allerdings absolut glasklar. Das Ganze spielte sich am Ende des durchaus bedrückend-beeindruckenden Staus vor Pforzheim Ost ab. Ab Pforzheim West ging fast gar nichts mehr, über 20 Minuten Verzögerung erzeugte das heute früh. Wieder einmal lief es nicht nach der Verengung von drei auf zwei Fahrstreifen wieder, sondern staute sich noch bis ins Tal. Über die Gründe hierfür habe ich sicher schonmal geschrieben.

Als ich nun durch die Senke mit der auf 80km/h begrenzten Enz-Brücke hindurch war, die Autobahn wieder dreistreifig in meine Richtung wurde und das Geschwindigkeitslimit wieder 120km/h betrug, es aber steil bergauf ging, blieb da ein Lieferwagen auf der linken Spur. Aufder mittleren Spur war’s völlig frei, auf der rechten fuhren die LKWs mit etwa 70km/h den Berg hoch. Der Lieferwagen vor mit blieb links, fuhr kaum 60km/h und wurde sogar langsamer! Ich wollte ihn nicht rechts überholen, also blieb ich halbwegs auf Abstand, signalisierte ihm aber, dass er vielleicht nicht das Richtige tat – mittels Lichthupe. Er brauchte fast den halben Hang, um zu realisieren, was ich eigentlich gemeint hatte – bis dahin war es einem LKW hinter mir zu dumm geworden, zumal das Tempo auf 55km/h abgesunken war … mit geschätzten 80km/h zog der LKW rechts vorbei, als mein Vordermann gerade am Blinken war.

Der Lieferwagen fuhr dann – wohl auch erschrocken von dem rasch von hinten kommenden LKW, wegen dem er sein Einscheren rechtzeitig abgebrochen hatte – bis hinter Pforzheim Süd auf einer freien linken Spur neben einer freien mittleren Spur her … und brauchte bis halb nach Heimsheim, um schlussendlich zwei LKW zu überholen und am Ende dann doch noch einzuscheren. Himmel, an der Stelle muss ich dann doch mal sagen: Das nervt!

So ein notorischer „Triple-L“ oder auch Left-Lane-Lurker sollte vielleicht doch mal über das Rechtsfahrgebot gegriffen werden.

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Selbstverbesserung ist …

Wie war das noch in „Fight Club“? Ich beziehe mich auf den Film, das Buch habe ich (leider) noch nicht gelesen.

Jedenfalls macht Tyler Durden in genanntem Film eine Bemerkung, Selbstverbesserung sei Masturbation. Nun, das ist recht drastisch formuliert, aber gut fühlt es sich schon an, wenn man weiter und schneller laufen kann, dabei weniger wiegt und so weiter. Ein weiteres Projekt dieser Ma- … Selbstverbesserung habe ich in den letzten Wochen meiner Lauferei hinzugefügt: Mit der „Ausrede“, dass Läufer Rumpfstabilität brauchen und dafür trainieren sollten, habe ich mir hier ein paar Übungen zusammengesammelt – von verschiedenen Stellen, jeweils unter Berücksichtigung, welche Muskelgruppen sie trainieren sollen. Squats sind dabei, Planks und Side-Planks, Crunches, Brücke, auf dem Bauch liegend Oberkörper und Beine anheben …

Es ist eigentlich falsch, dass ich die Rumpfstabilität als Vorwand benutzt habe. Damit fing es nur an. Mit der Zeit merkte ich, dass sich am Bauch etwas tat, dann auch am Rücken. Zusätzlich zum Abnehmen durch die beim Laufen verbrannten Kalorien veränderte sich die Linie – die Taille bildete sich mehr aus, seitlich der Bauchmuskeln und vor den schrägen Bauchmuskeln entwickelte sich diese charakteristische Kuhle, die Kurve zwischen Rücken und Hintern war deutlicher zu sehen – mittlerweile ist tatsächlich die Rumpfstabilität nur noch die Ausrede, meine Hauptmotivation für den immer wieder variierten Cocktail an Übungen ist mittlerweile die Optik, die dabei herauskommt. Nicht, dass ich einen Sixpack will, aber ein glatter Muskelstrang zwischen Hüfte und Brustkorb, eine straffe, betonte Taille und ein knackiger Hintern sind für mich schon erstrebenswerte Ziele.

2014 bin ich viel gelaufen, dann wurde ich immer fauler. Für die Rumpfmuskulatur habe ich die ganze Zeit nicht SO viel getan. Nun habe ich das angefangen … und stelle fest, dass ein Körper für mich erreichbar ist, von dem ich in den faulen Jahren nicht dachte, dass ich ihn erreichen kann. Das ist schon eine Sache, bei der im „Fight-Club“-Zitat eine gewisse Wahrheit steckt …

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Trainingsstopp

Am Sonntag ist es so weit. Ich laufe Halbmarathon. Darauf bereite ich mich nun schon eine Weile vor, hatte die eine oder andere Woche mit Laufleistungen über 60 Kilometern, habe brav meine Rumpfstabilisierungsübungen gemacht, über Treppenläufe die Sprungkraft geschult …

Aber nun friere ich mein Training ein, damit ich völlig erholt am Sonntag das Maximum dessen geben kann, was ich über mein Training hinweg aufgebaut habe. Gestern Abend war der letzte Trainingslauf: Vier Kilometer mit meinem Mann, zwölf allein – die ersten vier deutlich langsamer als mein Halbmarathon-Tempo, die restlichen zwölf Kilometer zwölf Sekunden langsamer als mein geplantes Halbmarathon-Tempo. Freilich, wenn ich Kopfschmerzen haben sollte, werde ich die mit einem kurzen Lauf bekämpfen, wenn mein Mann am Freitag oder Samstag eine Trainingseinheit laufen mag, komme ich mit. Aber das sind alles kleinere Strecken und deutlich langsameres Tempo als meine Halbmarathon-Vorbereitung – und wenn es die genannten Anlässe nicht gibt, werde ich bis zum Sonntag gar nicht laufen. Für den Rumpf friere ich mein Training spätestens morgen ein. Dann wird auch kohlenhydratreicher gegessen als sonst, um am Sonntag mit gefüllten Speichern antreten zu können.

Ich bin bisher mit dieser Strategie immer ganz gut gefahren, also mache ich es dieses Mal wieder so. Laufsachen werden auch nochmal gewaschen vorher, so dass ich für alle Witterungen und alle Ideen, was ich anziehen könnte, die passenden Sachen auch sauber parat habe – da kommt der Trainingsstopp natürlich auch meiner Absicht entgegen.

Weiter geht’s mit dem Training vermutlich Mitte nächster Woche, wenn ich mich vom Wettkampf erholt habe. Denn am 03.10. steht ja der nächste, kürzere Wettkampf an.

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Laufen und Laune

Am gestrigen Abend habe ich es mal wieder sehr deutlich gemerkt: Laufen ist gut für meine Laune und gut für meine Gedanken.

Eigentlich war alles, was geschah, nicht schlimm: Ein verpasster Anruf, ein bisschen Stau, eine rumzickende Laufapp, noch ein paar andere Nadelstiche. Zusammen war’s zu viel für mich und nach dem gemeinsamen Lauf mit meinem Mann sank die Laune in den Keller, zumal ich – die den Schlüssel dabei hatte – vor der Haustür auch erstmal mit Laufapp und verpasstem Anruf beschäftigt war, statt aufzuschließen. Mein Mann war berechtigterweise etwas ungehalten und dazu ziemlich KO darüber, dass ich mit Handy und Schlüssel vor der Tür stand und nicht aufmachte.

Das Ganze fügte sich zu einem „Noch Mehr“ an „Zuviel“ zusammen, und ich hockte kurz an meinem Schreibtisch und die Laune sank in den Keller. Schließlich klopfte ich an der Badtür, streckte den Kopf zu meinem duschenden Ehemann ins Zimmer und erklärte: „Ich gehe noch eine Runde laufen!“ Und siehe da – es half.

Auf den ersten zwei Kilometern flaute erst einmal die schlechte Laune ab, dann wurden ganz langsam die Gedanken von Gummibändern, die in alle Richtungen zugleich zogen, zu parallel ausgerichteten, miteinander vereinbaren Strängen, in deren Zug-Gleichgewicht nach vorn und hinten meine Laufgeschwindigkeit lag. Plötzlich war ich offen für die Lösungen, die ohnehin rational schon da waren, die nur durch das „Zuviel“ keinen Zugang zu mir fanden. Natürlich wälzte ich dann Probleme und Reaktionen, wo der Kopf wieder frei dafür war – und dann, nach etwa acht Kilometern, fanden sich die Lösungen zu einem Programm zusammen. Nach zwölf Kilometern, wieder daheim, war dann alles in Ordnung, mein Plan für das Abarbeiten der eigentlich gar nicht so vielen Dinge war entstanden und beschlossen. Dann konnte ich mich auch für das Zögern beim Aufschließen bei meinem Mann entschuldigen, wieder bessere Laune vermelden und mich nach dem Duschen zum Kochen begeben.

Laufen hat bei mir oft diese Wirkung. Es kollimiert die Gedanken, richtet sie nebeneinander aus, so dass ich gemeinsame Lösungen finden kann. Die verschiedenen Tasks, die zuvor alle in verschiedene Richtungen ziehen, werden zu einem Balkendiagramm mit Aufgaben und Zeiträumen, die teils parallel, teils nacheinander abgehandelt werden können. Und die Laune steigt. Die Laune steigt dabei sogar enorm!

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