Wie die Bahn scheiterte …

… mich davon zu überzeugen, dass Bahnfahren doch nicht so toll wäre.

Vorweg: Ich habe keine ideologische Präferenz für’s Bahnfahren. Züge sind tolle Technik, aber begeistern kann ich mich für Flugzeuge, Schiffe, U-Boote – nicht so sehr für Waggons und Loks. Aber die Bahn hat als Transportmittel gegenüber den wichtigsten Konkurrenten im Personentransport entscheidende Vorteile.

  • Im Gegensatz zum Auto kann man jederzeit auf Toilette, meist auch die Augen zumachen, am Handy chatten, auf dem Laptop schreiben oder arbeiten, sich nett unterhalten …
  • Im Gegensatz zum Flugzeug kann man sich hinsetzen und gut ist. Beim Fliegen hat man den Weg zum Flughafen, das Einchecken, die Wartezeit am Gate … insgesamt ist man vielleicht schneller als mit der Bahn, aber die Reisezeit ist weder flexibel wie mit dem Auto noch ungestört wie mit der Bahn.

Die Bahn ist also für Fernreisen ein Verkehrsmittel, das ich dem Fliegen jederzeit vorziehen würde, wenn es nicht gerade eine Zeitersparnis von 50% oder mehr ergibt. Nur die Flexibilität lässt mich oft zum Auto greifen.

Heute allerdings, für einen geschäftlichen Termin von gerade mal gut zwei Stunden in München, strapazierte die Bahn die Lanze, die ich für sie breche, sehr stark. Morgens hatte ich extra einen längeren Umsteigezeitraum in Stuttgart eingeplant – 5 Minuten waren mit zu wenig, da ich Sorge hatte, dass mein IC von Karlsruhe nach Stuttgart Verspätung haben würde. Er hatte nur sehr wenig Verspätung, dafür war der EuroCity, in den ich in Stuttgart knapp hätte umsteigen wollen, satte 15 Minuten zu spät. Der ICE, den ich stattdessen gewählt hatte, brachte es auf zehn Minuten Verspätung. Alles noch im Rahmen, nicht toll, aber im Rahmen.

Auf der Heimfahrt aber kam es knüppeldick: Nachdem ich keinerlei Zeitreserve für meinen EC nach Hause hatte, hetzte ich von der U-Bahn in den Münchner Hauptbahnhof, nur um vor der Anzeige zu erstarren. „Das ist jetzt nicht denen ihr Ernst!“, entfuhr es mir in zugegeben süddeutschem Akzent. Siebzig [sic!] Minuten Verspätung. SIEBZIG! Mehr als eine volle Stunde. Alles klar, ich tappte also zum Infostand und ließ mir eine Alternative geben. Der Mitarbeiter dort meinte, mein geplanter EC werde sicher noch mehr Verspätung akkumulieren, ich solle mit anderthalb Stunden rechnen – und dann doch lieber den direkten IC von München nach Stuttgart nehmen. Ich saß also eine Stunde am Münchner Hauptbahnhof herum. Vor lauter Hetzen auf der einen und aus dem Konzept gebracht Sein auf der anderen Seite ging mir völlig ab, meine Bekannten und Freunde in München drauf zu triggern, ob man nicht vielleicht einen Kaffee gemeinsam trinken könne. Dann erreichte ich den IC, der die Alternative zu meinem EC darstellte. Der kam aufgrund technischer Schwierigkeiten erstmal zehn Minuten verspätet los – und dann ging es in Burgau erstmal gar nicht mehr weiter. Bomben-Alarm – vermutlich ein Blindgänger – in Neu-Ulm, Strecke gesperrt, Progonose: 45 Minuten weitere Verzögerung.

Ich verbrachte die Zeit mit netten Gesprächen – danke an die Ingenieurs-Studentin der TUM, den Schüler, dessen Halt in Plochingen überfahren wurde und den Abgänger der DHBW, mit denen ich tolle Gespräche führte! Bis Bruchsal war der Zug mehr als sechzig Minuten verspätet – und ich war ja ohnehin sechzig Minuten zu spät losgekommen, so dass sich meine Gesamtverspätung auf über zwei Stunden summierte.

Dennoch: Gespräche wie die in einer verspäteten Bahn findet man selten. Man lernt interessante Menschen kennen, unterhält sich nett, und vielleicht werden sogar Kontakte draus. Ich breche meine Lanze für die Bahn. Auch wenn heute alles schiefging, war nur schiefgehen kann. Aber am Ende des Tages war ich dann doch glücklich zurück. Nicht um 17:31, sondern deutlich nach 19:00. Aber ich werde auch für weitere Reisen nach München wieder die Bahn nehmen. Zwei Mal vier Stunden Autofahrt sind verschwendete Zeit. In zwei Mal vier Stunden Bahnfahrt kann man reden, denken, arbeiten … und so weiter. Und DAS ist doch mal was wert!

2018-03-02 19.01.05

[KuK] Das gibt’s doch nicht!

Heute in Bietigheim (Baden), einem eher beschaulichen Dorf zwischen Karlsruhe und Rastatt: Mein Mann und ich sind gerade auf dem Weg vom Bahnhof zurück nach Hause, da ich heute mit der Bahn von der Arbeit nach Hause gefahren bin. Auf der Dorfstraße Richtung Elchesheim, die ein Parkplatz-Slalom ist, halten wir inne: Zwei Autos kommen von links die Straße runter. Dann, nach einem Parkplatz mit Auto drauf in deren Weg, heult ein Motor auf. Auf einer innerdörfischen Straße, die alle paar Meter durch Parkplätze zu schmal ist, dass zwei Autos nebeneinander vorbei kommen würden, überholt ein Fahrer mit aufheulendem Motor, zwingt den Gegenverkehr, vor einem parkenden Fahrzeug scharf zu bremsen und schert sich nicht darum, dass dort eventuell Kinder oder auch Erwachsene über die Straße gehen könnten oder dergleichen – vom Tempolimit 50, später auf der Straße 30, will ich gar nicht anfangen!

… und das Schlimme ist: Ich habe auch im Auto schon zweimal sowas erlebt, wurde also an dieser Stelle so überholt. Weil ich halt 35-40km/h gefahren bin, da Slalom zwischen parkenden Autos nun nicht unbedingt geneigt ist, mich die erlaubten 50km/h voll ausnutzen wollen zu lassen.

Die teilnervöse A8

Am gestrigen Mittwoch hatte ich durch eine Dienstreise eine ausgedehntes Rendez-Vous mit meine gehassliebten Ex, der Bundesautobahn 8. Sie ist und bleibt ein schwieriges Ding, die gute, böse A8, aber das liegt nicht an dieser 505 Kilometer langen, mit maximal acht Fahrstreifen plus Standstreifen eher superschlanken Asphalt- und Beton-Schönheit. Nein, es liegt an ihren Befahrern – an deren Menge und an deren Verhalten. Klar, eine gewisse Rückwirkung haben solche Aspekte wie das Auf und Ab im westlichen Teil des mittleren Abschnitts.

Ah, genau. Die A8 ist ja keine durchgehend ausgebaute Autobahn wie die meisten anderen einstelligen Autobahnen. Zusammen mit der A1 und der A4 bildet sie die Minderheit derer Autobahnen, auf deren Strecken es Lücken gibt. Im Gegensatz zu A1 und A4, die nur eine Lücke aufweisen, kanndie A8 sogar mit zweien aufwarten: Zwischen Pirmasens und Karlsruhe fehlt ein langes Stück – so wie auf der A4 zwischen Gummersbach und Kirchheim oder bei auf der A1 zwischen Euskirchen und dem Dreieck Vulkaneifel. Einzig-A8tig ist aber die Lücke in München: Am westlichen Stadtrand endet sie, der Fernverkehr muss auf der A99 um München herumfahren – und im Südosten Münchens geht sie weiter – die einzige drei-abschnittige Fernautobahn Deutschlands. So eine ist ist sie also, die A8 – eine gewisse Exzentrizität kann man ihr somit nicht absprechen. Sie verläuft ja auch nicht durch das Zentrum Deutschlands, sondern durch seinen Süden.

Aber ich komme – gerne und bewusst – vom Thema ab. Die Befahrer der A8 scheinen tatsächlich ein wenig unterschiedlich drauf zu sein. Natürlich: Wenn zwischen München und Ulm, im „östlichen Teil des mittleren Abschnitts“ wenig los ist, kaum Steigungen vorliegen und so weiter, dann geht es natürlich einfach, halbwegs unnervös auf einer sechsstreifigen Autobahn zu fahren. Aber seltsamerweise ist auch der Teil auf der Albhochfläche, zwischen Stuttgart und Aichelberg, nicht all zu nervös. Erst um Stuttgart und dann bis kurz hinter Pforzheim hat man den Eindruck, dass jeder unbedingt vorbei muss. Egal, ob er 0,5 oder 200km/h schneller ist als der eins weiter rechts. Das sorgt für massive Probleme – und ich glaube, tatsächlich einen Mentalitätsunterschied bei den Fahrern zu erleben. Da stellt sich doch die Frage: Sind wir Baden-Württemberger so viel unentspannter als die Bayern? Andererseits habe ich auch auf der A1 nervöse und weniger nervöse Abschnitte identifiziert – Bremen-Dortmund ist ganz schön fies, Hamburg-Bremen dagegen sehr angenehm, und auch Dortmund-Köln fährt sich ganz angenehm.

Seltsam eigentlich, nicht?

Crosstalk Mk2

Heute früh bin ich mit der Bahn zur Arbeit gefahren. Das geht ganz gut und ist recht entspannt, da man nicht auf so viel achten muss, nebenbei lesen kann und auch ansonsten in vielerlei Hinsicht entspannter sein kann als hinter dem Steuer. Wenn … ja, wenn da nicht all die anderen Leute in der Bahn wären.

Nein, ich würde mich nicht für eine Misanthropin halten. So schlimm war es auch nicht. Ich muss aber schon sagen, dass mich manche Verhaltensweisen und manches Umgehen mit Elektronik schon ein wenig stören. Ich selbst habe natürlich auch am Handy gespielt und auf meinem Tolino gelesen. Nun, da ich das erste, von einer Freundin als klassisches, physisch vorhandenes Buch ausgeliehene Buch aus der „Anne-of-Green-Gables“-Reihe endlich durch habe, fing ich das elektronisch vorhandene zweite Buch an. Nicht, dass das „endlich“ bedeuten würde, dass ich es nicht mochte – ich hatte nur so furchtbar wenig Zeit zum Lesen.

Aber zurück zu der Elektronik um mich herum. Dass jeder ein Handy und/oder einen E-Reader und/oder ein Tablet bei sich hat, wenn er oder sie den ÖPNV benutzt, ist ja durchaus Realität. Das kann man schlimm finden, ich find’s gut. Man kann so die Zeit unterwegs gut nutzen, und bei vernünftigem Umgang damit versagt man sich auch keine zufälligen Gespräche, die dann oft die besten sind. Aber gerade bei Smartphones sollte man sich klar machen, dass noch andere Leute im Zug sind, die vielleicht auch die Konzentration auf ihre Gedanken ohne Ohrstöpsel genießen möchten. Zwei Sitze entfernt saß jemand mit Kopfhörern – und bekam ganz offenbar nicht mit, dass in unregelmäßigem Minutentakt sein Handy einen mehrsekündigen SMS- oder Message-Benachrichtigungston abspielte, der mich jedes Mal aufmerken ließ. Das ist etwas, das ich nicht verstehe. Mein Telefon ist meistens auf stumm gestellt, macht sich nur durch Vibration bemerkbar. Ich trag’s ja eh meist am Körper oder es liegt auf einem Tisch, wo man das dann merkt. Steckt das Telefon in der Handtasche, merke ich es auch, da sich die Vibration auf den Trageriemen der Handtasche überträgt.

Oder, um meine Empörung mit einer Zitat-Reihe aus „Jagd auf roter Oktober“ zu illustrieren: „Die pingen wie wild in der Gegend herum und keiner hört darauf.“ – „Keiner hört darauf?“ – „Die fahren so 33 Knoten. Da könnten sie über die Stereoanlage meiner Tochter fahren, ohne sie zu bemerken.“

Genauso darf gerne das Telefon an’s Ohr, wenn man telefoniert. Dann sind Lautsprecher und Mikrofon näher an den relevanten Körperteilen und niemand muss die Äußerungen meines Gesprächespartners mithören – und idealerweise meine auch nicht so sehr.

Ich seh‘ ein, dass auch akustische Signale wichtig sein können. Aber dann doch bitte nur die wichtigen – und nur, wenn auch wer drauf hört. Idealerweise vor allem für den hörbar, der tatsächlich drauf hört und nicht so sehr für alle anderen.

Wenn‘s doch mal passiert …

Gestern auf der Heimfahrt passierte es doch mal. Mir ist es durchaus sehr wichtig, regelgerecht, vorausschauend und fair zu fahren. Der Schulterblick gehört fest dazu, die nötige Aufmerksamkeit auch. Doch gestern Abend bemerkte ich den Anderen erst, als ich auf die mittlere Spur rüber fuhr und er – mit genug Abstand, er hatte aufgepasst und ich zumindest ein bisschen – nach ganz links auswich. Auch dort fuhr in dem Moment niemand, also war der Vorgang damit rein physisch erledigt.

Mein erster Impuls war der Gedanke: „Huch, ist der nun von rechts rüber, hat stark beschleunigt und ich habe nicht bemerkt, dass er neben mich kam?“ Aber ich kann es nicht sagen. Ich hatte schlicht kein Fahrzeug gesehen, das in meinem Weg sein hätte können, als ich hinter dem LKW weg auf die mittlere Spur wollte. Da ich den anderen Wagen nicht gesehen hatte, sagt: Irgendwo habe ich nicht aufgepasst oder durch Regen und Dunkelheit bedingte, schlechte Sicht nicht ausreichend berücksichtigt.

Mein Fehler. Der andere hat zurecht gehupt. Und passiert, ja, so richtig im Sinne eines Unfalles passiert ist zum Glück nichts.

Echt jetzt?!?

Heute auf der B35 kurz nach dem „Kreuz“ mit der B35a. Ein LKW hat eine Panne, das Warndreieck liegt 20 Meter vor ihm auf der rechten Spur. Vor der Verengung von zwei auf eine Spur staut’s natürlich. Ich blinke, bin eigentlich dran mit dem einfädeln, vor mir sind alle schon nach links rüber.

Was macht das Hardtop-Cabriolet in Kobaltblau links hinter mir? Ja, es lässt ca. drei Meter Platz, eine Pseudo-Lücke. Statt sie aber weiter aufzuziehen, macht der Fahrer die Lücke dicht und lässt mir die Wahl: abrupt abbremsen und warten, bis sich jemand erbarmt, die stehende Fahrerin reinzulassen, was ja aufwändiger ist, als mitrollenden Verkehr Reißverschluss machen zu lassen, oder die Standbeine des umgefallenen Warndreiecks über meinen Wagenboden kratzen zu lassen. Man kann ihm bestenfalls zugutehalten, dass er das umgefallene Warndreieck gar nicht gesehen hat, ich hab’s ja auch erst spät gesehen. Aber wenn man sieht, dass alle an derselben Stelle 20 Meter vor dem stehenden LKW rüberziehen, könnte schon eine gewisse Erkenntnis eintreten …

Ich habe gebremst und zehn Autos lang warten müssen, plus fünf Schlaumeier, die hinter mir und meinem Hintermann die vom Verkehr auf der linken Spur für mich aufgezogenen Lücken dicht machten, in dem sie aus der Schlange rechts nach links zogen.

Sobald etwas Unerwartetes passiert, kann man zivilisiertes Verhalten im Straßenverkehr echt nicht mehr erwarten.

[KuK] Effizienz in Tüten

Heute morgen auf der A5: ein LKW mit Calwer Nummer überholt drei LKW und einen Bus. Raumgewinn in der Größenordnung von 200m, bestenfalls. Bei Tempo 80km/h sind das 9 Sekunden Zeitgewinn. Dauer des Manövers: vom Parkplatz Höfenschlag bis zur Anschlussstelle Bruchsal, also ca. 10km bei einer Geschwindigkeitsdifferenz zur rechten Spur von 1,6km/h … Dauer des Überholvorgangs: 7:30.

Lohnt es sich wirklich, für neun Sekunden Zeitgewinn fast acht Minuten lang eine Spur zu blockieren? Jeder Fußgänger ist schneller an einem stehenden LKW vorbei!

Den Stress, den LKW-Fahrer ertragen müssen, erkenne ich an. Die allermeisten benehmen sich für den Druck, der auf ihnen lastet, und den Hungerlohn, den sie dafür bekommen, bemerkenswert rücksichtsvoll. Aber mit solchen Aktionen gewinnt man nichts und stört den Ruf der LKW allgemein.

Wen meint der jetzt?

Heute früh auf der A8, zwischen Pforzheim West und Pforzheim Ost: Stau, wie immer und noch ein bisschen mehr. Wegen der nächtlichen Sturmschäden sind wohl einige auf’s Auto umgestiegen, vielleicht lagen auch ein paar Äste auf der Autobahn, so dass es schon früher gestockt hat – und in der Rush-Hour baut sich sowas nicht ab.

Hinter mir gab ein Lieferwagen Lichthupe – ich befand mich auf der mittleren Spur, recht weit rechts und stand. Nebenbei checkte ich, wie lang der Stau noch sein würde – vor mir stehendes Fahrzeug, hinter mir stehendes Fahrzeug. Dann ging es langsam weiter und ich realisierte: Hinter dem Lieferwagen blinkte es blau. Dann fuhr ein Zivilfahrzeug mit Blaulicht, Böblinger Kennzeichen und Blaulicht durch die sich bildende und teils schon gebildete Rettungsgasse. Auf dem Blaulicht-Aufsatz des Fahrzeugs blinkte Richtung vorne in roter LED-Schrift: „STOP!“ und dann „Polizei!“ und dann wieder „STOP!“. Nach hinten war keine LED-Schrift auf dem Panel, da sah man nur das Blaulicht. Das Fahrzeug fuhr durch die Rettungsgasse und ich habe es nicht wieder gesehen, nicht am Rand der verstauten Strecke und auch sonst nicht, als es wieder lief.

Mittlerweile denke ich, dass dieses LED-Panel mit dem „STOP!“ einfach sicherstellen sollte, dass niemand die Rettungsgasse zufuhr, damit das Fahrzeug zu seinem wie auch immer gearteten Einsatzort fahren konnte. Aber im ersten Moment dachte ich: „Schert der jetzt vor mir ein? Was habe ich falsch gemacht? Bei vier stehenden Rädern und verdeckt von einem Lieferwagen werde ich ja wohl in Google Maps von der Navi- in die Übersichtsansicht gehen dürfen, mitten im Stau?“ Er scherte nicht vor mir ein. Allerdings – und das war besonders irritierend – ließ das Zivilfahrzeug neben dem Lieferwagen einen Moment all dieses Geblinke laufen und fuhr eben nicht vorbei, obwohl der Lieferwagen, meine Wenigkeit und die Truppe auf der linken Spur Platz gemacht hatten.

Rampenpampe

Am vorgestrigen Abend war die Autobahn frei wie lange nicht mehr. Am Stuttgarter Kreuz ging’s ohne jede Stockung trotz der Baustelle an der Brücke über die Landesstraße von der A831 auf die A8. Auch in Pforzheim war vergleichsweise wenig Stockung.

Aber die Rampen! Es gibt mehrere große Rampen auf der A8, manche fahre ich morgens hoch und abends runter, andere umgekehrt. Eine Rampe, die ich abends hochfahre, und die mich beinahe zur Weißglut bringt, ist jene von Leonberg hoch nach Rutesheim. Die ist auf den ersten Blick nicht sehr steil – aber hat es durch die Länge und die konstante Steigung eben doch in sich. Dort denkt jeder, PKW wie LKW, er wäre unglaublich viel schneller als der Vordermann, weil’s ja plötzlich immer langsamer wird. Es geht einfach unmerklich, aber verhältnismäßig steil den Berg hoch. Unmerklich, aber verhältnismäßig steil, fragt Ihr? Was schreiben die Highway Tales hier für einen Mist? Nun – die Steigung ist nicht ganz so ohne. Aber die Autobahn ist hier breit, beidseitig dreistreifig ausgebaut, neu, glatt. Ringsum scheint die Landschaft bis auf die Lärmschutzwälle verhältnismäßig eben oder zumindest, wie man im Englischen sagen würde, „gently rolling“. Dass die Landschaft dabei dennoch Richtung Westen ansteigt, merkt man gar nicht so richtig. Daher scheint es eben zu sein, aber es geht in Wirklichkeit eben doch ganz schön aufwärts. In vielen Autofahrern geht dabei der Gedanke vor: „Meine Güte, die Tachonadel sinkt. Der Vordermann wird langsamer. Ich kann bestimmt schneller, es ist ja nicht bergig.“ Konsequenz: Ausscheren. Merken, dass es doch nicht schneller geht. Derweil ist die Lücke rechts zu. Machen PKW und LKW gleichermaßen. Unterstelle ich diese Gedanken nur? Wenn ja, dann nur, indem ich von mir auf andere schließe. Ich kenne diesen Gedanken, inzwischen weiß ich es besser.

Der Effekt am Ende ist, dass auf der linken Spur 102km/h gefahren werden, auf der mittleren 95km/h und auf der rechten 88km/h. Quälend langsam zieht man aneinander vorbei, alle Abstände sind zugefahren. Ein Fahrfehler, ein Bremsen läuft durch den ganzen Zug und alles fährt nur noch halb so schnell. Das passiert fast jeden Tag, so häufig wie – oder häufiger als! – der übliche Einfädelstau am Stuttgarter Kreuz.

Dann gibt’s da noch die andere Rampe. Die fahre ich runter, jeden Abend. Karlsbad bis Dreieck Karlsruhe. Das ist nun keine gerade, unmerkliche Rampe, das fühlt sich richtig „alpin“ an, auch wenn’s „nur“ die nördliche Abdachung des Schwarzwaldes ist, die hier in die Rheinebene abfällt. Zuerst geht es recht steil runter, rechts ist ein Hang im Blick, links geht’s runter auf die Gegenfahrbahn, dann noch tiefer nach Grünwettersbach und das zugehörige Tal, dann steigt der bewaldete Boden wieder an. Etwa auf halber Höhe gibt’s eine leichte Linkskurve, dann läuft die abfallende Autobahn langsam in Richtung Karlsruher Dreieck aus. Im oberen Teil der Abfahrt ist Tempo 120km/h vorgeschrieben, die meisten kommen von der windigen Ebene zwischen Palmbach und Stupferich recht schnell an – sehen den Hang und bremsen. Und bremsen. Und bremsen. 120km/h? Nie! Da geht’s ja runter! 100km/h, bestenfalls, oft sogar weniger, nicht nur die LKW. Dann kommt die leichte Linkskurve, plötzlich sehen alle: Da kommt das Karlsruher Dreieck, keine Kurve mehr voraus, lassen wir laufen – nur dummerweise sind hier 100km/h vorgeschrieben, die – wenn nicht gerade Rückstau von der A5 ist – oft maßlos überschritten werden. Die 100km/h einhaltende Fahrer werden bedrängelt. Für die Fahrer, die nach Süden auf die A5 fahren, geht’s dann in einer sanften Linkskurve unter der Gegenfahrbahn durch – und dahinter gibt’s einen Feldweg, von dem aus oft geblitzt wird. Unter der Brücke bremsen die ganzen Schnellfahrer dann von 130km/h auf 90 ab …

Warum mich das so ärgert? ICH würde eigentlich gerne meine erlaubten 120km/h von der Strecke zwischen Anschlussstelle Karlsbad und dem Beginn der Abfahrt durch den oberen Teil der Abfahrt retten – einfach rollen lassen, dabei kommt zumindest mein Auto im fünften Gang sogar noch auf 125km/h bis 130km/h, verliert dann langsam im Bereich des 100er-Schilds auf vielleicht 110km/h und in der flacheren Strecke bis zur Brücke unter der Gegenfahrbahn sind’s 95km/h – ohne gebremst zu haben. Ohne das Gas berührt zu haben. Quasi verbrauchslos – an Sprit wie auch an Bremsbelägen. Auf leerer Autobahn tiefnachts habe ich es ausprobiert – oben mit 120km/h in den Berg, an keiner Stelle mehr als 10km/h zu viel, unten mit 95km/h in den Gegenhang der Rampe auf die A5 Richtung Süden. Mehr als eine Minute einfach rollen lassen und nur steuern. Ein Traum!

In der Realität braucht’s keinen Stau von der A5 Richtung Norden auf die A8, dass das nicht klappt. Im oberen Bereich der Strecke, wo 120km/h erlaubt sind, werde ich bei 115km/h ausgebremst. Im unteren Teil, wo 100km/h erlaubt sind, werde ich bei 110km/h bedrängelt. Man sollte meinen, die Leute haben zu viel Geld, wenn sie für nichts und wieder nichts Sprit aufwenden, um ihre Bremsbeläge abzuschaben. Die könnten mir das Geld doch stattdessen auch überweisen? Zeitlich bringt’s ihnen nichts.

Blöde Rampenpampe!