Die Spurwechsel-Schere

Vorkommen: Auf je Richtung drei- oder mehrstreifigen Straßen, auch an Zusammenführungen und Einfädelspuren. Geschwindigkeit ist hierbei egal, wobei das Ganze bei hohen Geschwindigkeiten wesentlich gefährlicher ist.

Symptome: So simpel wie problematisch: Von links und von rechts möchte je ein Fahrer auf die Spur zwischen den beiden wechseln. Dort ist zwar Platz, aber nicht für beide, da beide Autos entweder auf selber Höhe der Straße fahren oder bei stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten nach Spurwechsel dasselbe Stück der Zielspur beanspruchen würden. Wenn das Ganze von einem oder beiden früh abgebrochen wird, kein Problem. Aber so bald mal beide teils auf der Zielspur sind, werden Korrekturen manchmal hektisch und gefährlich – ganz abgesehen von den fatalen Folgen, wenn es dann keine Korrektur gibt!

Unterstellte Ursachen: Zufall spielt eine Rolle. Aber es gibt zwei oder drei Kriterien, die das Problem verschärfen. Erstens: Das Verhalten des umgebenden Verkehrs. Das Problem liegt manchmal darin, dass zum Beispiel ein sehr langsamer PKW über eine längere Phase ein bis zwei LKW-Längen hinter einem LKW her fährt – nur nicht auf derselben Spur, sondern einen Fahrstreifen weiter links. Dadurch entsteht eine Stelle, an der Fahrer auf der rechten Spur, die den LKW gerne überholen, aber so lang wie möglich so weit wie möglich rechts bleiben wollen – gemäß Rechtsfahrgebot – gerne nach links Spurwechseln wollen. Zugleich wollen viele Leute nicht zu lange auf der linken Spur fahren. Zweitens: Die Struktur der Spuren – dann am Ende eines Fahrstreifens muss man links oder rechts rüber, teils ergeben sich dort aber auch scheinbar attraktive Stellen zum Spurwechsel in die andere Richtung. Drittens – und der ist ganz wichtig: Fehlender Schulterblick, egal ob beim Spurwechsel nach rechts oder links! Wenn man Spiegel-Beobachtung und Schulterblick macht, ist es recht unwahrschelnlich, dass man gleichzeitig blinkt, erst recht, dass man gleichzeitig das Spurwechselmanöver einleitet oder gar fortsetzt. Oh, genau, viertens: Nicht blinken! Woher soll man denn etwas wissen, das man nicht weiß, oder auch: Wie soll ich sehen, dass der andere einen Spurwechsel plant, wenn er es mir nicht anzeigt. Fünftens: Ich beobachte oft, dass ein Fahrer auf einer Spur weiter links im toten Winkel des weiter rechts fahrenden Vordermannes oder der Vorderfrau verharrt, wohl in der Befürchtung, derjenige könnte ausscheren. Aber in meinen Augen sollte man, wenn man schon SO nah dran ist, dann lieber vorbeifahren – egal, ob man ein, zwei oder drei Spuren weiter links fährt. Mach ich aber leider auch nicht immer.

Nervfaktor: Extrem! Als beteiligter Verkehrsteilnehmer flattere ich danach immer sehr heftig. Vor allem, wenn es schon eine Lenkradbewegung bei mir gab. Dazu ist natürlich die Unfallgefahr dabei ziemlich groß, und ein Unfall ist das nervigste überhaupt auf der Straße, selbst wenn er glimpflich ausgeht!

Anmerkung: Die Spurwechsel-Schere ist ein Spezialfall. Eine häufigere – wohl als Oberbegriff z.B. der Spurwechselschere zu sehende – Kategorie von Phänomenen betrifft eben Spurwechsel, bei welchen die Zielspur schon besetzt ist, oder wie bei der Schere, gerade besetzt wird.

Die Geschwindigkeitsinversion

Vorkommen: An Zusammenführungen zweier Strecken, besonders stark dort, wo zwei oder mehr Spuren von rechts mit einer zwei- oder mehrspurigen Strecke zusammengeführt werden. Kann aber auch an vielen anderen Orten auftreten und ist oft ein Teilaspekt, vielleicht sogar nur ein Symptom eines größeren Problems.

Symptome: Statt von rechts nach links steigt die Geschwindigkeit des (langsam) fließenden Verkehrs über längere Zeit und Strecke hinweg von links nach rechts an. Normalerweise sollten ja die langsamsten Fahrzeuge auf der rechten Spur fahren, wer etwas schneller ist, überholt auf der nächsten Spur weiter links – und so weiter. Bei einer Geschwindigkeitsinversion ist das Gegenteil der Fall. Man könnte sicher auch das unregelmäßige, mehr oder minder abwechselnde Vorankommen und Stehen bei mehrspurigem Stop-And-Go als Geschwindigkeitsinversion betrachten, das möchte ich aber nicht tun.

Unterstellte Ursachen: Rabiater Spurwechsel nach links, oft gekoppelt mit dem Anspruch, auch schneller zu fahren als der Durchschnitt der Spur weiter links. Zum Beispiel am Leonberger Dreieck: Zwei Fahrstreifen A81 von Heilbronn von rechts, zwei Fahrstreifen A8 von Karlsruhe her von links. Die LKW aus Karlsruhe dürfen zunächst nicht nach recht wechseln – und können es wegen eher kurzer Lücken auch nicht. Aber da nun einmal auf der zweiten Spur von links und auf der ganz rechten „schleichende“ LKW fahren, müssen plötzlich sehr viele Fahrer nach links, um dort – vermeintlich schneller zu werden. Die Abstände sinken massiv, es kommt zu Stockungen auf den überfüllten Spuren. Und schon hat man auf der stockenden linken Fahrbahn das, was einem unterstellterweise vor allem hinter langsamen LKW auf der rechten Spur passiert: Der fließende Verkehr auf der Zielspur ist zu schnell, um in ihn hinein zu wechseln. Die überfüllte linke Spur kann sich also nicht auf die nächste weiter rechts entlasten – und wenn doch, wird auch dort der Verkehr oft zum Stocken gebracht, weil die Fahrer plötzlich bremsen müssen. Ergebnis: Auf der rechten Spur und auf der zweiten von rechts geht es recht flott voran, links davon langsam bis sehr langsam mit Stockungen, am langsamsten ganz links.

Nervfaktor: Hoch. Meistens hält das Ganze – mindestens am Dreieck Leonberg – gekoppelt mit etwas, das ähnlich wie die Senkenstockung funktioniert, recht lange an – in Strecke wie Zeit. Außerdem sind die langsamen, von links nach recht ziehenden Spurwechsler oftmals weniger achtsam als jemand, der von rechts nach links wechselt – merke ich auch an mir selbst. Steht oder schleicht man auf der langsamen Spur, ist’s super-nervig, wird man von Ausscherern zum raschen Bremsen oder von Hinterleuten zum schneller Fahren auf den schnelleren, weiter rechts liegenden Spuren genötigt, ist’s nicht nur nervig, sondern auch gefährlich.

Die Senken-Stockung

Vorkommen: Vor und in Senken auf der Autobahn – Zahl der Richtungsfahrstreifen und ob es nach der Senke mehr werden, erscheint nahezu unerheblich zu sein. Bei Tempolimit in der der Senke vorangehenden Abfahrt scheint der Effekt stärker zu sein. Tritt schwächer auch bei wenig Verkehr auf, bevorzugt aber bei dichtem Verkehr.

Symptome: Kurz vor einer Senke, in der Senke und kurz danach verlangsamt sich der Verkehrsfluss erheblich, oft bis zum Stillstand.

Unterstellte Ursachen: Starker Steigungswechsel bedingt, dass die Geschwindigkeit sich ändert – egal, bei wem. Die Abstände schrumpfen, kleine Störungen schaukeln sich bei geringen Abständen schneller auf. Bergauf muss man runterschalten – das wird oft vergessen oder zu spät gemacht. Zusätzlich an Stellen, an welchen ein (verhältnismäßig niedriges) Tempolimit gilt: Bergab scheint es akzeptabel, einem LKW mit 85km/h zu folgen – bergauf ist die rechte Spur mit 75km/h oder weniger absolut inakzeptabel für viele – Resultat ist nicht selten eine massive Spurwechselwelle von rechts nach links, was die Abstände noch mehr verkürzt und die Verstärkung von kleinen Störungen massiv erhöht – und durch fehlenden Schulterblick oder rücksichtsloses Ausscheren zusätzliche Störungen einführt.

Nervfaktor: Mittel. Einerseits kann einem das Ganze sehr unnötig vorkommen, auf der anderen Seite ist der Spuk nach der Senke oft recht schnell vorbei.