Ausreden

Nach einem furiosen April, in dem ich viel zu sagen hatte, einen neuen Mitautoren gewann und so viel in einem Monat lief, wie noch nie in einem Monat zuvor, beginnt der Mai eher langsam. Das liegt daran, dass ich Gründe – oder Ausreden? – für die meisten üblichen Verdächtigen, über die ich normalerweise blogge, und auch ein bisschen für die Zeit habe, die ich normalerweise zum Bloggen verwende.

Beim Laufen ist gerade so etwas ähnliches wie das berüchtigte „Tapering“ angesagt, die Reduktion des Trainingsumfangs vor dem Wettkampf. Im Mai habe ich zwei Wettkämpfe – die Badische Meile über 8,88 Kilometer am morgigen Sonntag, den sechsten Mai in Karlsruhe. Da habe ich natürlich schon ein bisschen die Intensität heruntergefahren, in der ersten Maiwoche. Am Maifeiertag gab’s nochmal ein Intervalltraining, seit dem ist Ruhe angesagt. Die Badische Meile selbst betrachte ich aber immer noch als Vorbereitungswettkampf, denn am zwölften Mai geht’s nach Mannheim zum Halbmarathon. Daher werde ich die Badische Meile als „Vorbereitung“ betrachten und einfach mal schauen, ob ich es hinbekomme, mich nicht von jedem vor mir herausgefordert zu fühlen. Wir werden sehen, ob es klappt – eine Zeitvorgabe für die Badische Meile habe ich mir nicht gesetzt, beim Halbmarathon strebe ich unter 100 Minuten. Natürlich verändert die wettkampfbedingte Veränderung des Rhythmus auch ein bisschen die Themen, die mir einfallen.

Aber ein neuer Termin steht nun auf meinem Sport-Jahresplan fest: Ich habe mich zum Campus-Run der Uni Stuttgart angemeldet. Dieser Wettkampf gehörte fest zu meinem Plan – wenn er denn stattfand. Zweimal war das bisher der Fall, 2014 und 2017. Auch wenn ich nun nicht mehr in Stuttgart arbeite, möchte ich weiterhin dem Campus-Run meine Aufwartung machen, zumal ich bei zwei Durchführungen des Campus-Run bereits dreimal angetreten bin. Wie das geht? Ganz einfach: Der Campus-Run besteht aus mehreren Wettkämpfen und im ersten Jahr, 2014, liefen meine damalige Laufpartnerin und ich gemeinsam in ihrem Tempo den Sechs-Kilometer-Lauf und ich allein den Zwölfer. Wenn ich dieses Jahr wieder beim Zwölfer teilnehme, habe ich immer noch eine Urkunde mehr vom Campus-Run, als es Termine gab. Ich bin gespannt, ob meine Ex-Kollegen, von denen einige 2017 gerne mitgelaufen wären, aber verhindert waren, dieses Jahr dabei sind. Als gemeinsamen Teamnamen bin ich schonmal mit „Fast Neutrons“ vorgeprescht, da ich ja an einem kerntechnischen Institut in Stuttgart arbeitete.

Durch mehrere Termine am Anfang des Mais, die sich alle schön überschneiden, ist zudem nicht einmal Zeit für alle Termine, geschweige denn zum vielen Bloggen. Denn: Unser Haus ist ja, wie ich berichtet habe, eingerüstet. Da wird gestrichen, und im Rahmen dessen, wie ich kann, bin ich natürlich dabei. Außerdem hat das Laufen Kreise gezogen – ich unterstütze heute Nachmittag eine Freundin beim Kauf von neuen Schuhen. Das geschieht dann auf dem Weg zwischen Abholen der Startnummer für die Badische Meile und einer Geburtstagsfeier – und morgen werde ich von der Badischen Meile aus direkt zu Freunden in Karlsruhe gehen, Duschen und dann Rollenspiel leiten. Bei der Eröffnung des japanischen Teehauses im Japangarten in Karlsruhe konnte ich gestern nicht dabei sein, weil ich arbeiten musste – und da sich Veränderungen abzeichnen, war es auch wichtig, gestern auf Arbeit zu sein, um alles rechtzeitig auf die Reihe zu bekommen. Dazu schreibe ich vielleicht aber mehr, wenn die Dinge spruchreifer und sowohl objektiv als auch emotional besser geordnet sind.

Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass ich im April mehrere Rekorde gebrochen habe: Ich hatte meinen allerschnellsten Kilometer beim Intervalltraining mit 4:05 – so schnell war ich noch nie. Ich bin fast 250 Kilometer in einem Monat gelaufen – das ist auch Rekord, bisheriger Top-Monat war der Oktober 2017 mit 242. The Highway Tales hat zudem mit dem April 2018 seinen bisher stärksten Monat an Aufrufen, Besuchern, Likes und Kommentaren erfahren, was mich sehr freut – auch wenn dieses etwas konfuse Blog natürlich ein „kleines Licht“ am Himmel der Blogosphäre ist.

Ich frage mich gerade, ob ich am Ende ausgeredet habe oder Ausreden präsentiert habe.

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Universal-Übersetzer und Namen

Ich muss gestehen, ich bin irritiert. Mein Mann liest mir ja Perry Rhodan vor, und da gab es heute eine Szene, die mich zum Nachdenken gebracht hat. „Heute“ ist dabei natürlich relativ. Wir sind derzeit in einem der Silberbände, es geht um die Herren der kleinen Magellan’schen Wolke. Aber zur Sache:

Die Terraner unter Perry Rhodan besitzen Universalübersetzer, die aus einigen Worten eine erste Bedeutung herauslesen und das Ganze dann immer weiter verfeinern, um von fremden Sprachen ins bei den Terranern gebräuchliche Interkosmo zu übersetzen und umgekehrt. So weit, so klar. Das gibt’s ja mit verschiedenen Erklärungen, wie es funktioniere, in vielen SciFi-Welten. Dass sich die Geräte aus den Sprachmustern der anderen deren Sprache erarbeiten, mag vereinfacht sein – und somit besser funktionieren, als es nach dem gegebenen Prinzip funktionieren könnte – dafür ist es ja Fiktion. Gerade bei sehr fremden Sprachen oder gar sehr fremden Kommunikations-Konzepten, die eventuell über elektromagnetische Wellen, Gesten, Infra- oder Ultraschall funktionieren, wird das Wirkprinzip einer solchen Maschine klar: Sie erfasst Konzepte, Begriffe, Beschreibungen und überträgt sie in eine andere Sprache. Aus meiner Sicht kann eine solche Maschine z.B. das Wort „Inuit“ nur mit „Menschen“ übersetzen, oder mit „Volk der Menschen“, wenn es als Sammel- und Oberbegriff für die Volksgruppe benutzt wird. Bei einer Maschine, die so übersetzen lernt und dann adaptiv besser werdend übersetzt, wird man nicht Lehnwörter aus der anderen Sprache übernehmen, denn die Maschine ist ja gerade auch für das Übersetzen gedacht, wenn die Kommunikations-Formen ohne zwischengeschaltete Maschine inkompatibel sind, egal wie sehr der Sprachapparat der Menschen sich verbiegt.

Warum nun gibt es in Silberband 44 „Alarm für die Galaxis“ bei Perry Rhodan die „Baranos“, die in menschlicher Sprache nicht „Ansiktos“ genannt werden wollen? Da sich die Baranos in Ultraschall unterhalten, übersetzt der Universalübersetzer die Eigenbezeichnung der Baranos für sich in ihrer Ultraschall-Sprache erstmal intern in „Eigenbezeichnung der Wesen, deren Rede ich gerade übersetze“ und verbindet das dann mit einem menschlichen Begriff in Interkosmo, das in Perry Rhodan praktischerweise mit Deutsch modelliert wird. Ob unsere Freunde nun Ansiktos oder Baranos genannt werden, in der Kommunikation zwischen den Menschen und dem Übersetzer, ist völlig egal. In der Sprache der Baranos wird der Universalübersetzer das Ultraschallsprachen-„Wort“ der Baranos verwenden, das diese selbst benutzen. Ob die Menschen nun „Ansiktos“ oder „Baranos“ oder „Werauchimmeros“ sagen, ist mit der (dank Schall-zu-Ultraschall-Konversion unverzichtbar) zwischengeschalteten, auf abstrakte Begriffe als Zwischenebene reduzierenden Übersetzereinheit völlig unerheblich – die Baranos merken es nicht mal.

Natürlich ist diese Logik-(ich sage bewusst nicht: Realismus-)Fehler einem Konzept geschuldet, das in der Kommunikation zwischen Menschen und anderen, anderssprachigen Menschen immer wieder vorkam. Wir eignen uns einzelne Worte als Lehnworte an, insbesondere auch Eigenbezeichnungen anderer Ethnien. Das geht, weil unsere Stimmbänder, Zungen, Lippen und Ohren kompatibel, von einer Spezies sind. Bei inkompatiblen Kommunikationsformen muss der Übersetzer auf eine abstrakte Zwischenebene – und damit entfällt das Konzept der Lehnworte. Einzig Assoziationen und Doppeldeutigkeiten können noch zu Problemen führen, wie zum Beispiel im Deutschen das Wort „Bitte!“ vieles bedeuten kann, das im Englischen zum Beispiel eigene Worte besitzt: „Please!“ und „You’re welcome!“ wären Beispiele. Wenn die Übersetzungsmaschine das nicht voll auf die Reihe bekommt und/oder Doppeldeutigkeiten mit übersetzt, die in der anderen Sprache gar nicht gehen oder missverständlich sind, kann es zu Konflikten kommen. Bei Phantasie-Namen ohne offensichtlichen Bezug zu anderen Begriffen – wie Baranos oder Ansiktos – halte ich das jedoch für unwahrscheinlich.

Aber vermutlich bin ich spitzfindig oder übersehe etwas.

Nachts in der Gedankenausstellung

Natürlich spielt der Titel dieses Beitrages auf den Film „Nachts im Museum“ an. Ich habe versucht, in Anlehnung an das Wort „Museum“, das als „Museion“ aus dem Griechischen kommt, aus dem Gedanken (Dianoia) analog dazu das Wort Dianoion oder latinisiert Dianoium zu konstruieren, weil mir der Begriff „Denkarium“ aus der Übersetzung von Harry Potter unsauber konstruiert erscheint. Da ich aber auch nicht gerade ein Champion des Altgriechischen bin, habe ich mich nicht getraut, die vermutlich mangelbehaftete Konstruktion des Dianoiums in die Überschrift zu nehmen.

Halt mal! Ich habe Euch abgehängt? Kann ich mir gut vorstellen, denn meine Gedanken gingen gerade schon wieder um den Block streunen und sich von den Nachbarn Streicheleinheiten holen wie eine Katze. Also zurück auf Anfang.

Ich spiele also auf „Nachts im Museum“ an und will statt eines Musentempels einen Tempel der Gedanken anführen, in dem ich mich aufgehalten habe. Wie Captain Jack Sparrow frage ich nun: „Klar soweit?“ – und setze als Antwort ein echtes oder auch nur ein hilfloses „Ja“ voraus.

Was ich damit sagen will, ist das Folgende: Heute Nacht bin ich mitten in der Nacht aufgewacht, es war kurz nach vier. Mein Körper und mein Geist waren erstaunlich fit. Das war schon ungewöhnlich, da ich in der Vornacht unruhig geschlafen und in der laufenden Nacht erst gut vier Stunden im Dunklen liegend und größtenteils schlafend verbracht hatte. Klar war also: Sofort wieder ins Bett wäre nicht zielführend gewesen, denn wenn man eh nicht wieder schlafen kann und will, es aber im Dunklen liegend auf Krampf versucht, verspannt man sich und wird noch wacher. Zumindest bei mir ist es so. Also begab ich mich in die Gedankenausstellung. Was aber ist meine Gedankenausstellung? Nun – das ist eine Sammlung von Textdateien, Listen, Notizen: Schnipseln und auch größeren, zusammenhängenden Stücken aus meiner Gedankenwelt. Irgendwann habe ich mir die mal aus dem Kopf geschrieben, jemandem gemailt und in die Dateien kopiert, mit jemandem bechattet und hinkopiert und so weiter. Analog zu Albus Dumbledore, der seine Gedanken auslagert, tu ich das auch. Meistens handelt es sich um kleine Geschichtchen, Fragmente, Charakterisierungen, oft auch durchsetzt von Reminiszenzen an die schriftlich geführten Gespräche, in denen ich die Dinge anderen mal erzählt habe. Angesichts des Faschings ging’s dieses Mal in die Erinnerung an ein fiktives, faschingsaffines Grüppchen, deren Beziehungen zueinander und einige Geschichten, die ich mir für deren Erleben ausgedacht und irgendwann mal aufgeschrieben habe. Die „Naschkatzen“, so die Eigenbezeichung der Gruppe, kommen regelmäßig an Fasching wieder hoch in meiner Phantasie, dann lese ich ein bisschen, füge ein paar Geschichten hinzu, denke gerne wieder dran zurück, was ich mir vorgestellt habe. Gelegentlich hole ich auch abseits der Faschingszeit die Naschkatzen an die Oberfläche und lese nach, schreibe ein bisschen was dazu – aber an Fasching kommt das zuverlässig.

Natürlich habe ich nicht nur die Naschkatzen in dieser Weise parat. Neben der Gruppe aus inzwischen zehn jungen Frauen, drei jungen Männern und einer ganzen Reihe von Nebencharakteren gibt es unzählige weitere Geschichtchen und Geschichten, teils gar ganze Welten, die auf diese Weise in meiner Gedankenausstellung dokumentiert sind. Da sind die Gestalten und Geschichten des ShadowRun-Eiskunstlauf-Musical-Geschichtenkomplexes (eine Tabelle mit über 100 fiktiven Sportlern und über 50 Nebenfiguren, sechs oder sieben verschiedene Textdateien voller Charakterisierungen, Rollenspiel-Log-Dateien und Geschichten), die drei Textdateien zum Howard-Goldstein-Vortex, diverses zu Tethys und „Am Rand des Strömungsabrisses“ sowie viele weitere, kleinere oder größere Dinge.

Gegen fünf Uhr war der Spuk dann vorbei. Ich stellte meinen Wecker eine halbe Stunde später ein, kuschelte mich in meine Decke und schlief mit wohligen Geschichtchen um die Naschkatzen herum ein. Natürlich fehlt die Stunde versäumter Schlaf heute ein bisschen, aber immerhin war das besser als gar nicht mehr einschlafen zu können. Wahrscheinlich muss ich heute Abend ein paar neue Geschichtenelemente zu den Naschkatzen in die Datei hineintippen. Und: Da freu‘ ich mich drauf!

The Howard-Goldstein-Vortex

Das ist so ein Ding, das mir schon lange im Kopf herumspukt. Eine Geschichte, mehr oder minder in drei Teilen, exotisch und ein bisschen verrückt. Ich schreibe zur Zeit mal wieder eine neue Version des Intros zu „The Howard-Goldstein-Vortex“. Gedanklich begonnen hat es als Serie in drei Staffeln, konstruiert um die zentrale Figur Esther Goldstein-Howard, sehr junge Witwe des Milliardärs und Unternehmers Charles B. Howard.

Worum es dabei geht? Esther Goldstein, eine hochgebildete junge Frau aus Israel, arbeitet bei Charles Howards Firmenimperium Howard Industries in Kalifornien. Sie ist Pazifistin und zugleich entsetzt darüber, wie die Menschheit den Planeten zurichtet. Noch bevor sie zum Gesicht einer Recruiting-Kampagne von Howard Industries wird, lernt sie den greisen Besitzer der Firma kennen – und die beiden sind auf einer Wellenlänge. Doch wenige Jahre nach der Charles Howards Familie entsetzenden Hochzeit stirbt der alte Mann – und Esther steht als geldgierige lustige Witwe da, die sich auf Howards Anwesen auf Oahu sowie an den Stränden Hawaiis vergnügt. Doch neben diesem Bild, das Charles Howards Kinder, allesamt älter als Esther, nach Kräften befeuern, ist da noch die Firma, die überraschend bei einem Auftrag für die US Navy versagt. Und dann beginnen Anschläge auf Umweltsünder und Walfänger im Pazifik, die eigentlich nur mit dem Produkt begangen sein können, das Howard Industries für die Navy zu entwickeln versagte …

Benannt ist das Ganze nach der schwierigen Hauptfigur der Geschichte, Esther Goldstein-Howard, sowie dem nordpazifischen Müllstrudel. Ich bin derzeit am Überlegen, das Ganze in einer gesonderten Kategorie oder einem neuen Blog Stück für Stück zu veröffentlichen, aber davon ist es noch weit entfernt. Irgendwie … spukt mir das seit einer Weile im Kopf herum und kam nun mit Macht wieder.

Phantasie

Phantasie ist meiner Ansicht nach die großartigste Art und Weise, sich zu unterhalten.

Natürlich können Serien, Filme, Bücher, Comics und dergleichen die Phantasie inspirieren. Aber letztlich sind das Produkte der Phantasie. Diese fiktiven Geschichten bestehen aus Phantasie.

Ich bin sehr, sehr froh, dass mein Phantasie sich nicht an bestehende Geschichten fesselt, sondern frei fliegt und eigene Geschichten zu schaffen vermag. Würde ich die oben genannten Darreichungsformen von fiktiven Geschichten verlieren, würde ich viel verlieren. Würde ich aber meine Phantasie, meine eigenen Geschichten verlieren – ich ich wäre verloren.
Facebookpost von Talianna Schmidt vom 07.09.2012

An diesen Post von vor fünf Jahren erinnerte mich Facebook heute. Das ist noch immer wahr und ich habe es unbearbeitet hier zitiert. Es passte recht gut, da genau heute – aus mir nicht genau erfindlichen Gründen – in meinem Kopf eine alte Phantasie-Geschichte wieder hochkam: „Sternenbrennen“, eine in fünf Teilen strukturierte Science-Fiction-Geschichte, die zu Beginn der Besiedelung der näheren Umgebung unserer Sonne innerhalb der Milchstraße durch die Menschheit spielt. Hauptfiguren dabei sind Anna van Staal, von ihrer Tante in einer Pontonstadt über dem vom angestiegenen Meeresspiegel überfluteten niederländischen Leiden in prekären Verhältnissen aufgezogen, und Valérie Marreau, Tochter privilegierter Kolonisten auf dem dritten Planeten von Epsilon Eridani. Spannend, wie alles irgendwann wiederkommt.

Die gefürchtete Herzogin

Ich habe mich ja inzwischen zu dem Entschluss durchgerungen, dem „Park“ und seinen Geschichten ein Buch zu widmen. Was genau der Park ist, so weit ich es schon offenbaren möchte, findet sich im oben verlinkten Beitrag. Allerdings gibt es schon weit mehr vom Park, als ich in die erste Geschichte hineinlegen möchte – zusammen mit meinem besten Freund und einigen Gästen habe ich schon zwei große Handlungsstränge bespielt, der kurze erste davon soll es in ein Büchlein schaffen, wenn aus dem Beschluss auch Handlungen werden. In meiner eigenen Einteilung ist das vom Park, was ich beschreiben will, der „Prolog“, während mein bester Freund und ich einen weiteren Geschichtenbogen in einem „Kapitel 1“ miteinander interaktiv erzählt haben. Für ein „Kapitel 2“ gibt es schon viele Ansätze und Geschichten, aber richtig angefangen haben wir noch nicht.

Ein Dreh- und Angelpunkt aller Park-Geschichten ist und bleibt aber mit Sicherheit die Herzogin. In der Logik des Parks ist es ganz normal, dass sie einen englischsprachigen Namen trägt – Charlotte heißt sie, ihr Gut wurde während der Gründung des Parks als „Iron Cross“ benannt, in erster Linie des Klangs wegen. Mit den historischen Bedeutungen und auch dem Aussehen des Symbols des eisernen Kreuzes hat es nichts zu tun. Herzogin oder auch Duchess Charlotte of Iron Cross nimmt eine zentrale Rolle in den Geschichten ein, die ich im Park angesiedelt habe, auch in der internen Politik des Parks, in die diese Geschichten eingebettet sind. Als mächtige, intrigante Politikerin, die mit ihrem Wissen, ihrem Aussehen und Auftreten als ihrem Kapital Intrigen schmiedet, steht sie ihrem Cousin, dem König, mit all dem zur Seite, was dieser nicht tun kann: Sie erledigt den Schmutz in der Politik und sie tut es mit ebensoviel eisernem Willen wie von eisigem Hauch umwehten Charme. Dazu hat sie ihren Haushalt genau so gestaltet, wie es ihr gefällt – mit unterwürfiger Dienerschaft, deren Verhältnis zu Charlotte auch mal als Waffe eingesetzt wird, um Gäste im Salon abzulenken oder einzuschüchtern, einer rein weiblichen Leibwache, die zudem auch so gestaltet ist, dass sie ebenfalls ablenkend tätig werden kann, einem platonischen Weggefährten als Begleiter für offizielle Anlässe – und einem Haufen wechselnder Liebschaften, mit denen sie auch nicht unbedingt pfleglich umgeht.

Ich habe schon oft in Gesprächen die (den Gesprächspartnern bekannte) Herzogin als Bild benutzt, um einen einschüchternden Eindruck einer starken, mächtigen und gelegentlich auch willkürlich agierenden Frau zu zeichnen. Ich liebe diese Figur einfach, und auch wenn sie nicht die Protagonistin in Beschreibungen des Parks sein wird, so wird sie sicher eine zentrale Nebenrolle einnehmen.

Inspiration und Mut

Wo ist das Problem damit, Dinge nach außen zu tragen, die einem viel bedeuten?

Die Antwort auf diese Frage ist verhältnismäßig einfach: Alle können es sehen, lesen, hören – und darüber urteilen. Sie können einem sagen, was daran schlecht ist, wie man es umgesetzt hat. Viel schlimmer noch, etwas nach außen zu tragen, was einem viel bedeutet, und dann kommt eine Resonanz, dass diese Geschichte, diese Vorstellung peinlich, seltsam oder anderweitig nicht akzeptabel sei … das tut dann weh.

Aber ich habe ein Buch geschrieben, ich habe mich also damit befasst oder auch mich damit befassen müssen. Nun schwirren, wie ich vielleicht schon das eine oder andere Mal zum Ausdruck gebracht habe, noch viel mehr Ideen in meinem Kopf herum: Ideen zu Figuren, Geschichten, Orten … Welten. Eine davon habe ich in den letzten Tagen zwei Menschen erläutert, zwei Freundinnen erläutert, die vorher noch nicht so viel davon wussten. Beide waren fasziniert, begeistert und eine davon meinte, ich solle doch DARÜBER ein Buch schreiben.

Konkret geht es dabei um eine Vorstellung, die in meinem Kopf, in meinen Gedanken, unter dem Label „Der Park“ firmiert. Was also ist nun „der Park“? Kurz gesagt: Ein abgegrenztes, nicht gerade kleines Areal, in dem die Regeln des Zusammenlebens ein bisschen anders sind als überall drum herum. Natürlich ist der Park selbst fiktiv – die Idee kam mir damals, als ich ein paar meiner „nicht eingeordneten Vorstellungen“ beheimaten wollte und kurz vorher den Film „The Village“ gesehen hatte. Ganz so strikt wie jenes wiederauferstandene Gründerväter-Dorf in „The Village“ ist der Park nicht von der realen, normalen Welt abgegrenzt, und erst recht ist er nicht so thematisch korrekt. Aber sehr ernst nehmen die Initiatoren, Gründer und Bewohner des Parks das Projekt auch. Überaus ernst sogar! In diesem Szenario einer zwar mit der normalen Welt verbundenen, aber nach anderen Regeln laufenden, kleinen Welt habe ich etliche Geschichten angesiedelt, die ich auch in wundervollen interaktiven Spielen – Rollenspielen – mit den Charakteren besonders eines Freundes angereichert habe.

Nun raten mir Freunde – unter anderem auch derjenige, der recht tief mit in den Park einsteigen durfte – ein Buch aus den Geschichten im Park zu machen. Vielleicht auch mehrere. Auch mein Eindruck ist es, dass die Geschichte gut ankommt, etwas originales ist, interessante Charaktere mit einem spannenden Plot verbindet.

Das einzige Problem (neben der Zeit, die man natürlich für ein solches Projekt braucht) ist nun: Viele der Gestalten im Park sind unheimlich nahe an mir dran, verkörpern sehr direkt und explizit Eigenschaften, Persönlichkeitsteile, Ereignisse und Geschichten, die zu mir gehören. Ich würde sogar noch weiter gehen: Das sind Dinge, die „Ich“ sind. Aber ich glaube, ich werde es dennoch oder vielleicht gerade deswegen tun – mindestens die erste, kurze, recht kompakte Geschichte im Park in ein kleines Büchlein packen und schauen, was passiert.

Das Gefühl dabei auszudrücken, ist nicht so einfach. Andererseits vielleicht doch: Es gibt da im Titel „Standing“ meiner Lieblingsband VNV Nation eine Zeile, die (ein wenig auf meine Situation gemünzt und vielleicht auch ein ganz kleines Bisschen aus dem Zusammenhang):

„I bear my heart for all to see.“
VNV Nation – Standing

Ja. Das tu‘ ich. Und seit ich gelernt habe, das mit meinem Gefühlen und Gedanken zu tun, so ab Mitte 20 für mehr und mehr Bereiche meines Lebens, geht es mir besser als früher. Wahrscheinlich sollte ich nicht zweifeln an dem Weg, den Park mit all seinen Gestalten öffentlich zu machen. Denn wie diese Zeile so viel in mir berührt, hat genau das zu tun mir so viel mehr Lebensqualität gebracht, auch wenn die damit erzeugte Haut dünner und verletzlicher ist als der dicke Panzer von vorher.