Zwei tolle Tage

Zwei tolle Tage – die habe ich an diesem Wochenende verbracht. Ich war mit meinen lieben Helser Hexen auf den Umzügen in Weitenung und Kartung, Samstagabend gab’s noch gemeinsamen Ausklang mit Essen nach dem Weitenunger Umzug und dann noch eine kurze Aktion bei einem Geburtstag eines Mannes einer der Hexen.

Ich weiß, dass der Fasching so manchmal gegen den Strich geht – aber für mich ist es eine tolle Zeit, die ich sehr gerne auslebe. Zwei bis drei Umzüge sind’s, jeweils als Hexe mit der Gruppe, an denen ich mit grüner Schminke im Gesicht, der berüchtigten Edelstahl-Thermoskanne und guter Laune unterwegs bin. Die Thermoskanne ist deswegen berüchtigt, weil sie einmal liegenblieb und bei einer Mithexe unter dem Beifahrersitz für eine nach Hagebutte riechende Überschwemmung sorgte. Dieses Jahr hatten wir von der Musikhexe neu eine mobile Box dabei, und das war richtig klasse – das Publikum und die Hexen waren fleißig am Singen, gute Laune war mehr noch als sonst unser Begleiter auf den beiden Umzügen, die ich dieses Jahr mitmachen konnte.

Ich selbst hatte auch ein bisschen neues Agieren am Start – mit den beiden grünen Hörnchen, die aus meiner Hexenfrisur ragen, konnte ich den zuverlässig auftretenden Einhorn-Verkleideten jeweils erläutern, dass sie ein Horn zu wenig hätten. Wenn man den Kindern rät, sich ein zweites Horn wachsen zu lassen, hat das freilich keinen Subtext, sondern nur Spaß – während man den eher erwachsenen Herren im Plüsch-Einhorn-Overall sicherlich komische Gedanken entlockt, wenn Frau Hexe ihnen rät, sich ein zweites Horn wachsen zu lassen – und sie sich dann aus den Körbchen des am Besen hängenden Wäschestücks eine Süßigkeit fischen dürfen.

Jedenfalls liefen der Samstag wie auch der Sonntag nach dem Schema ab: Fahre zur Mithexe, dann wird gemeinsam geschminkt und Kaffee getrunken, danach geht es zum Umzug. In der Aufstellungszone wird gesungen, gelacht und sich unterhalten, Alkohol ist optional und ich konsumiere ihn nur in sehr engen Grenzen – denn ich muss ja danach nicht nur noch heimfahren können, sondern auch noch heimfahren dürfen. Nicht zuletzt warnt eine mit einem Baumstamm kollidierte Hexe auf unserem Wagen: „Don’t drink and fly!“ Wie jedes Jahr ist die Balance mit den Klamotten unter dem Kostüm ganz schwierig gewesen: Ziehst du dich warm genug an, um bei der Aufstellung nicht zu frieren, wird es mit singen, tanzen, Schabernack treiben und Kindern Süßigkeiten schenken schnell warm im Kostüm, wenn der Umzug losgeht. Aber danach bin ich dann immer dankbar um wärmende Schichten über dem erhitzten Körper, damit ich nicht zu sehr auskühle.

Nun jedenfalls sitze ich hier und mir fallen fast die Augen zu – zwei Tage lang singen, tanzen, einen davon auch noch morgens vor dem Umzug 14 Kilometer laufen, alles an der frischen Luft, ja, danach weiß man, was man getan hat. Ich bin jedenfalls müde und glücklich und hoffe, dass alle Faschingsmuffel gut um den ersten Teil der tollen Tage herumgekommen sind, alle Fastnachtsbutzen hingegen tolle tolle Tage hatten!

Schimpft nicht aufeinander, ist ja schließlich nur eine von 52 Wochen im Jahr, in der sich die einen verbarrikadieren und die anderen auf den Straßen Lärm machen.

Begegnungen der dritten Art

Heute in der Mittagspause beim Laufen hatte ich drei Begegnungen der jeweils ungewöhnlicheren Art. Ich würde mal behaupten, die Hinweise, dass ich Außerirdischen begegnet bin, sind nicht hinreichend dicht. Allerdings waren es drei Interaktionen, die ich allesamt so noch nicht hatte.

Erstens: Die Fußlahme

Auf der Hagsfelder Allee auf dem Weg in Richtung Schloss fiel mir eine Dame mit Trolley auf, die verloren am Rand des Weges stand. Ich war etwas irritiert, hielt an und fragte, ob alles okay sei. Dabei fiel mir auf, dass sie einen Stiefel ausgezogen hatte und verwirrt wirkte. Ich bemühte mich, ihr zu helfen, kam aber weder mit Deutsch noch mit Englisch weiter. Mein Telefon hatte ich auch nicht dabei. Sie bot mir zuerst ein Taschentuch an, dann eine Zigarette – ersteres nahm ich an, letzteres natürlich nicht. Dann verwies ich sie – so viel hatte ich verstanden – weiter in Richtung Innenstadt, denn sie suchte ein Hotel. Ein Telefon, um ihr per Google Maps das nächste Hotel herauszusuchen, hatte ich leider nicht dabei – denn dass sie ein Hotel suche und schlafen wolle, das konnte sie mit wenigen Worten sowie Händen und Füßen noch zum Ausdruck bringen. Nachdem auch eine Radfahrerin, die ich zur Hilfe angehalten hatte, weder ein Handy noch eine gemeinsame Sprache mit der Dame hatte, ging meine erste Begegnung der „dritten Art“ langsam weiter und ich lief weiter. Problem ungelöst, aber immerhin hatte ich mich bemüht!

Zweitens: Die Erschrockene

Weiter auf dem (Um-)Weg zurück zum Büro lief ich außen um den Schlossgarten herum, wechselte am Nordtor auf die Innenseite der Mauer und trappelte dort entlang. Da mein Laufstil trotz Fivefingers heute zu wünschen übrig ließ, war ich nach meinem Dafürhalten nicht unbedingt leise. Ich glaubte also nicht, dass die Dame mit friedlich freilaufendem Hund vor mir mich nicht bemerken würde – ich schmetterte ihr aus drei Metern Entfernung ein „Guten Tag!“ zu und überholte – und sie schrak furchtbar zusammen. „Gott, haben Sie mich erschreckt!“, rief sie, um sich dann prompt zu entschuldigen. Ich versicherte ihr aus dem Lauf heraus, es sei alles okay, entschuldigte mich für’s Erschrecken und lief weiter.

Drittens: Die Besorgten

Zurück auf dem Schlossplatz durchquerte ich den westlichen Torbogen zwischen dem Schloss und dem Seitenflügel und lief auf der westlichen Seite entlang der Statuen mitten über den Platz. In der Höhe des Karl-Friedrich-Denkmals sah ich zwei Damen mit entgegenkommen. Beide musterten mich aufmerksam, so dass ich schon dachte: „Sehe ich so fertig aus?“ Aber nein! Die beiden guckten weiter, die eine rief dann: „Sie sind doch schlank genug!“ Ich verstand erst nicht, weil ich mit so einer Äußerung so richtig gar nicht gerechnet hatte, guckte komisch, stoppte meine Uhr und hakte nach. Sie bekräftigte: „Sie sind doch schlank genug, müssen doch nicht abnehmen. Oder ist das für was anderes?“ Ich erklärte, meine Lauferei „sei“ für Geschwindigkeit. Ich trainiere ja für einen Marathon und das sagte ich dann auch. Die Dame und ihre Begleiterin guckten bewundernd und wünschten mir viel Spaß.

Komisch eigentlich. Es waren drei Interaktionen mit fremden Menschen, zwei davon mehr oder minder fremdinitiiert, wie ich sie bisher nicht oder mindestens beim Laufen nicht hatte. Keinerlei „schmutziger Donnerstags“-Aspekte schienen mitzuspielen. Eines muss ich allerdings zugeben: Ich war auch in Gedanken teilweise. Ich testete eine neue „Laufmeditation“, indem ich beim Ausatmen jeweils die Worte „Kraft“, „Fluss“, „Atem“ und „Laufen“ dachte und teils auch sagte, was echt einen tollen Flow erzeugte – das Ganze ist natürlich frei abgekupfert vom autogenen Training. Für mich brachte es aber echt was. Da wäre ich vermutlich auch erschrocken, wenn man mich plötzlich überholt hätte. Und noch etwas anderes sei zugegeben: Schlank genug bin ich wirklich. Ich möchte gar nicht mehr abnehmen – aber schneller werden. Um die erste Begegnung, also die Fußlahme, mache ich mir rückblickend ein bisschen Gedanken – in zweierlei Hinsicht. Mich beschäftigt, dass ich nicht mehr tun konnte, und andererseits frage ich mich – ganz paranoid – ob es in Zeiten vermuteter Dunkelziffern beim Corona-Virus-Ausbruch in China riskant ist, Taschentücher (frisch aus der Packung, natürlich, aber trotzdem) von etwas angekratzt, wenn auch nicht erkältet wirkenden Fremden anzunehmen.

Aber wird schon alles okay sein.

[KuK] Cuteness Overload

Xue versucht, den Fahrkartenkontrolleur auf sich aufmerksam zu machen.

Von unserer kleinen Xue und Rocky, ihrer gestreiften Reisebegleitung, gab’s am Wochenende in den Zügen und danach noch ein paar weitere Bilder. Ich bekomme selbst den Cuteness-Overload, wenn ich das Ganze nochmal ansehe…

Xue zeigt den anderen Tierchen ihren kleinen ICE, den sie von mir geschenkt bekommen hat.

Zuhause musste die Kleine dann unbedingt ihren kleinen ICE den daheimgebliebenen Tierchen zeigen. Rocky und die Mäuse, die im Rucksack schlafend die Zugfahrt verbrachten, sind auch dabei – aber Schildi, der Pinguin Fritjof sowie Glitzi und Kitty, die beiden Tuschelkatzenfreundinnen, haben den kleinen ICE total ehrfürchtig bewundert!

[KuK] Abgelegt

Kleider werden gerne mal weitergegeben, wenn Kinder aus diesen herauswachsen. Nun habe ich ja keine Kinder, wie Euch wahrscheinlich bekannt ist. Aber eine Freundin hat zwei Töchter, diese sind 17 und 14. Nun wäre der naheliegende Punkt, dass die hochaufgeschossene Siebzehnjährige Kleidung an die kleine Schwester weitergibt. Tat sie auch! Aber nun kam noch ein anderer Fall auf…

Denn die inzwischen ebenso hochaufgeschossene Vierzehnjährige hat mittlerweile recht starke Schultern und legt so auch die eine oder andere Sache ab, weil sie einfach nicht mehr passt. Nun hat sie – oder eher ihre Mutter – eine Abnehmerin für die abgelegte Jacke ihrer Vierzehnjährigen gefunden. Diese ist 40 Jahre alt, zwei Zentimeter kleiner als die junge Dame, durch die Rennerei eher schlank und zwar eigentlich auch mit einem mächtigen Schultergürtel geschlagen… aber seht selbst:

Meine neue Jacke, abgelegt von einer Vierzehnjährigen.

Die junge Generation steht wahrhaft auf den Schultern der älteren Generation – sogar körperlich!

Zauber, Überzeugungskraft, Ungewissheit und verdammte Sturheit

Dies sind die vier Grundkräfte der Druiden der Scheibenwelt, so zitiert in „Das Licht der Magie“. Natürlich spielen diese auf die vier Grundkräfte der modernen Physik an: Elektromagnetismus, starke Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung und Gravitation. Diese vier Grundkräfte, vermittelt durch Austauschteilchen (Photonen, Gluonen, W- und Z-Teilchen sowie die Gravitonen, wobei letztere ein eigenes Kapitel sind), erklären die gesamte Physik, wenn man es ein mit ein bisschen Zauber und Überzeugungskraft sieht und eine gewisse Ungewissheit in Kauf nimmt.

Vermutlich habe ich, ebenso wie mit den Clarke’schen Gesetzen, schonmal Blogbeiträge mit den druidischen Grundkräften der Scheibenwelt bestritten. Mir als Physikerin mit ein wenig Humor ist das Ganze natürlich sehr nahe. Allerdings lässt sich auch vieles im Leben mit den vier Grundkräften erklären – in der Physik eher mit den vieren der Physik, im sonstigen Leben… nun, da würde ich eher das druidische Quartett nehmen. So auch nun:

Wie gestern beschrieben, hatte ich ein kleines Malheur auf dem Weg zur Arbeit. Die Fahrradkette sprang, nach Erhöhung der Spannung des Zugs, hübsch hoch und runter auf den Kettenblättern – bis der Zug genug zog, um auf das vierte Kettenblatt zu schalten. Das vierte Kettenblatt? „Äh,“ sagte die Kette. „Da ist kein viertes Kettenblatt.“ Der Zug antwortete: „Ich war nur ein bisschen übereifrig, Du hast da einen Anschlag, da geht es nicht weiter. Der Umwerfer stoppt da schon, reg‘ Dich nicht auf, Kette.“ Daraufhin die Kette: „…“ Der Umwerfer: „Die Kette hat recht: Da ist kein Anschlag. Ähm – halt doch, da ist ein Anschlag! Kette, Stopp, da ist ein Anschlag.“ Die Kette: „Zu spät!“ Der Anschlag: „Leute, ich hab‘ mich getäuscht, ich dachte, da wäre ein viertes Kettenblatt, zumindest wurde ich so eingestellt.“ Alle zusammen: „Mist.“

Nun war für mich die Frage, nachdem ich mir die Finger an der Kette schwarz gemacht hatte, die Kette nicht zwischen Plastikschutzteil und großem Kettenblatt rausbekam und mein Fahrrad kilometerweit heimgeschoben hatte: Wie gehe ich damit um? Das ist gar nicht so einfach, denn nach gerade mal etwas mehr als zwei Monaten Radfahren, sich nur langsam und noch nicht nachhaltig aufbauender Sicherheit, wo ich zuvor 20 Jahre nicht gefahren war, ist die Situation schwierig. Ich wollte auf keinen Fall gleich wieder daran gewöhnt werden, nicht Rad zu fahren oder Angst davor zu haben. Ich wollte mich nicht daran gewöhnen, immer an die nächste Panne zu denken. Und eine Woche bis zum Werkstatttermin gar nicht Rad fahren wollte ich schon gar nicht, denn dann hätte ich bestimmt all diese Unsicherheiten und Ängste so RICHTIG an die Luft gelassen.

Der Zauber des Neuanfangs war also weg. Die Ungewissheit hatte übernommen. Wie also sollte ich zusammenhalten, was meine neue Identitätskomponente als „wiedergeborene Radfahrerin“ ist? Mit der Überzeugungskraft bei mir selbst hausieren zu gehen, das hat manchmal seine Probleme, insbesondere, wenn ich im (Grund-)Kraftregime der Ungewissheit bin. Gewissermaßen sind Überzeugungskraft und Ungewissheit ja Antagonisten, Zauber und verdammte Sturheit allerdings auch. Der Zauber ist weg, es lebe die verdammte Sturheit!

Die verdammte Sturheit ließ mich nicht akzeptieren, dass die Kette nunmal runtergesprungen war. Die verdammte Sturheit ließ mich gucken, welche Art von Werkzeug ich für den Plastikschutz am großen Kettenblatt brauche. Dann schraubte ich das Ding mit dem Kreuzschlitz-Schraubenzieher ab, hob die Kette auf’s große Blatt und schraubte das Ding wieder dran. Dasselbe Werkzeug ermöglichte mir, den Anschlag besser einzustellen und somit dem übermotivierten Schaltzug eine Begrenzung aufzubürden. Dass ich im Zuge der Versuche gleich auch noch bei der Zugspannung in die falsche Richtung drehte und erstmal nicht mehr auf das große Blatt schalten konnte (Im Regime der Ungewissheit!), überwand ich ebenfalls nicht mit Zauber, Überzeugungskraft oder Wissen, sondern mit (geringfügig mit von Manuel erlerntem Wissen unterfütterter) verdammter Sturheit! Dir zeig‘ ich’s, Schaltung! Wenn der Zauber aus ist, muss die verdammte Sturheit es richten. Nach Kettenfall um 7:30 saß ich gegen 13:00 wieder auf dem Rad und testete Einstellungen. Um 15:00 fuhr ich zusammen mit meinem Mann zum Einkaufen und danach machten wir noch eine kleine Tour. Und langsam setzte der Zauber wieder ein, verdammte Sturheit und später Zauber spülten die Ungewissheit, ob die Kette draufbleiben würde, aus meinem Geist. Dennoch brauchte ich heute morgen eine Mischung aus verdammter Sturheit und Überzeugungskraft, um der Ungewissheit Herrin zu werden und mich auf mein Fahrrad zu setzen. Als ich dann an der Würmersheimer Straße hinunterrollte in Richtung Weißenburger Straße, wo mir gestern beim Schalten die Kette runtersprang, fühlte ich den Umwerfer zittern, ebenso das Kettenblatt. Der Schaltungszug machte Entspannungsübungen, um bloß nicht wieder die Kette runterfallen zu lassen. Ich ließ meine Pfoten von der Schaltung, nachdem ich auf den vier Kilometern zuvor vorsichtig hoch- und runtergeschaltet hatte. Dann rollte ich um die Kurve, kam auf die Gerade am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium vorbei auf der Weißenburger Straße, schaltete hoch, und da…

Passierte nichts. Zumindest nichts Schlimmes. Ein bisschen schliff’s für einen Moment, weil der Zug eben vorsichtig eingestellt ist und daher spät schaltet, aber der Anschlag wirkte. Die Kette rutschte wieder, das fünfte Mal auf dieser Fahrt, auf das große Kettenblatt. Der Tretwiderstand stieg, ebenso das Tempo. Ein, zwei Autos überholten mich. Alles prächtig! Später, an der Steigung der Mühlburger Straße von der Grenzstraße hoch in Richtung Hautpstraße, schaltete ich erfolgreich runter auf’s kleine Blatt, danach wieder hoch auf’s mittlere, schließlich auf’s große – alles gut. Ich flog regelrecht dahin, auf dem Radweg zwischen Durmersheim und Mörsch! Herrlich, wenn auch saukalt! Der Zauber war da! Dann…

Krack. Geht nichts? Blick runter auf die Kette, angstvoll, Ungewissheit am Start. Oh, ich habe beim Bremsen ein zweites Mal den Runterschalter gezogen, ohne richtig zu treten, das mag die Kette nicht. Also wieder hoch auf’s mittlere Blatt geschaltet, die Kette schnurrte vom großen auf’s mittlere, alles ging wieder. Lektion: Beim Hochschalten feste ziehen, beim Runterschalten nur antippen. Beim Bremsen nicht aus Versehen nochmal runterschalten. Dann klappt das auch. Vielleicht bringt ein Werkstatttermin nächste Woche noch eine feinere Einstellung, aber bis auf weiteres hat die verdammte Sturheit den Zauber und die Überzeugungskraft zurückgebracht.

Nicht dumm, nur unerfahren. Und alt und vergesslich.

Am Montag war Trek Monday und da war auch Manuel hier bei uns – wie eigentlich jeden Montag! Da Manuel der Mann mit der richtigen Einstellung ist, stellte er mir die Zugstärke meiner Schaltung am Fahrrad ein, so dass ich nun wieder auf das große Kettenblatt schalten konnte!

Ich freute mich schon gewaltig, heute mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können und dabei auch das große Kettenblatt verwenden zu können. Bereits auf den ersten beiden Kilometern merkte ich, wie toll das ist – Widerstand im Tritt auch bei größeren Geschwindigkeiten, mehr Flexibilität in der Übersetzung! Prompt kamen selbst auf Abschnitten, die normal nicht so die schnellen sind, über 25 km/h zusammen, während ich zuvor schon bei ebenen, langen, geraden Abschnitten meist 22-23 km/h gefahren war. Das war richtig klasse! So lange es währte…

Denn in Durmersheim beim Hochschalten und Berg runter Fahren ging plötzlich gar nichts mehr. Die Kette war runtergesprungen. Recht schnell fiel mir ein, wie das sein konnte: Ich hatte an den Anschlägen gearbeitet, als ich mich vergeblich um genug Spannung auf dem Zug bemühte. Das hatte ich gedacht, wieder rückgängig gemacht zu haben – aber das war wohl nicht so. Vielleicht war’s auch ein bisschen großzügig eingestellt, schon vorher. Jedenfalls fehlte nun, wo genug Zug auf dem Zug war – genug Spannung, meine ich natürlich – der Anschlag, bzw. er war zu weit jenseits des großen Kettenblatts. Beim vierten oder fünften Hochschalten sprang die Kette runter und verkeilte sich zwischen dem Schutzteil aus Kunststoff und dem großen Kettenblatt. Ich konnte sie nichtmal mehr draufhieven, weil sie verkeilt war.

Im Grunde kann ich auf solche Dinge gelassen reagieren, weil ich es mir erarbeitet habe. Aber beim Radfahren ist die Disziplin, so etwas gelassen zu sehen, noch nicht da. Ich fluchte, bekam Tränen der Wut über mich selbst in die Augen und schob mein Fahrrad nach Hause. Ich war dermaßen übel durch den Wind dadurch, und dann auch wirklich spät dran, dass ich heute spontan frei genommen habe. Zum Glück war mein Mann noch zuhause, als ich vom Heimschieben heimkam, ein bisschen Trost brauchte ich echt! Meine Chefin, etwas später am Telefon war vor allem froh, dass mir nichts passiert war. In Sachen Radunfälle ist sie ein gebranntes Kind. Sie fand gut, dass ich lieber frei nehmen und runterkommen wollte als mich heute durchzuquälen und morgen vermutlich mit dem Stress im Rücken auszufallen. Dann trank ich eine Tasse Kaffee und ging raus in die Garage, schraubte souverän den Plastikschutz runter, hob die Kette wieder auf das Kettenblatt und stellte den Anschlag wieder ein. Das werde ich nachher nochmal überprüfen, ob das wirklich okay ist. Dann probiere ich es aus, damit ich ja nicht auf die Idee komme, das Radfahren wieder sein zu lassen.

Dann schrieb ich Manuel von dem Vorfall und warum er passiert war: Ich hatte ihm nicht gesagt, dass ich an den Anschlägen was verstellt hatte, und selbst auch nicht daran gedacht. Ich titulierte mich selbst dabei als „so dumm!“.

Da kam dann zurück: Du bist nicht dumm, nur unerfahren. Und alt und vergesslich! Da musste ich dann auch wieder lachen!

[KuK] Ich bin eine Prinzessin

Da ich nun doch wirklich erkältet bin, möchte ich wenigstens meine Serie mit „einem Post täglich“ verlängern, wo schon über 8000 Schritte pro Tag und über 10km Laufen am Tag krankheitsbedingt nicht drin sind.

Daher hier mein neues Schloss – damit bin ich für’s Radfahren komplett. Ich bin eine Prinzessin! Ich hab‘ ein Schloss!

Akronyme

Es ist eine seltsame Sache…

Akronyme für Experimente in der Physik, aber auch ansonsten, sollten gerne mal einen Namen abbilden. Ein Musterbeispiel ist das Karlsruher Tritium Neutrino Experiment KATRIN. Als ich damals während meiner Doktorarbeit im selben Institut arbeitete, wünschte sich die Gruppe eine Doktorandin, deren Vorname sich Katrin und nicht Kathrin schreiben sollte. Ein wenig albern ist das schon.

Aber es gibt einen Haufen solche Anlagen, die Akronyme in Form von Namen tragen… ich kenne zwei Versuchsaufbauten mit überkritischem CO2, SCIROCCO und SCARLETT, den Beschleuniger KARA am KIT, der früher ANKA hieß, an der Gesellschaft für Schwerionenforschung gab’s die HERA… und auch die Verwaltung ist nicht gefeit: Das Kataster für Verdunstungskühlanlagen heißt KAVKA, sicher nur zufällig klanglich einem Schriftsteller ähnlich.

Mit dieser Tradition sozialisiert, habe ich meinen heimischen Lego-Teilchenbeschleuniger nun ebenfalls benamt. Natürlich, auch wenn ich eine Physikerin bin, mit einem weiblichen Namen. Meine heißgeliebte Beschleunigerin heißt nun:

Lego-Assembled Toy Accelerator
LAToyA

In meinem Kopf verknoten sich bereits die Hirnwindungen auf der Suche nach einem Akronym für den geplanten Forschungsreaktor, der als Pool-Typ Reaktor mit Neutronen-Strahlrohr, Bestrahlungseinrichtung und einer Beamline von LAToyA aus auch ein Experiment für sogenannte Accelerator Driven Systems beinhalten soll. Aber eins nach dem anderen!

Das generische Femininum

Gestern hatte ich so einen lustigen Moment. Die Nachbarskatze saß neben mir auf der Decke auf dem Sofa, ließ sich kraulen und schnurrte. Eigentlich ist die Nachbarskatze ein kastrierter Kater, Mauzi heißt das Tier. Ich dachte kurz nach und fragte:

„Na, du Katze? Störst du dich an dem generischen Femininum?“

Schließlich gehört die Katze zu den wenigen Sammelbegriffen, die generisch weiblich belegt sind. Sieht jemand eine Katze, wird niemand auf die Idee kommen, das Tier erstmal ohne es genau zu wissen als Kater zu bezeichnen. An anderen Stellen – zum Beispiel bei der Krankenschwester – achten wir drauf. Das ist dann ein Krankenpfleger, es geht sogar nichtmal an, einen „Krankenbruder“ zu postulieren, wenn man niemanden beleidigen will.

Die Katze allerdings – also der Kater Mauzi – störte sich nicht im geringsten am generischen Femininum. Er zwinkerte mir zu. Echt! Er schloss ein Auge und öffnete es gleich wieder, das andere blieb offen. Dann nochmal. Mauzi ist das offenbar völlig egal, ob er als Katze oder als Kater bezeichnet wird, solange der Mensch weiter krault.