Atruvia Baden-Marathon 2022

Nachdem ich außer Form bin – dank Corona im Juli, Fingerbruch Anfang August und Zahnschmerzen Ende August – habe ich ernsthaft überlegt, meine bezahlte Startnummer für den Baden-Marathon einfach sausen zu lassen. Mein Drang, hinzugehen und zu laufen, wurde von der bereits früher beschriebenen, im Newsletter verkündeten Favoritenrolle nicht gerade größer, da ich ja wusste, dass ich diese Rolle definitiv nicht ausfüllen hätte können.

Ich habe es auch nicht getan – also die Favoritenrolle ausgefüllt. Gelaufen bin ich. Vor Beginn des Laufes habe ich – bei jedem, der es hören wollte, und vielleicht auch einigen, die es nicht hören wollten – mein Ziel ausgerufen: Voller Erfolg ist, alle Verpflegungsstationen zu sehen, am besten an allen was nehmen, vor allem überall, wo’s Bananen gibt, Bananen zu essen. Halber Erfolg ist, wenn ich die erste Hälfte der Verpflegungsstationen…

Ich glaube, Ihr versteht das Konzept: Ich wollte durchlaufen. Zeit war mir völlig wurscht. Das habe ich noch mehr kultiviert, da diverse Leute mich begrüßten und viele fragten, ob ich wieder so ein Feuerwerk abbrennen würde wie in Mannheim. Den Zahn habe ich denen allen dann gezogen. Über Fotos machen, Zeug abgeben und andere Dinge verging die Zeit wie im Flug.

Los geht’s!

Trotz meiner Favoritennummer (16! Wo ich mir doch eigentlich die 1701 gewünscht hatte!) ordnete ich mich im dritten Startblock ein, zwischen den 4:00-Pacern und den 4:15-Pacern. Nummer und Startblock-Einteilung hin oder her, wenn ich nicht in den Bereich von unter 3:20 laufen kann, habe ich nichts zu suchen zwischen oder gar vor den Leuten, die es können. Ich traf noch Manu und Yvonne im Startblock, auch noch Stephanie, erstere kenne ich aus der Facebook-Laufgruppe, letztere von bei uns im Ort. Kalt war’s, wirklich saukalt, zumindest im Kontrast zu diesem heißen, trockenen Sommer, aus dem wir gerade kommen. Aber als ich loslief, wurde es dann schnell warm. Recht flott kristallisierte sich heraus, dass 4:15 auf dem Marathon vielleicht doch Understatement gewesen waren, aber ich stand niemandem im Weg und viel Stress beim Überholen hatte ich auch nicht. Auf dem Ostring lief ich langsam an die 4:00-Pacer heran, auf der Brücke über die A5 kamen sie in greifbare Nähe. Ich traf Michael vom Oberwald parkrun hinter den 4:00-Pacern, er war aber ein bisschen am Kämpfen. Im Umfeld der 4:00-Zugläufer, irgendwo in Durlach, bildete ich dann ein Team mit Mona vom Oberwald parkrun. Wir unterhielten uns nett – ich hatte ein bisschen mehr Puste als sie, aber ganz so einseitig war’s nicht. Es machte Spaß, zusammen zu laufen, bei Mona zu bleiben ließ mich nicht überpacen. Nach dem ersten Lauf über den Schlossplatz sahen wir die für die zweite Runde geltende Markierung „37 Kilometer“. Da fiel bei mir die Entscheidung, Mona auch über die Marathonweiche hinweg zu begleiten. Das Gedränge der nächsten fünf Kilometer ist mir gar nicht mehr so präsent, nur nervig war’s, weil es allmählich wirklich eng wurde – die Straßen sind breit, aber nicht so breit wie zuvor, und das merkte man deutlich.

Baden-Marathon. Die Überschrift kommt daher, dass ich gefragt wurde: „Sage, was Du am Wochenende tun wirst, aber tue es im Stil der Folge „Darmok“ aus der fünften Staffel von Star Trek: The Next Generation. Siehe dazu auch, auf welche Weise der Marathonlauf für die ersten modernen Olympischen Spiele 1896 in Athen geschaffen wurde.

Der zweite Teil

Ich analysierte schon, was ich um mich hörte. Für meine Begriffe atmete Mona etwas schneller, so dass ich schon dachte, das würde nun gleich etwas langsamer. Tatsächlich ließen wir die 4:00-Pacer zunehmend ziehen, aber das war zwischen uns auch so angekündigt. Als ich den Freibrief bekam, schneller zu laufen, lehnte ich ab – peinlicherweise noch mit einem lockeren Spruch: „Nein, ich lasse Dich jetzt nicht allein. Das kommt erst, wenn es wirklich hart wird.“ Dreimal habe ich mich entschuldigt, aber Mona war’s scheinbar egal, dass ich mein loses Mundwerk mal wieder nicht unter Kontrolle hatte, wir liefen gemeinsam und einig weiter. Durch Bulach, dann rüber ins Weiherfeld und nach Rüppurr blieb das auch so, Staffelläufer überholten uns, auch ein paar Marathonis, aber es war alles cool. Bananen hatten wir auch schon genommen. In Rüppurr war’s dann so weit. Mona musste etwas länger gehen und es wurde wirklich hart für sie, nachdem uns zuvor Patricia, auch von Monas Lauftreff, überholt hatte. Zwar mit Monas Zustimmung, aber eben doch genau wie angekündigt, als es wirklich hart für sie wurde, lief ich dann doch weiter und ließ sie allein.

Die „echte“ zweite Hälfte

Marathon hat zwei Hälften, und die zweite, harte beginnt bei Kilometer 30, sagte mir mein Begleiter vor einigen Monaten in Mannheim. Ich lief allein und fand’s gar nicht hart, feuerte Leute an, vor allem auf der Rampe zur Brücke über den Güterbahnhof taten sich einige Leute durchaus schwer – ich hoffe, mein Zuspruch hat geholfen und nicht genervt. Dann verging die Zeit aber auch wie im Fluge – mein zweiter Durchlauf am Schloss, bei der Marke zum Kilometer 37, war von laut und SEHR motiviert anfeuernden Oberwald parkrunnern begleitet. Am Schloss waren sie für mich am präsentesten, aber sie hatten schon zuvor zweimal an der Strecke ein wirklich sympathisches Anfeuer-Theater veranstaltet. Ich rief ihnen zu, sie sollten bei Mona noch lauter sein, sie brauche das – und ich weiß inzwischen von beiden Seiten, dass sie auf mich gehört haben! Im Zuge dieser Kommunikation ist ein toller Schnappschuss entstanden!

„Hey, bei Mona müsst Ihr NOCH lauter sein!“ – Bild: Dorothee Langenbach.

Im Ziel erwartete mich dann, fünf Kilometer weiter, Michael vom Oberwald parkrun, um ein Bild von mir zu machen. Daher kommt hier gleich das nächste:

Im Ziel. Bild: Michael Ayala Vizan.

Ein bisschen überlaufende Augen kriegte ich dann schon auf der Zielgeraden, das ist einfach ein großartiges Gefühl, nach 42 Kilometern in ein Stadion mit jubelnden Menschen einzulaufen. Ein wenig bedrückend war nur, dass ich kurz vor dem Ziel bereits einen anderen Läufer gesehen hatte, um den sich bereits gekümmert wurde – der hatte sich wohl total übernommen. Auch im Ziel sah ich gleich noch eine solche Szene. Das ist dann natürlich heftig.

Am Ende…

Mit 4:11:11 als Nettozeit kam ich als 51. Frau von insgesamt 100 Finisherinnen… Finishsies… wie auch immer ins Ziel. Bananen habe ich mir überall geholt, Getränke nicht jedes Mal. Viele Leute habe ich auf dem Weg getroffen, geredet, mich gefreut. Es war wunderschön, so viele liebe Leute vor, während und nach dem Lauf zu treffen und sich auszutauschen.

Mit der erklärten Zielzeit von 3:05, die ich vor Corona und Fingerbruch anvisiert hatte, hätte’s tatsächlich sogar eine Erfüllung der Favoritenrolle ergeben. Sabrina, die gewonnen hat, brauchte etwa 3:15. Mein Lauf- und Vereinskumpel Nobse stellte sie mir später dann noch vor.

Insgesamt war der Baden-Marathon für mich ein Erfolg – auch sportlich. Ich habe gelernt, dass ich die Strecke noch bewältige, habe den Kickoff für neue Longruns gesetzt. Ein Personal Best konnte ich nicht setzen, aber hey, das war auch nicht (mehr) das Ziel. Schön war’s, danke allen, denen ich begegnen und ggf. auf die Nerven gehen durfte!

Ein Kommentar zu „Atruvia Baden-Marathon 2022

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