Wie gehe ich damit um?

Es ist ein Problem, wie es sicher weit professionellere, stärkere und ambitioniertere Sportler als ich es öfter haben. Aber nun hat es auch mich erreicht…

Im letzten Newsletter des Atruvia Baden-Marathons in Karlsruhe wurde ich, neben Jennifer Honek von der LSG Karlsruhe, als Aspirantin auf den Marathon-Sieg mit einer angepeilte Zeit um die 3:10 genannt. Erst heute hat mich ein Kollege, der ebenfalls Sportler ist, darauf hingewiesen, vorher hatte es ich gar nicht mitbekommen. Eine Favoritenrolle also… nur in diesem Falle eine, die ich auf gar keinen Fall ausfüllen können werde! Schließlich hatte ich bereits direkt nach der Bergdorfmeile mit Covid einen schweren Rückschlag in meiner Vorbereitung. Ich wollte Mitte Juli mit der spezifischen Marathon-Vobereitung (einem neun-Wochen-Countdown) beginnen, alles war geplant, aber da ich am 03.07. den ersten positiven Covid-Test hatte, wurde schon klar, dass das schwierig werden würde. Meine erste geplante Trainingswoche ab dem 18.07. nutzte ich erstmal, um mich ganz langsam wieder auf die Strecke zu tasten und mit EKG und Blutwerten eine Myokarditis auszuschließen. Die Urlaubsreise zu Freunden an den Mittelrhein über, in der Folgewoche, merkte ich schon, dass ich noch viel zu tun haben würde, zugleich waren die Erholungszeiten verzögert. Und dann brach ich mir bei einem Sturz den Finger. Zu beschäftigt mit Genesung habe ich natürlich meine Zeitprognose beim Baden-Marathon zu korrigieren vergessen.

Und so stehe ich nun da, bin persönlich als Sieg-Aspirantin genannt und weiß nicht einmal, ob ich überhaupt den Marathon bis dahin durchlaufen können werde, und selbstverständlich werde ich es nicht in einer Zeit können, die Ambitionen auf einen Sieg auch nur vage realistisch erscheinen lässt!

Ich muss ganz aufrichtig gestehen, dass ich nicht weiß, wie ich mit dieser öffentlich gewordenen Prognose umgehen soll. Sicher, ich lebe nicht vom Sport, weder Sponsoren noch ein Verband drängen auf Erfolge. Es ist nur der eigene Ehrgeiz, und die Gesundheit ist mir immer noch wichtiger. Im Wissen allerdings, dass ich rein vom Trainingsstand nicht einmal annähernd in der Lage sein werde, ein Top-10-fähiges Ergebnis abzuliefern, aber als Favoritin genannt werde, empfinde ich im Moment echte Unsicherheit. Wenn alles glatt gegangen wäre, würden diese Woche der letzte lange Tempodauerlauf im Marathonrenntempo (18-22 Kilometer) und der letzte lange Lauf mit Endbeschleunigung (35 Kilometer, die letzten 15 im Marathonrenntempo) anstehen. Ich bin aber vergangenen Sonntag das erste Mal seit Juni wieder mehr als 20 Kilometer gelaufen, und das langsam. Mehr als 30 Kilometer bin ich seit dem Dämmermarathon im Mai nicht mehr gelaufen.

Aber so ist es eben. Auch Sportler, die davon leben (müssen) haben das Problem, dass man einen für Bestleistungen tauglichen Trainingsstand nur erreicht, wenn nicht zu lange und nicht zu viele Krankheiten dazwischen kommen. Auch denen passiert das. Wie sehr mich das nun gerade verunsichert, erstaunt mich aber dennoch. Gedanklich hatte ich den Baden-Marathon aus den genannten Gründen schon als „vielleicht langer Trainingslauf mit Versorgungspunkten, vielleicht auch nur Halbmarathon“ schon abgehakt, war schon weiter gegangen zum Frühjahrs-Saisonhöhepunkt nächstes Jahr. Dass ich beim Baden-Marathon nun vielleicht gefragt werde, warum’s mit 3:10 nicht wieder geklappt hat, wahrscheinlich nichtmal mit 3:30, vielleicht nicht einmal mit voller Marathondistanz, das kommt überraschend und macht mich erstaunlich nachdenklich.

Es ist… eine Erfahrung.

3 Kommentare zu „Wie gehe ich damit um?

  1. Mach dir keinen Kopf. einfach laufen – soweit es geht – und dann fertig.
    Und wenn hinterher einer fragt, warum du die 3.:10 nicht geschafft hast, dann antwortest: Hätte ich von der Zeit gewusst, hätte ich mich beeilt… 😆

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