Die Bergdorfmeile

Gestern Abend nahm ich das erste Mal an der Bergdorfmeile teil. Ich hatte vom rennwerk eine Startnummer für „kleine Schwester“ der Badischen Meile bekommen. Die Bergdorfmeile hat – wegen der Enge der Wege – begrenzte Teilnehmerzahl (1000 statt 6000 Leute bei der Badischen Meile unten in der Stadt) und statt den ca. 15 Höhenmeter ca. 150, da sie sich zwischen Hohenwettersbach und Thomashof abspielt.

Nach einem anstrengenden, von ungeplanten Änderungen dominierten Tag kam ich mit einer wirklich unangenehmen Laune dort oben in Hohenwettersbach an. Mein Mann, der mit mir hoch geradelt war, hatte heftig unter meiner Stimmung zu leiden, der Arme – auch zwei Lauffreunde vom Oberwald parkrun waren ziemlich bestürzt über mein Nervenkostüm. Erst kurz vor dem Start wurde mir besser, ich habe mich noch bei meinem Mann für die Laune entschuldigt, beim Start dann bei den beiden anderen – dann kam der Start.

Natürlich hatte ich das Teilnehmerfeld anhand der Anmeldungen gecheckt, schließlich kennt und schätzt man sich, die Läufergemeinde ist ja echt ein verrückt-lieber Haufen! Emma Simpson Dore, die ich schon von etlichen Läufen kenne und die „in Sichtweite“ schneller ist als ich, war zwar gemeldet, aber unauffindbar. Ich orientierte mich an zwei anderen mir bekannten (Miriam und Birge) und an einer mir noch unbekannten Läuferin (Marisa). Bei Kilometer zwei fiel mir schon auf, dass Miriam von einem Fahrrad begleitet wurde – da ich da noch annahm, dass ich Emma nur nicht gesehen hatte, sie aber mitliefe, kam ich erst sehr langsam auf die Idee, was dieses Fahrrad bedeutete… es war die Begleitung der führenden Frau. Erwartungsgemäß lief Birge etwas langsamer als ich – das kennen wir beide schon, bei der Badischen Meile unten in der Stadt sind wir im selben Team angetreten, es lagen zweieinhalb Minuten zwischen uns. Marisa und eine weitere Läuferin überholte ich dann, ich bin nicht sicher, wann ich mich genau von ihnen abgesetzt habe – Miriam lief vor mir, an ihr orientierte ich mich. Der Abstand war bis zum höchsten Punkt der Strecke immer halbwegs konstant, schmolz dann erst im Gefälle um Kilometer drei herum zusammen – dann liefen wir den tiefsten Teil der Strecke gemeinsam bis zum Wasserreservoir. Dort passierte es dann – ich überholte, lief in den Berg hinein, und mittlerweile war mir klar: Die Radbegleitung war die der führenden Frau. Das hatte ich dann begriffen… und sie bestätigte es mir. In einem kurzen Dialog sagte sie mir, sie habe angesagt bekommen, sich an Miriam zu halten – klarer Hinweis für mich, dass Emma nicht da war. Da dachte ich mir schon: „Oh je, die wird doch nicht krank sein?“

Den Rennverlauf habe ich in das Höhenprofil-Rundenpace-Strydpower-Diagramm reingetextet.

Und dann lief ich vorneweg, in den ersten 35 Positionen des Rennens, wie ich inzwischen weiß. Der Jubel an der Strecke war enorm, zumal die Fahrradbegleitung mich als „erste Frau“ anpries, wo immer Leute an der Strecke standen. Im Ziel hatte ich erstmal nur ein „Hinhocken und Atmen“, dann gab es erstmal Lachen und Heulen bei meinem Mann und schließlich der Konkurrenz zu ihren Leistungen gratulieren. Bis zur Siegerehrung dauerte es freilich noch eine Weile, ich machte Bilder von meinen Oberwald parkrun Freunden kurz vor dem Ziel, gratulierte Marisa, Miriam und Birge (die auf Rang vier gelaufen war) zu ihren Leistungen und futterte ein bisschen was. Nebenbei wurden noch Pläne geschmiedet, eine Berglauf-Aktion mit den parkrunnern zu organisieren, dann aber nicht in den Karlsruher Bergdörfern, sondern am Mahlberg.

Ich bin die im rennwerk-Shirt, neben mir die Zweite Marisa und daneben die Drittplatzierte Miriam im Asics-Sweater.

Dann kam die Siegerehrung… zuerst wurden all die Schüler und Schülerinnen geehrt, die zwei Kilometer mit anspruchsvollem Profil in teils SEHR beachtlichen Zeiten gelaufen waren. Es gab noch eine Tombola und schließlich kam dann die Siegerehrung für den Hauptlauf. Dann die Bestürzung: eine riesige Tasche in hellblau, voll mit praktischen Sachen! Das war der Preis… mein Rucksack war voll mit Laufschuhen, Wechselklamotten… prall voll, und Holger und ich waren mit den Rädern da.

Meine Aufzeichnung der Bergdorfmeile mit meine GPS-Uhr.

Ein völlig irrer Tag mit einem völlig irren Wettkampf! Nach Hause ging es dann mit dem Rad, langsam fuhren wir durch die Abenddämmerung und waren um elf Uhr zuhause. Meine Preise brachte parkrunner Michael dann heute vorbei. Ich hätte es außerdem sehr bevorzugt, von Emma verdient geschlagen zu werden, statt hinterher zu erfahren, dass sie leider krank fehlte.

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