Schnell zum Ziel mit dem Rad

Es scheint auf der Straße und den Radwegen zwei Hauptstrategien zu geben, mit dem Fahrrad schnell ans Ziel zu kommen. Natürlich können diese auch in Kombination eingesetzt werden, aber ich stelle fest, dass es durchaus eine Fraktion gibt, die die eine, und eine, die die andere Möglichkeit eher nutzt:

  1. Ausdauer und Kraft – recht flott fahren, wo es geht, in die Pedale treten und schnell nach einem Halt wieder auf eine Reisegeschwindigkeit kommen.
  2. Rote Ampeln und andere gemäß StVO verbindliche „Hindernisse“ als Vorschläge begreifen und einfach drüber weg fahren.

Das ist nun natürlich etwas suggestiv und provokant formuliert. Ich für meinen Teil hänge zwar hinreichend an meinem Leben und meiner Gesundheit, um immer damit zu rechnen, die Vorfahrt genommen zu bekommen – aber an Stellen, wo der Autofahrer von rechts eine Kante hat oder aus einer Spielstraße kommt (immer vorausgesetzt, ich fahre berechtigt auf der Straße, weil es keinen als solchen ausgewiesenen Radweg gibt) gewähre ich nicht präventiv Vorrang, nur weil der Autofahrer der Stärkere ist, sondern halte nur, wenn er widerrechtlich sich die Vorfahrt nimmt, motzend und fluchend an.

Rote Ampeln jedoch betrachte ich als obligatorisch, ebenso Vorfahrt oder Sperrungen. Ich fahre auch nicht „ist ja Platz genug nebeneinander“ in den von rechts kommenden anderen Radverkehr hinein. Klar, Fehler passieren immer mal, ich möchte das jedoch nicht zur Regel werden lassen.

Heute erlebte ich es mal wieder: An einer Stelle meines Heimwegs rollte ich munter auf dem Radweg einer sich unterhaltenden, das Handy auf dem Rad nutzenden, Schlangenlinien fahrenden Dreiergruppe hinterher. Ich bestand nicht drauf, dass sie mich vorbeilassen, zumal mein Vertrauen in das Spurhalten der drei Herren eingeschränkt war – nicht wegen irgendwelcher Unterstellungen von Alkohol oder dergleichen, sondern weil ich der von Multitasking durch Unterhalten, Handygucken und Wegfinden gestörten Radbeherrschung der drei nicht über den Weg traute. An einem folgenden Anstieg merkte einer der drei was und forderte die anderen auf, mich vorbeizulassen. Ich nahm an und trat in die Pedale, fuhr auf den Radweg, zur Ampel und stand dann erstmal. Die drei wechselten auf dem Grünstreifen vom Radweg auf die Straße, rollerten bei grüner Geradeaus-Ampel für die Autos quer über je zwei Fahrsteifen pro Richtung und bogen dann rechts in eine Straße. An der Radfahrer- und Fußgängerampel fühlte sich einer der zwei wartenden Radler genötigt, dann auch über Rot rüber zu fahren. Ein anderer und ich warteten. Vermutlich hätte ich die drei Herren mit Handy und allem nochmal überholen dürfen, wenn sie nicht woanders entlang gefahren wären.

Ich bin sicher kein Engelchen, allerdings sind insbesondere Ampeln, Stoppschilder und Vorfahrtsregeln für mich bindend, auch wenn ich einige für den Radverkehr wahrhaft unverschämt geschaltete Ampeln auf meinem Arbeits- und Heimweg habe. Meist hole ich nach einem Drittel des Weges bis zur nächsten Ampel diejenigen wieder ein, die bei Rot drüber gefahren sind, während ich gewartet habe, bis Grün kommt. Freilich gibt’s auch den einen oder die andere, die schnell unterwegs sind und es mit den Regeln mehr als nur „nicht so genau“ nehmen.

Ich für meinen Teil lebe halt damit, dass ich gegebenenfalls an sieben Ampeln auf den mittleren sieben Kilometern meiner Heimfahrt jeweils eine Minute warte. Da nützt mir im Extremfall auch meine Ausdauer und Kraft wenig, selbst mit 17-20 km/h Endgeschwindigkeit sind die, die die Ampeln ignorieren, dann schneller, obwohl ich auf freiem Weg durchaus mal eine drei vorne an der Geschwindigkeit habe – wenn ich Gegenverkehr auf dem schmalen Radweg habe oder Fußgänger dort sind, mache ich natürlich langsamer. Aber tatsächlich glaube ich, dass ich damit sowohl brenzlige Situationen „gegen“ Autofahrer vermeide und auch das Wohlwollen der anderen Verkehrsteilnehmer nicht verspiele.

Gelegentlich bekomme ich dann verwunderte Reaktionen, denn so ein bisschen kann man schon den Eindruck gewinnen, dass Fußgänger und Autofahrer fest davon ausgehen, wer einen Rennlenker fährt, benimmt sich im Straßenverkehr wie ein Ar… Organ, das mit dem finalen Schritt der Verdauung befasst ist.

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