Was macht das mit Dir?

Diese Frage bekommt man oft gestellt. Sie trendet sozusagen. Ich bin nicht sicher, ob ich diese Frage in dieser Form mir selbst stellen möchte – aber vom Sinn her schon. Ich versuch’s mal.

  • Corona-Krise, Klima-Krise, ganz persönliche Krankheits-Krise – was fühle ich dabei?
    Einerseits fühle ich mich hilflos. Ich bin auf andere angewiesen und lerne, dass die anderen nicht immer die Entscheidungen treffen, die ich für richtig halte – und dass genau das meinem Wohl, meiner Wahrnehmung des Allgemeinwohls und nicht zuletzt deren eigenem Wohl nicht zuträglich ist.
  • Corona-Krise, Klima-Krise, ganz persönliche Krankheits-Krise – was folgere ich daraus?
    Auch wenn die anderen vielleicht anderer Ansicht sind, was getan werden muss, auch wenn die anderen vielleicht anderes tun – ich muss das tun, was für mich und aus meiner Sicht heraus für die anderen, vielleicht die Welt am besten ist. Konkret: Ich möchte weniger Auto fahren, ultimativ das Auto ganz abschaffen. Mehr Rad fahren, mehr laufen, den ÖPNV und Fernverkehr nutzen – als Verkehrsmittel und für mich selbst, weil es mir gut tut – Bewegung auf dem Rad und beim Lauf, Zeit zum denken, rumspinnen, kommunizieren in der Bahn, statt stur auf die Straße zu starren. Ich möchte mehr Zeit für mich haben, weniger arbeiten, mehr schlafen, mehr auch mal in die Sauna gehen oder einfach auf dem Sofa liegen.
  • Corona-Krise, Klima-Krise, ganz persönliche Krankheits-Krise – und was mache ich daraus?
    Gelaufen bin ich ja schon, das Auto-Pendeln zur Arbeit habe ich 2018 eingestellt, damals zugunsten des ÖPNV. Ich habe das Fahrradfahren wieder angefangen, nach 20 Jahren Angst wegen eines Unfalls. Ich nutze die Krankheits-Krise, um im Hinblick auf persönliche Prioritäten und Leistungsfähigkeit umzudenken, Krankheit nicht als Stigma, sondern als Warnzeichen zu begreifen – und als Chance, aus akutem Anlass die Work-Life-Balance neu zu verhandeln, ebenso die Mental-Load-Self-Balance neu zu justieren.

Vielleicht versuche ich sogar, künftig dieses „Was macht das mit Dir?“ für mich persönlich in die Fragen „Wie fühle ich mich dabei?“, „Was folgere ich daraus?“ und „Was mache ich daraus?“ aufzusplitten. Mit etwas Glück werde ich sogar, wenn ich den Drang spüre, jemanden zu fragen, was „das“ mit ihm oder ihr „mache“, stattdessen die drei genannten Fragen sequentiell zu stellen.

Und am Ende kann ich sagen: Das macht das mit mir, dass man mich fragt, was das mit mir macht.

Vielleicht verwende ich auch künftig noch öfter die Konjunktion „Und“ als Satz-Eröffnung in der bewusst ironisierten Form und nicht mehr so oft einfach so.

7 Kommentare zu „Was macht das mit Dir?

  1. Ich möchte mehr Zeit für mich haben….

    Das ist wichtig. Arbeit ist nicht alles und „fette Kohle“ im Geldbeutel auch nicht.
    Was sagt dein Männe denn zur Abschaffung des Autos?

    1. Mein Mann hatte zwar Hemmungen damals, als wir sein Auto abschafften (weil es das teurere im Unterhalt und größere war) und mein Auto zu unserem Auto wurde. Aber im Endeffekt ist er von den 1300 Kilometern, die unser Auto dieses Jahr bewegt wurde, widerwillig 120 gefahren, und das, weil unsere S-Bahn derzeit nicht fährt (Bahnsteig wird barrierefrei gemacht) und ich zum Krankenhaus musste. Er fährt äußerst ungern und hat sich dabei verspannt. Mir macht Autofahren weniger aus, aber auch Mitfahrer sind mein Mann und ich lieber in der Bahn als im Auto.

      Was mein Mann zum Abschaffen des Autos sagt? „Weißt Du doch!“, sagte er eben vom anderen Schreibtisch her. Er würde vorher noch gerne schauen, wie das mit Carsharing ist, wenn man doch mal ein Auto braucht. Aber im großen und ganzen sei’s völlig unnötig, das Auto, sagt er. Ist in etwa auch das, was ich sage – nur ruhte die ganze Carsharing-Test-Ambition krankheitsbedingt ein bisschen, die letzten zwei Monate.

      1. *oooh* Ein Mann, der kein Auto fahren mag… seltene Spezies 😆
        Ich würde nur fahren, wenn der Sprit umsonst wäre 😆

        Wenn ihr damit leben könnt, ist es doch wunderbar. Ich könnte es nicht. Jetzt max 15 min zur Arbeit, mit Bus brauch ich locker über eine Stunde. Die Zeit, die ich brauche um mit dem Fahrrad in die entgegengesetzte Richtung zum Busbahnhof zu fahren, bin ich schon fast auf der Arbeit 😉

        1. Er bräuchte 15-20 Minuten mit dem Auto, ca. 25 Minuten mit dem Rad zur Arbeit. Mit dem Bus wäre keine Alternative. Bei mir sind’s 45 Minuten mit der Bahn, 50-65 Minuten mit dem Rad (über 60 Minuten nur, wenn ich massiven Gegenwind habe oder trödele) und mit dem Auto wären es sicher auch 35 Minuten oder mehr. Da sind Fahrrad und ÖPNV schon schwer zu schlagen, wenn man nicht gerne Auto fährt. Wenn das Wetter mal nicht so prall ist und man das Auto abgeschafft hat… für allein die Versicherung unseres Autos, selbst wenn man nicht fährt, könnte er an mehr als 25 Tagen im Jahr mit dem Taxi zur Arbeit und wieder heim fahren, weil das Wetter nicht mitspielt. Ich habe eh ein Monatsticket für das gesamte Netz des lokalen Verkehrsverbunds.

          Mein Mann fährt nicht nur nicht gerne Auto, er hat sogar einen starken Widerwillen dagegen. Spätestens, als wir blinkenderweise, er am Steuer, in einen Parkplatz einbiegen wollten und ein Lieferwagen überholend vorbeischeuerte, die Autos einander touchierten und mein Mann auf Betreiben der gegnerischen Versicherung vor Gericht eine Teilschuld bekam, ist aus „ungern Auto fahren“ ein mächtiger Widerwillen geworden.

        2. Ich tue das seit März 2020, wannimmer ich arbeite und nicht Homeoffice habe. 20 Kilometer eine Strecke sind‘s – ca. ein Liter Sprit.

        3. Respekt, wer selber fährt 🙂
          Ich hab auch einen Kollegen, der jeden Tag eine Stunde mit dem Fahrrad unterwegs ist bzw. 2 Stunden hin und zurück.

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