Entwicklung

Ich habe mal wieder diesen Moment, wo ich zurückschaue. Denn oft ist es ja so: Man denkt, still zu stehen, nicht voranzukommen. Und dann dreht man sich um und sieht die Fußstapfen des Weges, den man bis zum aktuellen Standort gekommen ist. So ging es mir heute. Der Nachbar und die Nachbarstochter waren auf der Straße und die junge Dame radelte etwas skeptisch mit ihrem Fahrrad durch die Gegend. Der Nachbar selbst schraubte dann wieder an ihrem Sattel herum, er hatte einen Sechskant-Schlüssel in der Hand. Ich guckte einen Moment, während ich die Gepäcktaschen und den Hänger (Codename „Greyhound“) an meinem „Red Flash“ befestigte. Offenbar hatte sie eine neuen, komfortableren Sattel bekommen und experimentierte damit herum. Er stellte den Sattel nach eigener Aussage schon das vierte Mal weiter runter.

Dann philosophierten wir ein bisschen über Beinlänge, Sattelhöhe, ergonomische Sitzposition und darüber, die Füße beim Radeln auf den Boden zu kriegen. Schließlich probierte sie es nochmal, dann meinte sie, nun spüre sie es in den Knien. Ich ging in die Hocke und schaute mir die Kurbel an – eine 175er Alivio-Kurbel, allerdings eine alte, die noch nicht auf einer Hollowtech II Nabe sitzt. Dann stand ich auf und verglich ihre Beinlänge mit meiner. Schließlich brachte ich auf, dass man vielleicht über die Zeit mal mit kürzeren Kurbeln versuchen könnte – meine 175er am „Red Flash“ sind zwar für mich noch okay, aber ich bin deutlich größer als die junge Nachbarin… und somit erklärte ich, dass ich zwar eine 172,5er Ultegra-Kurbel links übrig habe, aber leider ist das halt eine für Hollowtech II Innenlager, und somit nicht kompatibel zum Austesten – eine rechte Kurbel hätte ja immer noch gefehlt. Schließlich erklärte ich noch, dass man eine Kurbel so lang wie möglich und so kurz wie nötig wählen solle – längerer Kurbelarm gibt besseres Drehmoment, zu lange Kurbel belastet die Knie.

Vermutlich habe ich nur Ideen geliefert, wonach die Nachbarn suchen können, um das Problem zu lösen. Aber mich brachte es zum Nachdenken:

Im November 2019 bekam ich von meinem Schwiegervater den „Silver Surfer“, ein Alu-Mountainbike geschenkt. Ich hatte erst Probleme zu fahren, dann lernte ich ein bisschen mehr. Dann versuchte ich, die verstellte Schaltung neu einzustellen, schaffte es, aber machte einen Fehler, so dass mir die Kette runtersprang. Auch das kriegte ich wieder auf die Reihe. Dann lernte ich ein bisschen was über Einstellung der Schalt- und Bremszüge, schließlich im Juni 2020 kaufte ich mir den „Green Scooter Killer“. Zuerst fiel mir die Technik der Räder noch schwer, aber inzwischen habe ich eine Leistungsmesserkurbel links montiert – sogar zweimal. Ich weiß ein bisschen was über Innenlager-Standards bei Shimano-Kurbeln, habe meinem Mann die Scheibenbremsen gewartet und meine Ultegra-Felgenbremsen repariert. Ich fürchte mich ein bisschen vor der Montage, bin aber zuversichtlich, eine rechte Leistungsmesserkurbel und ein neues Innenlager montieren zu können, sobald die Kurbel für den Green Scooter Killer da ist – außerdem habe ich am Lenker Zeitfahr-Extensions montiert.

In anderthalb Jahren bin ich von einer, die kein Rad fährt, zu einer geworden, die teils ihre Räder schon selbst wartet – und zumindest bis zu einem gewissen Grad auch anderen dabei helfen kann. Irgendwie komme ich nicht drum herum, auf meine Fußstapfen (oder eher Reifenspuren) der letzten 18 Monate Radfahren zu schauen und zu denken: „Is’n Ding!“

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