GemeinsamRun, zweiter Teil

Der GemeinsamRun des Badenmarathons ist eine Veranstaltung, die mir sehr viel mehr Wettkampfgefühl gegeben hat als alle anderen virtuellen Läufe dieses Jahr. Man hat eine echte Startnummer mit Transponder, eine entsprechende Startnummer, es sind auch Läufer auf der Strecke – halt nicht im Massenstart und nicht so viele, da man in drei Wochen zu einem beliebigen Zeitpunkt (und auch öfter, schnellster Lauf zählt) laufen kann. Nach dem ersten Durchgang, dem Lauf zum Rhein, gab es nun den zweiten Teil, den Lauf durch den Hardtwald.

Angeboten wird stets ein Zehn- bis Zwölfer und ein Halbmarathon. Meine beiden Laufpartner, die beiden Michaels, und ich laufen natürlich immer den Halbmarathon. Schließlich wäre das Laufprojekt in einem normalen Jahr ein Marathon, ganz klar, da ist der Zehner ein wenig kurz. Mindestens für einen der beiden und für mich wäre ein schneller Zehner auch attraktiv, aber auf nicht abgesperrter Strecke in teils städtischem Gebiet ist der Druck, den man bei einem schnellen Zehner läuft, illusorisch und gefährlich. Also gibt’s den Halbmarathon. Beim ersten Lauf sind wir bis kurz vor dem Ziel gemeinsam gelaufen, 1:41 mit kleinen Sekundenunterschieden gab’s für uns alle. Nun beim zweiten Lauf hatten die beiden Michaels bei der Anreise per Auto als Ziel 1:39:xx ausgerufen. Es hieß also, etwas schneller zu laufen. Ich kündigte an, nach der druckvollen Kilometerbolzerei für den Weingartner Lebenslauf und der Anreise per Rad sei das dafür nötige Tempo vielleicht dann etwas hoch. Aber es ging… der kleinere der beiden Michaels zog am Anfang gleich richtig an, 4:35/km war das Tempo. An der ersten Brücke über den Adenauerring zog er auf der Steigung das Tempo sogar noch an, das macht er gerne. Wir waren gut unterwegs.

Als es dann durch den Wald langsam in die Länge des Laufes ging, musste er aber Federn lassen und ließ abreißen. Der größere der beiden Michaels und ich liefen weiter – wir wussten ja, dass wir uns im Ziel treffen würden. Zudem waren wir beide auf seinen Autoschlüssel angewiesen – Michael wegen der Heimfahrgelegenheit, ich wegen meines Rucksacks in seinem Kofferraum. Mit 4:40 pro Kilometer zogen wir bis an den Pfinz-Entlastungskanal, grüßten andere Läufer nett und suchten unseren Weg – noch immer gut in der Zeit. Irgendwo zwischen Pfinz-Entlastungskanal und KIT Campus Nord im Wald meinte Michael das erste Mal, ich sollte ruhig das Tempo anziehen, wenn ich wolle. Aber noch wollte ich nicht. Es lief sich gut zusammen und ich hätte vielleicht schneller gekonnt, aber so richtig zurückgehalten kam ich mir nicht vor. Dann, nach Durchqueren der Waldstadt, bei Kilometer 19 und drei Aufforderungen, es laufen zu lassen weiter, kam ich drauf zurück. Ich zog das Tempo an und von Michael weg… der nächste Blick nach hinten zeigte schon veritablen Vorsprung, die Uhr zeigte einen Temposprung von 4:35/km auf 3:25/km. Woah! In diesem Tempo stürmte ich den Weg entlang…

Von einem Seitenweg durch die Wiese kam da ein älterer Radler heran, machte langsam, um mich durchzulassen, wurde an der Steigung zu langsam und kippte um. Es kann keine gute Zeit so wichtig sein, so jemanden liegen zu lassen, selbst wenn er sagt, es sei alles okay. Ich half ihm beherzt auf, ließ mir noch dreimal versichern, es ginge ihm gut, hob ihm sein Fahrrad auf. Er meinte, ich sollte weiter laufen. Das tat ich dann – Michael hatte auf 50 Meter aufgeholt und ich stürmte wieder davon. Im Ziel sagte mir ein Herr in der Jacke der LG Region Karlsruhe, wenn mein gesamter Lauf so schnell gewesen sei wie der Zieleinlauf, dann müsse eine gute Zeit da stehen. Ich sagte, dass wir anfangs nicht so schnell gewesen seien und dass ich dem älteren Herren hatte aufhelfen müssen. Fand er gut!

Da kam auch schon Michael ins Ziel, er meinte, der Herr habe einen guten Eindruck gemacht, und als einige Minuten später der zweite Michael ins Ziel kam, muss der Herr schon weiter gefahren sein, er hatte ihn nicht mehr gesehen. Also alles gut! Dass so ganz nebenbei eine Zeit unter 1:36 für mich und eine 1:37 für den großen Michael zusammengekommen war, war da ein angenehmer Nebeneffekt. Ein wenig bestürzt bin ich darüber, welch krassen Turbo ich bei Kilometer 19 gezündet hatte. Vermutlich kann ich wirklich noch etwas schneller, wenn ich allein laufe und mal drei Tage vor dem Lauf regeneriere, statt Kilometer auf dem Rad und auf Laufschuhen zu bolzen.

Auf dem Heimweg bin ich dann nicht nur in den Gegenwind gekommen, sondern auch noch ein bisschen nass geworden. Das war dann aber auch nicht so schlimm.

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