Happy in the Saddle but born to run

Vor vielen Jahren – im Teenager-Alter – wurde ich von meinem Vater mit dem Rennradfahren angesteckt. Er selbst hatte das Radfahren aus sehr praktischen Gründen angefangen: Seine Abduktoren (glaube ich rückblickend) waren zu stark, zogen das Knie krumm, wie er es ausdrückte. Er hatte keine Zeit für Krankengymnastik oder eher: Wollte sich diese nicht nehmen. Also bekam er zum Stärken der Adduktoren als Antagonisten der Abduktoren den Tipp, Rad zu fahren. Er fuhr also zur Arbeit und wieder heim mit dem Rad – 14 Kilometer eine Strecke. Weil mein Vater keine halben Sachen macht, landete er recht schnell bei Geschwindigkeitsoptimierung und damit beim Rennrad. Meine Schwester und ich zogen mit und bekamen Rennräder… und mit 17 war das Rennradeln für mich schon wieder vorbei, da ich in einem Unfall gegen einen Geländewagen etwas Metall (zum Wiederanschrauben des abgerissenen Innenbands im rechten Knie) und viel Angst an Bord holte.

Das Laufen entdeckte ich später. Meine Kopfschmerzen – wetterfühlig und wegen Spannungen – uferten in meiner Promotionszeit aus und meine Ärztin empfahl mir gegen Kopfschmerzen und Stress das Laufen. Gesagt, getan, ich lief – nicht viel, nicht schnell, anfangs. Auch immer wieder mit Unterbrechungen, aber irgendwann sagte mein Mann: „Fang‘ wieder an zu laufen, Dein Kopfweh kommt ja schon jeden Samstag!“ Dann warf mir meine Colitis ulcerosa einen Knüppel zwischen die Beine, denn ich sollte wegen des Immunsuppressors nicht mehr in die Sonne. Aber den wurde ich auch wieder los.

Seit 2017 laufe ich regelmäßig. Seit 2020 fahre ich wieder regelmäßig Rennrad… zehn Kilometer Laufen im Tagesschnitt, zwanzig Kilometer Radfahren im Tagesschnitt sind’s. Phasenweise dachte ich: „Himmel, löst das Radfahren das Laufen nun doch ab?“ So hätte man denken können im September 2020, als ich in einem Monat 1400 Kilometer auf dem Rad abspulte – aber bereits im Folgemonat kam mein bisher stärkster Laufmonat mit 470 Kilometern auf Laufschuhen.

Konkurrieren die beiden Sportarten? Manchmal schon. Aber oft genug setze ich das Rad zur Anreise zu einem Lauf ein, oder trainiere im Duathlon-Modus. Das Rad bedient meine Technik-Begeisterung, die beim Auto bei mir einfach nicht zündet. Aber am Ende des Tages ist es – nicht nur wegen der darin beschriebenen Aspekte – so wie im Buch von Christopher McDougall: Ich bin „Born to Run“. Das kann ich am besten – Fahrrad fahre ich im Verhältnis zu den Cracks eher langsam und die Angst ist immer noch da, wenn die Kreuzungen unübersichtlich und die Abfahrten steil und kurvig sind. Aber beim Laufen bin ich selig!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.