Maß-Nahmen

Seit nicht allzu langer Zeit fahre ich wieder Fahrrad – genau genommen seit siebzehn Monaten. Wieder angefangen habe ich im Dezember 2019. Seit noch kürzerer Zeit übe ich mich im Inlineskaten, nämlich seit Dezember 2020. Bei Inlineskaten ist das „wieder“ ein ziemlich weiter Schuss, denn ich habe in meinen Teenager-Jahren gerade mal einen Satz Rollen an günstigen Inlinern abgefahren, und nicht einmal innerhalb des Rollensatzes tauschen müssen. Das war also nicht so viel.

Nun bedienen beide Sportgeräte – Rennräder und Inlineskates – meine Freude an Technik. Bei den Rennrädern kenne ich mich einigermaßen wieder aus. Ganz am Anfang, als ich das von meinem Schwiegervater geschenkte Mountainbike wieder fit machte, hatte ich erst meine kleinen Problemchen, mich an das Einstellen von Schaltungen zu erinnern und die Details hinzubekommen, aber dann wurde es recht schnell. Inzwischen traue ich mir zu, meine linken Tretkurbeln auszutauschen, sobald die Leistungsmesserkurbeln dann kommen. Sollte ganz gut gehen, mit dem Shimano Hollowtech II Standard. Nach einigen Wortfindungsproblemen, bei denen mir unter anderen Ko-Autor Manuel unter die Arme griff, bin ich auch mit Zahnkränzen, die sich in Kettenblätter und Ritzel aufgliedern, mit Umwerfern, Schaltwerken und Innenlagern wieder halbwegs vertraut. Ich finde auch die Einstell-Rädchen für meine Bremse, auch wenn sie bei den integrierten Ultegra-Schalt-Brems-Hebeln am Rennrad nicht am Schaltgriff, sondern an der Bremse hängen.

Bei Inlineskates stand ich dagegen noch ein bisschen auf der Leitung, bis ich jetzt mal etwas rumprobiert habe. Man hat die Rolle, in deren Nabe zwei Kugellager und ein Spacer sitzen, durch den wiederum eine Achse gesteckt wurde. Als es daran ging, bei meinen günstigen 4x78mm-Skates nun die langsam den Gang alles Sterblichen gehenden Rollen zu ersetzen, maß ich die Achsen…

Sehr irritiert registrierte ich: Außendurchmesser der Achsen meiner alten Skates: 4mm, Außendurchmesser das Achsen meiner neuen 3x110mm-Skates: 6mm. Bei Rollen wird natürlich der Durchmesser der Rolle angegeben, das Loch in der Mitte nahm ich als genormt an (richtig!), die Kugellager in Innen- und Außendurchmesser auch als stets gleich (ebenfalls richtig!). Nun wurden dazu 8mm-Spacer und 6mm-Spacer verkauft… was mache ich also mit 4mm-Achsen? Ich baue also aus Rolle, zwei Lagern und einem Spacer eine Ersatzrolle für meine großen Skates zusammen, um es auszuprobieren und stelle fest: Oh. Der 6mm-Spacer ist viel zu eng für die 6mm-Achsen! Es wird also der Außendurchmesser angegeben – und wenn da in Anleitungen sowas Ähnliches wie „6mm-Achsen“ steht, sind „Achsen, die zu 6mm-Spacern passen“ gemeint, also Achsen mit Außendurchmesser 4mm!

Also nahm ich die 110mm-Rolle mit zwei Kugellagern und 6mm-Spacer wieder auseinander, verbuchte eine halbe Stunde herumwerkeln unter „Erfahrung“, füllte meine acht 6mm-Spacer in einen Ziplock-Beutel. Nun wusste ich, was ich bestellen musste, und wenn diese Bestellung ankommt, werde ich acht neue Rollen (Leuchtrollen! Shiny! Yay!) für meine „kleinen“ Skates mit Lagern und Spacern haben, außerdem einen kompletten Sechser-Satz Ersatzrollen für meine „großen“ Skates und neue 8mm-Spacer für die bisherigen Rollen in den großen Skates.

Denn auch bei den 8mm-Spacern gibt es, wie ich feststellen durfte, für die unbedarfte Neuskaterin eine Tücke: Oft (und so auch bei den ab Werk eingebauten Rollen meiner „großen“ Skates) sind die 8mm-Spacer, die einfach die Kugellager davon abhalten sollen, im Mittelloch der Rolle zusammengedrückt zu werden, einfach nur Hülsen mit 8mm Außen- und 6mm Innendurchmesser. Das Loch in der Rolle und damit der zylindrische Zwischenraum zwischen den Kugellagern ist aber viel größer als 8mm im Durchmesser! Die kleine Hülse verschiebt sich also munter zwischen den Lagern, wenn die Achse nicht drinsteckt, und wenn man die Achse bei Montage durchstecken will, muss man erstmal den Spacer hinbalancieren, damit die Innenlöcher der Kugellager und der Spacer einen durchgängigen Kanal bilden. Bestellt habe ich mir daher Spacer, die 6mm Innendurchmesser, 8mm Außendurchmesser und einen in der Mitte aufgesetzten Steg haben, der den Spielraum, in der Rolle zu verrutschen, einschränkt. Davon verspreche ich mir leichtere Montage.

Ich finde immer wieder faszinierend, wie man erst die Konvention erlernen muss, bei welchen Komponenten welches Maß gilt. Instinktiv hätte ich die verschiedenen Systeme bei Inlinern nach dem Durchmesser der Achse benannt erwartet, also Vier-Millimeter-Achsen, zu denen „Spacer für 4mm-Achsen“ passen. Nun gut, ich habe ja zum Glück keinen Fehlkauf getätigt, sondern nur im ersten (falschen) Anlauf einen Teil Komponenten für meine „kleinen“ und einen Teil Komponenten für meine „großen“ Skates gekauft und dann „am Gerät“ gelernt, welches Maß welches System benamt. Man könnte sagen: Maßnahmen zum Herausfinden der Maß-Namen!

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