Leistungsverhältnis

Ich fange gerade eine Sportart an – das Inline-Skaten. Radfahren betreibe ich seit einem Jahr wieder, seit einem halben Jahr mit etwas mehr Druck. Das Laufen hat seit vier Jahren einen ambitionierten Charakter. Das definiert gewisse Verhältnisse…

Mir war schon klar, dass es so ist, aber in letzter Zeit fiel mir dann auch auf, dass meine Radfahr-Leistungen hinter dem zurückbleiben, was man vom Laufen her vielleicht erwarten würde. Kunststück: Beim Laufen stecken nicht nur drei Jahre mehr intensives Training drin, eigentlich sogar dreieinhalb, nein, beim Radfahren bremst mich auch noch die tiefsitzende Angst vor dem unerwarteten Geländewagen von rechts. Dem Geländewagen, der mir mit dem Recht der Vorfahrt im Nacken das Knie zertrümmert. Das ist da noch die Angst vor dem in der schnell gefahrenen Kurve wegrutschenden Vorderrad. Beim Skaten bin ich sowieso entsetzlich viel langsamer als die Cracks meiner Sport Löwen Baden, aber das ist ja auch kein Wunder: Die haben viele Tausend, eher Zehntausend Kilometer Skaten intus, ich in den letzten 20 Jahren gerade erst knappe 80. Das spielt eine wesentlich größere Rolle als das noch nicht vorhandene „gute“ Material in Sachen skaten.

Warum betreibe ich eine solche Standortbestimmung? Nun, ganz einfach. Nicht nur, dass mein hiesiger Ko-Autor Manuel auf dem Mountainbike (also gegen deutlich stärkeren Widerstand) auf meiner Arbeitsweg-Strecke schon schnellere Leistungen abgeliefert hat als ich mit dem Rennrad – zumindest auf Stand vor einem Vierteljahr. Ich habe lange nicht mehr diesen Vergleich bemüht, er ist auch müßig, denn die Person, mit der ich mich zu vergleichen habe, ist mein früheres Ich.

Es gibt aber einen weiteren Anlass: Am Freitag gestaltete ich mein Training nach der Arbeit zum Wochenende hin mit einem duathlon-artigen Koppeltraining: 13 Kilometer Laufen, 28 Kilometer Radfahren, 12 Kilometer Laufen. Beim Laufen kam über beide Aktivitäten hinweg ein Schnitt von 5:09 pro Kilometer rum, also knappe 12 km/h, während die Radfahrt bei 24,8 km/h lag. Die Radfahrerei mag nicht unbedingt langsam sein, dem Leistungsniveau, innerhalb einer Multisporteinheit von drei Stunden und 20 Minuten einen Schnitt von fast 12 km/h zu laufen, entspricht sie aber nicht – nein, dafür ist sie eigentlich schwach. Das merkte ein anderer Sportler in meiner Facebook-Laufgruppe an: Er habe sich gewundert, warum ich so langsam radle. Etwas später sah ich, dass er seit Jahrzehnten Rennrad fährt, aber noch nicht so lange läuft – und gerade erst den Halbmarathon in unter einer Stunde laufen kann.

Mein Geschwindigkeitsverhältnis von ca. 1:2 zwischen Laufen und Radfahren spiegelt durchaus wider, dass Laufen meine Sportart ist, seit langem, während das Radfahren mir zwar Spaß macht, aber noch LANGE nicht wieder auf dem Niveau stattfindet wie es das Laufen jetzt tut. Bei anderen ist das Tempo-Verhältnis vielleicht 1:3 sein, also 6:00 pro Kilometer (10 km/h), mit Abweichungen nach „schnell“ bei ambitionierten Wettkämpfen, und eher 30 als 25 km/h beim Radeln.

Dabei kam mir die Erkenntnis, dass viele Sportler nicht „das eine Leistungsniveau“ haben, das für alle Ausdauersportarten gilt. Nein, manche fahren durch Erfahrung, Talent und einschlägiges Training schneller Rad, als das dem allgemeinen Ausdauerfitnessniveau entspricht, laufen aber langsamer als das. Bei mir ist es umgekehrt – und zwar ganz genau deswegen: Laufen trainiere ich sportartspezifisch und ambitioniert seit vier Jahren, Radfahren erst seit einem halben Jahr wieder. Man wird sehen, ob ich mehr Zutrauen zu meinen Bremsen und meiner Reaktionsfähigkeit, einen besseren Instinkt für den richtigen Gang und eine bessere Detailausformung der Radfahrmuskulatur über die nächsten drei Jahre erwerbe.

Allerdings muss ich gestehen: Auch wenn das Laufen schon deutlich ausgereizter ist als Radfahren oder Skaten, zumindest bei mir, bleibt Laufen mein Hauptsport, in dem ich weitaus mehr noch am Optimieren und Formen bin als beim Rest. Denn das ist, so gerne ich es tue, nur Alternativsport. Hauptsport bleibt Laufen, und vermutlich wird man das dann auch immer in den Verhältnissen der erbrachten Leistungen zwischen den verschiedenen Ausdauersportarten sehen.

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