Was lange währt…

Ich habe lange über eine Sache nachgedacht, verschiedene Optionen gewälzt und mich damit befasst, ob ich es tun soll oder lieber nicht. Seit Oktober, eigentlich sogar schon länger gärt ein Gedanke in meinem Kopf. Allerdings wurde erst Ende November und jetzt im Januar wirklich offenbar, dass ich mir Gedanken gemacht hatte, die eben nicht einfach nur hypothetisch sind. Im Moment ist die Sache zudem nur bedingt akut, weil ich eh viel im Homeoffice bin.

Es geht um’s Radeln bei Schmuddelwetter. Lange war es letztes Jahr trocken und angenehm zu radeln, kein Problem. Mein Rennrad, der „Green Scooter Killer“ mit grünem Carbon-Rahmen, schmalen Reifen und zwei Kettenblättern vorne und elf Zahnkränzen hinten, ist leicht, leichtgängig und schnell. Aber ein paar Dinge hat es halt definitiv nicht und die werde ich auch nicht dranbauen: Schutzbleche zum Beispiel. Tragegestelle für Satteltaschen haben an dem Renner auch nichts verloren. Also pendelte ich bei gutem Wetter mit dem „Green Scooter Killer“ und einem Rucksack zur Arbeit und wieder zurück. Einen weiteren Nachteil hat der Carbon-Rahmen in diesem Zusammenhang: Der Fahrradkeller auf der Arbeit ist eng und oft müssen Räder umgestellt werden, wenn jemand sein Rad noch reinstellt oder früher rausholt. Es mag paranoid sein, aber ich bin nicht sicher, ob jemand, der schnell nach Hause will oder spät zu einem Termin kommt, so auf den Carbon-Rahmen aufpasst, wie ich das gerne hätte.

Mit dem Mountainbike die zwanzig Kilometer zur Arbeit zu fahren und später wieder zurück, das war’s dann aber auch nicht. Die Wege sind zu gut, um damit leben zu wollen, dass das Mountainbike halt doch ein ganzes Stück schwergängiger ist, außerdem hat’s auch keinen Gepäckträger… und der Rahmen ist aus Aluminium, das dann doch etwas leichter vermackt.

Also wuchs in meinen Gedanken ein Anforderungsprofil: Ein Stahlrahmen, Schutzbleche, Halterungen für Satteltaschen, am besten auch die Möglichkeit, im Extremfall viel Gepäck dran unterzubringen. Etwas breitere Reifen, bei denen nicht jedes Steinchen zum Wegspringen und Ausbalancieren führt, waren auch gewünscht. Dazu sollte das Rad eine robustere Schaltung haben als mein Rennrad, denn meine heißgeliebte Ultegra mag die Menge an Matsch, Sand und Schmodder, die man beim Radpendeln im Winter abbekommt, nun nicht so unbedingt… und nun habe ich es getan. Ich besitze nun ein drittes Fahrrad:

Der „Red Flash“.

Gekauft habe ich mir ein Trek 520, dazu Schutzbleche zum Selbstmontieren, die auf dem vorliegenden Bild auch noch nicht am Gerät sind. Heute kam die Maschine – die mitgelieferten Pedale habe ich nicht verwendet, sondern stattdessen Kombipedale montiert, die mir Experimente mit Klick-Schuhen erlauben, aber auch eine Plattform für Nicht-Klick-Schuhe haben. Zu den im Vergleich zum „Green Scooter Killer“ jeweils zwei Zähne kleineren Kettenblättern vorne kommt an der Kurbel des „Red Flash“ zusätzlich noch ein kleines Kettenblatt, falls es mal gar nicht geht. Hinten ist nur eine Neuner-Kassette dran, aber bei drei Kettenblättern vorne braucht’s auch nicht mehr, und mit Neuner-Kassette kann alles etwas breiter und robuster sein als mit der Elfer-Kassette beim Renner. Im obigen Bild sind ebenfalls noch nicht montiert: Die Aero-Halterung für meinen Garmin Edge 830, den ich letztes Frühjahr bei Eiswürfel im Schuh gewonnen habe, und meine Varia UT800 Frontleuchten sowie die Halterung für mein Garmin Varia RTL 511 Rücklicht mit Radar. Das ist inzwischen alles dran.

Probefahrt. Tally im nostalgischen „ONCE“-Trikot auf dem „Red Flash“.

Auf einer ersten kleinen Probefahrt bei heute recht gutem Wetter, aber immer noch Matsch auf den Wegen, konnte ich verifizieren: Der „Red Flash“ leistet, wofür ich ihn mir gekauft habe. Ersetzen wird der den „Green Scooter Killer“ freilich nicht. Wenn das Wetter gut genug und der Rucksack leicht genug ist, bin ich ziemlich sicher, dass der erste Griff zum grünen Carbon-Rahmen gehen wird. Aber die Alternative war mir wichtig und ich habe recht lange gezögert – die Läden waren im Corona-Jahr 2020 sehr ausgeplündert, dann hatten sie zu, der Wunsch nach einem Stahl- statt Alurahmen ließ die Verkäufer den Kopf schütteln. Aber nun bin ich sehr glücklich, dass ich erstens trotz weiteren Denkens und Recherchierens feststellen durfte, dass meine Idee für mich Hand und Fuß hat und dableibt – und ich sie nun verwirklicht habe. Ich bin mal gespannt, ob ich trotz Sturms morgen einen geschäftlich nötigen Weg, der sich auch in der Pandemie nicht vermeiden lässt, schon mit dem neuen Rad absolviere – oder ob ich bei Böen bis 60 km/h, auf dem Heimweg als Gegenwind, dann doch lieber mal ausnahmsweise mit dem Auto fahre.

Zwei Sachen mussten dann gleich sein: Die schon erwähnte Probefahrt und das Putzen des „Green Scooter Killer“. Das lohnte sich jetzt richtig, denn der schnelle Carbon-Renner muss ja nun nicht in den Schmodder, da konnte ich den Rahmen richtig schön waschen, die Kette und die Zahnkränze von Dreck, Sand und Schlamm befreien und anschließend ein bisschen fetten. Die Krallenpedale am „Green Scooter Killer“ habe ich bei der Gelegenheit auch gleich durch Kombipedale ersetzt, so dass eben insbesondere auch der Carbon-Renner jetzt fit ist für meine ersten Fahrversuche mit Klickschuhen.

6 Kommentare zu „Was lange währt…

        1. Tue ich auch nicht. Unser Auto wurde im vergangenen Jahr vielleicht 2000 Kilometer bewegt, 1200 davon entfielen auf zwei Besuche bei Freunden am Mittelrhein, die wir in nicht-Pandemie-Zeiten mit der Bahn besucht hätten. Mein Mountainbike wurde im selben Zeitraum 2800 Kilometer bewegt, das grüne Rennrad kam auf 5050 Kilometer. Wären nicht schwere Getränkekisten am Start und gelegentlich doch mal eine Reise, unser Auto würde gar nicht mehr gebraucht. Würden wir nicht auf dem Dorf wohnen, wäre ich durchaus geneigt, für „das nächste Auto“ in x Jahren nicht von „E-Auto“ zu fabulieren, weil es eher unserem Nutzungsprofil entspricht, sondern nur Fahrräder in die Garage zu stellen und wenn man doch mal ein Auto braucht, auf Carsharing zurückzugreifen. Naja, wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

          Gemessen daran, dass ich seit 01.12.2019 erst überhaupt wieder Rad fahre, ist ganz schön krass, dass ich inzwischen mehr Rad als Auto und Schiene zusammen fahre.

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